ARCHIV: DAX-Logo auf dem Handelsparkett der Börse in Franfurt am Main, Deutschland, 29. Dezember 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

Hoffnung auf Happy End im Gas-Krimi beflügelt Europas Börsen

Frankfurt (Reuters) – Die schwindende Angst vor einer Energiekrise und einer Rezession in Europa beflügelt die heimischen Börsen.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils rund zweieinhalb Prozent auf 13.308,41 beziehungsweise 3588,41 Punkte. An der Wall Street rückte der US-Standardwerteindex Dow Jones 1,6 Prozent vor. Mit dem Gaspreis ging es dagegen bergab. Der europäische Future fiel um 3,3 Prozent auf 153,90 Euro je Megawattstunde.

Auslöser der Aktienrally war ein Reuters-Bericht, demzufolge nach dem Ende der Wartungsarbeiten an der wichtigen Pipeline “Nord Stream 1” am Donnerstag wieder Gas von Russland nach Deutschland fließen soll. Allerdings werde die Transportkapazität nicht ausgeschöpft, sagten zwei mit den russischen Exportplänen vertraute Personen. “Das ist eine willkommene Nachricht, wenn sie denn stimmt”, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Börsianer hatten in den vergangenen Tagen gerätselt, ob Russland als Vergeltung für die Sanktionen des Westens den Gashahn komplett zudreht. Der daraus resultierende Energiemangel würde Europa Experten zufolge in eine Rezession stürzen.

Bei den Aktienwerten gehörte der deutsche Gas-Versorger Uniper, der durch die reduzierten russischen Lieferungen in Schieflage geraten ist, mit einem Plus von gut zehn Prozent zu den Favoriten. Auch bei den Chemiekonzernen BASF und Covestro, für die Erdgas als Energieträger und Rohstoff wichtig ist, griffen Investoren zu. Ihre Titel stiegen um bis zu 5,8 Prozent.

WIE STARK HEBT DIE EZB DIE ZINSEN AN?

Daneben fieberten Börsianer der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag entgegen. Insidern zufolge denken die Währungshüter darüber nach, den Leitzins am Donnerstag nicht nur um den bislang signalisierten Viertel, sondern um einen halben Prozentpunkt anzuheben. Dies verhalf dem Euro zu einem Kursplus von einem Prozent auf 1,0241 Dollar. Gleichzeitig warfen Investoren europäische Staatsanleihen aus den Depots und trieben die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf 1,279 Prozent.

Aber selbst wenn sich die EZB dazu entschließen sollte, sei keine weitere größere Aufwertung des Euro zu erwarten, prognostizierte Dominic Bunning, Chef-Analyst für europäische Währungen bei der Bank HSBC. Denn im Vergleich zu anderen Notenbanken wie der Fed aus den USA agiere die EZB zögerlich.

FRANKREICH GIBT MILLIARDEN FÜR KOMPLETTÜBERNAHME VON EDF AUS

Bei den Unternehmen stand außerdem EdF im Rampenlicht. Die Aktien des Versorgers verbuchten mit einem Plus von fast 15 Prozent auf 11,73 Euro den größten Tagesgewinn seit Kursturbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der französische Staat will knapp zehn Milliarden Euro in die Hand nehmen, um das Unternehmen komplett zu verstaatlichen. Er bietet den übrigen Eignern zwölf Euro je Aktie. Er halte die Offerte für attraktiv, schrieb Analyst Tancrede Fulop vom Research-Haus Morningstar.

An der Wall Street rutschten die Titel von IBM dagegen um 6,3 Prozent ab, obwohl der IT-Konzern einen Quartalsumsatz über Markterwartungen bekannt gegeben hatte. Er wurde allerdings vor der Warnung vor Wechselkurs-Belastungen überschattet. Das Wachstum des Kerngeschäfts sei aber ermutigend, gab Analyst Kyle McNealy von der Investmentbank Jefferies zu bedenken. Außerdem seien die Papiere attraktiv bewertet.