Ukraine nimmt Getreidelieferungen über Schwarzes Meer wieder auf

Kiew (Reuters) – Trotz Russlands Aussetzung des Getreideabkommens hat die Ukraine nach eigenen Angaben die Lieferung Hunderttausender Tonnen per Schiff über das Schwarze Meer wiederaufgenommen.

Zwölf Frachter liefen am Montag aus ukrainischen Häfen aus, wie das Infrastrukturministerium in Kiew mitteilte. Ein Sprecher der Vereinten Nationen erklärte, dass auch die im Rahmen des Abkommens vereinbarten Inspektionen der Frachter wieder stattfänden. Russland warnte allerdings, dass es keine Sicherheitsgarantien geben könne. Die Lieferungen seien somit sehr viel gefährlicher und riskanter. Das Abkommen sei unter solchen Bedingungen kaum umsetzbar, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Die Regierung in Moskau hatte am Wochenende überraschend ihre Teilnahme an dem von den Vereinten Nationen und der Türkei vermittelten Abkommen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Sie begründete ihr Vorgehen mit einem Drohnenangriff am Samstag auf Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte nahe Sewastopol auf der Krim. Die Sicherheit des für die Getreidetransporte eingerichteten Korridors sei nicht mehr gewährleistet. Die Ukraine hat weder bestätigt noch dementiert, für die Angriffe verantwortlich zu sein.

Die im Sommer getroffene Vereinbarung hatte es der Ukraine im vergangenen Vierteljahr ermöglicht, dass sie trotz des tobenden Kriegs ihr Getreide durch einen Schutzkorridor im Schwarzen Meer exportieren konnte. Das unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei zustande gekommene Abkommen markierte einen der wenigen diplomatischen Erfolge in dem seit dem 24. Februar anhaltenden Krieg. Es sollte den weltweiten Anstieg der Getreidepreise dämpfen. Die Ukraine und Russland zählen weltweit zu den größten Getreideexporteuren. Viele Entwicklungsländer sind von Lieferungen zu erschwinglichen Preisen abhängig.

“HUNGER ALS WAFFE”

Die EU und die USA hatten Russlands Entscheidung zur Aussetzung des Abkommens am Wochenende bereits scharf kritisiert. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte am Montag, es sei zutiefst verabscheuenswürdig von Russland, Hunger als Waffe in dem Konflikt mit der Ukraine einzusetzen. “Russland muss zu dem Abkommen zurückkehren.” Der für die Umsetzung des Abkommens zuständige UN-Koordinator Amir Abdulla erklärte, zivile Frachtschiffe dürften niemals zu militärischen Zielen oder in Geiselhaft genommen werden. “Lebensmittel müssen fließen.” Frankreichs Agrarminister Marc Fesneau sagte, sein Land prüfe, ob es möglich sei, Nahrungsmittel aus der Ukraine alternativ über Landstrecken exportieren zu können – etwa über Polen und Rumänien. Die weitaus beste Möglichkeit, Getreide aus der Ukraine auf die Weltmärkte zu bringen, bleibe aber der Seeweg, sagte der Regierungssprecher in Berlin.

Immerhin eine der größten Befürchtungen trat zunächst offenbar nicht ein: eine erneute Blockade der Schiffe durch Russland wie in den ersten Kriegsmonaten. Die Militärverwaltung der Hafenstadt Odessa teilte mit, an Bord der am Montag ausgelaufenen Frachter befinde sich eine Rekordmenge von 354.500 Tonnen Getreide. Noch nie sei an einem einzigen Tag so viel ausgefahren worden, seit die Vereinbarung im Juli in Kraft getreten war. Die Weizenpreise auf dem Weltmarkt zogen dennoch an.

Auch die Kämpfe in der Ukraine hielten unvermindert an. In zahlreichen Städten heulten zu Wochenbeginn erneut Alarmsirenen auf. Auch die Hauptstadt Kiew wurde erneut mit Raketen beschossen. Vor allem die kritische Infrastruktur sei das Ziel, teilten ukrainische Behörden mit. In Teilen des Landes seien der Strom ausgefallen und die Wasserversorgung zusammengebrochen. In lokalen und sozialen Medien wurde über Angriffe auf Wasserkraftwerke in mehreren Regionen berichtet. “Anstatt auf dem Schlachtfeld zu kämpfen, kämpft Russland gegen Zivilisten”, schrieb der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter. “Russland macht das, weil es noch über Raketen verfügt und den Willen, Ukrainer zu töten.” Russland bestreitet, Zivilisten anzugreifen.

(Reuters-Büros; geschrieben von Christian Rüttger, redigiert von Kerstin Dörr.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Gaskommission will Steuerpflicht für Hilfen und Prämien zum Sparen

– von Christian Kraemer und Holger Hansen und Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Die Gaskommission der Regierung schlägt eine Steuerpflicht für Hilfen und eine Belohnung für das Sparen des Brennstoffs vor.

Ab einem Einkommen von 72.000 Euro sollte die Unterstützung versteuert werden, heißt es in dem am Montag vorgelegten Abschlussbericht der Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Mieterverbänden. Zugleich plädierten sie für einen Bonus für Verbraucher, um das Einsparziel von 20 Prozent zu erreichen oder zu übertreffen. Über einen Härtefonds könnten zudem zu Jahresbeginn besonders Bedürftige als auch Besitzer von Öl- und Pellet-Heizungen unterstützt werden. Keine Einigung erzielte die Kommission in der Frage, ob Unternehmen bei Hilfen weiter Dividenden und Boni für Führungskräfte auszahlen dürfen. Grünen-Vizefraktionschef Andreas Audretsch lehnte dies ab.

In ihrem Zwischenbericht hatte die Kommission bereits angesichts der rasant gestiegenen Gaspreise vorgeschlagen, dass Haushalte und Gewerbe im Dezember eine Abschlagszahlung erhalten sollen und ab März 80 Prozent des Verbrauchs subventioniert werden solle. Der Preis solle hier auf zwölf Cent pro Kilowattstunden gedeckelt werden. Für die Industrie sind sieben Cent für 70 Prozent des Basisverbrauchs ab Januar vorgesehen. Die Kommissionsvorsitzende und Wirtschaftsweise Veronika Grimm nannte die Einsetzung des Gremiums einen guten Ansatz der Bundesregierung und einen Schlüssel für breite gesellschaftliche Akzeptanz der Vorschläge.

Die Bundesregierung hat in einem ersten Schritt die Vorschläge bereits im Kern übernommen. Im Dezember soll so ein Zwölftel des Jahresverbrauchs erstattet werden. Am Mittwoch soll dies im Kabinett beschlossen werden. Ab März bis Frühjahr 2024 soll dann die Preisbremse für 80 Prozent des Verbrauchs greifen. Dafür wird noch im November ein Beschluss der Regierung erwartet. Besonders aus der SPD aber auch aus den Bundesländern kommt die Forderung, Hilfen auch für Januar und Februar bereitzustellen. Die Kommission griff dies nicht auf, verwies aber auf den Härtefonds.

HILFEN NUR BEI STANDORT- UND ARBEITSPLATZERHALT

Insgesamt hat die Regierung bis zu 200 Milliarden Euro zur Dämpfung der Energiepreise und Stützung von Unternehmen bereitgestellt. Die Hilfen für die rund 25.000 Industrie-Unternehmen wurden in der Kommission besonders kontrovers diskutiert: Sie knüpft sie an den Erhalt der Standorte in Deutschland und den von mindestens 90 Prozent der Arbeitsplätze bis ein Jahr nach Ende der Unterstützung. Jede Firma soll selbst entscheiden, ob sie Hilfen in Anspruch nimmt. Der Kommission zufolge hat das Wirtschaftsministerium inzwischen geklärt, dass die EU-Kommission diese Beihilfen mit Blick auf das Wettbewerbsrecht genehmigen werde. Daher könnte hier die Unterstützung über das verbilligte Gas-Kontingent ab Januar greifen.

Offen ließ die Kommission, ob Firmen bei staatlicher Unterstützung weiter Dividenden- und Boni-Zahlungen leisten dürfen. Grünen-Vizefraktionschef Audretsch plädierte für ein Verbot: “Wir brauchen Konzentration auf diejenigen, die wirklich Hilfe brauchen. Das heißt auch, dass große Unternehmen, die Unterstützung erhalten, nicht gleichzeitig hohe Dividenden ausschütten und Boni zahlen sollten”, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. “Es ist gut, dass der Haushaltsausschuss das mit den Stimmen der Ampel-Koalition bereits so beschlossen hat.” Der Chemiekonzern BASF hat trotz seines hohen Gas-Bedarfs bereits angekündigt, möglichst auf die Hilfen verzichten zu wollen – auch mit Hinweis auf die Dividendenfrage.

(Redigiert von: Christian Krämer, Holger Hansen und Markus Wacket. Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Erneuter Verdi-Streik bei Commerzbank-Tochter

Frankfurt (Reuters) – Der Commerzbank steht diese Woche eine neue Streikwelle bei ihrer Tochter ComTS ins Haus.

Verdi hat die Beschäftigten an allen Standorten der Tochter vom 2. bis 4. November zum Ausstand aufgerufen, wie die Gewerkschaft am Montag mitteilte. Es sei damit zu rechnen, dass es in Duisburg, Hamm, Erfurt, Halle und Magdeburg zu spürbaren Einschränkungen der Geschäftstätigkeit kommen werde. Die Commerzbank wollte das zunächst nicht kommentieren. Die Commerzbank-Tochter verantwortet die Bereiche Compliance, Kreditbearbeitung und die internen Postläufe der Bank.

“Vor dem Hintergrund der ständig steigenden Preise brauchen die Beschäftigten jetzt endlich eine spürbare Verbesserung ihrer Einkommenssituation”, erklärte Stefan Wittmann, der für die Commerzbank zuständige Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Es ist bereits die dritte Streikrunde bei der Commerzbank-Tochter in dem laufenden Konflikt. “Dass sich die Commerzbank weiterhin weigert, für die im Konzern am schlechtesten bezahlte Beschäftigtengruppe einen Tarifvertrag mit Verdi zu verhandeln, ist Ausdruck von sozialer Kälte.”

Die Gewerkschaft fordert für rund 1700 Beschäftigte unter anderem die Erhöhung des Mindeststundenlohns auf 14 Euro sowie ein Energiegeld in Höhe von zwei Mal 1500 Euro für das laufende und kommende Jahr zum Ausgleich der aktuellen Preissteigerungen im Energiebereich.

(Bericht von Frank Siebelt, Tom Sims; Redigiert von Myria Mildenberger; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Neue Lockdowns in China machen Apple und Disney zu schaffen

Taipeh/Peking (Reuters) – Durch die Welle neuer Corona-Lockdowns in China drohen US-Konzernen Gewinneinbußen.

Weil die Maßnahmen ein wichtiges Werk des Apple Zulieferers Foxconn in der chinesischen Stadt Zhengzhou beeinträchtigten, könnte die dortige iPhone-Produktion um bis zu 30 Prozent zurückgehen, sagte ein Insider am Sonntag. Foxconn arbeite daher daran, die Fertigung in seiner Fabrik in der südlichen Stadt Shenzhen auszubauen. Die Auswirkungen auf die Produktion kommen mitten in der vor dem Weihnachtsgeschäft traditionell arbeitsreichen Zeit für Elektronikhersteller. Apple-Aktien gaben im vorbörslichen US-Geschäft 0,6 Prozent nach.

DISNEY SCHLIEßT FREIZEITPARK IN SHANGHAI

Zudem machte Disney seinen Freizeitpark in Shanghai kurzfristig dicht. Besucher dürfen das Gelände erst verlassen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können. In Videos auf dem chinesischen Twitter-Rivalen Weibo sind Menschen zu sehen, die in Richtung der bereits verschlossenen Ausgänge eilen. Die Bilder konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden. Disney-Titel büßten vorbörslich ein knappes Prozent ein.

In China kursieren seit Monaten Videos von Menschen, die eilig Bürokomplexe und Einkaufszentren verlassen, um dort nicht unter Quarantäne gestellt zu werden. Am Wochenende tauchten in chinesischen Online-Netzwerken Aufnahmen auf, die Foxconn-Mitarbeiter zeigen sollen, wie sie zu Fuß über Straßen und Felder in ihre Heimatorte zu gelangen versuchen. Auch deren Echtheit konnte zunächst nicht überprüft werden. Am Standort Zhengzhou sind rund 200.000 Arbeiter beschäftigt.

CHINA HÄLT AN NULL-COVID-STRATEGIE FEST

“Angesichts der anhaltenden Null-Covid-Strategie wird die Wirtschaft noch bis 2023 zu kämpfen haben”, sagte Volkswirt Zichun Huang vom Research-Haus Capital Economics. Eine Abkehr von den strengen Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie sei frühestens 2024 zu erwarten.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte beim Kongress der Kommunistischen Partei Mitte Oktober den rigiden Kurs seiner Regierung bekräftigt. In der Volksrepublik wurden am Sonntag 2898 Infizierte gezählt, im internationalen Vergleich eine geringe Zahl.

Am Wochenende wurden auch über Teile von Macau Lockdowns verhängt, nachdem in der Glücksspiel-Metropole eine Handvoll Infektionen entdeckt worden war. Zuvor war die Stadt gut drei Monate Corona-frei. Dies brockte den US-Kasinobetreibern MGM und Wynn, die auch in Macau Spielbänke unterhalten, an der Wall Street vorbörsliche Kursverluste von bis zu 4,7 Prozent ein.

(Bericht von Yimou Lee, Martin Quin Pollard und Bernard Orr; geschrieben von Hakan Ersen, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Rekordverlust von 142 Milliarden Franken für Schweizer Notenbank

Zürich (Reuters) – Zinserhöhungen und die Franken-Aufwertung haben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) einen Rekordverlust eingebrockt.

In den ersten neun Monaten 2022 verzeichnete die Notenbank einen Verlust von 142,4 Milliarden Franken, wie sie am Montag mitteilte. Das ist der höchste Fehlbetrag seit der Gründung der Zentralbank im Jahr 1907. In der Vorjahresperiode hatte die SNB noch einen Gewinn von 41,4 Milliarden Franken ausgewiesen.

Vor allem die riesigen Fremdwährungsbestände im Zuge der Devisenkäufe zur Vermeidung eines zu starken Franken führten zu dem Rekordverlust: Sie brockten der Notenbank einen Fehlbetrag von 141 Milliarden Franken ein. Allein schon die Aufwertung des Landeswährung sorgte für einen Wechselkursverlust von 24,4 Milliarden Franken. Hinzu kamen hohe Kursverluste bei Zins- und Beteiligungspapieren während der jüngsten Marktturbulenzen. Der Goldbestand verlor 1,1 Milliarden Franken an Wert. Das Ergebnis der SNB ist abhängig von den Wertschwankungen ihrer Hunderte Milliarden Franken schweren Devisenreserven, die auch in Aktien und Anleihen im Ausland angelegt sind. Die Notenbank hatte jahrelang Fremdwährungen gekauft, um eine wirtschaftsschädliche Aufwertung des in Krisenzeiten als sicherer Hafen gefragten Franken zu unterbinden.

“Diese Verluste mögen nach viel klingen, aber die SNB ist kein normales Unternehmen”, sagte UBS-Ökonom Alessandro Bee. “Das Problem ist das stagflationäre Umfeld, in dem Aktien verlieren, Anleihen verlieren, Gold verliert und der Schweizer Franken stärker wird.” Üblicherweise würden Anleihen und Gold an Wert gewinnen, wenn die Aktienbörsen nachgeben, doch dies sei im laufenden Jahr anders. Konkurs drohe der SNB jedenfalls nicht. Die Notenbank werde immer liquide sein solange es Nachfrage nach Franken gebe.

Der Verlust der Notenbank könnte allerdings dazu führen, dass Bund und Kanton im kommenden Jahr weniger oder gar kein Geld von der Zentralbank erhalten. Dieses Jahr hatte die SNB insgesamt sechs Milliarden Franken an die öffentliche Hand ausgeschüttet, nachdem sie das Jahr 2021 mit einem Gewinn von 26,3 Milliarden Franken abgeschlossen hatte.

Die SNB hatte angesichts des Inflationsdrucks im Juni die Zinswende eingeleitet und im September die Ära der Negativzinsen hinter sich gelassen. Anhaltend massive Verluste könnten das Eigenkapital der Notenbank aufzehren. Ende September betrug es noch 55,9 Milliarden Franken nach 204,2 Milliarden Ende 2021. Vizepräsident Martin Schlegel hatte jüngst in einem Zeitungsinterview erklärt, dass die SNB ihre Aufgabe auch mit negativem Eigenkapital erfüllen könne. “Dennoch ist es wichtig, dass wir genug Eigenkapital haben”, sagte Schlegel dem Fachblatt “Finanz und Wirtschaft”. “Es hilft der Glaubwürdigkeit einer Zentralbank, wenn sie gut kapitalisiert ist.” Die Anlagepolitik der Notenbank sei mittel- bis langfristig ausgerichtet und langfristig erwarte die SNB eine positive Rendite.

(Bericht von Paul Arnold und John Revill. Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Bundesregierung setzt bei ukrainischem Getreide vor allem auf Seeweg

Berlin (Reuters) – Die Bundesregierung sieht weiter den Seeweg als weitaus beste Möglichkeit, Getreide aus der Ukraine auf die Weltmärkte zu bringen.

Ein Regierungssprecher sagte am Montag in Berlin, dass es zutiefst verabscheuenswert von Russland sei, Hunger als Waffe in dem Konflikt mit der Ukraine einzusetzen. “Russland muss zu dem Abkommen zurückkehren”, fügte er mit Blick auf das von Moskau ausgesetzte Abkommen mit der Ukraine und der Türkei über sichere Routen für Getreideschiffe im Schwarzen Meer hinzu.

Zwar gebe es die Möglichkeit, auch Getreide über den Landweg zu exportieren, was man weiter tun werde, sagte er. Aber angesichts der Schwierigkeiten etwa mit der Spurweite der Eisenbahnverbindungen in unterschiedlichen europäischen Ländern sei der beste Transportweg der Seeweg über das Schwarze Meer. “Es ist vor allem wichtig, dass Transporte über den Seeweg möglich bleiben”, sagte auch eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Das Verkehrsministerium wies auf die bestehende europäische Initiative hin, Getreide über die Schiene zu transportieren. Deutschland werde sich hier weiter beteiligen. Der Weg etwa zu Nordseehäfen sei allerdings sehr weit. Eine weitere Möglichkeit sei der Transport über Rumänien und von dort mit Binnenschiffen.

(Bericht von Andreas Rinke; redigiert von ….. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Grünen-Vize-Fraktionschef verlangt Dividenden-Verbot bei Gaspreisbremse

Berlin (Reuters) – Die Grünen verlangen von Industrie-Profiteuren einer Gaspreisbremse einen Verzicht auf Dividenden- und Bonus-Zahlungen.

“Wir brauchen Konzentration auf diejenigen, die wirklich Hilfe brauchen. Das heißt auch, dass große Unternehmen, die Unterstützung erhalten, nicht gleichzeitig hohe Dividenden ausschütten und Boni zahlen sollten”, sagte Grünen-Vize-Fraktionschef Andreas Audretsch am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. “Es ist gut, dass der Haushaltsausschuss das mit den Stimmen der Ampel-Koalition bereits so beschlossen hat.” Wichtig sei nun Regelungen zu finden, die gerecht sind, zugleich Bürokratie vermeiden und schnell funktionierten. “Die Probleme vieler Unternehmen sind ernst, darum ist zentral, dass die Unterstützung schnell bei den Unternehmen ankommt.”

Die Gaskommission sage zurecht, dass unabhängig vom Energieträger vor allem Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen und besonders hart getroffene Unternehmen in den Mittelpunkt gehörten. Die Kommission hat in ihrem Abschlussbericht die strittige Frage, ob Unternehmen, die von Energie-Hilfen profitieren, Dividenden zahlen dürfen, nicht klar beantwortet. Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat trotz seines hohen Gas-Bedarfs bereits angekündigt, möglichst auf die Hilfen verzichten zu wollen – auch mit Hinweis auf die Dividendenfrage.

(Bericht von: Markus Wacket; redigiert von Kerstin Dörr Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Inflation im Euro-Raum erstmals seit Euro-Einführung bei über zehn Prozent

– von Frank Siebelt und Klaus Lauer

Frankfurt (Reuters) – Die Inflation im Euro-Raum erreicht immer neue Höchstwerte und ist im Oktober erstmals seit dem Start des Euro über die Marke von zehn Prozent geklettert.

Die Verbraucherpreise stiegen angeheizt durch den anhaltenden Preisschub bei Energie binnen Jahresfrist um 10,7 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Montag auf Grundlage einer ersten Schätzung mitteilte. Das ist das höchste Niveau seit Einführung des Euro im Jahr 1999. Von Reuters befragte Experten hatten dagegen nur mit einem Zuwachs auf 10,2 Prozent gerechnet, nach 9,9 Prozent Inflation im September. Der erneute und unerwartet kräftige Preisschub macht klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem Zinserhöhungskurs noch nicht am Ziel angelangt ist.

“Mit 10,7 Prozent liegt die Inflation schon jetzt meilenweit über den 9,2 Prozent, die die EZB für das vierte Quartal erwartet”, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die neuen Daten. “Auf diese Inflationsrisiken sollte sich die EZB gemäß ihres Mandats auf der Dezember-Sitzung konzentrieren – und nicht auf die Rezessionsrisiken.” Nach Einschätzung von Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, wird die Inflationsrate vorerst zweistellig bleiben. “Anders als zuletzt signalisiert, sollte die EZB die Inflationsbekämpfung wieder ernster nehmen,” forderte er. Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer braucht der Euro-Raum im Dezember einen weiteren großen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte.

Die Inflation in der Währungsgemeinschaft liegt inzwischen mehr als fünfmal so hoch wie das Ziel der EZB von zwei Prozent, das sie als optimal für die Wirtschaft ansieht. Trotz zunehmender Rezessionssorgen hatten die Währungshüter vergangene Woche den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf nunmehr 2,0 Prozent angehoben. Der an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagensatz für Gelder, die Geschäftsbanken bei der EZB parken, wurde im selben Umfang auf 1,50 Prozent erhöht. Laut dem niederländischen Notenbankchef Klaas Knot wird die nächste Zinserhöhung mindestens 0,50 Prozentpunkte betragen. Die kommende Zinssitzung der EZB findet am 15. Dezember in Frankfurt statt – es ist das letzte Zinstreffen in diesem Jahr.

HEIKLES MANÖVER FÜR DIE EZB

Für die EZB wird das ein Drahtseilakt, denn mit ihren Jumbo-Zinsschritten läuft sie Gefahr, eine mögliche Rezession im Euro-Raum noch weiter zu verschärfen. Im Sommer war die Wirtschaft im Euro-Raum trotz des Ukraine-Kriegs und der dadurch angefachten Energiekrise noch leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich laut Eurostat zwischen Juli und September wie von Experten erwartet um 0,2 Prozent zum Vorquartal. Dennoch hat die Konjunktur mittlerweile deutlich an Fahrt verloren: Im Frühjahr hatte das Wachstum noch bei 0,8 Prozent gelegen.

Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist die Wahrscheinlichkeit einer Rezession inzwischen größer geworden, wie sie nach dem Zinsbeschluss am Donnerstag sagte. Elmar Völker, Analyst bei der LBBW, ist pessimistisch: “Auch wenn das Wetter noch vergleichsweise milde ist, schauen wir wirtschaftlich in einen kalten, dunklen Abgrund.” Nach Einschätzung von Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment, wird die Wirtschaftsleistung im Winterhalbjahr rückläufig sein. “Die Gründe dafür sind vor allem die hohen Energiepreise, die mittlerweile nicht mehr nur die Industrie, sondern auch den Dienstleistungssektor belasten.” Und auch den Verbrauchern machten die gestiegenen Lebenshaltungskosten zu schaffen.

Im Oktober waren die Energiepreise besonders stark nach oben geschossen. Energie verteuerte sich binnen Jahresfrist um 41,9 Prozent. Im September hatte der Anstieg noch bei 40,7 Prozent gelegen. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak nahmen um 13,1 Prozent zu, nach 11,8 Prozent im September. Industriegüter ohne Energie verteuerten sich um 6,0 Prozent, verglichen mit 5,5 Prozent im September. Bei den Dienstleistungen erhöhte sich der Preisanstieg leicht auf 4,4 Prozent, von 4,3 Prozent im September.

(redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Neue Führung greift bei Fresenius und FMC durch

Frankfurt/München (Reuters) – Düstere Aussichten bei der Dialysetochter FMC durchkreuzen erneut die Jahresziele von Fresenius.

Der neue Vorstandschef Michael Sen will deshalb nun beim Umbau des Gesundheitskonzerns endlich Ernst machen. “Wir haben begonnen, alle Geschäftsaktivitäten auf den Prüfstand zu stellen und schauen uns dabei das gesamte Portfolio an”, kündigte er am Sonntagabend an. “Dies wird nicht von heute auf morgen umsetzbar sein, aber wir werden schneller und entschlossener vorgehen als zuvor.” Auch die neue FMC-Chefin Carla Kriwet, die wie Sen Anfang Oktober die Führung übernahm, will durchgreifen. Es sei “dringend erforderlich, unsere operative Geschäftsentwicklung durch tiefgreifende Maßnahmen zu verbessern.”

An der Börse kam das gut an: FMC-Aktien gehörten mit einem Plus von zeitweise mehr als sechs Prozent zu den größten Dax-Gewinnern, Fresenius folgten mit einem Zuwachs von rund drei Prozent. Sens Ankündigung einer Überprüfung aller Geschäftsaktivitäten deute auf einen größeren Spielraum für strategische Veränderungen hin und dürfte positiv bewertet werden, urteilten die Analysten von JP Morgan.

Der neue Vorstand von Fresenius, zu der neben FMC auch die Klinikkette Helios, die Medikamentensparte Kabi und die Dienstleistungssparte Vamed gehören, steht unter Erfolgsdruck. Seit Jahresbeginn haben Fresenius-Aktien fast 40 Prozent an Wert verloren. FMC senkte mehrmals seine Geschäftsziele – am Sonntag zum zweiten Mal in diesem Jahr – und zwang damit auch Fresenius zu einer Korrektur. Der langjährige Fresenius-Chef Stephan Sturm, der eigentlich bis 2026 hätte bleiben sollen, musste Ende September überraschend gehen und wurde von Kabi-Chef Sen abgelöst.

Sturm hatte die komplexe Konzernstruktur auf den Prüfstand gestellt. Bei der Bilanz im Februar zog er Börsengänge von Helios und Vamed in Betracht und zeigte sich erstmals auch für einen Verkauf des FMC-Anteils offen, der bei 32 Prozent liegt. Seinen Worten folgten aber keinen Taten.

FMC ERWARTET GEWINNEINBRUCH VON BIS ZU 25 PROZENT

“Wir bei bei Fresenius wissen, dass wir uns weiter verbessern müssen”, räumte Sen nun ein, der bereits zu seinem Amtsantritt verkündet hatte, dass der Konzern grundlegende Veränderungen benötige. “Meine Prioritäten sind klar: Den Konzern neu auszurichten, Fresenius zu neuer Stärke zu verhelfen.” Der Schwerpunkt liege dabei auf Rentabilität. FMC-Chefin Kriwet sagte, der Dialysekonzern habe “bereits mit der Ausarbeitung eines umfassenden Turnaround-Plans begonnen, zu dem auch eine Kultur der Leistung und klaren Verantwortlichkeiten gehören wird.”

Kriwet, die vom Haushaltsgerätekonzern BSH zu FMC kam, hatte angesichts der Probleme bei dem Dialysespezialisten vorzeitig die Führung übernommen – eigentlich hätte sie erst im Januar starten sollen. FMC hatte sich zuletzt immer mehr zum Bremsklotz für Fresenius entwickelt. Vor allem der Mangel an Pflegekräften in den USA bremst die Erholung nach der Corona-Pandemie, in der Dialysepatienten besonders gefährdet waren. Trotz aller Bemühungen sei die Zahl unbesetzter Stellen in den Dialysezentren weiterhin hoch. “Bei aller Ernüchterung darüber, dass sich die eingeleiteten Maßnahmen in Nordamerika verzögert auswirken, sind wir zuversichtlich, dass unsere intensivierten Anstrengungen die nötigen Verbesserungen bringen werden”, sagte FMC-Finanzchefin Helen Giza.

In diesem Jahr rechnet sie aber nun mit einem Rückgang des Nettogewinns von FMC währungsbereinigt und ohne Sondereffekte von bis zu 25 Prozent – bisher war sie von einem Minus von maximal 20 Prozent ausgegangen. 2021 hatte das Konzernergebnis knapp 1,02 Milliarden Euro betragen, nach neun Monaten liegt es mit 660 Millionen Euro währungsbereinigt 18 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um zwei Prozent auf 14,4 Milliarden Euro, im Gesamtjahr soll er weiter leicht zulegen.

Fresenius erwartet für das laufende Jahr nun einen Rückgang des währungsbereinigten Gewinns von um die zehn Prozent statt eines Minus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Das währungsbereinigte Umsatzwachstum soll unverändert im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich liegen. Neben FMC sind auch die anderen Sparten von der eingetrübten Konjunktur betroffen, vor allem Vamed. Nach neun Monaten stand bei Fresenius ein Umsatzplus von vier Prozent auf 30,2 Milliarden Euro zu Buche, der Konzerngewinn fiel um zehn Prozent auf 1,28 Milliarden.

(Bericht von Patricia Weiß und Alexander Hübner, redigiert von redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Credit Suisse startet Kapitalerhöhung

(Berichtigt im vierten Satz des dritten Absatzes die Anzahl der neuen Aktien. Es muss heißen 1,8 Milliarden (nicht 1,8 Millionen)

Zürich (Reuters) – Die Credit Suisse beginnt mit der Umsetzung der vergangene Woche angekündigten Kapitalerhöhung und bietet ihren Eigentümern die neuen Aktien mit einem deutlichen Preisabschlag an.

Die im Rahmen eines Bezugsrechtsangebots zu platzierenden Titel sollen 2,52 Franken kosten, erklärte die Credit Suisse am Montag. Das liege 32 Prozent unter dem volumengewichteten Durchschnittspreis der letzten beiden Handelstage an der Schweizer Börse SIX. Die Aktionäre sollen für sieben alte Aktien zwei neue Anteile beziehen können. Das Institut will so 889,4 Millionen neue Titel platzieren und damit brutto rund 2,24 Milliarden Franken einsammeln.

Zusammen mit den Anteilen, die die Saudi National Bank und andere Profi-Anleger erwerben wollen, erwartet die Bank insgesamt einen Emissionserlös von brutto vier Milliarden Franken. Die Credit Suisse hatte vergangenen Donnerstag einen tiefgreifenden Umbau angekündigt, der unter anderem tiefe Einschnitte bei der Investmentbank vorsieht. Die Saudi National Bank und andere institutionelle Investoren haben zugesagt, an der dafür nötigen Kapitalbeschaffung teilzunehmen. Diese Gruppe wird der Credit Suisse zufolge 462 Millionen neue Aktien zu 3,82 Franken erwerben. Das entspricht sechs Prozent Abschlag auf den Durchschnittspreis der letzten beiden Handelstage. Der Bank sollen dadurch 1,76 Milliarden Franken zufließen.

Beide Emissionen müssen von den Aktionären noch gutgeheißen werden. Die Generalversammlung dazu ist für den 23. November angesetzt. Sollten die Eigentümer die Ausgabe neuer Aktien an die Investorengruppe um die Saudi National Bank ablehnen, will die Credit Suisse stattdessen mehr Geld bei ihren Eigentümern einsammeln. In diesem Fall sollen knapp 1,8 Milliarden Titel zu 2,27 Franken bei den Aktionäre platziert werden.

Die Credit Suisse gab auch das Bankenkonsortium für die Transaktion bekannt. Die Bank selbst agiert als Global Coordinator für die Bezugsrechtsemission. Die Deutsche Bank, Morgan Stanley, RBC Capital Markets und Societe Generale sind Joint Lead Manager und Joint Bookrunner. Als Joint Bookrunner mit an Bord sind zudem zahlreiche weitere Institute, darunter etwa die Commerzbank, die Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, Barclays und BNP Paribas.

(Bericht von Paul Arnold und Oliver Hirt; redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)