ARCHIV: Das Logo der Europäischen Zentralbank (EZB), Frankfurt, Deutschland, 23. Januar 2020. REUTERS/Ralph Orlowski

EZB-Notenbanker erwartet bei neuem Instrument keine konkreten Renditenziele

Lissabon (Reuters) – Die Europäische Zentralbank (EZB) wird laut einem ihrer führenden Notenbanker ihr geplantes neues geldpolitisches Instrument nicht an genaue Zielvorgaben bei den Anleiherenditen knüpfen.

Es werde keine konkreten Ziele für die Renditeabstände (Spreads) der Staatsanleihen geben, sagte der portugiesische Notenbankchef Mario Centeno am Freitag. Die EZB hatte vergangene Woche auf einer Sondersitzung beschlossen, rasch die Entwicklung eines neuen Werkzeugs abzuschließen. Mit diesem will die Euro-Notenbank gegen eine unerwünschte Ausweitung der Anleihe-Spreads vorgehen.

Zuletzt war es am Anleihemarkt zu Verwerfungen gekommen. Die Renditeabstände, die Spreads, zwischen den Staatsanleihen Deutschlands und denen südlicher Euro-Länder wie Italien hatten sich stark ausgeweitet. Zeitweise lag der Renditeaufschlag für italienische 10-jährige Staatsanleihen bei 2,50 Prozentpunkten, der höchste Abstand seit 2020. Die Rendite kletterte auf über vier Prozent. Dies hat Sorgen ausgelöst, es könnte eine neue Euro-Krise heraufziehen. Denn für das stark verschuldete Italien bedeuten steigende Risikoaufschläge höhere Finanzierungskosten. Mit dem neuen Werkzeug sollen die Renditeabstände eingehegt werden. Die EZB spricht in diesem Zusammenhang von einem Kampf gegen eine “Fragmentierung” im Euro-Raum.

Nach Einschätzung von Experten wird das neue Instrument ein neues Anleihenkaufprogramm sein. Centeno zufolge wird es die Entschlossenheit der Währungshüter zeigen, gegen eine Fragmentierung in der Ländergemeinschaft vorzugehen. Bislang ist über die konkrete Ausgestaltung des Werkzeugs nur wenig bekannt. Insidern zufolge soll es an eher lockere Bedingungen geknüpft werden.

(Bericht von Sergio Goncalves, bearbeitet von Frank Siebelt, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)