ARCHIV: Das Logo der Agentur für Arbeit in Kehl, Deutschland, 13. November 2014 . REUTERS/Vincent Kessler

Deutscher Arbeitsmarkt vor dem Krieg im Aufwärtstrend

Nürnberg (Reuters) – Der deutsche Arbeitsmarkt hat die Corona-Krise weitgehend abgeschüttelt und seinen Aufwärtstrend im Februar fortgesetzt.

In den “wirklich hervorragenden Daten” sei aber noch nicht abgebildet, “dass wir in Europa einen Krieg vor der Haustür haben”, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, am Mittwoch in Nürnberg. Die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland für deutsche Unternehmen seien schwer abzuschätzen. Einerseits stehe Russland für Deutschland nur auf Platz 14 der Handelspartner. Andererseits habe das Land eine Schlüsselposition bei der Versorgung mit Gas und Kohle. Mögliche Einbrüche in einzelnen Branchen seien aber beherrschbar. “Dafür ist das Kurzarbeitergeld da”, sagte Scheele.

Die Arbeitslosenzahl ging im Februar um 34.000 auf 2,428 Millionen zurück. Das waren laut BA 476.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,1 Punkte auf 5,3 Prozent. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen habe es im Februar 33.000 Erwerbslose weniger gegeben als im Januar. Auch die Kurzarbeit gehe entgegen den eigenen Erwartungen weiter zurück. Nach vorläufigen Daten habe es im Dezember noch 641.000 Kurzarbeitende gegeben, nach rund 690.000 im November. “Offenbar haben viele Betriebe und Unternehmen aufgrund der Unsicherheit am Arbeitsmarkt Kurzarbeit vorsorglich angezeigt, diese aber dann nicht in Anspruch genommen”, erklärte Arbeits-Staatssekretärin Leonie Gebers. Im Februar registrierte die BA noch 201.000 vorsorgliche Anzeigen von Kurzarbeit.

Kurzfristig dürfe der Aufschwung am Arbeitsmarkt nach Einschätzung der KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib auch durch die russische Invasion in der Ukraine nicht gestoppt werden. “Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und die gegen Russland verhängten Sanktionen dürften zwar über die Verteuerung von Öl und Gas die Unternehmen und private Haushalte in Deutschland belasten”, erklärte Köhler-Geib. “Aber es ist wenig wahrscheinlich, dass dies ausreicht, den Beschäftigungsaufschwung im Frühjahr zu verhindern.” Mittelfristig seien neue Engpässe bei Rohstoffen oder sogar eine Rationierung der Gasversorgung Risiken für den Arbeitsmarkt.