ARCHIV: Das DAX-Logo auf dem Handelsparkett der Börse in Frankfurt, Deutschland, 29. Dezember 2017.

Zins- und Konjunktursorgen setzen Europas Börsen wieder zu

Frankfurt (Reuters) – Aus Furcht vor rascheren Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und einem vorläufigen Ende des Aufschwungs ziehen sich Anleger aus den heimischen Börsen zurück.

Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils etwa eineinhalb Prozent auf 14.388,61 beziehungsweise 3784,82 Punkte. Der Euro verlor 0,5 Prozent auf 1,0723 Dollar. Europäische Staatsanleihen flogen ebenfalls aus den Depots, die Rendite der zehnjährigen Bundestitel stieg auf 1,123 Prozent. An der Wall Street ging es mit dem US-Standardwerteindex Dow Jones ebenfalls abwärts. Er büßte 0,6 Prozent ein.

“Der rasche Energiepreisanstieg führt zu steigenden Kosten für die Unternehmen, die diese an ihre Kunden weitergeben”, sagte Volkswirt Bert Colijn von der ING Bank. Die Inflation in der Euro-Zone stieg im Mai überraschend stark auf ein Rekordhoch von 8,1 Prozent. Größere Zinsschritte der EZB von einem halben Prozentpunkt schienen nicht mehr unmöglich, sagte Commerzbank-Analystin You-Na Park-Heger. Allerdings sei dies nicht ihr Basis-Szenario.

EU VERFÜGT IMPORTSTOPP FÜR GROSSTEIL RUSSISCHEN ÖLS

Börsianer gehen angesichts weiter steigender Energiepreise nicht davon aus, dass der Teuerungsdruck seinen Höhepunkt bereits erreicht hat. Unter anderem wegen des EU-Embargos für einen Großteil russischer Ölimporte stieg der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um bis zu 2,4 Prozent auf ein Drei-Monats-Hoch von 124,64 Dollar je Barrel (159 Liter). “Der Bann wird vor dem Hintergrund der bereits hohen Inflation und der Lieferketten-Probleme die Euro-Zone in eine Rezession stürzen”, warnten die Analysten der Rabobank.

Gleichzeitig zog der europäische Erdgas-Future um 2,4 Prozent auf 88,85 Euro je Megawattstunde an. Es fließe weniger russisches Gas auf Russland durch die Pipelines nach Westen, sagten Börsianer. Grund sei offenbar der Lieferstopp des Konzerns Gazprom an den niederländischen Gashändler GasTerra, weil dieser Zahlungen nicht wie gefordert in Rubel geleistet habe.

Vor diesem Hintergrund griffen Investoren bei europäischen Öl- und Gaswerten zu. Der Index dieser Branche stieg um bis zu zwei Prozent auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 356,13 Punkten. Aus den Depots flogen dagegen Airlines, für die Treibstoff ein wichtiger Kostenfaktor ist. Die Aktien der Lufthansa und der British Airways-Mutter IAG sowie der Billig-Flieger EasyJet und Ryanair fielen um bis zu 4,6 Prozent.

LANXESS PUNKTET MIT ZUKAUF – DSM MIT MILLIARDEN-FUSION

Titel von Lanxess legten dagegen gut elf Prozent zu. Der Spezialchemiekonzern übernimmt gemeinsam mit dem Finanzinvestor Advent das Kunststoffgeschäft des niederländischen Rivalen DSM. Die Lanxess-Sparte, die die Deutschen in dieses Joint Venture einbrächten, werde deutlich höher bewertet als von ihm erwartet, kommentierte Analyst Chris Counihan von der Investmentbank Jefferies. Außerdem erhalte der Konzern die Option, seine Anteile an der Gemeinschaftsfirma binnen drei Jahren loszuschlagen.

In Amsterdam rückten die Titel von DSM mehr als acht Prozent vor. Parallel zum Lanxess-Deal kündigte das Unternehmen eine milliardenschwere Fusion mit dem Schweizer Duft- und Aromen-Hersteller Firmenich an. Damit entstehe einen neue Supermacht der Branche, schrieben die Analysten der Citibank. Dies drückte die Kurse der Firmenich-Rivalen Givaudan und Symrise jeweils etwa 3,5 Prozent ins Minus.

Dank des Erfolgs des Actionfilms “Top Gun: Maverick” mit Tom Cruise gingen an der Wall Street die Papiere der Kinoketten AMC, Imax und Cinemark erneut in den Steigflug. Sie stiegen um bis zu 11,7 Prozent. Einsetzende Gewinnmitnahmen drückten die beiden Letzteren dann allerdings ins Minus, während sich AMC 1,7 Prozent im Plus hielt. Die Aktien des Filmstudios Paramount, das den Film herausgebracht hat, verloren ebenfalls an Schwung und notierten 0,5 Prozent fester.