Lockere EZB-Geldpolitik stimmt Aktienanleger optimistisch

Der Dax legte um 0,4 Prozent auf 15.679 Zähler zu, der EuroStoxx50 rückte um 0,6 Prozent vor. Die EZB hatte am Donnerstag angekündigt, das Tempo ihrer Krisen-Anleihenkäufe moderat zu verringern. Eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Notfall-Programms fällten die Euro-Wächter aber noch nicht. “Dieses äußerst vorsichtige Vorgehen zeigt, dass die Börsianer von der EZB auf absehbare Zeit nicht mit all zu viel Gegenwind rechnen müssen”, prognostizierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Das auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegte PEPP-Programm ist eines der Hauptinstrumente der EZB, um den Kreditfluss an die Wirtschaft während der Corona-Krise zu stützen. Zuletzt wurden im Rahmen von PEPP Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von monatlich rund 80 Milliarden Euro erworben. Insidern zufolge wurde auf der jüngsten Zinssitzung nun ein flexibles monatliches Kaufziel innerhalb einer Spanne von 60 bis 70 Milliarden Euro vereinbart. Die PEPP-Käufe sollen noch bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden.

EURO TRITT AUF DER STELLE

Der Euro zeigte sich von dem EZB-Entscheid relativ unbeeindruckt. Es sei wenig wahrscheinlich, dass das PEPP-Programm schon im März auslaufe, schließlich seien die Volumina am Donnerstag nur moderat reduziert worden, schreibt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. Daher gebe es für den Devisenmarkt vorerst auch keinen Grund, den Euro-Wechselkurs zu überdenken. Die Gemeinschaftswährung notierte kaum verändert bei 1,1845 Dollar. Am Rentenmarkt fielen die Reaktionen deutlicher aus, vor allem bei den Bonds südeuropäischer Staaten. Die Verzinsung zehnjähriger griechischer Anleihen fiel auf 0,754 Prozent zurück – am Mittwoch hatte sie noch bei 0,858 Prozent gelegen. Auch für die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsbonds ging es abwärts.

NEGATIVER ANALYSTENKOMMENTAR MACHT FMC ZU SCHAFFEN

Unter den Einzelwerten ragten im Dax nach einem negativen Analystenkommentar Fresenius Medical Care heraus. Die Aktien fielen in der Spitze um 4,4 Prozent auf 62,02 Euro, den tiefsten Stand seit mehr als fünf Monaten. Die Analysten von JP Morgan rechnen damit, dass die steigende Zahl der Covid-19-Patienten langfristige Auswirkungen auf die Umsatzentwicklung des Unternehmens haben dürfte. Die Pandemie trifft FMC besonders, da gerade Dialysepatienten anfälliger für Covid-19 sind. Die Titel des Mutterkonzerns Fresenius gaben rund ein Prozent nach.

Auf der Gewinnerseite konnten Adidas, Delivery Hero und Infineon punkten. Sie legten zwischen 2,1 und 1,9 Prozent zu. Im MDax rückten Puma um 2,2 Prozent vor.

In Paris setzt der bevorstehende Abstieg aus dem Pariser Auswahlindex CAC40 Atos zu. Die Aktien der IT-Firma fielen um drei Prozent. Den Platz von Atos nimmt zum 17. September die Diagnostik-Firma Eurofins ein, deren Aktien zeitweise 1,9 Prozent gewannen.

 

Dax steigt auf 16.000 Punkte – Kursfeuerwerk bei Zooplus

Der Dax übersprang am Freitag erstmals die psychologisch wichtige Marke von 16.000 Punkten. Schon in den Tagen zuvor war er von Rekord zu Rekord geklettert. “Mit den neuen Allzeithochs hat sich die Stimmung auf dem Parkett deutlich verbessert”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. “Wir sehen wieder Neu-Einstiege und Aufstockungen von Positionen.” Hält die positive Tendenz an besteht nach Ansicht von Marktstratege Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets für die kommende Woche eine gute Chance auf weitere Bestmarken über der magischen 16.000er Marke. Am Freitagnachmittag notierte der Dax knapp darüber. Der EuroStoxx50 lag 0,2 Prozent im Plus bei 4235 Punkten. Auch die US-Börsen nahmen vorbörslich Anlauf auf neue Bestmarken.

Trotz aller Rekorde sei vor zu viel Sorglosigkeit zu warnen, sagten die Strategen der Helaba in ihrem Wochenausblick. Mit der Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus trübe sich der wirtschaftliche Ausblick. “Insbesondere Asien tut sich mit der Bekämpfung schwer.” Die Teilschließung eines der verkehrsreichsten Containerhäfen der Welt werde weitere Unterbrechungen der Lieferketten mit sich bringen.

NACHFRAGESORGEN WEGEN DELTA-VARIANTE LASTEN AUF ÖLPREISEN

Skeptisch blieben auch die Anleger am Rohölmarkt. Brent-Öl verbilligte sich um bis zu 1,2 Prozent auf 70,44 Dollar je Fass. Die Internationale Energiebehörde IEA hatte wegen der steigenden Delta-Fallzahlen ein gebremstes Wachstum der Ölnachfrage prognostiziert. “Das zehrt immer noch an den Nerven und stoppt die Preisrally”, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Handelshaus Oanda. Die Virus-Ängste spiegelten sich auch in einem höheren Goldpreis wider. Das als Absicherung genutzte Edelmetall verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 1758 Dollar die Feinunze.

ÜBERNAHME TREIBT ZOOPLUS AN

Eine Kursexplosion gab es beim Online-Tierbedarfshändler Zooplus nach einer Übernahmeofferte. Die Papiere sprangen um 43,1 Prozent auf 398,20 Euro. Der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman bietet 390 Euro in bar je Zooplus-Aktie.

Anleger stiegen zudem bei Adidas nach dem Verkauf der Sportartikel-Marke Reebok ein. Der Konzern will einen Teil des Erlöses an die eigenen Aktionäre ausschütten, als Dividende oder in Form eines Aktienrückkaufs. Adidas-Aktien gewannen 2,6 Prozent und standen damit an der Dax-Spitze.

Ein Rückschlag bei einem Medikament drückte den Kurs von Ipsen in Paris um neun Prozent. Der Konzern zog den Zulassungsantrag für sein Mittel Palovaroten zurück. Das Produkt soll eine mögliche Behandlung für eine extrem seltene Krankheit sein, die dazu führt, dass Muskeln und Gewebe verknöchern.

Auch bei Varta gab es nach mit Enttäuschung aufgenommenen Wachstumszahlen lange Gesichter. Papiere des Apple-Zulieferers brachen bis zu zehn Prozent auf ein Dreieinhalb-Wochen-Tief von 136,85 Euro. “Letztes Jahr im zweiten Quartal schlug die Pandemie zu und alle kauften die neuen AirPods Pro wie verrückt. Aus Marktsicht gab es also nicht viel Spielraum für weiteres Wachstum”, sagte Robert-Jan van der Horst, Analyst von Warburg Research.