Klatsche für Credit-Suisse-Chefs – Aktionäre lehnen Entlastung ab

Zürich (Reuters) – Schlappe für die Credit Suisse-Spitze: Die Aktionäre der krisengeplagten Schweizer Großbank verweigern dem Verwaltungsrat und der Konzernleitung die Entlastung für das Geschäftsjahr 2020.

Auf der Generalversammlung vom Freitag sprachen sich fast 60 Prozent der Eigner gegen eine Entlastung aus. Mit dem in der Schweiz seltenen Misstrauensvotum folgten die Anleger der Empfehlung der großen Stimmrechtsvertreter Institutional Shareholder Services (ISS) und Glass Lewis und machten ihrem Unmut über eine Reihe von Skandalen und der schlechten Geschäftsentwicklung in den beiden Vorjahren Luft.

Er nehme den Entscheid mit Bedauern zur Kenntnis, sagte Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann nach der Abstimmung. “Der Verwaltungsrat wird dieses Thema in den kommenden Sitzungen aufnehmen und allfällige weitere Schritte diskutieren.”

Unmittelbare rechtlichen Konsequenzen hat das Votum nicht. Nach Schweizer Recht können nun Aktionäre eine sogenannte Verantwortlichkeitsklage einreichen. Das Votum macht es also tendenziell für Investoren einfacher, im Nachgang noch zu klagen. Der Rivalin UBS hatte die Aktionäre in den letzten Jahren bereits zwei Mal die Decharge verweigert. 2010 stimmten die Aktionäre rückblickend über die Jahre der Finanzkrise ab – und stimmten für das Jahr 2007 gegen eine Entlastung.

Damals stand die größte Schweizer Bank am Rande des Zusammenbruchs. Die Credit Suisse ist gegenwärtig zwar nicht existenziell bedroht – Aber eine lange Liste von Skandalen und Fehlschlägen im Geschäft haben die Bank ihren Ruf und die Aktionäre viel Geld gekostet. “Was ist falsch gelaufen?”, fragte ein Kleinaktionär auf der Generalversammlung. “Wenn eine schlechte Nachricht vorbei ist, kommt gleich die nächste.”

Lehmann räumte ein, dass das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitern, Regulatoren und Investoren gelitten habe. “Ja, die Bank ist in einem Formtief. Und ja, wir brauchen fundamentale Veränderungen”, sagte. Credit Suisse wolle nun alles tun, um aus eigener Kraft dauerhaft zu Stabilität und Erfolg zurückzufinden. Konzernchef Thomas Gottstein sprach Lehmann sein Vertrauen aus.

Sondertreffen der EU-Finanzminister nächste Woche – Thema Bankenunion

Berlin (Reuters) – Die europäischen Finanzminister wollen am Dienstag in einer Sonderschalte über die Vollendung der Bankenunion beraten.

Wie aus einem der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorliegenden Schreiben des Bundesfinanzministeriums an den Haushalts- und Finanzausschuss des Bundestags hervorgeht, sind die Treffen der Eurogruppe und der EU-Finanzminister per Video geplant.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte sich zuletzt offen gezeigt, die Bankenunion weiterzuentwickeln. Nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise hat Europa bereits die Aufsicht über die großen Banken verstärkt und Möglichkeiten zur Abwicklung maroder Institute geschaffen. Im Konzept eines einheitlichen Bankenmarktes fehlt aber noch eine gemeinsame Einlagensicherung. Als strittig gilt in diesem Zusammenhang der Umgang mit hohen Anteilen von Staatsanleihen in den Bilanzen bestimmter Banken. Das ist vor allem in Italien ein Problem. Debatten zur Bankenunion hatten zuletzt immer wieder zu starken Kontroversen in der EU geführt.

Aus den Dokumenten für die Bundestagsausschüsse geht weiter hervor, dass die Finanzminister nächste Woche einen ersten Arbeitsplan diskutieren wollen. Mit einer Einigung sei dabei aber noch nicht zu rechnen. Der irische Eurogruppen-Präsident Paschal Donohoe habe jedoch erklärt, bis Juni einen gemeinsamen Plan zu entwickeln. Den Dokumenten zufolge werden als mögliche Eckpunkte eine gemeinsame Rückversicherung für Einlagen, eine Reduzierung von Risiken aus Staatsanleihen in Bank-Bilanzen, ein besserer Umgang mit Banken in Krisen sowie die Schaffung von Voraussetzungen für einen einheitlichen Markt für Bankdienstleistungen genannt. Die Europäische Kommission solle Gesetzgebungsvorschläge machen, sobald es eine Einigung auf einen konkreten Arbeitsplan gebe. “Weitere Gesetzgebungsvorschläge für alle Elemente würden dann erst zu einem späteren Zeitpunkt nach einer weiteren politischen Entscheidung vorgelegt werden.”

Insider – Musk erwägt niedrige Chef-Gehälter bei Twitter

New York (Reuters) – Elon Musk will Insidern zufolge den 44 Milliarden Dollar teuren Twitter-Kauf möglichst schnell finanziell zu einem Erfolg machen.

Er habe Banken, die die Übernahme finanzieren, gegenüber erklärt, er könne die Gehälter von Führungskräften kürzen und neue Wege zu finden, um Tweets zu monetarisieren, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das sei Teil seines Pitches gegenüber Geldinstituten gewesen, um sich ausreichend Mittel für den Milliarden-Kauf zu sichern.

Letztlich bekam Musk ein mit Twitter-Anteilen besichertes Darlehen in Höhe von 13 Milliarden Dollar sowie eines im Umfang von 12,5 Milliarden Dollar, das mit Tesla-Papieren abgesichert ist. Erst am Donnerstag machte Musk öffentlich, dass er Tesla-Aktien im Wert von vier Milliarden Dollar verkauft hat – wahrscheinlich, um den Twitter-Deal zu finanzieren.

Den Insidern zufolge warb der Tesla-Chef eher mit einer Vision um die Gunst der Banken als mit konkreten Vorschlägen. Das genaue Einsparpotenzial sei unklar. Allerdings habe der 50-Jährige darauf verwiesen, dass Konkurrenten wie Facebook-Eigner Meta und Pinterest bessere Bruttomargen aufwiesen als Twitter. Musk hat zudem bereits in mehreren Tweets Ideen geäußert, wie der US-Kurznachrichtendienst verändert werden könnte und dabei beispielsweise das gebührenpflichtige Aboangebot Blue angeführt.

Am Montag hat das weltweit bekannte Unternehmen mit mehr als 217 Millionen Nutzern der Kaufofferte in Höhe von 44 Milliarden Dollar zugestimmt. Musk will die 16 Jahre alte Firma von der Börse nehmen.

Neue Anleger gesucht – Wohnungsriese Vonovia will sich öffnen

Berlin (Reuters) – Nach der Mega-Übernahme der Deutschen Wohnen winkt der Wohnungsriese Vonovia bei der Frage nach weiteren Akquisitionen ab, will aber seinerseits neue Investoren mit offenen Armen aufnehmen.

“Wir sehen im aktuellen Umfeld nicht die richtige Zeit für Zukäufe und Unternehmenszusammenschlüsse. Das gilt auch für Adler”, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch mit Blick auf den kriselnden Immobilien-Investor Adler Group. Die eigenen 20,5 Prozent an Adler fasst Vonovia mit spitzen Fingern an: Ein Verkauf der Anteile sei ausdrücklich eine Option. “Ein weiterer Zukauf von Adler-Aktien scheidet derzeit aus”, betonte Buch bei der virtuellen Hauptversammlung am Freitag. Unterdessen prüfe Vonovia wegen zuletzt deutlich gestiegener Kosten, ob sich das Unternehmen für neue Investorengruppen öffnen könne. Mit seinem Geschäft steuert Vonovia laut Buch auf ein neues Rekordjahr zu.

Zukäufe seien nicht die einzige Möglichkeit zu wachsen, erklärte Buch. “Der Besitz eines Immobilienportfolios und die Bewirtschaftung sind zwei verschiedene Dinge.” Vonovia könne auch die Bestände anderer Unternehmen bewirtschaften, dies sei der Schlüssel für das Geschäft mit Dritten. Darin liege viel Potenzial für die Zukunft.

Vonovia hatte die Deutsche Wohnen vergangenes Jahr geschluckt, damit zählten mehr als 565.000 Mietwohnungen zum Portfolio des Bochumer Konzerns. “Durch den Zusammenschluss mit der Deutschen Wohnen sind wir stärker geworden”, so Buch. Für den Zuwachs hatte Vonovia rund 17 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Rund acht Milliarden Euro davon wurden durch eine Kapitalerhöhung refinanziert. Der Verschuldungsgrad liegt laut Vonovia im Zielkorridor, der ein Verhältnis von Verbindlichkeiten zum Verkehrswert des Immobilienbestands von 40 bis 45 Prozent vorsieht.

ANTEIL AN ADLER NUR KLEINE INVESTITION – NICHT STRATEGISCH

Der gut 20-prozentige Anteil an der Adler Group sorgt wegen der Turbulenzen bei dem Immobilien-Investor zwar für Interesse, macht dem Vonovia-Chef zufolge aber nur rund ein Viertel-Prozent der Bilanzsumme seines Konzerns aus. Damit sei Adler eine vergleichsweise kleine Investition und auch kein strategisches Instrument. Bei der Entscheidung über das weitere Vorgehen sei keine besondere Eile geboten, gab sich Buch gelassen. Vonovia hatte die Adler-Anteile nach eigenen Angaben im Wege der Pfandverwertung von dem Investor Aggregate Holdings Invest S.A. bekommen und schützt sich so vor einem Forderungsausfall bei Aggregate. Die Adler Group steht ihrerseits unter Druck: Der Leerverkäufer Fraser Perring hatte mit Blick auf die Bilanzierungsmethoden 2021 Vorwürfe gegen den Immobilien-Investor erhoben. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG sehen keinen systematischen Betrug, wohl aber Mängel.

Buch stellte den Aktionären nachhaltig wachsende Gewinne und eine entsprechend steigende Dividende in Aussicht. Den Gewinn aus dem operativen Geschäft (Group Funds from Operations/Group FFO) – die bei Immobilienfirmen zentrale Kennziffer – will Vonovia in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent steigern und den Anteilseignern für 2021 eine Dividende von 1,66 Euro je Aktie zahlen. Im vergangenen Jahr legte der Group FFO auf 1,67 Milliarden Euro zu – auch dank gestiegener Mieten.

Dieser Trend dürfte sich laut dem Konzernchef auch 2022 fortsetzen: “Auf Inflation und steigende Kosten werden zeitversetzt auch die Mieten reagieren. Sie werden steigen – auch bei Vonovia.” Das Jahr 2022 stehe makro-ökonomisch unter neuen Vorzeichen. “Unsere Gesamtkapitalkosten sind zuletzt vergleichsweise deutlich gestiegen”, räumte Buch ein. “Wir prüfen deshalb unter anderem, wie wir unsere Eigenkapitalseite öffnen können für neue Anlegergruppen mit langfristigen Erwartungshorizonten, die direkt investieren wollen.”

Firmenbilanzen geben Europas Börsen erneut Auftrieb

Frankfurt (Reuters) – Eine Reihe ermutigender Firmenbilanzen gibt den europäischen Aktienmärkten zum Wochenschluss erneuten Rückenwind. Sorgen wegen der rasant steigenden Inflation und eher durchwachsenen Konjunkturdaten drängten Investoren vorerst in den Hintergrund.

“Der Aktienmarkt scheint die Kriegsangst ein gutes Stück abgelegt zu haben”, sagte DZ Bank-Analyst Sven Streibel. Auch Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners konstatiert: “Der bisher ordentliche Verlauf der Berichtssaison lockt zurück in Aktien.” Dax und EuroStoxx50 legten am Freitag jeweils ein knappes Prozent auf 14.111 beziehungsweise 3809 Punkte zu.

Laut Streibel haben sich die großen Aktiengesellschaften in Europa und den USA bisher im Schnitt recht gut behauptet. Von den im Stoxx 600 gelisteten Werten konnten demnach bisher 67 Prozent mit ihren Ergebnissen positiv überraschen, im US-Index S&P 500 waren es sogar 78 Prozent.

NAHENDE FED-SITZUNG IM BLICK – GEWINNMITNAHMEN BEIM DOLLAR

Börsianer rechneten allerdings nicht damit, dass die Kauflaune länger anhält. “Mit der Sitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche liegt ein harter Brocken mit jeder Menge Kollisionspotenzial vor den Anlegern”, warnte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Brokerhaus RoboMarkets. An den Finanzmärkten wird für Mittwoch mit einer Anhebung des Leitzinses um einen halben Prozentpunkt gerechnet – die größte Erhöhung seit über 20 Jahren.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel zwar um 0,4 Prozent, blieb mit 103,19 Punkten aber in Schlagdistanz zu seinem jüngsten 19-1/2-Jahres-Hoch. Im Gegenzug stieg der Euro auf 1,0531 Dollar. “Das Dollar-Crescendo hat wohl seinen Höhepunkt überschritten”, sagte Volkswirt Colin Asher von der Investmentbank Mizhuo. Sollte die Fed die Zinsen so stark anheben, wie von Investoren erwartet, werde das US-Wachstum bis zum Jahresende zum Erliegen kommen.

SPEKULATION UM EU-EMBARGO RUSSISCHER ENERGIELIEFERUNGEN

Die Abwertung des Dollar machte Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA wieder attraktiver. Daher verteuerten sich Gold und Kupfer um jeweils um 1,1 Prozent auf 1915 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) beziehungsweise 9804 Dollar je Tonne und die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 1,6 Prozent auf 109,27 Dollar je Barrel (159 Liter).

Bei Öl wögen die Spekulationen auf ein EU-Embargo russischer Energielieferungen die Furcht vor einem Nachfrage-Rückgang durch die Corona-Lockdowns in China auf, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Kupfer profitiere von geplanten zusätzlichen Konjunkturhilfen der Regierung in Peking, sagte Analyst Wenyu Yao von der ING Bank.

DEUTSCHE BANK IM VISIER DER ERMITTLER

Am Aktienmarkt sorgte die Deutsche Bank für Wirbel, nachdem die Staatsanwaltschaft die Frankfurter Zentrale des Kreditinstituts wegen Geldwäscheverdachts durchsucht hatte. Die Ermittlungen stünden im Zusammenhang mit Geldwäscheverdachtsmeldungen, die das Geldhaus abgegeben habe, teilte ein Sprecher der Bank mit. Die Anteilsscheine rutschten um knapp drei Prozent ab.

In London stiegen dagegen die Aktien von Johnson Matthey wegen Übernahmespekulationen um bis zu 35,5 Prozent, so stark wie nie. Zuvor hatte der US-Rivale Standard Industries eine gut fünfprozentige Beteiligung an dem Chemiekonzern öffentlich gemacht. Standard Industries sei Mehrheitsaktionär der Spezialchemie-Firma W.R. Grace, deren Geschäft eine gute Ergänzung zu Johnson Matthey sei, kommentierte Analyst Charlie Bentley von der Investmentbank Jefferies.

Wirtschaft wächst leicht – Aber trübe Aussicht wegen Krieg

– von Klaus Lauer und Reinhard Becker

Berlin (Reuters) – Trotz Gegenwind von Corona, Lieferengpässen und Ukraine-Krieg ist die deutsche Wirtschaft zum Jahresstart 2022 leicht gewachsen – und hat vorerst eine Rezession abgewendet.

Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen Januar und März um 0,2 Prozent zum Vorquartal und damit stärker als erwartet, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Deutschland verhalf so auch der Konjunktur im gesamten Euro-Raum zu einem Schub von ebenfalls 0,2 Prozent, denn die Wirtschaft in Frankreich stagnierte und schrumpfte sogar in Italien. Auch wenn die meisten Fachleute mit Wachstum in diesem Jahr rechnen, steht und fällt dies mit dem weiteren Kriegsverlauf und seinen Folgen. “Seit Kriegsbeginn schwebt das Damokles-Schwert ausbleibender Gaslieferungen aus Russland über allem”, sagte KfW-Chefökonomin Fritzi Köhler-Geib. Derweil kletterte die Inflation in der Euro-Zone auf das Rekordhoch von 7,5 Prozent.

Der Ukraine-Konflikt trifft die Wirtschaft just in dem Moment, als Firmen und Verbraucher zu Jahresanfang eigentlich die Folgen der Omikron-Welle und der Lieferprobleme abschütteln wollten. Im ersten Quartal sorgten höhere Investitionen für Schwung, während der Außenhandel bremste, wie die Statistiker erklärten. “Seit Ende Februar beeinflussen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine die konjunkturelle Entwicklung zunehmend.”

“VOLLE WUCHT DES KRIEGS TRIFFT WIRTSCHAFT AB DEM 2. QUARTAL”

Dennoch verhinderte die deutsche Wirtschaft mit dem leichten Wachstum ein Abrutschen in die Rezession. Denn Ende 2021 war das BIP noch um 0,3 Prozent geschrumpft. Die Konjunktur konnte im ersten Quartal von Corona-Lockerungen und einem leichten Plus bei der Industrieproduktion profitieren, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. “Das zeigt, was im Sommerhalbjahr ohne den Angriffskrieg von Russlands Präsident Wladimir Putin möglich gewesen wäre.” Experte Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen IMK-Institut blick düster nach vorn: “Die volle Wucht des Krieges wird die deutsche Wirtschaft erst in den Zahlen ab dem zweiten Quartal zeigen.”

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sprach von einem wenig verheißungsvollen Start ins Jahr. Der russische Einmarsch in die Ukraine habe zu drastischen Preissprüngen bei Energie und Rohstoffen und zu größter Unsicherheit geführt, vor allem bei der energieintensiven Industrie. “Zusätzlich bedeuten die harten Lockdowns in China zur Eindämmung der Pandemie erneute, massive Störungen in den Lieferketten”, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Die Bundesregierung rechnet für 2022 nach korrigierter Prognose nur noch mit 2,2 Prozent Wachstum. Sollten Gaslieferungen aus Russland aber plötzlich abreißen, sei eine Rezession nicht mehr zu vermeiden, warnte Wirtschaftsminister Robert Habeck vor kurzem.

Im Vergleich zu Ende 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Krise, hinkte das BIP Anfang 2022 noch 0,9 Prozent hinterher. Nils Jannsen von Kieler IfW-Institut geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im Sommerquartal wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

INFLATION TREIBT EZB UM – “ZINSERHÖHUNG IM JULI IST PFLICHT”

Mit Abebben der Corona-Beschränkungen hatten Fachleute fest darauf gesetzt, dass die Verbraucher mit mehr Konsum die Konjunktur ankurbeln. Dieser Wachstumsmotor droht nun aufgrund hoher Inflation auszufallen. Denn die Teuerung in Deutschland kletterte im April auf 7,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 1981. Das bremst bereits die Kauflaune. So sackte das GfK-Barometer für das Konsumklima auf den tiefsten Stand seit Beginn der Umfrage Anfang der 1990er Jahre.

Die Rekordinflation im Euro-Raum setzt die Europäische Zentralbank immer stärker unter Druck, ihren jahrelangen Kurs des extrem billigen Geldes zu beenden. Mit Ausbruch des Ukraine-Krieges habe sich der Preisdruck verstärkt und an Breite gewonnen, erklärte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank: “Eine Zinsanhebung im Juli ist gemessen daran Pflicht. Wir wollen hoffen, dass die Währungshüter dieser Pflicht nachkommen.”

Staking: Finanzministerium sagt Haltefristverlängerung von 10 Jahren ab

Für das Einsetzen und Verleihen von Kryptowährungen gilt künftig keine Haltefrist von zehn Jahren mehr. Das bedeutet, dass Sie dies tun können, ohne lange warten zu müssen.

Diese Änderung wird wahrscheinlich mehr Menschen für Kryptowährungen begeistern und zu deren wachsender Beliebtheit beitragen. Krypto-Staking und -Lending werden immer beliebter, da die Menschen nach Möglichkeiten suchen, Zinsen auf ihre digitalen Vermögenswerte zu erhalten.

Keine verlängerte Haltefrist

Das Finanzministerium hat angekündigt, dass es die Haltefrist für Cardano und Co., die zur Erzielung von Gewinnen aus dem Einsatz und der Ausleihe verwendet werden, nicht mehr verlängern wird.

Dies gab das Bundesfinanzministerium beim ersten Blockchain-Roundtable der FDP bekannt. Der endgültige Entwurf eines Steuergesetzes für Kryptowährungen werde die Verlängerung der Haltefrist nicht enthalten, hieß es.

Wenn man den obigen Inhalt umschreibt, geht es beim Krypto-Staking und -Lending darum, seine Kryptowährungen für einen bestimmten Zeitraum in ein Netzwerk einzubringen und im Gegenzug Belohnungen zu erhalten, z. B. neue Coins.

Kryptowährungen, die nach dem Einsatz und der Ausleihe zehn Jahre lang gehalten werden, können nun steuerfrei verkauft werden.

Haltefrist 1 Jahr bleibt

Kryptowährungen werden normalerweise nur ein Jahr lang gehalten. Diese kürzere Haltedauer ist auf die Volatilität des Marktes zurückzuführen, die innerhalb eines kurzen Zeitraums große Kursschwankungen verursachen kann.

Kryptowährungen können beträchtliche Gewinne bringen, aber es gibt einen Haken: Sie müssen sie mindestens ein Jahr lang halten. Wenn Sie sie wieder in eine Fiat-Währung umtauschen wollen, sind alle Gewinne steuerfrei.

Die Entscheidung stützt sich auf §23 Abs. 1 EStG.

Henkel kürzt wegen steigender Kosten Gewinnziele

Düsseldorf (Reuters) – Der Konsumgüterkonzern Henkel senkt angesichts stärker als erwartet steigender Logistik- und Materialkosten sowie des angekündigten Rückzugs aus Russland seine Gewinnprognosen.

“Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen erwarten wir nun für den weiteren Jahresverlauf eine deutlich höhere Belastung unserer Ergebnisgrößen als noch zum Anfang des Jahres”, räumte Henkel-Chef Carsten Knobel am Freitag ein. “Das sind wirklich keine einfachen Zeiten”, fügte er hinzu. Eine Reihe von Konsumgüterkonzernen hatte bereits eine Kostenexplosion bei Rohstoffen beklagt. Die Unternehmen drehen nun an der Preisschraube, um die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. Die Umsätze treiben die steigenden Preise aber – so auch bei Henkel. Die Düsseldorfer können vor allem bei Klebstoffen höhere Preise durchsetzen. Entsprechend ist der Hersteller von Pritt und Persil beim Umsatzwachstum optimistischer als zuvor. Die Anleger konnte Henkel nicht überzeugen – Henkel-Aktien notierten am Mittag mit einem Minus von mehr als sieben Prozent bei 58,56 Euro.

Henkel habe im ersten Quartal einen Gesamtumsatz von rund 5,3 Milliarden Euro eingefahren, teilte der Düsseldorfer Konzern mit. Damit stieg der Umsatz vor allem durch florierende Geschäfte der Klebstoff-Sparte – der größte Bereich des Konzerns – organisch um 7,1 Prozent. Das kriselnde Kosmetik-Geschäft – Henkel ist hier kleiner als viele Konkurrenten – schrumpfte indes im Quartal. Bei Waschmitteln rund um Persil legte der Umsatz aber zu.

Für das Gesamtjahr erwartet Knobel nun ein organisches Umsatzwachstum von 3,5 bis 5,5 Prozent (vorher: zwei bis vier Prozent). Die Gewinne werden aber durch steigende Material- und Logistikkosten sowie den Rückzug des Konzerns aus Russland und den nun auch angekündigten Abschied aus Belarus belastet. Vom Abschied aus den Ländern sei “ein Jahresumsatz von insgesamt rund eine Milliarde Euro und mehr als 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen”, sagte Knobel. Henkel war vor mehr als 30 Jahren in den russischen Markt eingestiegen, die Düsseldorfer betreiben dort elf Fabriken. Doch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine will Knobel Russland verlassen. Die Geschäfte könnten abgewickelt, verkauft oder vom dortigen Management übernommen werden. Durch die Entscheidung werde es auch Abschreibungen geben, kündigte Finanzchef Marco Swoboda an. Knobel rechnet nun insgesamt mit einer geringeren bereinigten Umsatzrendite (Ebit-Marge) in der Bandbreite von neun bis elf Prozent (vorher: 11,5 bis 13,5 Prozent). Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie (EPS) werde wohl um 35 bis 15 Prozent und damit stärker als erwartet schrumpfen. Allein bei den Materialpreisen geht das Management von einem Anstieg im mittleren Zwanzig-Prozent-Bereich gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2021 aus. “Das sind zusätzliche Belastungen für das Gesamtjahr in Höhe von rund zwei Milliarden Euro”, rechnete Knobel vor. Bei Klebstoffen könne Henkel die gestiegenen Kosten recht schnell weitergeben, bei anderen Produkten sei dies etwa im deutschen Heimatmarkt schwerer. Edeka beispielsweise hatte Lieferanten vor überzogenen Preisforderungen gewarnt.

Die Probleme treffen den Düsseldorfer Konzern zur Unzeit – will sich das Management doch eigentlich auf den Umbau des Traditionsunternehmens konzentrieren. Knobel will das kriselnde Kosmetik- mit dem Waschmittelgeschäft zusammenlegen. In der kommenden Woche will er bei der Vorlage der Quartalszahlen Details zur neuen Aufstellung präsentieren, die spätestens 2023 vollendet werden soll. Der Umbau schaffe “ein breiteres Fundament, um unser Portfolio noch konsequenter zu optimieren und auf ein höheres Wachstums- und Margenprofil zu bringen”, hatte Knobel angekündigt. Nun musste er erst einmal die Margenziele für 2022 korrigieren.

Konkurrent Beiersdorf hatte ebenfalls über steigende Preise für Material und Logistik berichtet, er will mit Preiserhöhungen gegensteuern. Auch andere Konsumgüterkonzerne wie Procter&Gamble oder Unilever drehen an der Preisschraube. Beiersdorf rechnet für das laufende Jahr mit einer operativen Ebit-Umsatzrendite ohne Sondereffekte auf dem Vorjahresniveau von 13 Prozent. Der Nivea- und Tesa-Hersteller hatte diese Prognose jüngst bekräftigt.

Erste Group macht sich trotz gepolitischer Risken kaum Sorgen

– von Alexandra Schwarz-Goerlich

Wien (Reuters) – Österreichs größte Bank Erste Group blickt trotz der geopolitischen Unsicherheiten zuversichtlich auf ihre Geschäfte.

“Wir haben keine Kristallkugel wie es jetzt weitergehen wird, aber wir glauben, dass es mit einem abgeschwächten Wachstum weiter gehen wird”, sagte Bankchef Bernhard Spalt am Freitag. Aktuell gebe es viele Bedrohungsszenarien, aber die Bank sei gut aufgestellt und liquiditätsstark.

Unterstützt von weitgehend positiven Konjunkturaussichten für die Kernmärkte in Osteuropa rechnet die Bank weiterhin mit einem Kreditwachstum im mittleren einstelligen Bereich. Zudem werde erwartet, dass die Vorsorgen für Kreditausfälle auf einem niedrigen Niveau bleiben sollen. Insgesamt sieht Finanzchef Stefan Dörfler daher für das Gesamtjahr 2022 eine Steigerung des Betriebsergebnisses. Im Vorjahr war der operative Gewinn auf 3,44 Milliarden Euro geklettert. Die Eigenkapitalverzinsung (ROTE) soll im zweistelligen Bereich liegen.

KUNDEN HABEN NUR GERINGES RUSSLAND-EXPOSURE

Relativ entspannt gibt sich die Bank auch, weil sie anders als der Wiener Rivale Raiffeisen Bank International kein eigenes Geschäft in Russland und der Ukraine hat. Und auch die Kunden der Erste Group – die Bank zählt zu den größten Kreditgebern in Mittel- und Osteuropa – sind nur wenig exponiert in den beiden Regionen. Weniger als zwei Prozent des gesamten Kunden-Kreditexposures würden deswegen unter einer spezieller Beobachtung stehen, sagte Risikochefin Alexandra Habeler-Drabek.

“Es ist ein sehr eigenes Gefühl, nach zwei Jahren Pandemie und zwei Monaten Krieg in Europa über die gute Risikosituation zu sprechen”, sagte die Managerin. Sie erklärte das damit, dass sich die Kunden in der Corona-Pandemie auch dank der staatlichen Hilfen gut geschlagen hätten. Die Bank hatte 2020 Vorsorgen für Kreditausfälle von über 600 Millionen Euro getroffen, die Reserven mussten aber nicht angegriffen werden. “Wir gehen jetzt in diese sehr unsichere Situation aus einer Position der Stärke und mit einem großen Sicherheitspolster, was Risikovorsorgen betrifft”, sagte Habeler-Drabek. Die Bank werde auch diese Krise gut meistern, sagte sie.

Im ersten Quartal erzielte das Institut dank Zuwächsen im operativen Kerngeschäft einen Gewinnsprung. Das Betriebsergebnis stieg um 10,4 Prozent auf 801,0 Millionen Euro, der Nettogewinn erhöhte sich um gut ein Viertel auf 448,8 Millionen Euro. Die Erste Group hat damit die Erwartungen der Analysten übertroffen, die im Schnitt einen Nettogewinn von 410,0 Millionen Euro prognostiziert hatten. Die Risikokosten erhöhten sich auf 59,1 Millionen Euro nach 35,7 Millionen Euro, blieben damit aber auf einem weiterhin niedrigen Niveau.

Türkischer Botschafter in Berlin wegen Kavala-Urteil einbestellt

Berlin (Reuters) – Aus Protest gegen die Verurteilung des Menschenrechtlers Osman Kavala zu lebenslanger Haft hat die Bundesregierung den türkischen Botschafter in Berlin einbestellt.

Bei dem Gespräch am Vormittag sei der türkischen Regierung die Haltung der Bundesregierung in dem Fall deutlich gemacht worden, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag. Zudem habe die Bundesregierung die anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union aufgerufen, ähnlich vorzugehen.

Der Sprecher bekräftigte, das Urteil gegen Kavala stehe “in krassem Widerspruch” zur türkischen Mitgliedschaft im Europarat. Die Bundesregierung fordere die “unverzügliche Freilassung” Kavalas. Der Menschenrechtler sein “ein Brückenbauer”, der sich um den Austausch zwischen der Türkei und der Europäischen Union verdient gemacht habe. Der 64-Jährige Kavala war wegen der Finanzierung landesweiter Demonstrationen im Jahr 2013 des Putschversuchs für schuldig befunden worden. Der Kulturmäzen weist die Vorwürfe zurück.