DAX-Logo auf dem Handelsparkett der Deutschen Börse in Frankfurt,

Corona-Sorgen trüben die Anleger-Laune erneut

“Die kurzfristigen Effekte der Inflation scheinen unter Kontrolle und in den Kursen enthalten”, sagte Volkswirt Bert Colijn von der ING Bank. “Aber es bleibt Unsicherheit wegen der neuen Coronavirus-Variante und ihr Einfluss auf die wirtschaftliche Erholung.”

Dax und EuroStoxx50 verloren am Mittwoch jeweils etwa ein Prozent auf 15.531,04 beziehungsweise 4069,21 Punkte, notierten damit aber immer noch rund 15 Prozent über ihrem Niveau zu Jahresbeginn. Gleiches galt für den breit gefassten Stoxx600.

Größere Kursverluste verhinderte die Entspannung bei der Inflation, sagte Analyst Charalambos Pissouros vom Brokerhaus JFD. “Der Wert unter zwei Prozent untermauert die Einschätzung, dass die Europäische Zentralbank vorerst nicht über eine Verringerung der geldpolitischen Unterstützung nachdenken wird.”

US-ARBEITSMARKT IM BLICK – ÖLPREIS IM AUFWIND

Nach den starken Arbeitsmarktdaten aus Deutschland richteten Börsianer ihr Augenmerk auf die andere Seite des Atlantiks. Der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge wurden im Juni in der US-Privatwirtschaft 692.000 Stellen geschaffen. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 600.000 gerechnet. Die Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag. Im vergangenen Monat hätten die beiden Werte aber recht weit auseinander gelegen, gab ein Analyst zu bedenken. Daher ließen die ADP-Daten nur begrenzt Rückschlüsse auf die US-Geldpolitik zu.

Am Tag vor den Beratungen der Opec+ über eine Lockerung der Förderbremse stieg der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 0,4 Prozent auf 75,06 Dollar je Barrel (159 Liter). Insidern zufolge wollen die großen Export-Staaten über eine Verlängerung ihrer bis April 2022 laufenden Förderquoten-Regelung diskutieren. Experten gehen davon aus, dass die Staatengruppe wegen der anziehenden Nachfrage am Donnerstag eine Anhebung der Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag beschließen wird.

FURCHT VOR NEUEN US-VERFAHREN GEGEN VW

Für die Aktien von Volkswagen ging es dagegen 2,3 Prozent abwärts. Ein Gericht hatte dem US-Bundesstaat Ohio erlaubt, den Autobauer wegen dessen Abgas-Manipulationen zu verklagen. “Wenn man USA und Gerichtsprozess hört, gehen immer alle Warnlampen an”, sagte ein Börsianer.

In Amsterdam stiegen die Titel von Grandvision dagegen um gut 14 Prozent auf 28,20 Euro. Der Brillen-Hersteller EssilorLuxottica will die “Apollo Optik”-Mutter trotz Rechtstreitigkeiten doch übernehmen. Die Papiere des “Ray Ban”-Anbieters stiegen in Paris um 0,2 Prozent.

An der Wall Street stiegen die Papiere von Bed Bath & Beyond in der Spitze sogar um mehr als 31 Prozent. Der Gewinn des Einrichtungshauses blieb im abgelaufenen Quartal mit 0,05 Dollar je Aktie zwar hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Quartal stellt die Firma aber 0,45 bis 0,55 Dollar in Aussicht. Für das Gesamtjahr peilt sie 1,40 bis 1,55 Dollar an. Bed Bath & Beyond gehört zu den “Meme”-Aktien. Darunter verstehen Börsianer Werte, bei denen sich Kleinanleger in einschlägigen Internet-Foren gegenseitig zum Kauf ermuntern. Das bekannteste Beispiel ist der US-Videospielehändler GameStop.