Das Logo der Immobiliengesellschaft Vonovia . 10. Mai 2016.

Deutsche-Wohnen-Aktionäre spekulieren auf neues Angebot

“Es ist klar, dass dafür eine neue und höhere Offerte vorgelegt werden müsste”, schrieb Berenberg-Analyst Kai Klose am Montag in einem Kommentar. “Vonovia sollte es noch einmal versuchen.” Er hob das Kursziel für Deutsche Wohnen auf 55 von 52 Euro an und empfahl die Aktie zum Kauf. An der Börse kletterten die Papiere um 1,3 Prozent auf 51,80 Euro und blieben damit knapp unter den 52 Euro, die Vonovia – vergeblich – geboten hatte. Der Bochumer Branchenführer hatte nur 47,6 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien eingesammelt und das Ziel von 50 Prozent verfehlt. “Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen. Es da wieder herauszuholen, wird teuer und kompliziert”, sagte ein beteiligter Banker.

Vonovia erklärte die Übernahme am Montag auch offiziell für gescheitert. Rund acht Millionen der 343 Millionen im Umlauf befindlichen Deutsche-Wohnen-Aktien fehlten dem Bieter am Ende. “Die eingereichten Deutsche-Wohnen-Aktien werden zurückgebucht”, hieß es in der Pflichtmitteilung. Der Misserfolg hatte sich am Freitag bereits abgezeichnet. “Man war sich offenbar zu sicher”, sagte ein Insider.

Vonovia-Chef Rolf Buch hat einen neuen Anlauf aber nicht ausgeschlossen. Um schnell reagieren zu können, bräuchte er die Zustimmung des Deutsche-Wohnen-Vorstands um Michael Zahn – sonst zwingt ihn das Übernahmegesetz (WpÜG), zwölf Monate zu warten. “Es ist alles möglich. Wir können nichts tun, wir können kaufen, wir können verkaufen. Aber jetzt müssen wir eine saubere Analyse machen, wie es weitergeht”, hatte Buch der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Der Branchenriese ist mit fast 18,4 Prozent der Anteile größter Aktionär von Deutsche Wohnen. Das Aktienpaket ist rund 3,4 Milliarden Euro wert.

Die Vonovia-Aktie sackte zu Wochenbeginn um drei Prozent ab. Die Anteilseigner fürchten, dass Buch beim dritten Anlauf mehr Geld für Deutsche Wohnen auf den Tisch legen muss. “Die Hedgefonds sitzen jetzt am längeren Hebel”, sagte ein beteiligter Banker.

In Händen der Spekulanten sind nach Schätzungen von Bankern rund ein Drittel der Deutsche-Wohnen-Papiere. Buch hatte ihnen vorgeworfen, sie hätten zu hoch spekuliert, indem sie nur einen Teil ihrer Aktien angedient hätten. “Viele wussten, dass sie den Deal über die Schwelle tragen müssen, wollten aber gleichzeitig möglichst viel in der Hinterhand halten, weil sie hofften, dass es später irgendwann noch ein besseres Angebot gibt.” Vertreter von Hedgefonds kritisierten im Gegenzug, Vonovia habe sie in Sicherheit gewiegt, dass die erforderlichen 50 Prozent ohnehin erreicht würden. “Jeder, mit dem ich gesprochen habe, ist davon ausgegangen, dass der Deal durchgeht”, zeigte sich auch Buch überrascht vom Scheitern.