ARCHIV: Das DAX-Logo auf dem Handelsparkett der Börse in Frankfurt, Deutschland, 29. Dezember 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

Jo-Jo-Kurs an Europas Börsen – Euro und Gaspreis im Blick

Frankfurt (Reuters) – Hin- und hergerissen zwischen ermutigenden Firmenbilanzen und Konjunktursorgen fassen Anleger europäische Aktien nur mit spitzen Fingern an.

“Es gibt im Moment kaum Mutige”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Vorsicht ist das Gebot der Stunde.” Nervös machte Investoren unter anderem der Stopp russischer Gasexporte nach Polen und Bulgarien. Gleichzeitig fiel die Kauflaune der deutschen Verbraucher auf einen historischen Tiefpunkt.

Dax und EuroStoxx50 gingen daraufhin am Mittwoch auf Achterbahnfahrt und lagen am Abend jeweils leicht im Plus bei 13.793,94 beziehungsweise 3725,83 Punkten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte 0,8 Prozent vor. Am Devisenmarkt fiel der Euro um 1,2 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief von 1,0512 Dollar. Selbst wenn die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli mit Zinserhöhungen beginnen sollte, werde sie behutsamer vorgehen als die US-Notenbank Fed, prognostizierte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Dabei seien mögliche Belastungen für die europäische Konjunktur durch ein EU-Embargo russischer Energielieferungen noch gar nicht berücksichtigt. Dadurch rücke die Parität, also ein Euro/Dollar-Kursverhältnis von eins zu eins, wieder ins Blickfeld.

GASPREIS STEIGT – ÖLPREIS FÄLLT

Als Reaktion auf das Aus für russische Gasexporte an einige EU-Staaten stieg der europäische Erdgas-Future um acht Prozent auf 106 Euro je Megawattstunde. Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch bezeichnete die Kursaufschläge als relativ moderat. Schließlich habe Polen bereits in den vergangenen Wochen Gas aus Deutschland bezogen und werde ab Herbst eine Pipeline-Verbindung zu norwegischen Gasfeldern erhalten.

Außerdem sehe es so aus, dass Deutschland deutlich schneller von russischen Öl-Lieferungen unabhängig werde als bislang gedacht, fügte Fritsch hinzu. “Damit könnte Deutschland auch seinen Widerstand gegen ein Ölembargo der EU gegen Russland aufgeben.” Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 104,35 Dollar je Barrel (159 Liter) ab. Ein Anstieg der US-Lagerbestände und ein drohender Nachfrage-Rückgang durch die neuen Corona-Lockdowns in China lasteten auf dem Markt, sagte Analyst Giovanni Staunovo von der Bank UBS.

LICHT UND SCHATTEN BEI DEN BANKENBILANZEN

Ganz unterschiedlich reagierten Investoren auf die Geschäftszahlen von Commerzbank und Deutscher Bank: Die Aktien der Ersteren verbuchten dank eines verdoppelten Überschusses ein Kursplus von 1,3 Prozent. Die Titel der Letzteren rutschten dagegen trotz eines Gewinnsprungs und des besten Quartalsergebnisses seit neun Jahren um 5,6 Prozent ab. Grund hierfür sei wie bei zahlreichen anderen Firmen die Warnung vor steigenden Kosten, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Kurz vor Handelsschluss setzte sich Hellofresh mit einem Kursplus von knapp zwölf Prozent an die Spitze des Dax. Der Kochbox-Lieferant legte ein Quartalsergebnis über den Erwartungen vor.

An der Wall Street gehörte Microsoft mit einem Kursplus von sieben Prozent zu den Favoriten, nachdem der Softwarekonzern ein Quartalsergebnis über Markterwartungen bekanntgegeben und zweistellige Wachstumsraten in Aussicht gestellt hatte. Ein Wermutstropfen sei allerdings, dass die Umsatzerwartungen nicht in selben Umfang übertroffen worden seien wie im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, schrieb Analyst Brent Thill von der Investmentbank Jefferies.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)