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Verhaltener Wochenstart an Börsen nach mauen China-Daten

Frankfurt (Reuters) – Enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China und eine überraschende Zinssenkung in der Volksrepublik bringen Europas Anleger zum Wochenauftakt ins Schwitzen.

Nach einem freundlichen Start gab der Dax im Verlauf 0,3 Prozent auf 13.760 Punkte nach. Der EuroStoxx50 notierte leicht niedriger bei 3772 Zählern. An der Wall Street deuteten die US-Futures ebenfalls auf einen schwächeren Handelsstart hin. Die hinter den Erwartungen gebliebenen Einzelhandelsumsätze und der geringe Zuwachs bei Chinas Industrieproduktion machten Anleger erneut vorsichtig.

Zwar sei jede geldpolitische Lockerung wie zuletzt die in China positiv für den Aktienmarkt, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. “Andererseits kommen aber auch wieder Konjunktursorgen auf, wenn die Notenbank inmitten hoher Inflationsraten die konjunkturelle Lage möglicherweise dramatischer einschätzt als die Börse und deshalb mit diesem Schritt reagiert.”

Chinas Zentralbank stemmt sich mit der überraschenden Senkung wichtiger Zinssätze gegen die Konjunkturflaute im Zuge der Corona-Krise. “China befindet sich meiner Meinung nach in einer anderen Situation als der Rest der Welt”, sagte Patrick Armstrong, Anlagechef beim Investmenthaus Plurimi Group. “Sie haben eine selbst auferlegte Rezession, die sie durch die Null-Covid-Politik verursacht haben.” Zudem macht der zweitgrößten Volkswirtschaft eine Immobilienkrise zu schaffen.

ÖLPREIS RUTSCHT RUND FÜNF PROZENT AB

Die mauen China-Daten schürten am Rohölmarkt erneut Nachfragesorgen und schickten den Ölpreis auf Talfahrt. Rohöl der Sorte Brent sowie US-Rohöl WTI verbilligten sich jeweils fünf Prozent auf 93,24 Dollar und 87,49 Dollar pro Barrel. Die Ölnachfrage schwäche sich ab, da die rekordhohen Ölpreise sowohl die Verbraucher als auch heimische Logistikunternehmen abschreckten, sagte Heron Lin, Ökonom bei Moody’s Analytics. Auch für den Rest des Jahres könne die Nachfrage weiter unter Druck bleiben, da drohende Corona-Beschränkungen zu vorsorglichem Sparen ermutigten und den Ölverbrauch verringerten.

Auch andere Rohstoffe gerieten unter Druck. Die Preise für Eisenerz gaben in der Volksrepublik um 2,9 Prozent auf 707,50 Yuan (104,64 Dollar) je Tonne nach. Investoren fürchteten eine Nachfrageflaute, auch weil die chinesische Regierung keine Anzeichen zeigt, von der strikten Null-Covid-Politik, die immer wieder zu regionalen Lockdowns führt, abzuweichen. Der Kupferpreis gab um 2,5 Prozent auf 7890 Dollar pro Tonne nach.

Am Devisenmarkt setzten Investoren auf den Dollar, der als “sicherer Hafen” gilt. Der Dollar-Index zog gegenüber einem Korb der wichtigsten Währungen um 0,5 Prozent auf einen Wert von 106,26. Im Gegenzug gab der Euro um knapp 0,6 Prozent auf 1,0191 Dollar nach. “Der Euro nähert sich nach dem Anstieg in der vergangenen Woche langsam wieder der Parität”, sagte Analyst Jens Nærvig Pedersen von der DanskeBank. Es sei für die US-Notenbank zu früh, bei den Zinserhöhungen zu bremsen. Der etwas nachlassende Preisdruck in den USA hatte vergangene Woche Spekulationen angeheizt, dass die Fed das Tempo im Zinserhöhungszyklus etwas zurückfahren könnte.

VON CHINA ABHÄNGIGE BRANCHEN UNTER DRUCK

Bei den Aktienwerten unter Druck gerieten vor allem stark von China abhängige Branchen. So gaben die Indizes der Automobilhersteller und der Bergbaukonzerne rund ein und knapp zwei Prozent nach. Für Auftrieb sorgten dagegen Aktien aus dem Gesundheitswesen. AstraZeneca legte an der Börse in London nach positiven Studienergebnissen rund drei Prozent zu. Der britische Pharmakonzern teilte mit, dass ein gemeinsam mit der japanischen Firma Daiichi Sankyo entwickeltes Krebsmedikament den Verlauf einer Form von fortgeschrittenem Brustkrebs bei bereits behandelten Patienten verzögere.

Bei den deutschen Einzelwerten freuten sich die Anleger zudem über einen aufgehellten Ausblick bei HelloFresh. Die Aktien des Kochboxen-Versenders sprangen in der Spitze mehr als zehn Prozent nach oben und ließen andere Dax-Werte damit weit hinter sich. Trotz der im Juli zurückgeschraubten Ziele sehe der Konzern immer noch gute Chancen innerhalb der ursprünglichen Prognose vom Dezember zu landen, sagte Unternehmenschef Dominik Richter zu Analysten. Das bedeute, dass die jüngste Gewinnwarnung nicht ganz notwendig war und dass der Konsens vielleicht ein wenig zu vorsichtig sei, sagte Clement Genelot, Analyst bei Bryan Garnier.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)