ARCHIV: Ein Arbeiter verarbeitet Fleisch in einer Kebab-Produktionshalle in Berlin, Deutschland, 5. September 2006. REUTERS/Tobias Schwarz

Ifo – Unternehmen wollen wegen Corona-Sorgen weniger einstellen

Berlin (Reuters) – Angesichts der schwierigen Konjunkturlage sinkt bei den deutschen Unternehmen die Bereitschaft zur Einstellung neuer Mitarbeiter.

Das Beschäftigungsbarometer sank im Dezember um 1,0 auf 102,9 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 9000 Firmen mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit knapp einem halben Jahr. “Aufgrund der Coronawelle kündigen das Gastgewerbe, die Veranstaltungswirtschaft und der Tourismus Entlassungen an”, begründete der Ifo-Umfragenleiter Klaus Wohlrabe den Abwärtstrend.

Dagegen ist in der Industrie das Beschäftigungsbarometer erneut gestiegen. “Die sehr gute Auftragslage soll im nächsten Jahr mit verstärktem Personal bewältigt werden”, sagte Wohlrabe dazu. Die Dienstleister haben ihre Personalplanungen hingegen deutlich nach unten korrigiert. “In den konsumnahen Dienstleistungen ist sogar mit Entlassungen zu rechnen”, so der Ifo-Experte. Unternehmen im Einzelhandel möchten gegenwärtig kaum neue Mitarbeiter einstellen. “Auch der große Optimismus im Baugewerbe ist im Dezember wieder verschwunden”, sagte Wohlrabe. Trotzdem gebe es dort immer noch eine leichte Tendenz, die Mitarbeiterzahl zu erhöhen.

Der deutschen Wirtschaft droht angesichts der befürchteten fünften Corona-Welle mit der hochansteckenden Omikron-Variante ein harter Winter. Deutschland steht deshalb vor weiteren Einschränkungen – auch für Geimpfte. Belastet wird die Konjunktur außerdem von Lieferengpässen. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im zu Ende gehenden Schlussquartal 2021 spürbar an Fahrt verliert. Das Ifo-Institut rechnet sogar mit einem Schrumpfen um 0,5 Prozent. Auch der Jahressbeginn dürfte von der Corona-Krise überschattet werden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2022 deshalb statt der noch im Herbst erwarteten 5,1 Prozent nur noch um 3,7 Prozent zulegen, so die Münchner Wirtschaftsforscher.