Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ghanaische Präsident Nana Akufo-Addo beim

Ringen um Investitionen und Impfstoffe in Afrika

“Afrika verfügt über so viel Marktpotenzial”, sagte Kanzlerin Angela Merkel am Freitag bei einer Subsahara-Konferenz der deutschen Wirtschaft. Deshalb wolle man Investitionshürden weiter senken, sagte sie vor allem mit Blick auf Länder der sogenannten “Compact with Afrika”-Initative der G20. Zentrales Thema ist dabei auch eine besser Versorgung Afrikas mit Corona-Impfstoff. Am Donnerstag hatte etliche internationale Organisationen davor gewarnt, dass es beim Weg aus der Pandemie eine Zweiteilung des Wirtschaftwachstums in der Welt gebe: Die Industriestaaten mit hohen Impfquoten hängten die ärmeren Staaten ab, die keinen guten Zugang zu Impfstoffen haben.

Der deutsche Pharmakonzern BioNTech kündigte am Freitag an, dass er den Aufbau einer Impfstoffproduktion in Ruanda und im Senegal prüft. Dort könnten dann mRNA-Impfstoffe des Unternehmens gegen Malaria und Tuberkulose, die sich gegenwärtig noch in der Entwicklung befinden, hergestellt werden, teilte Biontech mit. Die Ankündigung folgt einem Treffen von Vorstandschef Ugur Sahin mit den Präsidenten von Ruanda und Senegal, Paul Kagame und Macky Sall, sowie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Berlin. “Unser Ziel ist es, in Afrika Impfstoffe zu entwickeln und nachhaltige Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufzubauen, um gemeinsam die medizinische Versorgung zu verbessern”, erklärte Sahin. Noch importiert der Kontinent 99 Prozent seiner Impfstoffe.

Die Bundesregierung steht international unter Druck, weil sie die Freigabe von Patentrechten auf Impfstoffen mit Rücksicht auf Firmen wie BioNTech verweigert. Merkel argumentiert, dass es besser sei, für den Aufbau von Fabriken etwa in Afrika zu sorgen. Darüber spricht sie am Freitag auch mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa. Deutschland und Südafrika leiten bei der internationalen Impfstoff-Allianz Covax eine Arbeitsgruppe, die sich um den Aufbau einer Impfstoffproduktion in Afrika kümmern sollen. Die Ergebnisse sollen auf dem G20-Gipfel in Rom am 30. und 31. Oktober vorgestellt werden.

Merkel empfing am Freitag rund ein Dutzend afrikanischer Staats- und Regierungschefs im Kanzleramt. Da die Afrikanische Union nun eine Freihandelszone eingerichtet habe, gebe es auch die Aussicht auf ein EU-Afrika-Wirtschaftsabkommen. 2017 hatte die G20 unter deutscher Präsidentschaft eine Initiative gestartet, um besonders reformfreudige Staaten in Afrika mit Investitionen zu unterstützen. Die Reformen zahlten sich aus, betonte Merkel. Die Compact-Länder hätten 2020 trotz der Corona-Pandemie immerhin ein Wachstum von 0,1 Prozent verzeichnet. In anderen afrikanischen Staaten habe es dagegen einen Einbruch gegeben.

Deutschland fördert Firmen in den Compact-Staaten mit 500 Millionen Euro. Das Wirtschaftsministerium teilte zudem mit, dass Zinsabsicherungen für großvolumige Exporte und Exportkreditgarantien aktuell für 51 der 54 afrikanischen Länder möglich seien. Dies erleichert den Handel und Investitionen. Zu den Compact-Ländern gehören etwa Ägypten, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien.