ARCHIV: Das DAX-Logo auf dem Handelsparkett der Börse in Frankfurt, Deutschland, 29. Dezember 2017.

Börsen geben nach – Konsumsektor ächzt unter Preisanstieg

Frankfurt (Reuters) – Europas Anleger trauen sich mit Blick auf die düsteren Wirtschaftsaussichten noch nicht wieder an die Aktienmärkte zurück.

Der Dax rutschte am Donnerstagnachmittag 1,7 Prozent auf 13.768 Zähler ab. Der EuroStoxx50 gab 2,2 Prozent nach. “Auf dem Parkett machen Schlagworte wie Rezession und Gewinneinbruch die Runde”, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Immer weniger Investoren glaubten, dass der US-Notenbank Fed der Spagat gelingt, die Inflation geldpolitisch zu bekämpfen, ohne den Konjunkturmotor abzuwürgen. Auch an den US-Börsen zeichneten sich vor Handelsbeginn erneute Kursverluste ab. In den vergangenen fünf Handelstagen hatte der technologielastige Nasdaq-Index fast fünf Prozent eingebüßt. “Ich bin immer noch nicht überzeugt, dass das der Boden ist”, sagte Stratege Neil Wilson von Markets.Com. “Auch wenn es noch so schlimm aussieht, es kann immer noch schlimmer kommen.” Die düsteren Aussichten der Einzelhandelsriesen Walmart und Target hätten das Ausmaß der auf die Konsumenten zurollenden Inflationskrise erkennbar gemacht. Beide verdienten wegen der steigenden Kosten deutlich weniger.

DAS R-WORT GEHT UM

Am Markt wird spekuliert, die Fed könne angesichts des anhaltend hohen Preisauftriebs künftig zu noch größeren Zinsschritten in Höhe von einem Dreiviertel-Prozentpunkt gezwungen sein. Anfang Mai hatte die Fed den Zinssatz um einen halben Prozentpunkt auf die neue Zins-Spanne von 0,75 bis 1,00 Prozent erhöht. Die Strategen von Goldman Sachs sehen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 35 Prozent, dass die US-Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren in eine Rezession eintritt, während die jüngste Studie von Morgan Stanley eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent für eine Rezession in den nächsten zwölf Monaten zeigte.

Auch im Euro-Raum stellen sich inzwischen immer mehr Investoren auf steigende Zinsen ein. Für den zuletzt gebeutelten Euro ging es deswegen aufwärts. Die Gemeinschaftswährung legte 0,6 Prozent auf 1,0524 Dollar zu. Vergangenen Freitag war sie mit 1,0348 Dollar auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren gefallen.

GEWINNEINBRUCH BEI TARGET MACHT EINZELHÄNDLERN ZU SCHAFFEN

Der Gewinneinbruch beim US-Discounter Target zog Aktien europäischer Mitbewerber wie Tesco, Hennes & Mauritz (H&M) oder Marks & Spencer um bis zu fünf Prozent nach unten. Der Branchenindex büßte 2,8 Prozent ein. Im SDax rutschten Metro-Aktien 3,2 Prozent ab.

Ein düsterer Ausblick setzte Royal Mail zu. Die Aktien des britischen Brief- und Paketzustellers brachen in London um mehr als vierzehn Prozent ein. Die erwarteten Gewinne für die Geschäftsjahr 2022/23 von 303 Millionen Pfund seien schwer zu erreichen, wenn der Arbeitskonflikt mit der Gewerkschaft nicht gelöst werde, teilte der Konzern mit. JP Morgan zufolge ist es unwahrscheinlich, dass die Lohnverhandlungen reibungslos verlaufen. “Wir gehen davon aus, dass die Schätzungen immer noch ein erhebliches Abwärtsrisiko aufweisen könnten.”

Nach einem Medienbericht über einen angeblichen neuen Anlauf der Hypovereinsbank-Muttergesellschaft UniCredit für einen Zusammenschluss mit der Commerzbank langten einige Investoren tags darauf erneut zu. Die Aktien des Frankfurter Institutes kletterten um zwei Prozent auf 7,166 Euro, die Titel der Italiener stiegen um 0,7 Prozent auf 10,03 Euro.

(Bericht von Anika Ross. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)