ARCHIV: Ein Labyrinth von Rohölleitungen und Ventilen ist während einer Führung des Energieministeriums in der Strategic Petroleum Reserve in Freeport, Texas, USA, am 9. Juni 2016 zu sehen. Richard Carson/REUTERS

Ölpreise sinken – USA erwägen Rekord-Freigabe bei Reserven

Frankfurt (Reuters) – Die Aussicht auf mehr Öl auf den Weltmärkten durch das Anzapfen strategischer Reserven der USA und weiterer Länder hat am Donnerstag für sinkende Preise gesorgt.

Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um bis zu 5,3 Prozent auf 107,39 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI sank um 6,8 Prozent auf 100,53 Dollar je Fass.

Die US-Regierung um Präsident Joe Biden erwägen einem Insider zufolge die Freigabe von bis zu 180 Millionen Barrel Öl aus den nationalen Notreserven, um sich dem sprunghaften Anstieg der Ölpreise seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine entgegen zu stemmen. Das wäre der größte Abfluss in der 50-jährigen Geschichte der amerikanischen Vorräte. “Verzweifelte Zeiten erfordern eindeutig verzweifelte Maßnahmen, und die Biden-Regierung ist eindeutig der Ansicht, dass der Anstieg der Ölpreise diesen Schritt rechtfertigt, um die Notreserven des Landes anzutasten”, sagte Susannah Streeter, Marktanalystin bei Hargreaves Lansdown. Spekulationen auf Angebotsengpässe aus dem mit Sanktionen belegten Russland, dem zweitgrößten Öl-Exporteur weltweit, hatten die Preise in den vergangenen Kriegswochen nach oben getrieben.

Zudem machten Spekulationen auf eine Freigabe von Rohölreserven durch die Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA) die Runde. “Es ist nicht klar, ob die im Raum stehende Freigabe der US-Reserven Teil dieser Aktion wäre”, hieß es bei der Commerzbank. Für Freitag wurde ein außerordentliches IEA-Treffen einberufen, von Biden könnte bereits am Donnerstag eine Ankündigung zu den Ölreserven kommen.

Die im Raum stehenden US-Mengen könnten nach Einschätzung der Analysten von Goldman Sachs den Ölmarkt in diesem Jahr stabilisieren, indem für sechs Monate pro Tag eine Million Barrel Öl mehr fließen würde. “Dies würde jedoch eine Freigabe von Ölvorräten bleiben, keine dauerhafte Versorgungsquelle für die kommenden Jahre. Eine solche Freigabe würde daher das seit Jahren bestehende strukturelle Versorgungsdefizit nicht lösen.” Die USA könnten damit allenfalls die starke Volatilität begrenzen und große Aufwärtsbewegungen abschwächen, sagte auch Avtar Sandu, Rohstoffmanager bei Phillip Futures.

Unabhängig davon steht im Tagesverlauf auch ein Treffen der “Opec+”, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, auf der Agenda. Experten rechnen damit, dass die Gruppe an ihrer Politik einer maßvollen Ausweitung der Fördermengen festhält.