ARCHIV: Ein-Euro-Münzen

Preiswelle ebbt nicht ab – Ifo erwartet 11 Prozent Inflation

Berlin (Reuters) – Ein Ende der Teuerungswelle in Deutschland ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Mehr Unternehmen wollen dem Ifo-Institut zufolge in den kommenden Monaten ihre Verkaufspreise heraufsetzen.

Demnach planen alle Lebensmittelhändler mit Preiserhöhungen, wie die Münchner Forscher am Mittwoch zu ihrer Auswertung der September-Umfrage mitteilten. “Das birgt natürlich sozialen Sprengstoff, denn die Haushaltseinkommen steigen weit weniger”, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser der Nachrichtenagentur Reuters. Auch die übergroße Mehrheit der Verkäufer von Drogerie-Artikeln (92,3 Prozent), Blumen, Pflanzen und Zoobedarf (89,6), von Spielwaren (89,0) von Fahrrädern (84,4) und von Papier- und Schreibwaren (83,8) wollen mehr Geld von ihren Kunden verlangen.

“Die Inflationswelle dürfte daher leider noch nicht abebben”, sagte Wollmershäuser. “Vor allem bei Gas und Strom ist noch einiges in der Preispipeline.” Die Zahl der Unternehmen, die mit Preiserhöhungen planen, ist zuletzt in der Gesamtwirtschaft gestiegen: Das entsprechede Barometer kletterte im September auf 53,5 Punkte, von 48,1 im August. Der Saldo ergibt sich, wenn vom prozentualen Anteil der Unternehmen, die ihre Preise anheben wollen, der Anteil derjenigen Betriebe abgezogen wird, die sie senken wollen.

Dabei hatte die Teuerungsrate im September mit 10,0 Prozent bereits den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht. “Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten auf jeden Fall auf 11 Prozent steigen”, sagte Konjunkturchef Wollmershäuser. Ab 2023 dürfte dann die von der Bundesregierung angekündigte Gas- und Strompreisbremse wirken. Aber um deren Auswirkung genau beziffern zu können, müsse man deren konkrete Ausgestaltung kennen. Eine von der Regierung ins Leben gerufene Kommission will in den kommenden Tagen konkrete Vorschläge präsentieren.

Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Oktober droht die ohnehin hohe Inflation in Deutschland weiter anzuheizen. 30,7 Prozent der vom Ifo-Institut befragten 6900 Firmen beschäftigen Mitarbeiter für weniger als zwölf Euro pro Stunde. 58,3 Prozent planen als Reaktion auf die nun geltende Lohnuntergrenze von zwölf Euro, ihre Preise hochzusetzen. Bislang lag die gesetzliche Lohnuntergrenze bei 10,45 Euro pro Stunde.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Reinhard Becker. – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)