ARCHIV: Eisenbahner beobachten einen Zug der Deutschen Bahn in München

Bahn muss nach Unglück massenhaft Schwellen tauschen – Mehr Einschränkungen

Berlin (Reuters) – Nach dem Unglück von Garmisch-Partenkirchen muss die Deutsche Bahn massenhaft Beton-Schwellen austauschen und dafür auch Streckenabschnitte sperren.

Erste Erkenntnisse aus technischen Gutachten hätten den Verdacht nahegelegt, dass an den Schwellen ein Herstellerfehler vorliege, teilte das Staatsunternehmen am Freitag mit. “Die Schwellen weisen teilweise Unregelmäßigkeiten in der Materialbeschaffenheit auf.” Überall wo Auffälligkeiten bei der Untersuchung von 200.000 Schwellen festgestellt wurden, habe man bereits etwa mit Langsam-Fahrstellen reagiert: “Umleitungen, längere Fahrzeiten oder auch Schienenersatzverkehr lassen sich durch die Arbeiten nicht vermeiden.”

Erste Schwellen seien ausgetauscht worden. Ziel sei es, fast alle Strecken bis Jahresende wieder befahrbar zu machen. Der Austausch werde sich jedoch bis 2023 hinziehen. Betroffen sind schwerpunktmäßig die Bundesländer Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Bahn geht von Kosten im dreistelligen Millionenbereich aus.

Anfang Juni war ein Regionalzug von Garmisch-Partenkirchen nach München entgleist. Fünf Menschen, darunter ein 14-Jähriger, starben. 16 Menschen wurden schwer verletzt, etwa 50 leicht. Bei der Suche nach einer möglichen Ursache gerieten auch die Betonschwellen in den Fokus.

Aktuell gebe es an 165 Stellen im Schienennetz nun Einschränkungen, teilte die Bahn weiter mit. Bei den Arbeiten hätten zunächst die Strecken Vorrang, die besonders hoch ausgelastet und für den Fern-, Regional- und Güterverkehr im gesamten Netz von großer Bedeutung seien.

Der Austausch trifft das Bahn-Netz in einer ohnehin extrem angespannten Lage. Wegen Niedrigwassers können viele Schiffe nicht fahren und Industrie und Gewerbe wollen auf die Schiene ausweichen. Diese ist aber ohnehin überlastet, wozu auch Militärtransporte im Zuge des Ukraine-Kriegs sowie das an vielen Stellen ohnehin marode Netz beitragen. Zudem leidet auch die Bahn unter Personalmangel. Zum Herbst und Winter setzt die Bundesregierung zudem verstärkt auf Kohle- und Öl-Transporte für Kraftwerke, da Gas weniger zur Strom-Erzeugung eingesetzt werden soll. Diese Transporte sollen Vorrang auf dem Netz erhalten.

(Bericht von: Markus Wacket; redigiert von Christian Rüttger Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)