ARCHIV: Die Skyline Moskaus, Russland, 29. Oktober 2015. REUTERS/Andrey Kuzmin

Sanktionen gegen Russland setzen Europas Bankenbranche unter Druck

Frankfurt/Wien/London (Reuters) – Die europäischen Finanzsanktionen wegen der russischen Invasion der Ukraine setzen die Bankenbranche unter Druck.

Nach dem Ausschluss russischer Banken aus dem globalen Zahlungssystem Swift brach der europäische Bankenindex am Montag zeitweise um 6,2 Prozent ein. Institute mit umfangreichem Engagement in Russland, standen ganz oben auf der Verkaufsliste: Die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) büßte bis zu 20,2 Prozent ein. Die Kurse der französischen Societe Generale sowie der italienischen HVB-Mutter Unicredit sackten um 11,7 beziehungsweise um 12,6 Prozent ab. Anleger befürchten, dass Institute bei ihren Engagegements in Russland und in der Ukraine hohe Wertverluste erleiden werden. Zudem grassiert die Sorge, dass so manches Geldhaus auf Forderungen dort sitzen bleiben wird.

Aus Sicht des österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) sollte die RBI staatlich geschützt werden. Es gelte einen Schutzschirm zu spannen, damit das nicht zu echten Problemen bei der RBI führe, sagte Institutschef Gabriel Felbermayr am Montag in einem ORF-Radiointerview. Die RBI sei mit ihren Investments in Russland in Prozent der Bilanzsumme, die wahrscheinlich am stärksten betroffene Bank überhaupt. Das österreichische Finanzministerium erklärte, es mache sich keine Sorgen um das Institut für das Russland der wichtigste Einzelmarkt ist. “Die RBI ist eine sehr gut aufgestellte Bank mit einem exzellenten Management, die gut vorbereitet auf alle Eventualitäten ist”, teilte das Ministerium am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit. Die RBI selbst sieht ihre russische Tochter nach wie vor gut aufgestellt. “Unsere russische Tochter verfügt über eine sehr starke Liquiditätsausstattung und verzeichnet Zuflüsse”, teilte Bankchef Johann Strobl mit.

Die Deutsche Bank, die erst im Dezember neue Büros in Moskau eröffnete, teilte mit, sie unterstütze die Entscheidungen der Bundesregierung und ihrer Bündnispartner und werde die Sanktionen konsequent umsetzen. Die Aktie des deutschen Branchenprimus lag zeitweise rund zehn Prozent im Minus.

Die britische Großbank HSBC begann, ihre Beziehungen zu einer Vielzahl russischer Institute abzubauen. Dazu gehören auch die Verbindungen zur zweitgrößten russischen Bank VTB, wie aus einem Memo hervor, das Reuters einsehen konnte.

EU-TÖCHTER DER SBERBANK WOHL NICHT MEHR ZU RETTEN

Dem EU-Ableger des größten russischen Finanzinstituts Sberbank, das mehrheitlich im Staatsbesitz ist, brachten die Sanktionen ins Taumeln. Nach Angaben der EZB-Bankenaufsicht sind die in Wien ansässige Sberbank Europe AG und ihre beiden Tochtergesellschaften Sberbank d.d. in Kroatien und Sberbank banka d.d. in Slowenien wahrscheinlich nicht mehr überlebensfähig. Die Bank könne voraussichtlich bald nicht mehr ihre Schulden bedienen. In Folge der sich immer weiter verschäftenden Krise zogen Kunden ihre Gelder von den Konten ab – die Liquiditätslage verdüsterte sich.

Die EU-Behörde zur Abwicklung maroder Banken, das in Brüssel ansässige Single Resolution Board (SRB), verhängte ein Verkaufs- und Zahlungsverbot für die Sberbank Europe AG und ihre beiden Töchter in Kroatien und Slowenien. Die SRB entscheidet jetzt über die nächsten Schritte. Auch die tschechische Tochter Sberbank CZ geriet ins Wanken. Die tschechische Zentralbank leitete den Lizenzentzug für das Institut ein. Sberbank CZ hatte bereits am Freitag ihre Filialen geschlossen.

Laut der ­österreichischen Einlagensicherung (ESA) lagen die von ihr gedeckten Einlagen bei der Sberbank Europe AG per 26. Februar bei rund 1,1 Milliarden Euro. Dazu gehören gedeckte Einlagen von rund 35.000 deutschen Kunden. Der Anteil der österreichischen Einleger sei hingegen unbedeutend. Einlagen von Sparern sind in der EU bis zu einer Summe von 100.000 Euro geschützt.

Zu den Finanzsanktionen der EU gehört auch ein Einfrieren der hohen Reserven der russischen Zentralbank in der Gemeinschaft. Großbritannien kündigte einen ähnlichen Schritt an, auch die USA wollen folgen. Eine Sprecherin der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die als Notenbank der Notenbanken gilt, sagte am Montag, die BIZ werde kein Weg sein, um Sanktionen zu umgehen. Zur Funktion der in Basel ansässigen BIZ gehört es unter anderem, dass sie Währungs- und Reserve-Transaktionen für ihre Mitglieder unternehmen kann, zu denen auch Russland zählt.

Die genauen Summen der Devisenreserven der russischen Zentralbank, die in anderen Ländern gehalten werden, sind nicht bekannt. Insgesamt verfügt die russische Zentralbank über Devisen- und Goldreserven in Höhe von 640 Milliarden Dollar. In Finanzkreisen hieß es, die Reserven der russischen Zentralbank bei der Bundesbank seien nicht sehr groß. In diesen wurde einem Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” zugestimmt, was aktuell da liege reiche nicht aus um, in Frankfurt ein Einfamilienhaus oder auch nur eine Vierzimmerwohnung zu bezahlen.