ARCHIV: Das Logo des deutschen Energieversorgungsunternehmens Uniper SE in der Unternehmenszentrale in Düsseldorf, Deutschland, 19. April 2016. REUTERS/Ralph Orlowski

Uniper – Russisches Gas strömt weiter durch Polen

– von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz und Vera Eckert

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) – Der Energiekonzern Uniper erwartet durch den Gas-Streit zwischen Polen und Russland keine Einschränkungen für Lieferungen nach Deutschland.

“Das wird keine Auswirkungen auf die Transitlieferungen durch Polen haben”, sagte Vorstandsmitglied Niek den Hollander (CCO) am Mittwoch auf einer Telefonkonferenz mit Analysten. Bislang sehe man auch keine größeren Veränderungen auf dieser Route. Der russische Gazprom-Konzern hatte zuvor mitgeteilt, dass er im Streit um die geforderte Rubel-Bezahlung Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien eingestellt habe.

Uniper ist der größte ausländische Kunde Gazproms. Vorstandsmitglied den Hollander sagte, durch den Stopp seien in Polen für den Rest des Jahres Gasmengen in einer Größenordnung von sieben Milliarden Kubikmeter betroffen und in Bulgarien zwei bis drei Milliarden Kubikmeter. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch in Deutschland liegt im Schnitt bei rund 100 Milliarden Kubikmeter. Uniper-Finanzchefin Tiina Tuomela zeigte sich zuversichtlich, dass für Deutschland eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden werde, was die Bezahlweise betrifft. Uniper stehe in engem Kontakt mit der Bundesregierung. Die nächste Zahlung Unipers sei Ende Mai fällig.

Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach hat indes keine Sorge, dass Deutschland als nächstes Land von der Belieferung abgeschnitten wird. “Der Rubelumtausch jedenfalls bietet dafür keinen Anlass. Da war die Lage in Polen und Bulgarien völlig anders”, sagte Maubach der “Frankfurter Allgemeine Zeitung” laut Vorabbericht. Uniper bereite sich grundsätzlich darauf vor, über die “Zwei-Konten-Lösung” zu bezahlen. “Das heißt, wir zahlen weiterhin in Euro und es findet, orchestriert über die Gazprom-Bank, eine unmittelbare Konvertierung in Rubel statt. Dass die Russen dann sagen, wir hätten in Rubel bezahlt, damit müssten wir dann leben.”

Unterdessen warnte Maubach vor indirekten Folgen eines Ölembargos gegen Russland. “Sollte der Westen ein Ölembargo beschließen, ist nicht auszuschließen, dass die Russen mit einem Gaslieferstopp reagieren”, sagte der Manager.

UNIPER HÄLT IM QUARTAL GASMENGEN IN SPEICHERN ZURÜCK

Der Kurs der Uniper-Akktie rutschte am Mittwoch zeitweise mehr als vier Prozent ins Minus. Die Tochter des finnischen Versorgers Fortum hatte am späten Dienstagabend für das erste Quartal einen Nettoverlust von rund drei Milliarden Euro bekanntgegeben. Ursache hierfür seien Einbußen im Gasspeichergeschäft und Wertabschreibungen von rund zwei Milliarden Euro insbesondere im Zusammenhang mit der vorerst gescheiterten Gaspipeline Nord Stream 2 und der russischen Tochter Unipro.

Uniper hatte den Bau der Röhre als Finanzpartner Gazproms unterstützt und musste sein Darlehen plus Zinsen von insgesamt knapp einer Milliarde Euro abschreiben. Den Verkaufsprozess für Unipro hatte Uniper ausgesetzt. Finanzchefin Tuomela erklärte, die strategische Überprüfung der Tochter, die mehrere Kraftwerke in Russland betreibt, solle so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Die Lage sei aber schwierig.

“Flexibilität ist entscheidend”, betonte die Managerin mit Blick auf das Gasspeichergeschäft. “Der Hauptgrund für das negative Ergebnis im ersten Quartal ist eine Ergebnisverschiebung in spätere Quartale des Jahres 2022, die aus unserem Gasgeschäft kommt.” Uniper habe im ersten Quartal in seinen Gasspeichern Mengen in einem Wert von rund 750 Millionen Euro zurückbehalten, um von Preisschwankungen zu profitieren. Es handele sich nicht um einen Ergebnisausfall, sondern um eine Ergebnisverschiebung. Nach den vorläufigen Zahlen fuhr Uniper von Januar bis Ende März ein bereinigtes Ebit von minus 830 Millionen Euro ein. Im Vorjahreszeitraum hatte Uniper noch einen Gewinn von 731 Millionen Euro erzielt. Den kompletten Bericht will der Konzern am 3. Mai vorlegen.

(Bericht von Tom Käckenhoff und Ralf Banser redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)