ARCHIV: Ein 3D-gedrucktes Coronavirus-Modell in einer Abbildung vor einer deutschen Flagge, 25. März 2020. REUTERS/Dado Ruvic/Illustration

Bund und Länder steuern auf neuen Corona-Gipfel zu

Berlin (Reuters) – Bund und Länder steuern auf einen baldigen neuen Corona-Gipfel zu.

Nachdem sich sowohl Kanzlerin Angela Merkel als auch Kanzleramtschef Helge Braun für Absprachen ausgesprochen hatten, wird nach Informationen von Reuters auch in Länderkreisen sondiert, ob ein Treffen zeitnah stattfinden könne. Dann soll es vor allem darum gehen, wie man auf die stark gestiegenen Zahlen an Corona-Fällen, -Intensivpatienten und -Toten reagieren soll. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird bereits am Donnerstag und Freitag mit seinen Länder-Gesundheitsministern über die Frage der Auffrisch-Impfungen sowie die Wiedereröffnung von Impfzentren reden.

Das Robert-Koch-Institut meldete am Mittwoch 20.398 neue Corona-Fälle und 194 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus. Das war der höchste Wert an Verstorbenen seit Ende Mai. Gleichzeitig wurden 2814 weniger neue Positiv-Tests registriert als am Mittwoch vor einer Woche, als die Zahl bei 23.212 gelegen hatte. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 146,6 von 153,7 am Vortag. Die Zahlen gelten nach dem Feiertag am 1. November in einigen Bundesländern allerdings nicht als wirklich vergleichbar, weil über das lange Wochenende teilweise etwas weniger getestet wurde.

Die regionalen Unterschiede sind weiter sehr groß. Sinkende Zahlen vermelden dabei vor allem diejenigen Bundesländer, in denen Allerheiligen ein Feiertag war. In Thüringen stieg der Wert dagegen auf 338,2, in Sachsen beträgt die Inzidenz nun 289,7. Den niedrigsten Wert verzeichnet das Saarland mit 69,4. Der bayerische Landkreis Miesbach kommt auf eine Inzidenz von 682,8.

Der geschäftsführende Kanzleramtschef Braun pochte auf einen schnelle Bund-Länder-Abstimmung. “Die Situation ist jetzt ernst und nicht in zwei oder drei Wochen. Deshalb drängen wir auch darauf, dass es bald ist”, sagte er den Sendern RTL/ntv. Es sei jetzt die Zeit, um sich über die ansteigenden Infektions- und Todeszahlen auszutauschen. Die derzeitige Regierung sei auch bereit, sich intensiv mit den Ampel-Parteien auszutauschen. Es gehe um eine staatspolitische Herausforderung, da müssten alle zusammenarbeiten. SPD, Grüne und FDP hatten zuvor vereinbart, die epidemische Lage von nationaler Tragweite nicht über den 25. November hinaus zu verlängern.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte gegenüber dem RND-Netzwerk die Wiedereröffnung möglichst vieler Impfzentren, um Auffrischungsimpfungen zunächst bei über 70-Jährigen bewerkstelligen zu können. Dies werde zwar “teuer und kompliziert”, dennoch lohne sich der Schritt. “Wir brauchen jetzt eine sehr hohe Geschwindigkeit bei den Booster-Impfungen.”

Ärztevertreter bremsen allerdings bei der von Gesundheitsminister Spahn und einigen Ländern wie Berlin forcierten Booster-Impfung für alle Altersgruppe ab 18 Jahren. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat sich auch gegen die Wiedereröffnung der Impfzentren ausgesprochen und will die Auffrischungsimpfungen in den Arztpraxen durchführen.