ARCHIV: Das Logo der Europäischen Zentralbank (EZB), Frankfurt, Deutschland, 23. Januar 2020. REUTERS/Ralph Orlowski

Nachfrage nach Firmenkrediten nimmt laut EZB-Umfrage weiter zu

Frankfurt (Reuters) – Die zuletzt gestiegene Nachfrage der Unternehmen nach Bank-Krediten ist auch zum Jahreswechsel im Euro-Raum nicht abgerissen.

Für das laufende erste Quartal rechneten Geldhäuser im Währungsraum mit einer weiter anziehenden Nachfrage der Firmen nach Darlehen, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter 152 Instituten hervorgeht. Bereits im Schlussviertel 2021 nahm die Nachfrage kräftig zu. Als Gründe führte die EZB den Bedarf der Firmen an Finanzierungen für Betriebskapital und Investitionen an. Dabei verschärften die Banken laut Umfrage ihre internen Richtlinien für Unternehmenskredite im vierten Quartal nur ganz leicht. Für das erste Jahresviertel 2022 wird mit weitgehend stabilen Vergabestandards gerechnet.

Die Nachfrage nach Krediten mit Corona-bezogenen Staatsgarantien sei zurückgegangen, schrieben die Volkswirte der US-Bank Morgan Stanley zu der Umfrage. Das sei ein weiteres Zeichen für eine erhöhte Widerstandsfähigkeit der Firmen gegenüber der Pandemie. “Noch bemerkenswerter ist, dass die Nachfrage der Unternehmen nach längerfristigen Anlageinvestitionen ‘erheblich’ gestiegen ist”, hieß es in ihrer Analyse. Das deute darauf hin, dass sich die Kreditvergabe-Dynamik in einem stärkeren Wachstum im laufenden und in den nächsten Quartalen niederschlagen könnte.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft im Euro-Raum, berichteten Banken ebenfalls über eine gestiegene Nachfrage nach Firmenkrediten im Schlussquartal 2021, wie die Bundesbank mitteilte. Dahinter stehe der Mittelbedarf der Unternehmen für Lagerhaltung und Betriebsmittel sowie für Anlageinvestitionen. Auswirkungen von Lieferengpässen seien im vierten Quartal kaum noch zu spüren gewesen. Die Institute rechneten hierzulande auch für die nächsten Monate mit einer weiter anziehenden Kreditnachfrage der Unternehmen. Banken hätten vor dem Hintergrund der Lage an den Finanzmärkten zudem von einer verbesserten Refinanzierungssituation berichtet.

BERICHT DÜRFTE AUF ZINSSITZUNG EINE ROLLE SPIELEN

Viermal im Jahr befragt die EZB die Geldhäuser der Euro-Zone zu ihrem Kreditgeschäft. Die Erhebung fand diesmal zwischen dem 13. Dezember und dem 11. Januar statt. In Deutschland nahmen an der Umfrage 34 Banken teil. Die Erkenntnisse aus diesem in der Fachwelt als “Bank Lending Survey” (BLS) bekannten Bericht spielen für die Währungshüter eine wichtige Rolle bei der Ausrichtung ihrer aktuell sehr lockeren Geldpolitik. Die nächste Zinssitzung findet an diesem Donnerstag statt. Trotz der momentan hohen Inflation im Euro-Raum rechnen Experten damit, dass die EZB auf der Sitzung noch keine Zinswende einleitet.

Die EZB ist mit einer Inflation von zuletzt im Dezember 5,0 Prozent konfrontiert – der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1997. Die Teuerungsrate lag damit weit mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der EZB, die mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert anpeilt. Für den Januar rechnen Experten mit einer leichten Abschwächung der Teuerung auf 4,4 Prozent.