Die Skyline bei Sonnenuntergang in Frankfurt, Deutschland, am 18. April

Konjunkturerwartungen der Börsianer sinken dritten Monat in Folge

Das Barometer für die Einschätzung der nächsten sechs Monate sank um 22,9 auf 40,4 Zähler. Das ist der niedrigste Wert seit November 2020, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 178 Analysten und Anlegern mitteilte. “Dies weist auf zunehmende Risiken für die deutsche Konjunktur hin, wie etwa eine mögliche vierte Covid-Welle ab Herbst oder eine Abschwächung des Wachstums in China”, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem leichten Rückgang auf 56,7 Zähler gerechnet.

Zugleich wurde die Lage deutlich besser eingeschätzt: Hier kletterte das Barometer um 7,4 auf 29,3 Punkte. “Die seit Monaten andauernde deutliche Verbesserung der konjunkturellen Lageeinschätzung zeigt, dass sich die Erwartungen auf Grund des schon erreichten höheren Wachstums abschwächen”, sagte Wambach dazu. Das sehen Ökonomen genauso. “Dass der Optimismus nachlässt, je länger ein Aufschwung dauert, liegt fast in der Natur der Sache”, sagte der Chefvolkswirt von Union Investment, Jörg Zeuner.

Die deutsche Wirtschaft wuchs im Frühjahr um 1,5 Prozent, nachdem es zum Jahresauftakt wegen der Corona-Beschränkungen einen Einbruch um 2,1 Prozent gegeben hatte. Für das laufende Sommerquartal rechnet Ökonom Jörg Angelé vom Vermögensverwalter Bantleon mit einem Wachstum von etwa drei Prozent. “Insbesondere die privaten Konsumausgaben dürften einen Satz nach oben machen”, sagte der Experte. “Das lässt sich bereits an den täglich verfügbaren Daten zum Einkaufsverhalten sowie zu Restaurantbesuchen ablesen.” Demzufolge habe die Kundenfrequenz in Einkaufsläden und Freizeiteinrichtungen zuletzt über dem Vorkrisenniveau gelegen.

Die exportabhängige deutsche Industrie profitiert derzeit zwar von steigender Nachfrage aus Übersee – insbesondere USA und China. Doch litt sie zuletzt unter massiven Versorgungsengpässen, durch die geringe Verfügbarkeit an Rohstoffen und Schiffscontainern.