Eine Bildillustration zeigt Euro-Banknoten in Zenica, 26. Januar 2015.

Zuhause Kochen bleibt im Trend – HelloFresh wächst deutlich

Im zweiten Quartal sprangen die Erlöse um 66,5 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro und knackten damit zum dritten Mal in Folge die Umsatzmilliarde, wie der in Berlin ansässige Lebensmittel-Versand am Dienstag mitteilte und damit vorläufige Zahlen bestätigte. Das sei gelungen, “obwohl die Zahlen des Vergleichquartals sehr gut waren, weil das zweite Quartal 2020 wohl das Quartal war, das am stärksten von Lockdowns betroffen war”, sagte Firmenchef Dominik Richter. Inzwischen kommt HelloFresh auf fast 7,7 Millionen Kunden, die von April bis Juni knapp 31 Millionen Bestellungen aufgaben. Vor einem Jahr zählte das Unternehmen noch rund 4,2 Millionen Kunden.

Allerdings rechnet HelloFresh nun mit einem saisonal bedingten Knick. Das laufende Quartal werde geprägt von der Urlaubssaison sein und davon, dass Menschen wieder häufiger außer Haus essen, sagte Richter. Finanzchef Christian Gärtner ergänzte, der Umsatz auf vergleichbarer Basis werde wohl zurückgehen.

Dem Aktienkurs tat das keinen Abbruch. Nach den jüngsten Verlusten infolge einer Margen-Anpassung ging es für das im MDax notierte Papier wieder mehr als drei Prozent in die Höhe. Die Analysten der DZ Bank gehen davon aus, dass HelloFresh der Trend zu mehr Heimarbeit und die Erkenntnis, dass Kochboxen einen Mehrwert wie Zeitersparnis und Reduzierung von Lebensmittelabfällen bieten, in die Hände spielt.

Seit Beginn der Corona-Pandemie profitiert der zehn Jahre alte Anbieter von Lebensmitteln in sogenannten Kochboxen, die im Abo-Modell mit Rezepten und abgemessenen Zutaten direkt an die Haustür geliefert werden, von geschlossenen Restaurants, Ausgangsbeschränkungen und dem Trend zum Homeoffice. Um möglichst viel von dem Schwung mitzunehmen, baut HelloFresh sein Angebot kontinuierlich aus und expandiert. Im Juli startete das Unternehmen in Norwegen und ist damit nun in 15 Ländern aktiv – größter Markt sind weiterhin die USA, wo der Konkurrent Blue Apron sitzt. Zudem wurde das “HelloFresh Market”-Angebot mit zusätzlichen Produkten wie Desserts und Backwaren nach den Benelux-Staaten auch in den USA eingeführt. “Wir legen damit den Grundstein, um unser mittelfristiges Umsatzziel von 10 Milliarden Euro zu erreichen”, sagte Richter.

Von April bis Juni kletterte der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) nur leicht auf 157,8 Millionen Euro. Richter begründete das kleine Plus mit Ausgaben für den Ausbau der Produktionskapazitäten, um die Nachfrage noch besser bedienen zu können. Die hohen Anfangskosten bleiben HelloFresh erstmal erhalten, denn die Firma investiert in diesem Bereich weiter und will weitere Produktionsstätten in den USA, Australien und Deutschland eröffnen. Das wie auch Ausgaben in Technologie werde die Marge drücken, sagte Gärtner. Erst vor einigen Tagen hatte das Unternehmen die Prognose aktualisiert und erklärt, im Gesamtjahr werde die bereinigte Ebitda-Marge zwischen 8,25 und 10,25 Prozent liegen (zuvor 10 bis 12 Prozent). Der Umsatz soll währungsbereinigt um 45 bis 55 Prozent steigen.