Ukraine-Konflikt

Kriegsursachenforscher: Vom Ukraine-Konflikt wird China profitieren

Der Soziologe Professor Erich Weede hat im Anschluss an seine Preisverleihung mit der Roland-Baader-Auszeichnung vergangenen Sonntag ein Interview zum Ukraine-Konflikt gegeben. Als Friedens- und Kriegsursachenforscher sowie China-Kenner fällt seine Einschätzung klar aus. 

Hauptproblem ist massive NATO-Osterweiterung

“Die NATO will ja nicht erklären, dass Länder wie die Ukraine oder Georgen nie beitreten sollen,“ sagt er und sieht keine Anzeichen, dass die NATO „selbst den Beitritt Weißrusslands nicht ausschließen würde“. „Was war die NATO anderes als die amerikanische Einflusssphäre?“, meint Weede in Hinblick auf den kalten Krieg. Großmächte dächten bis heute in Einflusssphären, Völkerrecht hin oder her, selbst wenn man das nicht erfreulich findet. So dächte  auch Putin wie ein „ganz normaler Sicherheitspolitiker“. 

Isolierung Russlands vom Westen stärkt China

Durch die Isolation Russlands „zwingen wir die Russen, Zuflucht bei China zu finden“. China hat etwa 10 mal mehr Bevölkerung und Wirtschaftskraft als Russland, führt Weede aus. Noch sorge die nukleare Übermacht Russlands, dass etwa 10 mal soviel Nuklearwaffen haben dürfte als China, für eine Begegnung auf Augenhöhe beider Staaten. Doch auf Dauer ist Russlands bei einer Zusammenarbeit eher als „Satellit Chinas“ zu betrachten. Wenn jetzt der Westen Russland in die Arme Chinas treibt, dehnt sich die chinesische Einflusssphäre faktisch bis auf den europäischen Kontinent aus. Ein unabhängiges Russland wäre aber eher im Interesse Europas. 

NATO-Osterweiterung gleicht deutscher Front 1942

Die heutige Ausdehnung der NATO nähere sich von der Ausdehnung „der vordersten Linie der deutschen Front 1942“ an. „Das muss die Russen an die schlimmste Zeit im zweiten Weltkrieg erinnern.“ Die Osterweiterung der NATO würde aber nur dann zum Problem, wenn sie ohne Russland erfolgt. 

NATO inklusive Russlands sinnvoll, aber nicht im US-Interesse

Die USA hätten bis auf wenige Gedankenspiele niemals eine NATO inklusive Russlands in Erwägung gezogen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2011 hätte Russland jedoch durchaus die Fühler nach Zusammenarbeit mit der USA und der NATO ausgestreckt. Einen Isolierung Russlands gegenüber der NATO schwäche Europa. So würde die  Zwietracht zwischen Europa und Russland gefördert, was beide gegenüber den USA schwächt und so die USA relativ stärkt.

Urkraine-Konflikt wird Loose-Loose für Europa und Russland werden

Folgt man den Gedanken Weedes, lässt sich Europa im Ukraine-Konflikt eher innerhalb der NATO vor den Karren der USA spannen, als selbständige Gewinn-Interessen zu vertreten. Durch den Konflikt zwischen Europa und Russland werden beide relativ gegenüber den USA geschwächt. Und als absoluter größter Gewinner aus dem Konflikt wird China hervorgehen. So könnte der Ukraine-Konflikt unabhängig davon ob als kalter oder heißer Krieg geführt zur „Loose-Loose-Situation“ für sowohl Russland als auch Europa werden.

Hinweis: Das komplette Interview kann auf YouTube unter diesem Link  angesehen werden.