ARCHIV: Ein Händler neben den Logos der Siemens Energy AG während des Börsengangs von Siemens Energy an der Frankfurter Börse in Frankfurt, Deutschland, 28. September 2020. REUTERS/Ralph Orlowski

Siemens Energy vor Komplettübernahme von Tochter Gamesa

München/Madrid (Reuters) – Siemens Energy will mit der lange erwarteten Komplett-Übernahme der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa Ernst machen.

Der Vorstand des Energietechnik-Konzerns erwäge ein Übernahmeangebot in bar für die restlichen Anteile an dem Sorgenkind, teilte Siemens Energy am Mittwoch in München mit. Ziel sei es, Siemens Gamesa von der Madrider Börse zu nehmen. “Das Ergebnis dieser Erwägung ist offen”, erklärte das Unternehmen. Zum aktuellen Aktienkurs müsste Siemens Energy dafür rund 3,5 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Die zunächst vom Handel ausgesetzte Aktie von Siemens Gamesa schnellte um elf Prozent auf 15,71 Euro nach oben. Siemens-Energy-Papiere legten 3,5 Prozent zu.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, das Angebot könne bereits in der kommenden Woche vorgelegt werden und sehe allenfalls einen kleinen Kursaufschlag vor. Das Kursziel der Analysten liege im Schnitt bei 18 Euro. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch will am 24. Mai auf einem Kapitalmarkttag seine Strategie für die nächsten Jahre vorstellen. Reuters hatte im Januar berichtet, dass Siemens Energy alle Möglichkeiten für eine Komplettübernahme prüfe und eine Lösung bis zum Sommer anpeile.

Siemens Energy hält bereits gut zwei Drittel der Anteile an Siemens Gamesa, die nach dem Kurssprung auf einen Börsenwert von rund 10,6 Milliarden Euro kommt. Eine Streichung vom Kurszettel würde eine engere Anbindung der spanischen Tochter ermöglichen. Sie ist eigentlich der Hoffnungsträger für den Hersteller von Gas- und Dampfturbinen, macht aber seit Jahren mit Verlusten, verfehlten Gewinnprognosen und operativen Problemen Negativ-Schlagzeilen. Bei der neuen Windturbinen-Generation 5.X gibt es große Anlaufschwierigkeiten, zudem laufen Siemens Gamesa die Kosten für Rohstoffe davon, während in den Lieferverträgen mit den Kunden feste Preise vereinbart sind. Nun soll der ehemalige Siemens-Krisenmanager Jochen Eickholt das Ruder herumreißen.

Auch Siemens-Energy-Großaktionär Siemens macht Druck. Der Münchner Technologiekonzern will seinen restlichen 35-Prozent-Anteil so schnell wie möglich auf 25 Prozent abbauen, schreckt aber wegen des niedrigen Aktienkurses zurück. Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas hatte zuletzt die Erwartung geäußert, dass Siemens-Energy-Chef Bruch auf dem Kapitalmarkttag einschneidende Maßnahmen vorstellen werde: “Das wird wegweisend, davon gehen wir aus.”