US-Finanzministerin – Womöglich moderate Erhöhung der Zinsen nötig

“Es könnte sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um sicher zu stellen, dass unsere Wirtschaft nicht überhitzt”, sagte Yellen in aufgezeichneten Bemerkungen zu einer Online-Veranstaltung des Magazins “The Atlantic” am Dienstag. Dabei sprach sie von “sehr moderaten Erhöhungen” der Zinsen. Die US-Wirtschaft benötige jedoch die Investitionen, um wettbewerbsfähig und produktiv zu sein. “Ich denke, unsere Wirtschaft wird durch sie schneller wachsen,” ergänzte sie.

Später sagte Yellen auf einer Veranstaltung vom “Wall Street Journal”, sie gehe nicht davon aus, dass die Inflation ein Problem für die US-Wirtschaft darstellen werde. Die Preiserhöhungen während der Konjunkturerholung seien nämlich nur vorübergehend. Mit Blick auf ihre früheren Äußerungen zu möglichen leichten Zinserhöhungen erklärte sie: “Das ist nichts, das ich erwarte oder empfehle”.

Biden will der US-Wirtschaft mit einem mehr als zwei Billionen Dollar schweren Infrastrukturprogramm aus der Corona-Krise helfen. Damit sollen vor allem Jobs für Arbeiter und die Mittelschicht geschaffen werden. Darüber hinaus plant Biden eine Stärkung amerikanischer Familien und mehr Ausgaben für Bildung. Die Programme würden einen “großen Unterschied” machen, was die Ungleichheit in den USA angehe, sagte die frühere Fed-Chefin Yellen. Die Republikaner haben dagegen die anvisierten Steuererhöhungen kritisiert, mit den Biden die Vorhaben finanzieren will. Yellen stand vor Notenbankchef Jerome Powell von 2014 bis 2018 an der Spitze der Federal Reserve.

 

Insolventer Modekette Adler droht das Geld auszugehen

Adler Modemärkte brauche zehn Millionen Euro, nachdem die meisten der 140 Filialen in Deutschland wegen des Corona-Lockdowns noch geschlossen seien, sagte Vorstandschef Thomas Freude am Dienstag in Haibach bei Aschaffenburg. Doch werde man in den Gesprächen mit dem Bundeswirtschafts- und dem Bundesfinanzministerium über einen Staatskredit immer wieder vertröstet. “Wir haben das Gefühl, dass wir da gegen Gummiwände laufen”, sagte Freude. Damit seien 3200 Arbeitsplätze bei Adler Mode gefährdet. “Es ist nicht so, dass wir nächste Woche schließen müssten”, sagte der Vorstandschef. Aber das Geschäft drohe zu “zerbröseln”.

Die Verhandlungen mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zögen sich seit Wochen hin. “Kein Unternehmen in unserer Situation kann einen sechsmonatigen Lockdown ohne staatliche Unterstützung überstehen”, sagte Anwalt Christian Gerloff, der Adler als Sanierer zur Seite steht. Adler seien in der Corona-Krise 280 Millionen Euro Umsatz durch die Lappen gegangen. Der Massekredit über 20 Millionen Euro, der die Fortführung sichern sollte, reiche wegen der Bundesnotbremse nicht mehr aus. Auf die “Überbrückungshilfe III” haben Unternehmen in der Insolvenz aber keinen Anspruch. Damit entgingen Adler neun Millionen Euro. Freude sprach von einem “Zuständigkeitsgewirr”.

Das auf Mode für Über-50-Jährige spezialisierte Unternehmen hatte im Januar mitten im Lockdown Insolvenz angemeldet und will sich in Eigenverwaltung sanieren. Das Problem: Der Großaktionär ist selbst insolvent und kann nicht helfen. “Es geht darum, die Brücke über den Lockdown zu bauen, das sind nur noch wenige Meter”, sagte Gerloff. Adler hofft, bis Ende Mai einen Investor gefunden zu haben, der die Kette übernimmt. Man sei mit mehreren Investoren in fortgeschrittenen Gesprächen, sagte der Sanierer.

 

US-Handelsdefizit steigt auf Rekordhoch

(Korrigiert letzten Satz im ersten Absatz: die Exporte legten um 6,6 Prozent zu, nicht die Importe)

Die Importe übertrafen die Exporte um 74,4 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium am Dienstag in Washington mitteilte. Das sind 5,6 Prozent mehr als im Vormonat. Die Importe wuchsen um 6,3 Prozent auf mehr als 274 Milliarden Dollar, während sich die Exporte um 6,6 Prozent auf gut 200 Milliarden Dollar erhöhten.

Ökonomen gehen davon aus, dass das Handelsdefizit in den kommenden Monaten weitere Rekordhöhen erreichen könnte. Grund dafür ist, dass die US-Binnenkonjunktur auch wegen des schnellen Impffortschrittes brummt und dadurch verstärkt importiert wird. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagte der weltgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von mehr als sechs Prozent voraus. Dazu soll auch billionschwere Konjunkturpaket von Präsident Joe Biden beitragen.

 

Europas Börsen auf Talfahrt – “Die Luft ist raus”

Der Dax sackte bis zum Nachmittag um 1,4 Prozent ab und rutschte zeitweise knapp unter die Marke von 15.000 Punkten. Der EuroStoxx50 fiel um ein Prozent auf 3960 Zähler. Auch die Kurse an der Wall Street gaben vorbörslich nach.

Trotz starker Firmenbilanzen geht es an den Aktienmärkten seit einigen Tagen nicht weiter voran, was einige Börsianer mittlerweile als Warnsignal werten. “Die Luft ist raus. Das deutet darauf hin, dass eine Konsolidierung unmittelbar bevorsteht”, sagte ein Händler. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund elf Prozent gewonnen.

Ein Renditesprung an den Anleihemärkten zu Wochenbeginn drückte zudem nachhaltig auf die Stimmung der Anleger und schürte frische Inflationssorgen. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundestitel gab indes auf minus 0,216 Prozent nach, nachdem sie am Montag bei minus 0,16 Prozent ein 14-Monats-Hoch markiert hatte. Genährt werden die Inflationsspekulationen von der Aussicht auf ein beschleunigtes Weltwirtschaftswachstum. Die Lockerung der Pandemie-Restriktionen in den USA und Großbritannien nehme Fahrt auf, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Europa holt bei den Massen-Impfungen rasch auf und wird im Sommer ein ähnliches Niveau erreichen.” Dies schüre die Hoffnung auf eine Normalisierung des Lebens. Die explodierenden Corona-Fallzahlen in Indien zeigten allerdings, dass die Erholung ungleichmäßig verlaufe.

Am Rohölmarkt spielten der mögliche Nachfrage-Rückgang beim wichtigen Abnehmer Indien nur eine untergeordnete Rolle. Investoren setzten auf eine anziehende Reise-Tätigkeit in den westlichen Industrienationen, sagte Analyst Ash Glover vom Brokerhaus CMC. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 68,42 Dollar je Barrel (159 Liter). Im Windschatten gewann der europäische Aktienindex für die Öl- und Gasbranche 1,2 Prozent.

GUT, ABER NICHT GUT GENUG

Ein Minus von 1,6 Prozent wies hingegen der europäische Tech-Sektor auf, der Auto-Index gab rund ein Prozent ab. Vor allem die Automobilbranche hat angesichts von Produktions- und Lieferengpässen in der Halbleiterindustrie momentan Probleme. Die Aktien von Infineon fielen um 4,4 Prozent, obwohl der Chip-Hersteller im Quartal besser abschnitt als gedacht und seine Jahresziele anhob. Allerdings gehen dem Halbleiter-Konzern durch den Chip-Mangel Erlöse durch die Lappen – ein Zustand, der laut Infineon noch bis 2022 andauern könnte.

Auch bei Teamviewer und Hellofresh machten Anleger trotz starker Wachstumszahlen Kasse. Die Papiere der Softwarefirma und des Kochbox-Versenders fielen um bis zu acht Prozent. Es sei unklar, wie sich das Konsumverhalten nach Überwindung der Pandemie entwickeln werde, gaben die Experten der Bank JPMorgan zu bedenken. Elektronik-, Software- und Internet-Werte hatten von den Beschränkungen des öffentlichen Lebens in den vergangenen Monaten profitiert.

Auf dieser Erfolgswelle sieht sich der Wohnmobil-Anbieter Trigano noch länger reiten. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres steigerte das Unternehmen seinen Gewinn den Angaben zufolge um 74 Prozent auf 114,4 Millionen Euro. Die Titel legten daraufhin in Paris um fast zwölf Prozent zu, so stark wie zuletzt vor einem halben Jahr.

 

Steuergesetz soll Banken in Italien Fusionen erleichtern

Es sei geplant, Steuervorteile bei Zusammenschlüssen von Instituten und beim Abbau von risikobehafteten Krediten bis Mitte 2022 zu verlängern, heißt es in einer Gesetzesvorlage, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Die Steuervorteile waren im Dezember ausgelaufen. Damit könnte es für Unicredit leichter werden, die krisengeschüttelte Rivalin Monte dei Paschi zu übernehmen. Die Gespräche darüber waren zuletzt wegen des Chefwechsels bei Unicredit ins Stocken geraten.

Eine Übernahme von Monte Paschi durch Unicredit ist der von der italienischen Regierung favorisierte Weg, um bei Monte Paschi auszusteigen. Sie hatte das Institut mit Milliarden gestützt, weil es unter einer Last fauler Kredite beinahe zusammengebrochen war. Ex-Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier hatte sich gegen eine Übernahme gestemmt, sein Nachfolger Andrea Orcel ist nach Darstellung von Insidern offen dafür.

Das neue Steuergesetz würde Unicredit einen Vorteil von 3,4 Milliarden Euro bringen, wenn es mit der Monte-Paschi-Übernahme klappe, rechnete Analyst Andrea Lisi vom Broker Equita vor. Sollte es zu einem Zusammenschluss von Unicredit und Banco BPM kommen, wäre die Ersparnis noch höher.

Dank der Steuererleichterungen konnten die Banken in Italien alleine im vergangenen Jahr 33 Milliarden Euro an faulen Krediten loswerden, wie eine Untersuchung der italienischen Notenbank zeigt. Einem Insider zufolge will die Regierung die Gesetzesvorlage am Freitag erörtern.

 

Corona-Impfstoff lässt bei Pfizer die Kassen klingeln

Der US-Pharmakonzern hob sein Jahres-Umsatzziel für das zusammen mit dem Mainzer Biotechunternehmen BioNTech entwickelte Covid-19-Vakzin auf 26 Milliarden Dollar an von zuvor 15 Milliarden, wie der US-Pharma-Konzern am Dienstag mitteilte. Dabei geht das Management davon aus, dass in diesem Jahr 1,6 Milliarden Impfdosen ausgegeben werden. Insgesamt soll der Konzernumsatz 2021 auf 70,5 bis 72,5 Milliarden Dollar in die Höhe schnellen. Anfang des Jahres hatte Pfizer noch erwartet, bis zu 61,4 Milliarden Umsatz zu erreichen – was auch schon ein Zuwachs von 47 Prozent gewesen wäre. Bei den Anlegern kamen die positiven Aussichten gut an: Die Aktien legten vorbörslich um 1,5 Prozent zu.

UMSATZ- UND GEWINNSPRUNG IM ERSTEN QUARTAL

Im ersten Quartal 2021 stiegen die Erlöse und das Nettoergebnis im Konzern um 45 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar beziehungsweise 4,9 Milliarden. Allein mit dem COVID-Vakzin verbuchte Pfizer einen Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen von 3,28 Milliarden.

Pfizer-Chef Albert Bourla rechnet mit anhaltenden Einnahmen aus dem Vakzin. “Basierend auf dem, was wir derzeit beobachten, glauben wir, dass die Nachfrage nach dem COVID-19-Impfstoff dauerhaft sein wird wie bei den Grippeimpfstoffen”, sagte er.

Das Vakzin, das für volle Wirksamkeit zwei Mal verimpft werden muss, hat in Studien eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent erreicht. Das wäre mit den Impfstoffen von Moderna vergleichbar und höher als die von AstraZeneca und Johnson & Johnson.

Moderna hat für 2021 einen Umsatz von 18,4 Milliarden Dollar mit seinem COVID-19-Impfstoff prognostiziert.

Pfizer hatte im Frühjahr 2020 eine Partnerschaft mit BioNTech über die Entwicklung und Vermarktung des Covid-19-Impfstoff des deutschen Unternehmens außerhalb Chinas vereinbart. Ein Glücksgriff für Pfizer: Es wurde das weltweit erste erfolgreich zugelassene Vakzin gegen Covid-19 mit Notfallgenehmigungen in Großbritannien Anfang Dezember, gefolgt von den USA und der EU noch vor Weihnachten. Kosten und Bruttogewinn aus dem Impfstoff werden zwischen Pfizer und BioNTech zu 50 Prozent aufgeteilt.

 

CO2-Preis überspringt erstmals die Marke von 50 Euro

Die von der EU ausgegebenen Zertifikate übersprangen am Dienstag erstmals die Marke von 50 Euro und stiegen zeitweise um 1,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 50,05 Euro je Tonne ausgestoßenes CO2. Der Preis für die Rechte hat sich damit innerhalb eines Jahres etwa verdreifacht. Er spiegelt damit die Erwartung wider, dass die Gemeinschaft ihre Ziele auch umsetzen will und dazu die Ausgabe der Rechte weiter verkürzt. Diese erwartete Knappheit erzeugt Preisdruck. Den spüren vor allem Betreiber von Kohlekraftwerken, die besonders viele der Zertifikate für die Produktion benötigen.

Das CO2-Handelssystem ist das zentrale Klimaschutz-Instrument der EU. Wer in den Sektoren Energie, Industrie und Flugverkehr klimafreundlich unterwegs ist, braucht weniger Rechte und kann überschüssige an der Börse verkaufen. Im umgekehrten Fall und bei Ausweitung der Produktion muss zugekauft werden. Über die Jahre wird für den Klimaschutz die Zahl der ausgegebenen Rechte immer weiter reduziert.

PREISE STIEGEN TROTZ CORONA

Lange galt der Handel als ineffizient, die Preise dümpelten bis 2018 meist deutlich unter zehn Euro dahin. Mit einer Reform des Handelssystems sowie ehrgeizigeren Klimazielen änderte sich das jedoch: Auch in der Corona-Krise – in der wegen des Wirtschaftseinbruchs eigentlich weniger Rechte benötigt wurden – gaben die Preise nur kurz nach und stiegen besonders 2021 rasant.

“Es gibt einen ganzen Korb preistreibender Faktoren”, sagte Analystin Ingvild Sorhus vom Datenanbieter Refinitiv. Da sei neben den Klimazielen der EU nun auch das wachsende Interesse spekulativ orientierter Investoren. Außerdem bremsten die geringen europäischen Erdgas-Reserven die Umstellung von Kohle-Kraftwerken auf Gas-Verfeuerung, die weniger klimaschädliches CO2 produziert. Dem Branchendienst Gas Infrastructure Europe zufolge sind die heimischen Lagertanks derzeit nur zu 30 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr habe die Quote noch bei 64 Prozent gelegen.

Vor zwei Wochen hatte sich die Europäische Union ehrgeizigere Klimaziele gesetzt. So soll der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 55 statt 40 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Deutschland muss auch deswegen nachbessern, weil das Bundesverfassungsgericht das bisherige Klimagesetz als unzureichend gerügt hatte.

Hohe CO2-Preise setzen besonders Betreiber von Kohlekraftwerken unter Druck. In Deutschland macht sich dies auch daran bemerkbar, dass Unternehmen immer mehr Kohlekraftwerke gegen eine Entschädigung vorzeitig abschalten wollen. Es wird daher damit gerechnet, dass der letzte Meiler deutlich schneller vom Netz geht, als bis zum gesetzlich festgelegten Termin spätestens im Jahr 2038.

Das Handelssystem hat inzwischen weltweit Nachahmer gefunden. Klimaschützer fordern eine internationale Vernetzung der Systeme, um den Kampf gegen die Erderwärmung so besser steuern zu können.

 

Alstria – Covid-Einfluss auf Büro-Immobilien wird verblassen

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center sei mancher von einem tiefgreifenden Wandel in der Bürokultur ausgegangen, sagte Alstria-Finanzvorstand Alexander Dexne am Dienstag bei der Vorstellung der Quartalszahlen. In der Branche habe man damals geglaubt, dass “die Leute nie wieder in einen Wolkenkratzer in Manhattan zurückkehrten”. Doch diese Diskussion habe kaum ein Jahr angehalten. Entsprechend richte Alstria, selbst auf Büroimmobilien spezialisiert, aktuell den Blick auf längerfristige Trends über Corona hinaus. Firmen seien weiter daran interessiert, mit attraktiven Büros Personal zu binden.

In der Branche wird derzeit darüber diskutiert, ob der Trend zum Homeoffice die Nachfrage nach Büroimmobilien schmälert. Einer damit einhergehenden Reduzierung von Fläche widerspricht, dass Firmen mehr Platz für Konferenzräume und zum Abstandhalten einplanen dürften. Auch ist unklar, in welchem Maße Unternehmen tatsächlich Homeoffice für mehrere Tage pro Woche erlauben, und ob Mitarbeiter in der Firmenzentrale dann auch zur abwechselnden Nutzung von Schreibtischen (“desk-sharing”) bereit sind.

Der Corona-Effekt werde in der Branche derzeit überbewertet, so Dexne weiter. Tatsächlich Einfluss auf die Nachfrage nach Büroimmobilien in Deutschland habe vielmehr, wie sich hierzulande die Konjunktur entwickle und wie schnell der Ausbau des Dienstleistungssektors und die Urbanisierung voranschritten. “Wir sind bei Alstria in unserem Denken auch von Covid beeinflusst”, räumte Dexne ein. “Wir müssen aber sichergehen, dass wir nicht den Wald vor lauter Bäumen übersehen.”

Das Hamburger Unternehmen hat ein Portfolio aus 110 Gebäuden in Deutschland mit einem Gesamtwert von 4,6 Milliarden Euro und 1,4 Millionen Quadratmetern vermietbarer Fläche. Im ersten Quartal lagen die Mieteinnahmen mit 44,7 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Auch das operative Ergebnis (FFO nach Minderheiten) blieb mit 29,4 Millionen Euro unverändert. Für das Gesamtjahr rechnet Alstria ebenfalls weiter mit gleichbleibenden Werten. Für 2020 soll der virtuellen Hauptversammlung am Donnerstag eine Dividende von 53 Cent je Aktie vorgeschlagen werden. Auch 2019 gab es 53 Cent.

Die Aktie des MDax-Konzerns notierte rund ein Prozent im Plus.

 

Infineon macht Zulieferer für Chip-Engpässe verantwortlich

Große Auftragshersteller wie TSMC hätten nicht ausreichend investiert, um der Nachfrage nachzukommen, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss am Dienstag. “Wir erwarten, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch einige Zeit bestehen bleibt mit dem Risiko, dass es bis 2022 anhält.” Im Autosegment, das für 45 Prozent des Umsatzes steht, werde sich die Lage in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres entspannen. Der verlorene Umsatz werde aber wohl erst 2022 wieder aufgeholt werden.

Während Infineon Leistungshalbleiter und Logik-Chips selbst produziert, ist das Unternehmen bei Microcontrollern von Lieferanten abhängig. Branchenführer TSMC plant Insidern zufolge den Bau von mehreren weiteren Fabriken im US-Bundesstaat Arizona. Unklar ist, wie groß diese Fertigungsstätten ausfallen sollen. Erst im vergangenen Monat hatte TSMC angekündigt, in den kommenden drei Jahren 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Kapazitäten zu investieren. Auch in Europa soll die Produktion von Chips ausgebaut werden. Der zuständige EU-Kommissar Thierry Breton führte dazu zuletzt eine Reihe von Spitzengesprächen mit wichtigen Firmen der Branche, mit dem Ziel, die Chip-Produktion in Europa zu erhöhen. Intel-Chef Pat Gelsinger brachte zuletzt Deutschland als möglichen Standort für eine Chipfabrik ins Spiel und sprach sich für Staatshilfen in Milliardenhöhe für ihren Bau aus.

Infineon-Chef Ploss kündigte für sein Unternehmen Investitionen mit Augenmaß an. Die Fabrik in Villach werde den Betrieb im vierten Quartal des Geschäftsjahres (bis Ende September) aufnehmen, das seien drei Monate früher als zunächst geplant. Ein wichtiger Meilenstein sei geschafft, die Reinräume könnten nun mit Fertigungsanlagen ausgestattet werden. Die Chipbranche ist berüchtigt für ihre ausgeprägten Zyklen, in denen sich Zeiten von Knappheit mit Überkapazitäten abwechseln.

PROGNOSE ANGEHOBEN

Auf das Gesamtjahr blicken die Münchner etwas optimistischer als noch im Februar. Das Unternehmen sagte einen Umsatz von elf Milliarden Euro für die zwölf Monate bis Ende September voraus, wenn der Dollar einigermaßen stabil bleibe. Auch die Umsatzrendite soll sich mit 18 Prozent etwas besser entwickeln als zuletzt angenommen. Allerdings dürften die Folgen des zeitweiligen Stillstands des Werks in Austin im US-Bundesstaat Texas das Umsatzwachstum vor allem im dritten Quartal dämpfen. An der Börse gaben die Aktien 4,5 Prozent nach und waren damit Schlusslicht im Dax. Analysten sprachen von Gewinnmitnahmen: “In diesem Quartal hat es sich für die Halbleiterhersteller nicht immer ausgezahlt, die Erwartungen zu übertreffen”, schrieben die Experten bei der UBS.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres lag der Umsatz bei 2,7 Milliarden Euro und damit rund ein Drittel höher als vor Jahresfrist. Das Segmentergebnis schnellte um 72 Prozent nach oben auf 470 Millionen Euro. Beide Kennzahlen fielen etwas besser aus als vom Unternehmen befragte Analysten erwartet hatten. Der Konzernüberschuss verbesserte sich um 14 Prozent auf 203 Millionen Euro.

 

HelloFresh gewinnt Millionen Neukunden – “Wir treffen den Nerv”

Innerhalb von drei Monaten seien zwei Millionen neue Abonnenten gewonnen worden, teilte der Anbieter von nach Hause gelieferten Kochboxen am Dienstag mit. Ende März zählte Hellofresh 7,3 Millionen Kunden, ein Plus von 37 Prozent im Vergleich zu Ende Dezember. “Wir treffen den Nerv der Kunden”, sagte Firmenchef Dominik Richter der Nachrichtenagentur Reuters. In der Corona-Krise mit geschlossenen Restaurants seien die Menschen auf den Geschmack gekommen. Vor den ersten Lockdowns im März vorigen Jahres hatte Hellofresh noch deutlich weniger als die Hälfte an Kunden beliefert. Die hohe Nachfrage hatte in den USA sogar zu Kapazitätsengpässen geführt, sodass Interessenten vertröstet werden mussten. Hier hat das Unternehmen inzwischen zwei neue Lieferzentren eröffnet.

Der Umsatz kletterte im ersten Quartal um 116 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro und lag damit im Rahmen der Mitte April veröffentlichten vorläufigen Zahlen. Das bereinigte Betriebsergebnis kletterte um 152 Prozent auf 159 Millionen Euro. Am Aktienmarkt konnte das 2011 gegründete Berliner Unternehmen damit nicht überzeugen. Die im MDax notierte Aktie fiel zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent. Händler begründeten die Entwicklung mit Gewinnmitnahmen. Richter sprach von “Stimmungsschwankungen” und betonte, HelloFresh habe noch nie “so gut dagestanden”.

Der Anbieter von Lebensmitteln in sogenannten Kochboxen, die im Abo-Modell mit Rezepten und abgemessenen Zutaten direkt an die Haustür geliefert werden, profitiert von der Corona-Pandemie mit geschlossenen Restaurants, Ausgangsbeschränkungen und dem Trend zum Homeoffice. Richter ist auch für die Zeit nach der Krise zuversichtlich: “Menschen haben sich daran gewöhnt, mehr online zu kaufen.” Die Bestellungen in Australien und Neuseeland, wo sich die Corona-Lage schon normalisiert habe, seien vielversprechend.

Um weiterhin Kunden zu gewinnen, will HelloFresh mehr Mahlzeiten einführen, Dienstleistungen ausbauen und neue Länder eröffnen. “Für dieses Jahr stehen Japan, Norwegen und Italien in den Startlöchern”, sagte Richter. Aktuell ist HelloFresh in 14 Ländern aktiv und macht mehr als die Hälfte des Umsatzes in den USA, wo es BlueApron als Branchenprimus verdrängt hat. Dort stemmte HelloFresh im vergangenen Jahr auch die Übernahme des Fertiggerichte-Anbieters Factor.

In den Benelux-Staaten testet HelloFresh die Expansion zu einem Lebensmittelunternehmen und verkauft über seine Online-Plattform inzwischen 150 verschiedene Produkte wie Desserts, Suppen, Pizzen und Backwaren. “Es geht immer um punktgenaue Lösungen für bestimmte Mahlzeiten”, sagte Richter mit Blick auf Frühstück, Mittagessen und Snacks. “Der klassische Großeinkauf im Supermarkt hat sich überholt”. Ziel sei es, einen größeren Teil vom Essensbudget der Kunden einzunehmen. Laufe der Test gut, werde das Angebot auf weitere Länder ausgedehnt.

Geld gibt HelloFresh derzeit auch für den Ausbau eines eigenen Liefernetzwerkes in Deutschland, Österreich und den USA aus. Das ermögliche dem Unternehmen bei den Lieferungen kleinere Zeitfenster anzubieten und Verpackungen einzusparen, sagte Richter.