Gertjan Vlieghe, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank of

Führungsmitglied der Bank von England für Festhalten an Konjunkturhilfen

Der jüngste Anstieg der Inflation sei wahrscheinlich nur vorübergehend, sagte Gertjan Vlieghe, der im geldpolitischen Ausschuss der Notenbank sitzt, am Montag in einer Rede für die London School of Economics. “Ich denke, dass es angemessen ist, die gegenwärtige geldpolitische Unterstützung für mindestens einige Quartale in Kraft zu lassen und wahrscheinlich noch länger”, sagte Vlieghe. Die nächste Zinssitzung der Bank von England ist am 5. August.

Sollte eine Straffung der Geldpolitik erforderlich sein, sei nicht viel erforderlich, sagte der Notenbanker. Denn der neutrale Zins liege derzeit auf einem niedrigen Niveau. Die Zinssitzung im August wird Vlieghes letzte sein, bevor er die Bank von England verlässt. Unter dem neutralen Zins wird in der Volkswirtschaft das Zinsniveau bezeichnet, bei dem die Konjunktur weder angeschoben noch gebremst würde.

Im Juni war die Inflation in Großbritannien auf 2,5 Prozent gestiegen – der höchste Wert seit August 2018. Die Bank von England, die zwei Prozent Teuerung für die Wirtschaft anstrebt, hatte ihren Leitzins dennoch bei 0,1 Prozent gehalten, da sie den Preisauftrieb als vorübergehend ansieht. Zudem blieb das Volumen ihres laufenden Wertpapierkaufprogramms bei 895 Milliarden Pfund. Die Finanzmärkte gehen derzeit davon aus, dass die Notenbank bis August nächsten Jahres den Leitzins auf 0,25 Prozent erhöhen wird.

Angesichts des Inflationsschubs war in der Notenbank zuletzt eine Debatte über die Zukunft der Konjunkturhilfen entbrannt. Zwar erteilte das Führungsmitglied Jonathan Haskel Überlegungen einer baldigen Kurskorrektur eine klare Absage. Zwei seiner Kollegen aus dem geldpolitischen Ausschuss hatten aber signalisiert, es werde Zeit über ein Herunterfahren der in der Corona-Krise aufgelegten Konjunkturhilfen nachzudenken.