Inflation

Neuer Inflationsrekord im April – Experte erklärt Kosten überraschend hoher Inflation

Wir berichteten schon über die Kosten zu erwartender Inflation. Doch noch tückischer sind die Kosten der überraschenden Inflation. Im April ist die Inflationsrate mit 7,4 Prozent “überraschend” angestiegen. Der höchste Wert seit 1981, berichtet die Tagesschau.

Überraschende Inflation ist tückischer Dieb

Der langjährige Inflationsbeobachter und Zentralbankkritiker Prof. Thorsten Polleit unterteilt die Kosten der Inflation in zwei Bereiche: Die Kosten der zu erwartenden Inflation und wie man ihnen ausweicht, haben wir in einem vorhergehenden Artikel schon gezeigt. Und die Kosten der überraschenden Inflation und wie man Ihnen entflieht, zeigen wir jetzt.

Entwertung langfristig angelegter Gelder

Wer Geld als Kredit vergibt, wird normalerweise die Inflation in den Zins einpreisen. Bei 2 Prozent Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) sollte zum Beispiel eine Privatperson keinen Kredit unter 2 Prozent vergeben. Denn entwertet sich die Kreditforderung um 2 Prozent jährlich, muss dass mindestens durch einen Zins von 2 Prozent ausgeglichen werden, damit kein Verlust entsteht.

In Wirklichkeit müssen sogar 2,66 Prozent verdient werden. Dies damit nach Abgeltungssteuer von 25 Prozent auf die Zinsen noch 2 Prozent netto nach Steuern übrig bleiben. Soweit, so gut. Doch wenn die Inflation höher steigt als erwartet, werden auch umsichtige Investoren enteignet, die versuchten, die Inflationsrate in ihre Zinsforderungen einzureisen.

Ausweichstrategie: Finger weg von nominellen Forderung, die auf inflationierbares Geld lauten. Durch das Hochschrauben der Inflation per Gelddruckmaschine der Zentralbank kann der Staat diese entwerten.

Lieber in Gold, Bitcoin, Aktien oder Immobilien investieren, als in Staatsanleihen, Sparbücher, Bank- oder Unternehmensanleihen. Oder: Indexierte Anleihen kaufen, deren Rückzahlungswert und Zinsen an die Inflation gekoppelt sind.

Reale Lohneinbußen für Angestellte

Der normale Lohnarbeiter schaut bei der Inflation kräftig in die Röhre. Trotz Gewerkschaften und Sozialpolitikern: Kommt die Inflation überraschend, werden die Lohne nicht so schnell angehoben, wie die anderen Preise steigen.

Die Mühlen der Sozialbürokraten arbeiten langsam. Und reguläre Lohnerhöhungsrunden gibt es nur einmal im Jahr. Läuft die Inflation wie gerade jetzt aber schon vorher aus dem Ruder, entwertet sich der Lohn des Arbeiters, bevor er erhöht werden konnte.

Ausweichstrategie: Auf Lohnarbeit, die den Arbeitslohn über langfristig angelegte Verträge auf der Schlachtbank der Inflation fixiert, kann ganz verzichtet werden. Programmierer, Anwälte, Ingenieur-Sachverständige, Handwerker, Reinigungskräfte – fast jeder kann auch auf selbständiger Basis arbeiten. Die Preise für den Stundenlohn können so von heute auf morgen an die Inflation und aktuelle Marktlage angepasst werden.

Gewinnschwund durch Fehlinvestitionen

Gewinne leiden unter Inflation, weil erhöhte Produktionskosten nicht immer auf die Preise umgewälzt werden können. Zwar denken viele Unternehmen bei hohem Geldmengenwachstum durch die Kreditvergabe aus dem Nichts zu Nullzinsen der Zentralbank erst mal: Investieren ist super billig und einfach. Doch durch das viele neue Geld steigen auch die Preise.

Unternehmen kalkulierten beim Eingehen ihrer Investition jedoch noch zu den alten Preisen. Werden sie durch Preisanstiege ihrer Zulieferprodukte überrascht, rentiert sich ihre Investition nicht mehr, wenn sie diese Preise nicht auch an ihre Endkunden weitergeben können. Und das ist trotz allgemein hoher Inflation bei allgemein steigendem Preisniveau längst nicht für alle Produkte der Fall.

Denn die Konsumenten, müssen durch die höheren Preise mehr für die Produkte des täglichen Bedarfs zahlen. Für zusätzliche Luxusgüter, in deren Produktion angereizt durch Null- und Negativzinsen investiert wurde, bleibt dann kein Budget mehr. Fehlinvestitionen und Investitionsruinen resultieren.

Ausweichstrategie: Investoren können sich gerade in Zeiten turbulent verlaufender Inflation auf Investments in stabile Unternehmen am Anfang der Produktionskette konzentrieren. Das können z. B. Energie- und Lebensmittelversorger sein.

Investitionen in Firmen, die Produkte herstellen, auf die Menschen nicht verzichten können, selbst wenn alle Preise rasant steigen, sind dann der Trumpf.

Fazit: Das Geschäft der Zentralbank und des Staates mit der Inflation zerrüttet langfristige Verträge. Es benachteiligt Angestellte und sozial Schwache, deren Lohn- und Sozialforderungen sich entwerten. Es löst strukturelle Fehlinvestitionen aus, verschwendet so Ressourcen und schädigt Wohlstand und Umwelt aller.

Jeder, der der Inflation ausweicht, reduziert jedoch ihre schädlichen Effekte und trägt so als Wirtschaftsteilnehmer zur Rückkehr des Wohlstands und der sozialen Gerechtigkeit bei.