ARCHIV: Flagge der Europäischen Union an der Fassade des Hauptsitzes der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, Deutschland, 30. Dezember 2021. REUTERS/Wolfgang Rattay

EZB-Bankenaufseher in Sorge wegen Schleichwegen von Banken nach Brexit

Frankfurt/Berlin (Reuters) – Die EZB will die Geschäftspraxis vieler global operierender Investmentbanken beschränken, Kunden in der Euro-Zone auch nach dem Brexit weiter von London aus zu betreuen.

Der oberste EZB-Bankenaufseher Andrea Enria kündigte am Donnerstag in einem Blog “bindende Entscheidungen” für Investmentfirmen an. Dies werde von Fall zu Fall geschehen. Damit könnten sie dazu gebracht werden, Personal und Handelsaktivitäten in den Euroraum zu verlagern.

Trotz entsprechender Aufforderungen der Europäischen Zentralbank, die für die Aufsicht über die größten Geldhäuser im Euroraum zuständig ist, sind Investmentbanken dieser Bitte nur zögerlich nachgekommen. Laut Enria geht es auch darum, dass das Risikomanagement mit den im Euroraum geltenden aufsichtsrechtlichen Regeln im Einklang stehen müsse.

Der Italiener nannte zudem im Zusammenhang mit dem Brexit geschaffene Mantelgesellschaften Grund zu “sehr realer Sorge”. Diese könnten im Euroraum operieren, würden aber trotz der mit dem Standort verbundenen Regulierungsauflagen in puncto Risikomanagement und Finanzinfrastruktur komplett auf Zentren in Drittstaaten zurückgreifen.

Im Januar 2020 hat Großbritannien die Europäische Union (EU) verlassen. Die auf der Insel ansässige Finanzindustrie hat auch den direkten Zugang zum EU-Binnenmarkt verloren. Im Zuge des schrittweisen EU-Ausstiegs wurde Banken der “EU-Pass” entzogen, der sie im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) berechtigt, ihre dortigen Kunden mit lediglich einer einzigen im EWR lizensierten Gesellschaft zu bedienen. Mehrere internationale Banken sind daher dazu übergegangen, Geschäftsstandorte von London auf Zweigstellen im Euroraum zu verlagern.