ARCHIV: Logo der Erste Group vor einer ihrer Filialen in Wien, Österreich, 27. September 2016

Erste Group macht sich trotz gepolitischer Risken kaum Sorgen

– von Alexandra Schwarz-Goerlich

Wien (Reuters) – Österreichs größte Bank Erste Group blickt trotz der geopolitischen Unsicherheiten zuversichtlich auf ihre Geschäfte.

“Wir haben keine Kristallkugel wie es jetzt weitergehen wird, aber wir glauben, dass es mit einem abgeschwächten Wachstum weiter gehen wird”, sagte Bankchef Bernhard Spalt am Freitag. Aktuell gebe es viele Bedrohungsszenarien, aber die Bank sei gut aufgestellt und liquiditätsstark.

Unterstützt von weitgehend positiven Konjunkturaussichten für die Kernmärkte in Osteuropa rechnet die Bank weiterhin mit einem Kreditwachstum im mittleren einstelligen Bereich. Zudem werde erwartet, dass die Vorsorgen für Kreditausfälle auf einem niedrigen Niveau bleiben sollen. Insgesamt sieht Finanzchef Stefan Dörfler daher für das Gesamtjahr 2022 eine Steigerung des Betriebsergebnisses. Im Vorjahr war der operative Gewinn auf 3,44 Milliarden Euro geklettert. Die Eigenkapitalverzinsung (ROTE) soll im zweistelligen Bereich liegen.

KUNDEN HABEN NUR GERINGES RUSSLAND-EXPOSURE

Relativ entspannt gibt sich die Bank auch, weil sie anders als der Wiener Rivale Raiffeisen Bank International kein eigenes Geschäft in Russland und der Ukraine hat. Und auch die Kunden der Erste Group – die Bank zählt zu den größten Kreditgebern in Mittel- und Osteuropa – sind nur wenig exponiert in den beiden Regionen. Weniger als zwei Prozent des gesamten Kunden-Kreditexposures würden deswegen unter einer spezieller Beobachtung stehen, sagte Risikochefin Alexandra Habeler-Drabek.

“Es ist ein sehr eigenes Gefühl, nach zwei Jahren Pandemie und zwei Monaten Krieg in Europa über die gute Risikosituation zu sprechen”, sagte die Managerin. Sie erklärte das damit, dass sich die Kunden in der Corona-Pandemie auch dank der staatlichen Hilfen gut geschlagen hätten. Die Bank hatte 2020 Vorsorgen für Kreditausfälle von über 600 Millionen Euro getroffen, die Reserven mussten aber nicht angegriffen werden. “Wir gehen jetzt in diese sehr unsichere Situation aus einer Position der Stärke und mit einem großen Sicherheitspolster, was Risikovorsorgen betrifft”, sagte Habeler-Drabek. Die Bank werde auch diese Krise gut meistern, sagte sie.

Im ersten Quartal erzielte das Institut dank Zuwächsen im operativen Kerngeschäft einen Gewinnsprung. Das Betriebsergebnis stieg um 10,4 Prozent auf 801,0 Millionen Euro, der Nettogewinn erhöhte sich um gut ein Viertel auf 448,8 Millionen Euro. Die Erste Group hat damit die Erwartungen der Analysten übertroffen, die im Schnitt einen Nettogewinn von 410,0 Millionen Euro prognostiziert hatten. Die Risikokosten erhöhten sich auf 59,1 Millionen Euro nach 35,7 Millionen Euro, blieben damit aber auf einem weiterhin niedrigen Niveau.