Erdgaspreisprognose – Die Erdgasmärkte sehen weiterhin schwach aus

Technische Analyse Erdgas

Die Erdgasmärkte sind zu Beginn der Handelssitzung am Donnerstag gesunken, drehten dann aber und gaben wieder Lebenszeichen von sich. Derzeit sieht es so aus, als würde der Markt weiterhin um die 6,50 $-Marke kämpfen, könnte aber schließlich deutlich nach unten durchbrechen. In diesem Fall rechne ich fest damit, dass der Markt weiterhin Erholungen verkaufen wird, und das sollte er auch, denn die Nachfrage bricht ein.

Die Geschichte über die Europäer, die Flüssigerdgas kaufen, und die USA, wo das Fremont-Terminal nicht mehr funktioniert, bröckelt. Letztendlich ist dies ein Markt, der jetzt wahrscheinlich bis zum 200-Tage-EMA bei 5,83 $ fallen wird, um dann möglicherweise darunter zu brechen und auf die 5,00 $-Marke zu fallen. Ich denke, dass dieser Markt auch weiterhin eine Menge “Verkaufen bei der Rallye”-Situationen erleben wird, da sich der Markt auf die Binnennachfrage konzentrieren wird.

Aus diesem Grund dürfte der Markt weiter fallen, und ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir den ganzen Weg bis zur 5,00 $-Marke zurücklegen. Erholungen zu diesem Zeitpunkt oder Verkaufsgelegenheiten, und der 50-Tage-EMA bei 7,35 $ ist ein Bereich, in dem wir ebenfalls Verkaufsdruck sehen würden.

Letztendlich handelt es sich um einen Markt, der meiner Meinung nach weiterhin ein sehr lautes Verhalten an den Tag legt, und da wir einen recht drastischen Einbruch erlebt haben, ist es nur logisch, dass wir auch ein wenig nachziehen werden. Letztendlich gefällt mir der Gedanke, Rallyes in Zukunft auszublenden, weil ich glaube, dass wir im Allgemeinen weiterhin viel Lärm sehen werden.

Erdgaspreisprognose Video für 01.07.22

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Rohölpreisprognose – Rohölmärkte ziehen sich weiter zurück

Technische Analyse WTI-Rohöl

Der West Texas Intermediate Rohölmarkt ist während des Handels am Donnerstag deutlich gefallen und unter die Marke von $107 gefallen. Zu diesem Zeitpunkt sieht es so aus, als würde der Markt die Haupttrendlinie von vorhin testen, und daher denke ich, dass es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit ist, bis wir größere Aktionen in die eine oder andere Richtung sehen werden. Wenn wir unter die Aufwärtstrendlinie fallen, wird das nächste Ziel die 100 $-Marke sein. Ein Durchbruch unter diese Marke eröffnet dann die Möglichkeit einer vollständigen Trendwende. Es ist erwähnenswert, dass der Rest der Rohstoffmärkte einen Schlag ins Gesicht bekommen hat, so dass Öl der “last man standing” ist.

Video zur Rohölpreisprognose für den 01.07.22

Technische Analyse von Brent-Rohöl

Die Brent-Märkte sehen offensichtlich sehr ähnlich aus, da sie die darunter liegende Aufwärtstrendlinie bedrohen, die näher an der 107 $-Marke liegt. Sollten wir unter diese Marke fallen, wird der Brent-Markt wahrscheinlich die 100 $-Marke erreichen, wo er mit dem 200-Tage-EMA in Berührung kommen wird. Ein Unterschreiten dieser Marke wäre natürlich ebenfalls eher negativ und würde einen Abwärtstrend einleiten, der technisch gesehen als “Abwärtstrend” bezeichnet werden könnte.

Sollte einer der beiden Märkte jedoch von der Aufwärtstrendlinie abprallen, dann sieht es so aus, als würden sie versuchen, sich zu retten. Abgesehen davon hat sich die Dynamik in den letzten Tagen deutlich verändert, und das deutet darauf hin, dass noch mehr Probleme auf uns zukommen. Aus diesem Grund bin ich im Moment nicht besonders begeistert von Rohölaktien. Die Märkte sind einfach viel zu gefährlich.

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Deutschland macht Zusagen zur Aufrüstung von Nato-Ostflanke

Madrid/Berlin (Reuters) – Deutschland macht einen Tag nach dem Beschluss einer neuen Nato-Strategie zur Sicherung der Ostflanke konkrete Zusagen.

So soll dauerhaft eine gepanzerte Division mit 15.000 Mann, 60 Flugzeuge und 20 Marineeinheiten zur Verfügung gestellt werden, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am Donnerstag in Madrid nach Abschluss des zweitägigen Nato-Gipfels. Hinzu komme der Aufbau eines regionalen Marinekommandos in der Ostsee. Die Kräfte der Bundeswehr würden so schnell wie möglich aufgestellt. Die Zusage der Bundesregierung ist Teil der neuen Nato-Strategie, wonach die Nato ihre Ostflanke massiv aufrüsten will, um einen möglichen Angriff Russlands unmittelbar zurückschlagen zu können.

Der russische Angriff auf die Ukraine habe gezeigt, dass man vorbereitet sein müsse, sagte Scholz. Die Nato will als Reaktion die Zahl der einsatzbereiten Kampftruppen auf 300.000 von derzeit 40.000 erhöhen. US-Präsident Joe Biden hatte am Mittwoch gesagt, die Allianz werde so ausgestattet sein, dass sie sich sämtlichen Gefahren an Land, zu Wasser und aus der Luft zur Wehr setzen könne. Der US-Präsident kündigte dazu ein fünftes Hauptquartier der europäischen US-Streitkräfte in Polen an. Die Zahl der US-Zerstörer in Spanien solle von vier auf sechs erhöht werden, zwei zusätzliche US-Geschwader mit F-35-Kampfjets werden in Großbritannien stationiert. Zudem solle es weitere Luftabwehr in Deutschland, Italien und den Balten geben.

Scholz sagte, die Nato verstoße mit ihrem neuen strategischen Konzept und der Aufrüstung an der Ostflanke nicht gegen die Nato-Russland-Grundakte. Es sei wichtig, die Vereinbarung zwischen der Allianz und Russland nicht aufzukündigen, auch wenn die Regierung in Moskau massiv dagegen verstoße. In der Grundakte wurde unter anderem festgelegt, dass die Nato auf eine dauerhafte militärische Präsenz an ihrer Ostgrenze verzichte. Scholz sagte, die Rahmenbedingungen hätten sich mit dem Krieg in der Ukraine verändert. Der Vorwurf von Präsident Wladimir Putin, die Nato sei imperialistisch, sei “lächerlich”, sagte der Kanzler. Die Nato sei eine rein defensive Allianz. Stattdessen sei es Russland selbst, das imperialistisch agiere.

“DIPLOMATISCHER SIEG”

Dass sich die Spannungen zwischen der Nato und Russland mit dem Beitritt Finnlands und Schwedens zur Allianz weiter verschärften, erwartet Scholz zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Putin habe die anstehende Erweiterung “unbeeindruckt zur Kenntnis genommen”. Insofern sei nach jetzigen Stand keine Eskalation absehbar. Putin habe gesagt, er sei nicht grundsätzlich gegen eine Nord-Erweiterung der Nato. Die Allianz dürfe in den neuen Mitgliedern selbst aber nicht aufrüsten, warnte er, sonst müsste Russland entsprechend reagieren. US-Präsident Joe Biden sagte, Putin habe mit dem Krieg genau das Gegenteil von dem erreicht, was er wollte. Statt der Finnlandisierung der Ukraine bekomme er jetzt eine “Natoisierung” Finnlands.

Scholz sagte eine sehr schnelle Ratifizierung des Beitritts Schwedens und Finnlands in die Nato zu. Die Bundesregierung werde damit noch diese Woche beginnen. Damit beide Länder der Allianz beitreten können, müssen dies die Parlamente aller 30 Mitgliedsländer ratifizieren. Der als historisch gepriesene Beitritt der beiden traditionell militärisch neutralen Länder war ermöglicht worden, nachdem die Türkei ihr Veto zurückgenommen hatte. Präsident Recep Tayyip Erdogan erhielt im Gegenzug Zusagen der Regierungen in Stockholm und Helsinki, im Kampf gegen kurdische Terror-Organisationen mehr zu kooperieren.

Erdogan bezeichnete die Einigung am Donnerstag als einen “diplomatischen Sieg” der Türkei. Die Befindlichkeiten der Türkei mit Blick auf den Terrorismus seien anerkannt worden, sagte er bei einer Pressekonferenz in Madrid. Jetzt müssten die Zusagen aber auch umgesetzt werden. So habe Schweden versprochen, 73 “Terroristen” an die Türkei auszuliefern. Sollten diese Versprechen nun aber nicht eingehalten werden, werde er den Ratifizierungsprozess für die Aufnahme in die Nato im türkischen Parlament aufhalten, drohte Erdogan.

(Bericht von Andreas Rinke, Alexander Ratz, Sabine Siebold, Andrea Shalal; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

AUD/USD-Kursprognose – Der australische Dollar versucht weiterhin, sich zu erholen

Technische Analyse Australischer Dollar vs. US-Dollar

Der australische Dollar verzeichnete am Donnerstag zunächst einen Kursrückgang, da wir eine hohe Volatilität und Negativität in der Welt beobachten konnten. Früher oder später wird die Marke von 0,6850 jedoch wohl durchbrochen werden. Wenn wir dieses Niveau erreichen, müssen wir die 0,68er-Marke genau im Auge behalten, denn sie ist eine wichtige Unterstützungsmarke und ein Bereich, der meiner Meinung nach weiterhin wichtig sein wird.

Wenn wir unter die 0,68-Marke fallen, ist es wahrscheinlich, dass der Markt viel tiefer fällt und vielleicht die 0,66-Marke und darüber hinaus erreicht. Das wäre eine sehr negative Entwicklung und könnte eine gewaltige Abwärtsbewegung nach sich ziehen, die nur auf sich warten lässt. Alternativ könnten wir uns von hier aus erholen, aber die 0,70-Marke dürfte weiterhin eine große psychologische und strukturelle Barriere darstellen.

Denken Sie daran, dass der australische Dollar in hohem Maße von den Rohstoffmärkten abhängig ist, weshalb Sie unbedingt darauf achten sollten, was diese tun. Derzeit ist der einzige Markt, der wirklich gesund aussieht, der Ölmarkt, und das könnte uns etwas sagen. Wenn wir kurz vor einem globalen Abschwung stehen, wird der australische Dollar wahrscheinlich den Preis dafür zahlen. Schließlich liefert Australien eine Menge harter Materialien wie Kupfer, Eisen und Aluminium an den Rest der Welt. Auf der anderen Seite des Handels sehen wir, dass die Federal Reserve ihre Geldpolitik weiter strafft.

AUD/USD Preisprognose Video 01.07.22

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EUR/USD-Kursprognose – Euro droht weiterhin ein größerer Einbruch

Technische Analyse Euro vs. US-Dollar

Der Euro versuchte zunächst, sich während des Handels am Donnerstag etwas zu erholen, gab aber seine Gewinne wieder ab, um die Tiefststände erneut zu bedrohen. Letztendlich handelt es sich um einen Markt, der meiner Meinung nach weiterhin nach Unterstützung suchen wird, aber er wird sicherlich immer aggressiver nach unten. Letztendlich gehe ich davon aus, dass der Markt das bisschen Unterstützung, das er bisher gefunden hat, durchbricht und die 1,02er-Marke erreichen wird. Die 1,02er-Marke eröffnet dann die Möglichkeit, die Paritätsmarke zu erreichen, ein Bereich, der viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

Die EZB hat weiterhin mit einer Wirtschaft zu kämpfen, die sich gleichzeitig um Energie und Inflation kümmern muss, während sich die Federal Reserve ausschließlich auf die Inflation konzentriert. Solange dies der Fall ist, wird die Federal Reserve eine viel aggressivere Geldpolitik betreiben als die EZB, was dieses Paar nach unten treibt. Außerdem geht es dem Euro schon seit einiger Zeit schlecht, so dass es keinen wirklichen Grund gibt, zu glauben, dass wir abgesehen von gelegentlichen kurzfristigen Erholungen etwas anderes erleben werden.

Letztendlich denke ich, dass dieser Markt irgendwann im Spätsommer die Parität erreichen wird, aber das bedeutet nicht unbedingt, dass es einfach sein wird, dorthin zu gelangen. Ich denke, dass wir weiterhin sehr unruhige Handelsbedingungen haben werden, und deshalb werden wir weiterhin einen Markt sehen, der laut und schwierig ist, aber ganz sicher den Abwärtstrend begünstigt. Erst wenn wir die Marke von 1,08 überschreiten, würde ich anders denken.

EUR/USD Preisprognose Video 01.07.22

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Insider – EZB wird südliche Euro-Länder mit Anleihekäufen stützen

– von Francesco Canepa und Balazs Koranyi

Sintra (Reuters) – Die Europäische Zentralbank (EZB) will Insidern zufolge Länder wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland mit dem Kauf ihrer Staatsanleihen unterstützen.

Die Währungshüter würden einen Teil der Erlöse aus fällig werdenden deutschen, französischen und niederländischen Titeln in ihrem Besitz nutzen, um damit Anleihen dieser Länder zu erwerben, sagten mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Mit den Käufen soll verhindert werden, dass sich die Risikoaufschläge (Spreads) der Anleihen dieser südlichen Euro-Staaten ausweiten, was ihre Finanzierungskosten erhöhen würde. Denn für bereits stark verschuldete Länder könnte dies zum Problem werden. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab.

Die EZB werde das Vorhaben an diesem Freitag auf den Weg bringen, um damit ein Auseinanderdriften der Staaten in der Währungsunion zu vermeiden, sagten die Insider. Die EZB spricht in diesem Zusammenhang meist von einer Gefahr der “Fragmentierung”. Diese würde ihren Plänen im Wege stehen, im Juli zum ersten Mal seit 2011 die Zinsen in der Währungsgemeinschaft zu erhöhen. Ein weiteres neues Instrument zur Bekämpfung hoher Zinskosten für stark verschuldete Euro-Staaten soll im Juli vorgestellt werden.

Die Zentralbank hat die 19 Länder der Euro-Zone in drei Gruppen eingeteilt, wie aus Gesprächen mit mehreren Insidern auf dem Notenbank-Forum der EZB in Sintra in Portugal hervorgeht. Die Länder sind Geber, Empfänger oder Neutrale – basierend auf dem Umfang und der Geschwindigkeit des Anstiegs ihrer Anleihespreads in den vergangenen Wochen. Die EZB will dem Plan zufolge Teile der Einnahmen aus ablaufenden Anleihen aus Geber-Ländern, die im Rahmen ihres billionenschweren Pandemie-Kaufprogramm PEPP erworben wurden, für Käufe von Bonds der Empfänger-Länder nutzen, wie die Insider erläuterten. Neutrale Länder dienten als Puffer. Die EZB hatte bereits in Aussicht gestellt, solche Reinvestitionen flexibel angehen zu wollen.

Maßstab für die Bestimmung der Spread-Entwicklung sei der Vergleich mit deutschen Bundesanleihen, sagte die Insider. Die Liste solle monatlich überprüft werden. In ihr kommt die alte Einteilung in Kern-Länder und Peripherie-Länder wieder zum Vorschein, über die vor einem Jahrzehnt im Zuge der Euro-Schuldenkrise immer wieder diskutiert wurde.

Zu den Empfänger-Staaten gehörten eine handvoll Länder, die von Investoren wegen ihrer hohen Staatsverschuldung oder ihres schwachen Wirtschaftswachstums als riskanter eingestuft würden, sagten die mit den Überlegungen vertrauten Personen. Darunter seien Italien, Griechenland, Spanien und Portugal. Die Gebergruppe bestehe aus etwa einem halben Dutzend Ländern, die als sicherer eingestuft würden, darunter Deutschland, Frankreich und die Niederlande.

NEUES INSTRUMENT KOMMT HINZU

Die EZB weiß allerdings auch, dass eine flexible Wiederanlage der Einnahmen aus ablaufenden PEPP-Anleihen möglicherweise nicht ausreichen wird, um die Märkte zu beruhigen. Daher hat sie ihre Arbeiten an einem weiteren Instrument beschleunigt. Mit diesem – höchstwahrscheinlich ein neues Kaufprogramm – soll die Notenbank gezielt Anleihen betroffener Staaten erwerben können, wenn diese bestimmte Bedingungen erfüllen. Dies könnte den Insidern zufolge von der EU-Kommission auf Grundlage ihrer Haushaltsregeln oder ihrer Wirtschaftsempfehlungen bewertet werden. Dies könne aber die EZB auch selbst übernehmen mittels einer Bewertung der Schuldentragfähigkeit. So sei die Notenbank beispielsweise vor einigen Jahren bei Griechenland vorgegangen.

Mit der ersten Option würde allerdings eine andere europäische Institution ein starkes Mitspracherecht bei dem Instrument erhalten. Bei der zweiten Option würde sich die EZB dagegen womöglich Vorwürfen aussetzen, sich zu stark in die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Euro-Länder einzumischen. Offen ist bislang auch, wie mit der zusätzlichen Liquidität in Folge der neuen Anleihenkäufe umgegangen werden soll. Eine Möglichkeit wäre etwa, über spezielle Operationen der Finanzwirtschaft die neu geschaffene Liquidität wieder zu entziehen. Dies könnten etwa Auktionen sein, bei denen sich Banken bessere Zinssätze sichern können, wenn sie bei der Notenbank Gelder parken.

Die Währungshüter müssen zudem noch entscheiden, ob sie den geplanten Umfang des neuen Programms bekanntgeben wollen. Womöglich hoffen sie, dass allein die Ankündigung ausreichen wird, um die Märkte zu stabilisieren. Ein Vorbild wäre hier das 2012 auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise beschlossene OMT-Programm. Allein dessen Ankündigung hatte damals ausgereicht, um die Börsen zu beruhigen. Eingesetzt wurde OMT bislang noch nie.

(Bearbeitet von Frank Siebelt,; redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

BMW kauft Aktien zurück – Papiere bei Bewertung hinter Konkurrenz

Berlin (Reuters) – BMW kauft eigene Aktien im Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro zurück.

Das Programm solle im Juli starten und bis Ende Dezember 2023 abgeschlossen sein, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Finanzchef Nicolas Peter sagte, der Münchener Autobauer erwarte nach der Vollkonsolidierung des chinesischen Tochterunternehmens BMW Brilliance eine weiterhin starke Liquiditätsposition. BMW sende mit dem Aktienrückkauf ein Signal der Stärke an den Kapitalmarkt.

Geplant sei der Kauf von Stammaktien im Volumen von bis zu 1,85 Milliarden Euro und von Vorzugsaktien im Volumen von bis zu 150 Millionen Euro, erklärte BMW weiter. Die Hauptversammlung hatte im Mai grünes Licht für den Aktienrückkauf gegeben.

Am Markt sind die Papiere des Autobauers allerdings derzeit unter Druck. Seit Jahresbeginn haben sie mehr als 18 Prozent an Wert verloren, nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine und die Aussicht auf steigende Zinsen setzen den Aktenmarkt unter Druck. Bei einem Aktienrückkauf erhöht sich die Nachfrage nach den Papieren, dadurch steigt üblicherweise der Preis. Am Donnerstag notierten die BMW-Aktien allerdings bis zu 5,3 Prozent schwächer und damit so niedrig wie seit dreieinhalb Monaten nicht mehr.

Zudem werden die Aktien von BMW niedriger gehandelt als die Papiere der Konkurrenz, wenn man sich das Verhältnis des Aktienkurses zum Gewinn je Aktie ansieht; bei Mercedes-Benz und Volkswagen liegt das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis etwas höher als bei den Bayern. Ein Analyst sagte, möglicherweise spiele dabei eine Rolle, dass Mercedes-Chef Ola Källenius in der Öffentlichkeit stärker für sein Unternehmen werbe; bei VW spiele die Phantasie um einen Börsengang von Porsche eine Rolle.

Die Chipkrise hatte zuletzt die Gewinne der Autofirmen in die Höhe getrieben: Angesichts der starken Nachfrage konzentrierten sich die Unternehmen auf profitable Spitzenmodelle und stellten günstigere Fahrzeuge in ihren Produktionsplänen hinten an. Der Analyst sagte, angesichts der steigenden Inflation bestehe nun die Gefahr, dass diese Strategie nicht mehr aufgehe. Für das zweite und dritte Quartal werde damit gerechnet, dass die Autobauer wieder günstigere Autos herstellten und die Margen zurückgingen.

(Bericht von Christina Amann, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Belgien – Weltgrößte Schokoladefabrik stoppt Produktion wegen Salmonellen

Zürich (Reuters) – Ein neuer Fall von Verunreinigung mit Salmonellen in Belgien hat die weltgrößte Schokoladefabrik lahmgelegt.

Der Schweizer Schokolade- und Kakaohersteller Barry Callebaut stoppte die Produktion in seinem Werk in Wieze bis auf weiteres. Der Erreger sei am Montag entdeckt worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die belgische Lebensmittelbehörde (FAVV) sei informiert. Kunden wurden gebeten, ausgelieferte Produkte zurückzuhalten, erklärte das Unternehmen aus Zürich.

Als Quelle der Kontamination wurde Barry Callebaut zufolge in der Schokoladeproduktion verwendetes Lecithin identifiziert. Der Konzern will die Ursache der Verunreinigung nun sorgfältig untersuchen, die Anlagen dann reinigen und wieder in Betrieb nehmen. Das Werk in Wieze ist dem Unternehmen zufolge die weltgrößte Produktionsstätte für Schokolade. Zu den Kunden von Barry Callebaut gehören Lebensmittelkonzern wie Nestle, Mondelez, Unilever und Hershy.

Im April hatte der italienische Süßwarenkonzern Ferrero sein Werk im belgischen Arlon wegen möglicher Verunreinigungen mit Salmonellen vorübergehend geschlossen. Eine Infektion mit dem Erreger ist oft mit Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen und Erbrechen verbunden, die in der Regel nach einigen Tagen wieder abklingen. Bedrohlich kann eine Erkrankung für Kinder, alte und immungeschwächte Menschen werden.

(Bericht von Paul Arnold und Michael Shields, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Metaller vor stürmischem Tarifherbst – acht Prozent mehr Lohn gefordert

– von Ilona Wissenbach

Hamburg/Frankfurt (Reuters) – In der Metall- und Elektroindustrie zeichnet sich ein harter Tarifstreit ab.

Die Tarifkommissionen der Gewerkschaftsbezirke der IG Metall beschlossen eine Lohnforderung von acht Prozent – das obere Ende der von Gewerkschaftsboss Jörg Hofmann kürzlich empfohlenen Spanne. “Die Forderung heißt acht Prozent, und die wollen wir tatsächlich durchsetzen”, betonte der Chef des Bezirks Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger. Mit Arbeitskampf sei nach Ablauf der Friedenspflicht Ende Oktober zu rechnen, wenn es bis dahin keine Lösung gäbe. “Die Beschäftigten erwarten angesichts der stark steigenden Preise und der guten Auftrags- und Ertragslage in vielen Betrieben eine ordentliche Erhöhung”, erklärte NRW-Bezirksleiter Knut Giesler. Die regionalen Arbeitgeberverbände wiesen die Forderung als überzogen zurück.

Die IG Metall sieht die Unternehmen trotz steigender Kosten und Lieferengpässen in einer guten Lage. Die Auftragsbücher seien voll, die Gewinne teils außergewöhnlich hoch. “Wir gehen sehr selbstbewusst in diese Tarifrunde mit guten Argumenten”, sagte Hofmann. Die Gewerkschaftsspitze beschließt die Forderung endgültig am 11. Juli. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern des mit 3,9 Millionen Beschäftigten größten Industriezweigs sollen Mitte September beginnen. Die Friedenspflicht endet am 28. Oktober, danach wäre Streik möglich.

WINDSTÄRKE ZWÖLF

Die acht Prozent Lohnplus bei zwölf Monaten Laufzeit wurden in den regionalen Tarifkommissionen zumeist einstimmig beschlossen. In Baden-Württemberg mit seiner gut verdienenden Autoindustrie standen auch Forderungen von zehn Prozent im Raum, wie sie etwa vom Betriebsrat des Autobauers Mercedes-Benz laut wurden. Betriebe im Maschinenbau oder unter Autozulieferern müssen dagegen kämpfen, um schwarze Zahlen zu schreiben. Verhandlungsführer Zitzelsberger zufolge gab es daher auch mäßigende Stimmen in der Tarifkommission. Er rechne mit “orkanartigem Gegenwind” der Arbeitgeberseite “mit Windstärke elf”, doch die IG Metall sei dann zu Windstärke zwölf fähig.

Die acht Prozent seien für die Belegschaften in großen Unternehmen wie Airbus und Mercedes-Benz eher die Untergrenze, sagte der IGM-Bezirkschef Küste, Daniel Friedrich. “Aber wir haben natürlich auch Betriebe und Regionen, wo die wirtschaftliche Situation nicht so gut ist.” Auch er erwartet einen stürmischen Herbst. “Wir sind gegebenenfalls schnell in einer Eskalation”, sagte Friedrich. Mit dem Arbeitgeberverband gebe es einen guten Gesprächskanal. “Aber bei Geld hört die Freundschaft auf.”

ARBEITGEBER WARNEN – JOBS IN GEFAHR

Die Arbeitgeber werfen der Gewerkschaft Realitätsverlust vor. Volle Auftragsbücher nützten bei Produktionsproblemen durch gestörte Lieferketten nichts. Die acht Prozent seien außerhalb aller Möglichkeiten, erklärte der Chef von Südwestmetall, Joachim Schulz. Das Gros der Unternehmen habe mit gestörten Lieferketten und steigenden Produktionskosten zu kämpfen, während die Aussichten ungewisser seien denn je. “Einen zusätzlichen Schub bei den Personalkosten können sie sich gar nicht leisten”, sagte Schulz. Die IG Metall beschwöre zur Unzeit einen Tarifkonflikt herauf.

Die NRW-Metallarbeitgeber konterten die “völlig unrealistische” Forderung mit dem Hinweis, die Metall- und Elektrobranche liege nach Einbrüchen in der Corona-Pandemie teilweise deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Die Firmen seien Preisschocks ausgesetzt und stünden unter massivem Veränderungsdruck. Eine auch Umsetzung dieser Forderung würde zahlreiche Arbeitsplätze aufs Spiel setzen. “Ich kann die IG Metall vor den Folgen einer überzogenen Tarifpolitik auch für die Beschäftigung nur warnen”, erklärte Verbandspräsident Arndt Kirchhoff. Die Verhandlungsführerin der Nord-Arbeitgeber, Lena Ströbele, nannte die Forderung übertrieben. Seit 2007 seien die Bruttoverdienste in der Branche um 40 Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise aber nur um 25 Prozent.

LOHN-PREIS-SPIRALE?

Die ohnehin schon hohe Inflation drohe durch falsche tarifpolitische Weichenstellungen angeheizt zu werden, erklärte NRW-Arbeitgeberchef Kirchhoff. Nach Ansicht der Gewerkschaft dagegen kurbelt ein kräftiges Tarifplus keine Lohn-Preis-Spirale an. Höhere Löhne stärkten die Kaufkraft und seien daher ein Beitrag gegen drohende Stagflation, sagte Zitzelsberger.

Die Ökonomen des RWI-Instituts gehen nicht davon aus, dass sich Löhne und Preis gegenseitig hochschaukeln. Die Löhne seien zwar zuletzt stärker gestiegen als im Schnitt der vergangenen Jahre, erklärten die Essener Ökonomen und Regierungsberater kürzlich. Gleichzeitig ziehe die Inflation kräftig an und erhöhe die Lebenshaltungskosten deutlich. Daher müssten deutschlandweit Arbeitnehmer fallende Reallöhne hinnehmen. Es sei auch nicht zu erwarten, dass kommende Lohnsteigerungen 2022 und 2023 mit der Inflationsrate Schritt hielten, “so dass sich derzeit keine Lohn-Preis-Spirale abzeichnet”. Das RWI schätzt, dass die Tariflöhne in diesem Jahr nominal um 2,6 Prozent steigen, 2023 dann um 3,6 Prozent.

(Mitarbeit von Jan C. Schwartz, Rene Wagner, Matthias Inverardi; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Scholz zu Uniper – Sind bereit, Firmen bei externen Schocks zu helfen

Madrid/Berlin (Reuters) – Angesichts der Finanzprobleme des Energiekonzerns Uniper hat Bundeskanzler Olaf Scholz betont, dass die Bundesregierung grundsätzlich bereit sei, Firmen zu helfen, die wegen eines externen Schocks angeschlagen seien.

Diese Bereitschaft habe sie schon in der Corona-Krise gezeigt, sagte Scholz am Donnerstag am Ende des Nato-Gipfels in Madrid auf eine entsprechende Frage. Deutschland habe auch die Fähigkeit dazu. “Das wird aber im Einzelfall zu prüfen sein”, fügte er hinzu. Der Energiekonzern Uniper hatte zuvor als erster großer deutscher Versorger in der Gaskrise Alarm geschlagen und den Staat um Hilfe gebeten.

Auf die generelle Frage nach der Sicherheit der Gasversorgung sagte der Kanzler, dass sich die Regierung sehr früh auf mögliche Probleme bei den Lieferungen eingestellt habe. Man müsse dabei “übervorsichtig” agieren, um sich auf alle möglichen schwierigen Situationen einzustellen, betonte der SPD-Politiker.