ARCHIV: Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), bei einer Pressekonferenz nach der geldpolitischen Sitzung der EZB in Frankfurt, Deutschland

EZB-Präsidentin rechnet mit Konjunktureintrübung in kommenden Quartalen

Frankfurt (Reuters) – EZB-Präsidentin Christine Lagarde rechnet wegen des Ukraine-Krieges mit einer erheblichen Konjunkturabschwächung.

“Die wirtschaftlichen Folgen für den Euro-Raum haben sich seit unserem letzten Treffen im Juni weiter entfaltet, und die Aussichten verdüstern sich”, sagte Lagarde am Montag bei einer Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss (ECON) des EU-Parlaments in Brüssel. Die Wirtschaftsaktivität werde sich in den nächsten Quartalen substanziell abschwächen. Zudem sei die Inflation viel zu hoch und werde für einen längeren Zeitraum über dem Inflationsziel der Währungshüter verharren. “Die Abwertung des Euro hat ebenfalls zum Aufbau von Inflationsdruck beigetragen”, sagte sie.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte unlängst im Kampf gegen die ausufernde Inflation, die im August ein Rekordniveau von 9,1 Prozent markierte, die Zinsen um ungewöhnlich kräftige 0,75 Prozentpunkte. Es war die größte Zinserhöhung seit Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002. Das mittelfristige Inflationsziel der EZB liegt bei zwei Prozent. Die nächste Zinssitzung der Euro-Notenbank ist für den 27. Oktober geplant.

Lagarde stellte erneut weitere Zinsschritte in Aussicht. “Wir gehen davon aus, dass wir die Zinssätze in den nächsten Sitzungen weiter anheben werden, um die Nachfrage zu dämpfen und uns vor der Gefahr einer anhaltenden Aufwärtsbewegung der Inflationserwartungen zu schützen”, sagte sie. Regierungen im Euro-Raum rief sie dazu auf, geplante fiskalische Maßnahmen, mit denen die Folgen der hochschießenden Energie-Preise für die Bevölkerung abgemildert werden sollen, befristet zu halten. “Es ist wichtig, dass die fiskalische Unterstützung, mit der die Haushalte vor den Auswirkungen höherer Preise geschützt werden, vorübergehend und zielgerichtet ist”, sagte sie. Damit werde das Risiko begrenzt, dass die Inflation weiter angeheizt werde. Auch erleichtere dies die Aufgabe der Geldpolitik.

(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)