ARCHIV: Ein mikroskopisches Bild von Partikeln des Affenpockenvirus, 18. Mai 2022. Cynthia S. Goldsmith, Russell Regnery/CDC/Handout via REUTERS

Affenpocken breiten sich in Europa aus – Erster Fall in Deutschland

Frankfurt/Brüssel/Sydney/Montreal (Reuters) – Nach mehreren europäischen Ländern ist auch in Deutschland ein erster Fall von Affenpocken festgestellt worden.

Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München habe am Donnerstag erstmals in Deutschland bei einem Patienten mit charakteristischen Hautveränderungen das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachgewiesen, teilte der Sanitätsdienst der Bundeswehr am Freitag mit. Es handelt sich um einen 26-jährigen Mann, der aus Brasilien stammt, und von Portugal über Spanien nach Deutschland eingereist ist. Seit etwa einer Woche hält er sich in München auf. Neben Deutschland meldeten am Freitag auch Belgien, Frankreich und Australien erste Fälle.

“Es war nur eine Frage der Zeit, bis Affenpocken auch in Deutschland nachgewiesen werden”, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Er sieht allerdings keine hohe Dunkelziffer in Deutschland. “Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass das Virus nicht so leicht übertragbar ist und dass dieser Ausbruch eingegrenzt werden kann. Das kann aber nur gelingen, wenn schnell gehandelt wird.” Durch die Meldungen aus anderen Ländern seien Ärzte und Patienten sensibilisiert. Lauterbach zufolge soll nun geprüft werden, ob es sich um eine ansteckendere Variante des seltenen Virus handelt.

Affenpocken treten hauptsächlich in West- und Zentralafrika auf und nur sehr selten andernorts, was die gegenwärtigen Ausbrüche ungewöhnlich macht. Seit Anfang Mai werden zunehmend Fälle in Europa festgestellt. Infektionen waren bereits in Großbritannien, den USA und Portugal bekanntgeworden. Spanien, Italien und Kanada meldeten am Donnerstag die ersten Infektionen. Nach Einschätzung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr handelt es sich um den bislang größten und weitreichendsten Ausbruch von Affenpocken in Europa. Der Virologe Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-Universität in München schätzt die Gefahr einer größeren Epidemie aber als gering ein. “Auch die Möglichkeit eines Übertritts des Virus in Tierreservoirs in Europa erscheint unwahrscheinlich.”

Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten. Die Krankheit verläuft in der Regel mild. Bei Affenpocken handelt es sich um eine seltene Viruserkrankung, die von Tieren – vermutlich vor allem von Nagetieren – auf Menschen übertragen werden. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind selten, aber bei engem Kontakt möglich.

Im Nachbarland Belgien wurden am Freitag zwei erste Fälle der Virusinfektion bekannt. Frankreich bestätigte einen ersten Fall in der Region Paris, nachdem am Donnerstagabend ein erster Verdachtsfall gemeldet wurde. In Spanien stieg die Zahl der Infektionen derweil um 14 auf insgesamt 21 Fälle, wie die Behörden in Madrid mitteilten. In Italien wurden zwei weitere Fälle entdeckt. Damit stieg die Zahl der bestätigten Infektionen dort auf drei. In Portugal erhöhte sich die Zahl der Fälle um neun auf insgesamt 23, in Großbritannien um elf auf 20.

Auch Australien meldete am Freitag einen ersten Fall von Affenpocken bei einem männlichen Reisenden, der vor kurzem aus Großbritannien zurückgekehrt war. Ein weiterer Verdachtsfall bei einem Mann, der ebenfalls kürzlich nach Europa gereist war, wird noch geprüft. In Kanada wurden zwei Fälle in der Provinz Quebec gemeldet, die ersten bestätigten Infektionen in dem Land. Die Behörden gehen zudem 17 Verdachtsfällen nach.