ARCHIV: Lufthansa-Flugzeuge auf dem Rollfeld des Frankfurter Flughafens, Frankfurt, Deutschland, 25. Juni 2020. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Lufthansa fliegt in Corona-Krise aus der Verlustzone

– von Ilona Wissenbach

Entgegen der Erwartung von Analysten schrieb der Konzern im abgelaufenen Sommerquartal schwarze Zahlen, zumindest operativ. Damit habe die Airline-Gruppe einen weiteren Meilenstein auf dem Weg aus der von der Corona-Pandemie ausgelösten Krise erreicht, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Die gestiegene Nachfrage nach Ferienflügen in Europa, ein Anspringen der Geschäftsreisen und der Rekordgewinn bei der Frachttochter Lufthansa Cargo sorgten für den ersten Mini-Betriebsgewinn von 17 Millionen Euro nach anderthalb Jahren hoher Verluste. “Die positive Entwicklung wird sich weiter fortsetzen”, sagte Spohr. Nach einer Halbierung des Betriebsverlusts 2021 auf gut zweieinhalb Milliarden Euro werde der Konzern im Jahr 2022 wieder profitabel.

Analysten hatten im Schnitt noch mit einem operativen Verlust von 33 Millionen Euro gerechnet, da die Lufthansa stärker als andere Fluggesellschaften von der Rückkehr von Geschäftsreisen abhängig ist. Lufthansa-Aktien stiegen nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen um mehr als fünf Prozent. Ohne die hohen Kosten für Programme zum Personalabbau erzielte der MDax-Konzern einen operativen Gewinn von 272 Millionen Euro.

In den Sommermonaten erholte sich der Luftverkehr in Europa dank schwindender Corona-Reisebeschränkungen spürbar, sodass die Tochter Eurowings überraschend einen Betriebsgewinn von 108 Millionen Euro erzielte. Auch die zum Konzern gehörenden Airlines Swiss und Austrian verbuchten Quartalsgewinne, die Kernmarke Lufthansa schrieb dagegen rote Zahlen. Auf Rekordkurs ist die Frachttochter Lufthansa-Cargo zu mehr als einer Milliarde Euro Betriebsgewinn im Jahr. Die Nachfrage nach Luftfracht ist wegen der Engpässe in der Schifffahrt und Störungen globaler Lieferketten hoch, das Kapazitätsangebot aber weiter knapp, deshalb steigen die Frachtpreise. “Ein Ende der Erfolgsserie ist derzeit nicht absehbar”, sagte Spohr. Die günstige Angebot-Nachfrage-Kluft bleibe wahrscheinlich über 2022 hinaus bestehen.

LUFTHANSA SIEHT SICH IM STEIGFLUG

Auch Europas führender Billigflieger Ryanair und Air France KLM waren im Sommerquartal erstmals wieder profitabel gewesen. Ryanair schaffte sogar einen Nettogewinn, während Lufthansa unter dem Strich 72 Millionen Euro Verlust machte. Die zwölf Airlines der Lufthansa-Gruppe beförderten von Juli bis September 19,6 Millionen Passagiere. Das entsprach knapp der Hälfte des Vorkrisenniveaus. Der Umsatz war mit 5,2 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie vor Jahresfrist.

Die Neubuchungen hätten schon im September rund 80 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht, auch auf den lukrativen Transatlantikrouten, erklärte Spohr. “Die Buchungszahlen steigen und steigen.” Denn ab dem 8. November lassen die USA Reisende mit Covid-Impfung wieder ins Land. Trotzdem bleibt die Lufthansa bei der Jahresprognose von nur 40 Prozent der Vorkrisenkapazität. Im kommenden Jahr soll diese auf 80 Prozent ab Sommer steigen, sodass im Gesamtjahr 2022 mehr als 70 Prozent der Sitzplatzkapazität von 2019 angeboten werden. Das sei eine vorsichtige Planung, erklärte Spohr. Die Lufthansa bleibe wegen der Unsicherheit durch Corona flexibel, sich in beide Richtungen anzupassen. Ein Bremsklotz ist noch die weitgehende Abschottung Chinas, das ein Viertel des Langstreckengeschäfts ausmacht. Hier erwartet der Lufthansa-Chef ein Ende der Reisebeschränkungen nicht vor Mitte 2022.

NOCH PERSONALÜBERHANG VON 3000 BESCHÄFTIGTEN

Die Lufthansa kommt mit dem Personalabbau in Deutschland und dauerhaften Kostensenkungen voran, denn die Beschäftigten nehmen Abfindungen und Altersteilzeit stärker an als erwartet. In diesem Jahr haben 4000 Arbeitskräfte das Unternehmen schon verlassen, 3000 weitere haben entsprechende Vereinbarungen getroffen. Es gebe damit noch einen Personalüberhang von rechnerisch bis zu 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland, erklärte die Airline. Zuletzt zählte Europas größte Airline-Gruppe noch 107.000 Beschäftigte, vor der Corona-Krise waren es knapp 140.000. Mittlerweile seien die jährlichen Kosten um dauerhaft 2,5 Milliarden Euro gesenkt, angepeilt werden 3,5 Milliarden.

Das zweite Quartal in Folge verbrannte die Lufthansa kein Geld mehr, sondern erzielte 13 Millionen Euro Barmittel. Der MDax-Konzern kann nach der Kapitalerhöhung im Oktober bald ohne die milliardenschwere Staatshilfe auskommen, ohne die er pleite gegangen wäre. Die Lufthansa musste mit neun Milliarden Euro Finanzhilfen von Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien in der Corona-Krise gestützt werden. Der deutsche Staat sprang als Großaktionär ein. Die Lufthansa brauchte aber nur einen Teil des Geldes. Bis Jahresende und damit schneller als erwartet will Finanzchef Remco Steenbergen die deutsche Staatshilfe tilgen.