ARCHIV: DAX-Logo auf dem Handelsparkett der Börse in Franfurt am Main, Deutschland, 29. Dezember 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

Europas Börsen auf Erholungskurs – Powell-Anhörung im Blick

Frankfurt (Reuters) – Die jüngsten Kursverluste an den europäischen Börsen rufen Schnäppchenjäger auf den Plan.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils etwa ein Prozent auf 15.941,81 beziehungsweise 4281,85 Punkte. An der Wall Street notierte der US-Standardwerteindex Dow Jones knapp im Plus. Bei Staatsanleihen griffen Investoren ebenfalls wieder zu, wodurch die Renditen der zehnjährigen US-Bonds 1,76 Prozent zurückgingen.

Grundsätzlich stünden die Zeichen weiterhin auf überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, sagte Grace Peters, Chef-Anlagestrategin für Europa, Nahost und Afrika bei der Bank JPMorgan. “Eine Menge Geld ist gerade erst dabei, in das System zu kommen.” Daher werde die erwartete Straffung der Geldpolitik durch die großen Notenbanken weder die Wirtschaft aus der Bahn werfen noch einen größeren Abschwung an der Börse auslösen.

POWELL-ANHÖRUNG IM BLICK – INFLATIONSDATEN VORAUS

Mut machte Börsianer unter anderem die vorab veröffentlichte Rede des US-Notenbankchef Jerome Powell für seine Anhörung vor dem Senat, der ihn für eine zweite Amtszeit bestätigen soll. “Dass sich Powell nicht nur auf die Inflationsrisiken, sondern auch auf das Wachstum bezieht, kommt an den Börsen gut an”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Denn diese Doppel-Motivation wird eine noch schnellere Straffung der Geldpolitik verhindern.” Bei seinem Auftritt vor dem Senat bekräftigte Powell sein Bekenntnis zum Kampf gegen die Inflation.

Die aktuelle Kurserholung stehe aber unter dem Vorbehalt, dass die am Mittwoch anstehenden US-Inflationsdaten keine bösen Überraschungen lieferten, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Die Investoren hoffen stattdessen darauf, dass es in den Zahlen erste Hinweise auf einen Zenit im Anstieg der Verbraucherpreise gibt.” Experten erwarten für Dezember einen Anstieg der Teuerungsrate auf sieben Prozent im Jahresvergleich.

Unterdessen zog der Ölpreis, ein wichtiger Preistreiber in den vergangenen Monaten, erneut an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um drei Prozent auf 83,29 Dollar je Barrel (159 Liter). Dies hievte den Index für die europäische Öl- und Gasbranche zeitweise auf ein Zweieinhalb-Monats-Hoch von 293,23 Punkten. “Einige Opec+-Staaten können ihre angehobenen Förderquoten nicht ausschöpfen”, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. Außerdem bereiteten Investoren die anhaltenden Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Sorgen.

CERBERUS-RÜCKZUG SETZT DEUTSCHEN GROSSBANKEN ZU

Abwärts ging es dagegen für die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank, die 0,5 beziehungsweise 4,1 Prozent einbüßten. Der Finanzinvestor Cerberus warf einen Großteil seiner Beteiligungen an den beiden Instituten auf den Markt. Da der Kapitalmarkt im Fusionsfieber zu sein scheine, sei dies kein gutes Zeichen, sagte ein Aktienhändler.

Auch der Videospiele-Branche blühten Fusionsfantasien, da “Grand Theft Auto”-Macher Take-Two den Handyspiel-Spezialisten Zynga (“Farmville”) für elf Milliarden Dollar schlucken will. Nach Einschätzung der Analysten des Brokerhauses Midcap Partners sei Ubisoft ein heißer Kandidat für eine Übernahme. Der Anbieter von “Assassin’s Creed” und “Far Cry” biete strategisch mindestens genau so viele Vorzüge wie Zynga. Ubisoft-Aktien stiegen in Paris um 4,2 Prozent. An der Wall Street bauten Zynga-Papiere dank Spekulationen auf einen Bieterwettstreit ihr rund 41-prozentiges Kursplus vom Montag um 3,4 Prozent aus.