Umfrage – US-Konsumlaune trübt sich im Mai nur leicht ein

Washington (Reuters) – Die Stimmung der US-Konsumenten hat sich im Mai trotz hoher Inflation nur leicht eingetrübt.

Das Barometer für die Verbraucherlaune fiel auf 106,4 Punkte nach revidiert 108,6 Zählern im April, wie das Institut Conference Board am Dienstag zu seiner Umfrage mitteilte. Ökonomen hatten mit 103,9 Punkten gerechnet. Die Verbraucher bewerteten die aktuelle Lage und auch die Aussichten etwas pessimistischer als zuletzt.

Die US-Teuerungsrate lag im April bei 8,3 Prozent, was die Kaufkraft der Verbraucher schmälert. Angesichts der rasant steigenden Verbraucherpreise will die US-Notenbank Fed im Sommer mit weiteren aggressiven Zinsschritten ihren geldpolitischen Kurs verschärfen. Das Thema Inflation steht auch im Mittelpunkt eines Treffens von US-Präsident Joe Biden mit Fed-Chef Jerome Powell am Dienstagabend (MESZ). Biden hat den Kampf gegen die steigenden Lebenshaltungskosten zu seiner innenpolitischen Top-Priorität erklärt.

Springer-Chef Döpfner gibt Posten als Verleger-Chef vorzeitig ab

Berlin (Reuters) – Der zuletzt in die Kritik geratene Springer-Chef Mathias Döpfner tritt vorzeitig als Präsident des Verlegerverbands BDZV ab.

Döpfner werde sein Amt beim Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger nach sechs Jahren “ab Herbst in geordneter Weise in neue Hände, vorzugsweise auch in neue Strukturen übergeben”, teilte der BDZV am Dienstag mit. Der 59-jährige Vorstandsvorsitzende von Axel Springer bat demnach in einem persönlichen Schreiben an die Verbandsmitglieder um Verständnis für seine Entscheidung. Seine Amtszeit als Cheflobbyist beim BDZV läuft eigentlich noch bis Herbst 2024.

Döpfner begründete seinen Schritt zum einen mit dem Kauf des US-Portals “Politico”, der größten Investition in der Firmengeschichte von Springer – was “deutlich mehr Zeit und Präsenz von mir in Amerika erfordert”. Zum anderen müsse jemand an die Verbandspitze treten, der nicht für ein großes, internationales Verlagshaus stehe, um stärker die Interessen kleinerer und mittelgroßer, regionaler und lokaler Verlage zu vertreten.

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) sprach von einer guten Entscheidung für den BDZV, für die Zeitungsverlage, für Journalistinnen und Journalisten, “und wahrscheinlich auch für Mathias Döpfner selbst”. In der Branche hieß es, Döpfner wolle mit dem angekündigten Rücktritt selbstbestimmt handeln. Einige Verleger hätten sich zwar skeptisch zum Springer-Chef geäußert, viele Vertreter von Presse-Häusern hätten ihn aber unterstützt.

Die Universität Frankfurt prüft derzeit Plagiatsvorwürfe rund um die Doktorarbeit von Döpfner. Eine Kommission untersucht seine Dissertation von 1990: “Musikkritik in Deutschland nach 1945: Inhaltliche und formale Tendenzen – eine kritische Analyse”. Ein Universitäts-Sprecher sagte, die Hochschule prüfe noch. Es gebe keinen Zusammenhang mit der Rücktritts-Ankündigung Döpfners.

Der Manager und Springer-Großaktionär war auch in der Affäre um den Ex-Bild-Chef Julian Reichelt in die Kritik geraten. In einer persönlichen, aber bekanntgewordenen SMS hatte Döpfner mit einem umstrittenen DDR-Vergleich deutsche Journalisten pauschal kritisiert. Dies hatte viel Kritik ausgelöst. Im November 2021 hatte Döpfner sich bei den Präsidiumsmitgliedern des BDZV dafür entschuldigt.

Rekordinflation im Euro-Raum von 8,1 Prozent erhöht Druck auf EZB

– von Frank Siebelt und Rene Wagner

Frankfurt (Reuters) – Die Inflation im Euro-Raum klettert auf ein weiteres Rekordhoch und erhöht damit den Druck auf die Europäische Zentralbank.

Angeschoben von den Energiepreisen schoss die Teuerung im Mai auf 8,1 Prozent nach oben, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Die Prognosen der Volkswirte, die im Schnitt mit einem neuen Rekord von 7,7 Prozent gerechnet hatten, wurden damit noch übertroffen. Die Inflationsrate ist inzwischen mehr als vier mal so hoch wie das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die 2,0 Prozent als optimales Niveau für die Wirtschaft anstrebt. Im März und April hatte die Teuerung jeweils bei 7,4 Prozent gelegen.

Die Rufe dürften jetzt noch lauter werden, die angesichts des anhaltenden Inflationsschubs von den Währungshütern fordern, rasch mit Zinsanhebungen gegenzusteuern. “Wieder ein neuer Höchststand bei der Inflation, wieder ist die Inflation auch jenseits der teureren Energie- und Nahrungsmittel gestiegen”, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Daten. “Ich verstehe nicht, warum die EZB mit der Abschaffung ihrer Negativzinsen bis Ende des dritten Quartals warten möchte.” EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte kürzlich in Aussicht gestellt, dass die Währungshüter voraussichtlich bis Ende September die Ära der Minuszinsen beenden werden. Aus Sicht von Krämer zeigt jede neue Inflationszahl, wie riskant dieses Zögern ist.

Der Einlagensatz der EZB liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent. Die Notenbank hatte ihn erstmals 2014 auf unter null gesetzt und danach in der Folge immer tiefer in den negativen Bereich gesenkt. Ein negativer Satz bedeutet, dass die Banken Gebühren für das Parken von Bargeld bei der Zentralbank zahlen müssen. Von den Geldhäusern werden diese als “Strafzinsen” kritisiert und teilweise auch an Sparer weitergereicht. Der Schlüsselzins liegt aktuell bei 0,0 Prozent. Seit März 2016 befindet er sich auf diesem Niveau.

ENERGIEPREISE STEIGEN RASANT

Andere große Notenbanken wie die Fed in den USA haben angesichts des starken Preisauftriebs bereits ihre Zinsen erhöht. Experten gingen zuletzt davon aus, dass die EZB auf ihrer Zinssitzung am 9. Juni zunächst das Ende ihrer Staatsanleihenkäufe beschließen wird und dann im Juli erstmals die Zinsen erhöht. Es wäre die erste Zinsanhebung seit 2011.

Aus Sicht des slowakischen Notenbankchefs Peter Kazimir zwingt die Rekordinflation die EZB, die Zinsen im Juli anzuheben. “Wir werden diesen Schritt im Juli gehen. Die Zeit des Wartens und Zögerns ist vorbei”, sagte das EZB-Ratsmitglied im Gespräch mit Reuters im tschechischen Mikulov. Er erwarte eine Anhebung um einen Viertel Prozentpunkt im Juli, eine Erhöhung um einen halben Prozentpunkt könne dann im September erfolgen. Der niederländische Zentralbankchef Klaas Knot hat die Möglichkeit einer Anhebung um einen halben Prozentpunkt bereits im Juli ins Spiel gebracht.

ENERGIE VERTEUERT SICH UM FAST 40 PROZENT

Volkswirt Salomon Fiedler von der Berenberg Bank geht davon aus, dass die EZB die Zinsen sowohl im Juli als auch im September um 25 Basispunkte anheben wird. “Wir erwarten dann eine weitere Erhöhung im Dezember, gefolgt von drei weiteren im Jahr 2023 und zwei 2024.” Die Schritte können aus seiner Sicht auch dazu beitragen, dass die Inflationserwartungen nicht aus dem Ruder laufen. “Wenn sich die Erwartungen vom Inflationsziel entankern wird die Arbeit einer Zentralbank viel schwieriger”, warnte Fiedler. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat wiederholt ein schnelles Handeln der EZB gefordert, damit die Inflationserwartungen nicht ins Kraut schießen.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft im Euro-Raum, schossen die Preise gemäß dem nach europäischem Standard berechneten Index im Mai sogar um 8,7 Prozent nach oben von 7,8 Prozent im April. In Frankreich kletterte die Teuerungsrate auf von 5,4 auf 5,8 Prozent. Energie verteuerte sich laut Eurostat im Zuge des Ukraine-Kriegs im Mai zum Vorjahr um 39,2 Prozent, nach einem Anstieg von 37,5 Prozent im April. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel zogen um 9,1 Prozent an. Dienstleistungen verteuerten sich im Mai um 3,5 Prozent. Ein Indikator dafür, dass die Preise auf breiter Front anstiegen, ist die sogenannte Kernrate, bei der die Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel herausgenommen werden. Nach dieser Messung nahm die Inflation im Mai auf 4,4 Prozent zu, nach 3,9 Prozent im April.

Deutsche Bank – Gute Geschäfte in zwei Kernsparten im zweiten Quartal

Frankfurt (Reuters) – Die Deutsche Bank ist in ihrem wichtigen Investmentbank-Geschäft gut in das zweite Quartal gestartet.

“Wenn wir auf das zweite Quartal blicken, sind wir eigentlich recht glücklich mit der Entwickung”, sagte Deutsche Bank-Vorstand Fabrizio Campelli am Dienstag auf einer Veranstaltung der Geldhauses. Viele der Trends aus dem ersten Quartal hätten sich im zweiten Jahresviertel fortgesetzt. Das betreffe insbesondere die Anleihen- und Währungsseite des Geschäfts. In der Unternehmensbank sei “über alle Geschäftssegmente hinweg” eine starke Entwicklung zu sehen. Campelli ist im Deutsche-Bank-Vorstand für die Investmentbank und für die Unternehmensbank zuständig.

“Die Deutsche Bank ist klarerweise gut auf Kurs, um die Ziele für 2022 zu erreichen”, sagte Campelli. Deutschlands größtes Geldhaus strebt dieses Jahr unter anderem eine Nachsteuerrendite auf das materielle Eigenkapital (ROTE) von acht Prozent an. In der Investmentbanksparte, einem der Zugpferde des Frankfurter Finanzkonzerns, waren die Erträge im ersten Quartal um sieben Prozent auf 3,3 Milliarden Euro geklettert. Das Wachstum im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen (FIC) lag bei 15 Prozent. Mit Unternehmenskunden steigerte die Deutsche Bank im ersten Quartal ihre Erträge um elf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

AUD/USD-Kursprognose – Der australische Dollar zieht sich leicht zurück

Australischer Dollar vs. US Dollar Technische Analyse

Der Australische Dollar hat im Laufe des Dienstagshandels ein wenig nachgegeben, da wir weiterhin ein Rauschen nahe der 0,72-Marke beobachten. Aus diesem Grund sieht es so aus, als ob der Markt versuchen würde, herauszufinden, wohin er längerfristig gehen soll, da die 0,72-Marke so wichtig ist. In diesem Bereich sehe ich einen bedeutenden Widerstand. Sollten wir also darüber ausbrechen, wird der Markt wahrscheinlich weiter über den 200-Tage-EMA steigen.

Wenn wir unter den 50-Tage-EMA fallen, ist es wahrscheinlich, dass der ERC bis in den Bereich von 0,71, möglicherweise sogar bis 0,70, fallen wird. Sobald wir dort durchbrechen, wird der RC auseinander fallen. Schließlich ist es wahrscheinlich, dass der Markt eine Rallye des US-Dollars gegenüber fast allen Währungen, nicht nur dem Aussie, erleben wird. Dies ist eine Situation, in der es nicht nur wegen des US-Dollars und der Zinssätze, sondern auch wegen der Tatsache, dass die Risikobereitschaft der Händler sehr unterschiedlich zu sein scheint, viel Lärm geben wird.

Denken Sie daran, dass der australische Dollar als “risikofreudige Währung” gilt und wir daher eine gewisse Zunahme der Risikobereitschaft sehen müssten. Offen gesagt glaube ich, dass das, was wir in letzter Zeit gesehen haben, eher eine Erleichterungsrallye war als alles andere. Es ist möglich, dass sich diese Entwicklung fortsetzt, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sie mit der nötigen Zeit wieder abverkauft wird. Die Erholung war ziemlich beeindruckend, aber am Ende des Tages war der US-Dollar um mehr als alles andere überbewertet.

AUD/USD Preisprognose Video 01.06.22

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EUR/USD-Kursprognose – Euro konsolidiert sich weiter

Technische Analyse Euro vs. US Dollar

Der Euro hatte am Dienstag einen rauen Handelstag, da wir weiterhin ein sehr unruhiges Verhalten um den 50-Tage-EMA beobachten können. Der Markt befindet sich seit geraumer Zeit in einem Abwärtstrend, und es scheint, als ob er direkt darüber einen erheblichen Widerstand hat. Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich, dass wir in diesem Bereich weiterhin viel Hin und Her erleben werden, aber wir befinden uns ganz sicher in einem Abwärtstrend, und das sollte man im Auge behalten. Der größte Teil des Kursanstiegs war wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass der US-Dollar überkauft war. Zum jetzigen Zeitpunkt hat der Euro diese Erholungsrallye hinter sich, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass wir weiter nach unten gehen werden.

Es ist erwähnenswert, dass Christine Lagarde erklärt hat, dass mehrere Zinserhöhungen um 25 Basispunkte bevorstehen, aber das ist weit weniger aggressiv als die Federal Reserve. Außerdem glauben viele Händler nicht, dass die EZB in der Lage sein wird, dies zu tun. Die europäische Wirtschaft ist nach wie vor ein einziges Chaos, so dass es wahrscheinlich ist, dass wir weiterhin einen Abwärtsschub erleben werden. Wenn die Dinge schlecht stehen, ist es immer der US-Dollar, zu dem sie zuerst laufen.

Sollte der Kurs nach unten durchbrechen, dürfte die Marke von 1,05 unterstützt werden. Sollten wir uns hingegen von hier aus erholen und die 1,08er-Marke überschreiten, wird sich erst bei einem Anstieg über die 1,09er-Marke eine signifikante Änderung der Haltung zeigen. Bis dahin betrachte ich diesen Markt immer noch als einen potenziellen “Sell the rallies”-Marktplatz.

EUR/USD Preisprognose Video 01.06.22

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Razzia bei Deutscher Bank und DWS wegen mutmaßlichem Greenwashing

Frankfurt (Reuters) – Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, der Finanzaufsicht BaFin und des Bundeskriminalamts haben am Dienstag die Firmenzentralen der Deutschen Bank und ihrer Fondstochter DWS durchsucht.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt sagte, die Razzia stehe im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die DWS, sie habe “Greenwashing” betrieben, also Etikettenschwindel bei den Angaben zu Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsaspekten von Investments. Rund 50 Personen seien an den Maßnahmen beteiligt. Wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs werde gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS ermittelt. Das Ermittlungsverfahren werde seit Mitte Januar 2022 geführt. Die Aktien der Deutschen Bank büßten bis zum Nachmittag 2,4 Prozent ein, DWS-Papiere fielen um 2,7 Prozent.

“Wir haben in dieser Angelegenheit kontinuierlich und umfassend mit allen relevanten Regulierungsbehörden zusammengearbeitet und werden dies auch weiterhin tun”, erklärte ein DWS-Sprecher am Dienstag. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte, die Maßnahmen der Staatsanwaltschaft richteten sich gegen Unbekannt im Zusammenhang mit “Greenwashing”-Vorwürfen gegen die DWS. Der Sprecher verwies zudem auf die DWS-Stellungnahme.

Die Fondstochter der Deutschen Bank war im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem Anschuldigungen laut wurden, die DWS sei zu lax mit den Kriterien für “grüne” Investments umgegangen. Demnach verkaufe der Vermögensverwalter DWS bei der Vermarktung von sogenannten ESG-Finanzprodukten (ESG – Environment, Social, Governance) diese als “grüner” oder nachhaltiger, als sie tatsächlich seien. Erhoben worden waren die Vorwürfe von der früheren Leiterin des Unternehmensbereichs Nachhaltigkeit, Desiree Fixler, die die DWS im Frühjahr 2021 nach nur wenigen Monaten im Job verließ. Sie hatte sich 2021 als “Whistleblower” zunächst der US-Börsenaufsicht SEC und dem FBI offenbart. Die DWS hat die Vorwürfe stets bestritten.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sieht Anhaltspunkte dafür, dass ESG-Faktoren entgegen den Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds nur in einer Minderheit der Investments tatsächlich berücksichtigt worden sind. In einer Vielzahl von Beteiligungen hätten sie keine Beachtung gefunden.

TREND ZU NACHHALTIGKEIT BEI INVESTMENTS

Die Deutsche Bank und ihre Fondstochter treffen die Vorwürfe empfindlich. Denn sie haben sich Nachhaltigkeit groß auf die Fahnen geschrieben und wollen das Geschäft in den kommenden Jahren ausbauen. ESG-Anlagen sind einer der Mega-Trends der Finanzbranche. Erst unlängst hatte die Deutsche Bank angekündigt, dass sie ab Juli von ihren Lieferanten bei größeren Aufträgen einen Nachweis für das Einhalten von Umwelt- und Sozialstandards verlangt. Für jeden neuen oder verlängerten Vertrag von über 500.000 Euro pro Jahr müssen Lieferanten dann eine Nachhaltigkeitsbewertung externer Ratingagenturen vorlegen.

Für Verbraucherschützer steht das Thema Etikettenschwindel bei ESG-Investments schon seit einiger Zeit ganz oben auf der Agenda. Sie hatten in der Vergangenheit unter anderem klare Vorgaben und Standards seitens des Gesetzgebers gefordert. Vor einigen Monaten hatte die EU-Kommission ihre lange geplanten einheitlichen Einstufungen für “grüne” Investments auf den Weg gebracht. Diese sogenannte Taxonomie stieß allerdings auch auf Kritik. Denn sie sieht vor, dass Atomkraft und Erdgas unter bestimmten Kriterien ebenfalls ein Öko-Label erhalten können.

Milliardendeal im Duft- und Aromenmarkt – DSM fusioniert mit Firmenich

Zürich/Frankfurt (Reuters) – Der niederländische Vitaminhersteller DSM und der Schweizer Duft- und Aromenkonzern Firmenich schließen sich in einem Milliardendeal zu einem neuen Branchenriesen zusammen.

Die Aktionäre von DSM sollen 65,5 Prozent an dem neuen Konzern halten, die Firmenich-Eigner 34,5 Prozent. Diese bekommen zudem 3,5 Milliarden Euro in bar, wie beide Seiten am Dienstag mitteilten. Das neue Unternehmen mit dem Namen DSM-Firmenich wird mit rund 28.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro kommen. Gemessen am Umsatz setzt es sich an die Spitze des weltweiten Marktes für Geschmacks- und Duftstoffe sowie für kosmetische Inhaltsstoffe und Ernährung vor den Wettbewerbern IFF aus den USA, Givaudan aus der Schweiz und dem deutschen Dax-Konzern Symrise.

Symrise aus dem niedersächsischen Holzminden rutscht nach eigener Einschätzung damit auf Platz vier im Markt ab, nachdem sich das Unternehmen zusammen mit Firmenich zuvor noch auf Rang drei sah. In Holzminden zeigt man sich allerdings gelassen: “Für unser Unternehmen sehen wir keine Auswirkungen in Bezug auf die Fusion. Wir haben in den vergangenen Jahren unser Portfolio stark diversifiziert und Kompetenzen in wachstumsstarken Bereichen ausgebaut”, erklärte ein Sprecher. Das gilt vor allem für das Geschäft mit Zusatzstoffen für Heimtierfutter, das Symrise in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Zukäufen ausgebaut hat und in dem das Unternehmen der führende Anbieter weltweit werden will.

DSM steigt im Zuge der Fusion wie geplant aus seinem Geschäft mit Hochleistungskunststoffen aus, das nun für rund 3,7 Milliarden Euro an den Kölner Spezialchemiekonzern Lanxess und den Finanzinvestor Advent verkauft wird. Die Einnahmen kommen DSM für den Deal mit Firmenich, der über einen Aktientausch und die Barzahlung über 3,5 Milliarden Euro erfolgt, gut gelegen. “Wir bringen zwei ikonische Unternehmen zusammen, wobei DSM stark in den Bereichen Gesundheit und Ernährung ist und Firmenich sehr stark in den Bereichen Düfte und Geschmack”, sagte DSM-Co-Chef Dimitri de Vreeze.

Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Halbjahr 2023 erwartet. Zuvor müssen die Behörden noch grünes Licht geben. DSM-Firmenich soll an der Börse Euronext in Amsterdam notieren und einen doppelten Firmensitz im schweizerischen Kaiseraugst und im niederländischen Maastricht haben. Der Konzern peilt mittelfristig ein jährliches organisches Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent sowie eine bereinigte operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) von 22 bis 23 Prozent an. Die in Privatbesitz stehende Firmenich kam 2021 auf einen Umsatz von umgerechnet 4,2 Milliarden Euro und eine Ebitda-Marge von 19 Prozent, DSM auf 7,3 Milliarden und eine Marge von 20 Prozent. Durch den Zusammenschluss erwarten die Unternehmen jährliche Synergien von 350 Millonen Euro.

Die 1895 gegründete Firmenich ist einer der weltweit größten Hersteller von Duft- und Geschmacksstoffen und das größte in Familienbesitz befindliche Unternehmen der Branche. DSM wurde 1902 von der niederländischen Regierung gegründet, um die Kohlereserven in der Provinz Limburg abzubauen. Bis heute verwendet der Konzern die Abkürzung des englischen Firmennamens Dutch State Mines (Niederländische Staatsminen). Über die Jahre wandelte sich DSM zu einem Chemieunternehmen, das sich in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zu einem Anbieter von Nahrungsinhaltsstoffen, Vitaminen, Zusatzstoffen für Tierfutter und Aromen entwickelt hat.

Aktionärsvertreter kritisiert Ex-OMV-Chef Seele scharf – Keine Entlastung

Wien (Reuters) – Der frühere OMV-Chef Rainer Seele steht unter anderem wegen der Russland-Geschäfte des Konzerns in der Kritik von Aktionären.

Der Interessensverband für Anleger (IVA) will auf der kommenden Hauptversammlung des Wiener Öl-, Gas- und Chemiekonzerns gegen eine Entlastung des Managers stimmen, wie der Aktionärsvertreter am Dienstag mitteilte. “Einige Seele-Aktionen waren in der roten Zone. Erst jetzt erkennt man die Tragweite. Hier muss für Transparenz gesorgt werden – wenn nötig mit einer Sonderprüfung oder einer Strafanzeige”, sagte IVA-Chef Florian Beckermann und fügte an, dass dabei die Unschuldsvermutung gelte. Seele wollte sich auf Anfrage von Reuters nicht dazu äußern.

In der Kritik stehen mehrere Punkt:. Unter die Verantwortung des Ex-OMV-Chefs würden etwa die Milliardenabschreibungen aus dem Pipeline-Projekt Nord Stream 2 sowie einem russischen Gasfeld fallen. Zudem will der IVA, dass die “jahrzehntelangen Gaslieferverträge mit Russland ohne Ausstiegsklausel” sowie ein Sponsoring für den russischen Fußballklub Zenit St. Petersburg in der Höhe von insgesamt 25 Millionen Euro geprüft werden. “Die genannten Verträge sind ex-post zu untersuchen. Hier geht es uns im Wesentlichen darum, angesichts der geopolitischen Änderungen und Zweifel an der Compliance absolute Klarheit über das korrekte Zustandekommen dieser Verträge zu gewinnen”, sagte Beckermann auf Anfrage von Reuters.

Die Russland-Abschreibungen fallen in das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres. Insgesamt musste die OMV Belastungen von zwei Milliarden Euro verkraften. Eine Milliarde davon resultiert aus dem Scheitern von Nord Stream 2, bei dem OMV als Finanzpartner engagiert war. Hinzu kommt eine weitere Milliarde an Belastungen aus einer Beteiligung am russischen Gasfeld Juschno Russkoje.

Der frühere Wintershall-Chef Seele stand von Mitte 2015 bis zum Frühjahr 2021 an der Spitze von Österreichs größtem Industriekonzern. Unter seiner Führung hat die OMV mit der Übernahme des Petrochemiekonzerns Borealis maßgeblich die Weichen Richtung Chemie gestellt und zuletzt ein Rekordergebnis eingefahren. Der gebürtige Deutsche stand aber auch zunehmend unter Druck. Neben internen Machtkämpfen über die Strategie machte ihm Kritik von Umweltschutzorganisationen zu schaffen.

Die Aktionärsversammlung findet am Freitag in virtueller Form statt. Auf der Agenda stehen auch Wahlen in den Aufsichtsrat. Unter anderem soll die Chefin der Staatsholding ÖBAG, Edith Hlawati, in das Kontrollgremium einziehen. Die ÖBAG verwaltet die Staatsbeteiligung an der OMV von 31,5 Prozent.

EU-Öl-Embargo gegen Russland greift mit Übergangsfristen

Brüssel (Reuters) – Das von den EU-Staats- und Regierungschefs beschlossene Embargo gegen russisches mit Tankern transportiertes Öl soll mit Übergangsfristen greifen.

Für anlandendes Rohöl seien dafür sechs Monate, für raffinierte Produkte acht Monate vorgesehen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel am Dienstag. Die Fristen griffen, wenn das sechste Sanktionspaket der EU gegen Russland formal beschlossen sei. Erwartet wird, dass die Botschafter der 27 Mitgliedstaaten noch diese Woche den entsprechenden Beschluss fassen. Die Übergangsfristen sind identisch mit einem entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission Anfang des Monats.

Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs hatten in der Nacht zum Dienstag auf einem Sondergipfel einen weitgehenden Importstopp von russischem Öl beschlossen. Dies betrifft aber nur Transporte mit Öltankern über den Seeweg, Pipeline-Öl wurde auf Drängen vor allem Ungarns von dem Embargo ausgeschlossen. “Das deckt ab sofort mehr als zwei Drittel der Öl-Importe aus Russland ab, und schneidet damit eine enorme Quelle der Finanzierung seiner Kriegsmaschinerie ab”, sagte Ratspräsident Charles Michel. Bis Jahresende sollen von dem Embargo 90 Prozent des russischen Öls betroffen sein, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ergänzte.