ARCHIV: Uhren in einem Illustrationsfoto, 25. Januar 2018. REUTERS/Thomas White/Illustration

Siltronic-Aktionäre glauben nicht mehr an Verkauf nach Taiwan

Berlin/München (Reuters) – Angesichts des Widerstands der Bundesregierung schwindet auch bei den Aktionären des Chip-Zulieferers Siltronic die Hoffnung auf einen milliardenschweren Verkauf an den Rivalen GlobalWafers aus Taiwan.

Die Siltronic-Aktie rauschte am Montag um bis zu elf Prozent auf 123,50 Euro nach unten. Das Münchner Unternehmen hatte erklärt, dass die Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium über eine Genehmigung stockten. Von dort kämen keine Signale, “ob und unter welchen Umständen eine außenwirtschaftsrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Übernahme der Siltronic AG durch GlobalWafers erteilt werden kann”, hieß es in der Mitteilung. Die Erlaubnis muss bis zum 31. Januar vorliegen, sonst ist die 4,35 Milliarden Euro schwere Übernahme geplatzt.

GlobalWafers bietet 145 Euro je Siltronic-Aktie und will damit zum japanischen Weltmarktführer Shin-Etsu Chemical aufschließen. Größter Nutznießer wäre der frühere Mutterkonzern, die Münchner Spezialchemiefirma Wacker Chemie, die für ihre 31 Prozent mit 1,2 Milliarden Euro rechnen könnte.

Das Ministerium lässt sich nicht in die Karten schauen. Überprüfungen im Außenwirtschaftsbereich seien oft sehr komplex und müssten auch genau sein, sagte eine Sprecherin in Berlin. Zu Einzelheiten könne sie keine Angaben machen, auch zur Dauer des Verfahrens. Die Prüfung zieht sich seit mehr als zehn Monaten hin. Das Ministerium von Robert Habeck (Grüne) hat offenbar die Sorge, dass mit der Produktion von Siliziumscheiben (Wafer) zur Herstellung von Chips eine weitere strategisch wichtige Branche in ausländische Hände gerät. Auf dem von asiatischen Herstellern dominierten Markt ist Siltronic der einzige größere europäische Anbieter.

GlobalWafers hatte der Bundesregierung nach eigenen Angaben Zugeständnisse angeboten, um etwaige Bedenken auszuräumen. Dazu gehört eine “goldene Aktie”, mit der der deutsche Staat Einfluss auf Siltronic nehmen könnte. Bei einem Verkauf von GlobalWafers könnte demzufolge ein Rückkaufsrecht greifen. “Wir glau­ben, dass wir alle Beden­ken in Deutsch­land konstruk­tiv und umfas­send adres­siert haben”, sagte ein GlobalWafers-Sprecher auf Anfrage. Die Übernahme sichere drin­gend notwen­di­ge Inves­ti­tio­nen – auch in Europa. Doch das reicht dem Ministerium offenbar nicht aus: Es habe “keine konkreten Zusagen oder Auflagen genannt, unter denen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erteilt werden könnte”, hatte Siltronic mitgeteilt.

Außer der Genehmigung aus Berlin steht für die Übernahme nur noch die kartellrechtliche Erlaubnis aus China aus. Von dort hat GlobalWafers-Chefin Doris Hsu aber positive Signale erhalten. Die politischen Spannungen zwischen der Volksrepublik und Taiwan, das die Regierung in Peking für eine abtrünnige Provinz hält, hatten sich zuletzt verstärkt.