ARCHIV: Flugzeuge auf einer gesperrten Startbahn, auf dem Flughafen in Frankfurt, Deutschland 24. März 2020. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Airlines sehen Reiseboom im Sommer trotz aller Krisen

Frankfurt (Reuters) – Sorgen über den Ukraine-Krieg und die damit steigende Inflation werden die Erholung der Luftfahrt in Europa nach Meinung der Branche nicht bremsen.

“Alle, die nur in Europa operieren, werden dem Niveau vor der Pandemie nahe sein. Da gibt es gewissen Optimismus”, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag bei der Jahresversammlung des Branchenverbandes Airlines for Europe (A4E) in Brüssel. Als diesjähriger Vorsitzender der Lobby sprach er dabei für alle. Easyjet-Chef Johan Lundgren erklärte, Flüge würden so schnell hochgefahren, dass es Bedenken gebe, ob die Abfertigung an den Flughäfen damit Schritt halten könne. Die Erholung von zwei Jahren Corona-Krise, der härtesten der Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg, sei derzeit das wichtigste Thema, waren sich die Airline-Chefs einig.

Die europäischen Fluggesellschaften seien am schwersten getroffen worden in der Corona-Krise durch besonders strikte Reiserestriktionen, die zudem national unterschiedlich waren, beklagte A4E-Geschäftsführer Thomas Reynaert. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 sei die Zahl der Passagiere 2021 um 450 Millionen auf 270 Millionen abgesackt. Von 400.000 Jobs vor Corona baute die Branche 150.000 ab. Die Flugzeugflotten schrumpften dabei nur um knapp neun Prozent auf 3200, da es dank staatlicher Finanzhilfen fast keine Airline-Pleiten gab.

SCHLUSSLICHT LUFTHANSA

Nach kurzen Erholungsphasen in den vergangenen beiden Sommern, jeweils gefolgt von Rückschlägen durch mehrere Corona-Infektionswellen, soll der Steigflug ab Ostern nicht mehr abbrechen. “Die Oster-Buchungen liegen über dem Vorkrisenniveau”, sagte der Lufthansa-Chef. Im Sommer sei die Entwicklung bei einigen Reisezielen ähnlich. Für Zuversicht sorgt auch die Lockerung von Corona-Auflagen. Die Schweiz schaffe die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ab, sodass die Lufthansa-Tochter Swiss künftig Passagiere wieder ohne Masken an Bord begrüßen werde. Die EU mache zugleich Druck auf die USA, die Testpflicht vor Abflug zu lockern. “Diese Restriktionen werden schnell fallen und das Reisen wieder bequemer machen”, sagte Spohr.

Die Lufthansa ist unterdessen mit 84 Prozent des Vorkrisenniveaus fast das europäische Schlusslicht beim Wiederaufbau des Flugplans, wie aus Daten des Beratungsunternehmens ICF Consulting für den Zeitraum April bis September hervorging. So wie den anderen internationalen Airline-Gruppen fehlt der Kranich-Linie noch ein Teil des Langstreckengeschäfts. Dabei schlägt sich vor allem der weitgehende Ausfall des Asien-Geschäfts nieder, da sich etwa China weiter gegen Corona abschottet. Der Ausbruch des Ukraine-Krieges erschwert die Lager zusätzlich. Auf Europa spezialisierte Billigairlines wie Marktführer Ryanair oder Wizz aus Ungarn liegen dagegen einige Prozentpunkte über dem Niveau von 2019.

NEUE RISIKOFAKTOREN

Die möglichen Folgen des Ukraine-Krieges und der steigenden Inflation schürten unterdessen Bedenken, die Erholung könnte abermals ins Stocken kommen. Der Krieg treibt die Kerosinpreise hoch. Das trifft die Airlines nicht mit voller Wucht, da sie sich in Termingeschäften niedrigere Preise sicherten. Doch auch andere Kosten steigen wie für Personal und Bodendienste oder die Flughafengebühren, sagte Spohr. Analysten zufolge ziehen die Ticketpreise kräftig an. Bei Ryanair seien die Ticketpreise im April und Mai noch niedrig, aber im Sommer über dem Vorkrisenniveau, sagte Konzernchef Michael O’Leary.

Bislang hat das Verbraucher noch nicht davon abgehalten, nach zwei Jahren Pandemie Urlaub im Süden zu buchen. Aber der Anstieg der Lebenshaltungskosten in allen Bereichen könnte sie vielleicht doch bremsen, erklärte ICF-Luftfahrtexpertin Kata Cserep. “Ich persönlich glaube, das wird ein Dämpfer in einigen Märkten sein”, ergänzte sie. So sieht es auch die Chefin der portugiesischen Airline TAP, Christine Ourmieres-Widener: “Das wird beeinträchtigen, wenn die Inflation so weitergeht.”