ARCHIV: Zwei Euro-Münzen in der Zentrale des Money Service Austria in Wien, Österreich, 16. November 2017. REUTERS/Leonhard Foeger

Inflation im Euro-Raum schnellt auf Rekordniveau hoch

Frankfurt (Reuters) – Kräftig gestiegene Energiepreise haben die Inflation im Euro-Raum auf ein Rekordniveau getrieben.

Die Teuerungsrate kletterte im November auf 4,9 Prozent, der höchste Wert seit Beginn der Währungsunion, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten lediglich 4,5 Prozent erwartet. Die Inflation liegt damit mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie strebt mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent an. Auch im Oktober hatte die Inflation mit 4,1 Prozent deutlich über der Notenbank-Zielmarke gelegen.

Die EZB geht bislang davon aus, dass der momentane Preisschub nicht von Dauer sein und die Inflation bald wieder zurückgehen wird. Notenbank-Direktorin Isabel Schnabel sagte zuletzt in der Montagabend in der ARD: “Wir gehen davon aus, dass jetzt der Höhepunkt der Inflationsentwicklung erreicht ist.” Dafür gebe es eine Reihe von Gründen. Schnabel rechnet damit, dass sich Lieferengpässe allmählich auflösen und die Energiepreise nicht mehr ganz so stark steigen werden. Zudem erwartet sie, dass einige statistische Sondereffekte aus der Berechnung herausfallen werden.

Energie war im November mit einem Preisanstieg von 27,4 Prozent der stärkste Inflationstreiber im Euro-Raum. Ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel läge die Inflation im November insgesamt nur bei 2,6 Prozent. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 1,9 Prozent, Industriegüter ohne Energie um 2,4 Prozent. Dienstleistungen kosteten 2,7 Prozent mehr.

EXPERTEN ERWARTEN ANHEBUNG DER EZB-PROGNOSEN

Aus Sicht von Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhaus Lampe werden durch den Anstieg auf 4,9 Prozent die Inflationssorgen zwar zunehmen. “Die Spitze des Inflationsanstiegs ist aber greifbar.” An höhere Inflationsraten gelte es sich dennoch zu gewöhnen. “Die Gretchenfrage lautet weiter, ob struktureller Inflationsdruck die Aussicht von temporär auf dauerhaft ändern wird.”

Nach Einschätzung von Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil hat die Inflationsrate im November bereits den Gipfel erreicht “Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass mit den heutigen Zahlen das Risiko gestiegen ist, dass die Teuerungsrate in der ersten Jahreshälfte 2022 deutlich höher ausfallen wird als von der EZB bislang erwartet”, merkte er an. Die EZB wird auf ihrer Zinssitzung im Dezember neue Konjunktur- und Inflationsprognosen für den Euro-Raum vorstellen. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Währungshüter ihre Inflationserwartungen anheben werden.

In Deutschland war die Inflation im November wegen teurer Energie sogar erstmals seit 29 Jahren über die Marke von fünf Prozent geklettert. Einen höheren Wert als die gemessenen 5,2 Prozent hatte es zuletzt während des Wiedervereinigungsbooms im Jahr 1992 mit 5,8 Prozent gegeben.