Italien will EU-Schuldengrenzen wegen Ukraine-Krieg ausgesetzt lassen

Rom (Reuters) – Italien will die Verschuldungsobergrenzen in der Europäischen Union (EU) wegen des Ukraine-Kriegs länger ausgesetzt halten.

Außerdem sollte es einen EU-Sonderfonds geben, um Staaten zu helfen, die indirekt besonders stark von den Sanktionen gegen Russland getroffen werden. Die Vorschläge gehen aus einer Beschlussvorlage für das Parlament hervor, über die noch am Dienstag abgestimmt werden soll. Mit der Resolution sollen italienische Rüstungsexporte für die Ukraine genehmigt werden.

Russland hat die Ukraine vergangene Woche angegriffen. Seitdem hat der Westen scharfe Sanktionen gegen Russland verhängt.

Der Stabilitätspakt der EU begrenzt die Neuverschuldung der Staaten eigentlich auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung und die Gesamtverschuldung auf 60 Prozent. Allerdings wurde gegen die Regeln immer wieder verstoßen. In der Corona-Krise wurden die Limits seit 2020 ausgesetzt, um den Ländern mehr Spielraum im Kampf gegen die Pandemie zu geben. Ab 2023 sollen sie aber wieder greifen.

Russischer Agentur Ruptly laufen in Berlin die Mitarbeiter davon

– von Thomas Escritt

Berlin (Reuters) – Der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ruptly mit Sitz in Berlin laufen nach dem Einmarsch in die Ukraine die Mitarbeiter weg.

Einige beschwerten sich in einer Telefonkonferenz, dass sie die Invasion nicht als solche bezeichnen dürften, geht aus einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Aufzeichnung einer Telefonkonferenz hervor. Moskau nennt seine Invasion einen “Sondereinsatz” und hat die heimischen Medien dazu angehalten, diesen Begriff zu verwenden.

Mindestens drei leitende Redakteure hatten bis Montag gekündigt, sagte ein Mitarbeiter von Ruptly, der anonym bleiben wollte. Eine von ihnen, die Planungsleiterin Katerina Alexandridi, bestätigte ihren Weggang gegenüber Reuters. Andere konnten nicht sofort erreicht werden. Auf eine per E-Mail gestellte Nachfrage bei der auf der Ruptly-Seite als Ansprechpartner genannten Person kam folgende automatische Antwort: “Seit dem 25. Februar 2022 arbeite ich nicht mehr als Chief Marketing Officer bei Ruptly”. “Alle sind krank oder haben gekündigt”, sagte eine Ruptly-Mitarbeiterin. “Man kann nicht Teil einer solchen Sache sein und dann in ein Flüchtlingslager gehen und so tun, als ob man sich kümmert.”

Die Abgänge sind ein Rückschlag für Russlands internationales Sendernetzwerk, das noch in diesem Jahr eine neue deutschsprachige Ausgabe von RT starten wollte. Dafür sollten etwa 200 Mitarbeiter eingestellt werden. “Einige unserer Kollegen verlassen uns”, sagte Geschäftsführerin Dinara Toktosunowa laut der Aufzeichnung des Telefonats mit allen Mitarbeitern. “Bis auf Weiteres werden wir den Betrieb von Ruptly so weit wie möglich aufrechterhalten”, aber die Nachtschichten würden vorübergehend nicht besetzt werden. Eine Seite mit einem Profil von 26 leitenden Angestellten wurde am Montag von der Website entfernt. Toktosunowa sagte, das Unternehmen habe Geld, um die Mitarbeiter bis zum Jahresende zu bezahlen. Sie bot ihnen an, nach Russland zu ziehen, falls es für das Unternehmen unmöglich werden sollte, in Deutschland zu arbeiten.

Die EU-Kommission will die russischen Staatsmedien Russia Today und Sputnik sanktionieren, die als Propagandamaschine Moskaus gesehen werden. Demnach soll deren Zugang zu europäischen Medien-Kanälen blockiert werden, wie Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton am Dienstag mitteilte. Die Mitgliedstaaten müssen dem Vorgehen demnach noch zustimmen, womit die EU-Kommission noch im Tagesverlauf rechnet.

Ruptly wurde 2013 gegründet, um den staatlichen russischen Sender RT und andere Kunden mit Nachrichten zu versorgen. Angeboten werden Video- und Live-Feeds aus der ganzen Welt. Die Agentur, die mit den von Reuters angebotenen Diensten konkurriert, ist Teil des Nachrichtenimperiums der Putin-Verbündeten Margarita Simonjan. Ihr wird vorgeworfen, Spannungen in den westlichen Ländern verschärfen zu wollen. Simonjan und ihre Sender behaupten dagegen, sie böten die dringend benötigte Vielfalt und eine Alternative zu den westlichen Medien. Die EU-Kommission hat Simonjan als “zentrale Figur” der russischen Propagandamaschine sanktioniert.

Bahn-Vorstand Pofalla tritt zurück – Stuttgart21 im Hintergrund

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla verlässt die Deutsche Bahn.

Pofalla werde zum 30. April aus dem Staatskonzern ausscheiden, bestätigte das Unternehmen am Dienstag eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. “Nach mehr als sieben Jahren im Unternehmen ist es an der Zeit, zu meinem nächsten Lebensabschnitt aufzubrechen”, erklärte der frühere Kanzleramtschef unter Angela Merkel und führte persönliche Gründe für seinen Abschied bei der Bahn an. Er erhalte keine Abfindung oder Auszahlung für die verbliebene Amtszeit, da er auf eigenen Wunsch ausscheide, sagte ein Konzernvertreter. Sein Vertrag wäre eigentlich noch bis Juli 2025 gelaufen. Pofalla war auch für das umstrittene Milliarden-Projekt Stuttgart21 zuständig.

Der 62-jährige Jurist und langjährige CDU-Politiker war von Anfang an umstritten, da er vom Kanzleramt in den Konzern wechselte und dies als politisch gewollt galt. Pofalla übernahm kurze Zeit später einen Vorstandsposten und war ab 2017 für die gesamte Infrastruktur aus Netz, Bahnhöfen und Energieversorgung zuständig. Dies ist das Schlüsselressort im Bahn-Konzern. Jedes Jahr kann es über ein Investitionsbudget im zweistelligen Milliarden-Bereich verfügen. Eine zeitlang galt er auch als Kandidat für den Posten des Vorstandschef.

In seiner Funktion verantwortete Pofalla auch das Projekt Stuttgart21, das immer wieder durch Kostensteigerungen von sich Reden macht. Noch im vergangenen Jahr hielt er an der Kostenschätzung von 8,2 Milliarden Euro fest. Ende Januar berichtete Reuters zuerst, dass sich das Vorhaben um über eine Milliarde Euro verteuern wird. Inzwischen hat der Aufsichtsrat Konzernkreisen zufolge eine Sondersitzung des Aufsichtsrat deswegen für den 18. März angesetzt. Pofalla kommt dem mit seiner Abschiedserklärung zuvor.

Mit der Regierungsübernahme durch die Ampel-Koalition war auch sein Rückhalt in der Politik geschwunden, obwohl Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) zunächst am Führungspersonal des Staatskonzerns festhalten will.

Toshiba-Chef wirft im Streit um Konzernumbau das Handtuch

Tokio (Reuters) – Im Streit um den Umbau des Mischkonzerns wirft Toshiba-Chef Satoshi Tsunakawa das Handtuch.

Der ehemalige Siemens-Manager Taro Shimada werde ihn übergangsweise ersetzen, teilte Toshiba am Dienstag mit. Shimada ist seit 2018 im Konzern. Er stellte klar, dass der Plan zur Aufspaltung von Toshiba in zwei Unternehmen wie geplant weiterverfolgt werde. Tsunakawa hatte aus dem Traditionskonzern ursprünglich drei Firmen machen wollen. Nach Kritik aktivistischer Aktionäre, die auf einen Verkauf von Toshiba an Finanzinvestoren drängen, hatte er den Plan überarbeitet.

Die Idee, Toshiba stattdessen in zwei Unternehmen aufzuteilen und andere Sparten zu verkaufen, war laut Insidern aber im Unternehmen auf Widerstand gestoßen. Es habe Befürchtungen gegeben, dass Toshiba etwa nach dem Verkauf des Aufzug-Geschäfts nur noch Geschäft mit niedrigen Margen bleiben würde. Auch Vorstand Mamoru Hatazawa, der die Aufspaltungspläne vorangetrieben hatte, trat zurück. Raymond Zage, der Chef des Nominierungsausschusses im Toshiba-Aufsichtsrat, sagte, die personellen Wechsel seien das Ergebnis der Bedenken einiger Aktionäre, dass das Management den Konzernumbau nicht schnell genug umsetzen könne.

Tsunakawa hatte den Chefposten zwar nur interimistisch bekleidet, sein Abschied kam trotzdem überraschend. Beobachter zweifeln nun daran, ob Toshiba den Umbau wie geplant vollziehen kann. “Der Aufspaltungs-Plan wird auf den Prüfstand gestellt – wir denken, dass es eine Chance gibt, dass er aufgegeben wird”, sagte Justin Tang vom Investmentberater United First Partners in Singapur. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. März sollen die Aktionäre über den Plan des Vorstands abstimmen. Parallel liegt der Antrag eines Großaktionärs auf dem Tisch, auch andere Optionen wie einen Verkauf an Finanzinvestoren zu prüfen.

Das 146 Jahre alte Konglomerat hangelt sich seit einem Bilanzierungsskandal 2015 von Krise zu Krise. Zwei Jahre später sicherte sich Toshiba von mehr als 30 ausländischen Investoren eine 5,4 Milliarden Dollar schwere Kapitalerhöhung – damit kamen aber auch die aktivistischen Investoren an Bord.

235.000 Russen und 135.000 Ukrainer leben in Deutschland

Berlin (Reuters) – In Deutschland leben gut 235.000 Russinnen und Russen.

Sie bildeten mit 2,2 Prozent die neuntgrößte Gruppe unter der ausländischen Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Zudem lebten insgesamt 135.000 ukrainische Staatsangehörige in Deutschland, was einem Anteil von 1,3 Prozent entspreche.

Der Städte- und Gemeindebund rechnet wegen des russischen Einmarsches mit einem starken Zustrom an Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine nach Deutschland. Zunächst würden die Flüchtlinge die Nachbarstaaten Polen oder Rumänien erreichen. “Es ist aber davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit möglicherweise deutlich mehr als 100.000 Menschen am Ende auch in Deutschland ankommen werden”, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem “Handelsblatt”. Seit Donnerstag seien 350.000 Menschen allein in Polen angekommen, wie der stellvertretende Innenminister Maciej Wasik im Rundfunk sagte.

Insgesamt lebten Ende 2020 rund 10,6 Millionen Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland. Das entspricht einem Anteil von 12,7 Prozent. Mit einem Anteil von 12,4 Prozent an der ausländischen Bevölkerung insgesamt bildeten Türken die größte Gruppe (1,3 Millionen), gefolgt durch syrische (787.000 oder 7,4 Prozent) und polnische (774.000, 7,3 Prozent) Staatsangehörige.

Gewinn der österreichischen Bank Bawag schnellt 2021 nach oben

Frankfurt (Reuters) – Die österreichische Bank Bawag hat im zweiten Pandemie-Jahr unter anderem wegen einer kräftig gesunkenen Vorsorge für Kreditausfälle einen Gewinnschub erzielt.

Der Nettogewinn schnellte 2021 um 68 Prozent auf ein Rekordniveau von 480 Millionen Euro nach oben, wie die Bawag am Dienstag in Wien mitteilte. Die Risikokosten seien um 58 Prozent auf 95 Millionen Euro gesunken und damit wieder auf ein normales Maß. Das Institut hatte einen Rückgang auf unter 100 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Seinen Aktionären stellte die Bawag eine Dividende von drei Euro je Aktie in Aussicht. Zudem kündigte das Institut für das laufende Jahr einen Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 425 Millionen Euro an.

“Auch im zweiten Jahr der Pandemie war uns bewusst, dass wir die Transformation unseres Geschäfts fortsetzen müssen”, erklärte Konzernchef Anas Abuzaakouk. Das sei nicht nur eine Reaktion auf die Pandemie. Abuzaakouk zufolge war im vierten Quartal und zu Jahresbeginn 2022 die Marktvolatilität erhöht. “Dies wurde durch erheblichen Inflationsdruck sowie dem zunehmenden geopolitischen Konflikt getrieben, was bei uns eine größere Wachsamkeit beim Umgang mit diesen Risiken hervorruft”, sagte er. Die Bawag könne aber über alle Zyklen hinweg Ergebnisse liefern. Für 2022 peilt die Bank einen Vorsteuergewinn von mehr als 675 Millionen Euro an. Die operativen Kernerträge sollen um mehr als vier Prozent zulegen.

Im vergangenen Jahr kletterte der Vorsteuergewinn um 62 Prozent auf 600 Millionen Euro. Die operativen Kernerträge stiegen um vier Prozent auf 1,22 Milliarden Euro. Die Kosten-Ertrags-Quote ging um 4,8 Prozentpunkte auf 39,5 Prozent zurück. Die Bawag kam zum Jahresende 2021 auf eine harte Kernkapitalquote (CET 1) von 15,0 Prozent.

HelloFresh setzt sechs Milliarden Euro um

Berlin (Reuters) – Der Kochboxen-Versender HelloFresh ist im vergangenen Jahr erneut rasant gewachsen und hat fast sechs Milliarden Euro umgesetzt.

Die Erlöse seien währungsbereinigt um 61,5 Prozent auf 5,99 Milliarden Euro geklettert, teilte der Berliner Konzern am Dienstag mit, der seit vergangenem Jahr Mitglied im deutschen Leitindex Dax ist. Der Umsatz liegt damit am oberen Ende der vom Unternehmen mehrmals angehobenen Prognose – Anfang 2021 hatte HelloFresh noch ein Plus von 25 Prozent in Aussicht gestellt.

Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) legte angesichts hoher Investitionen in neue Lager, Produkte, Märkte und den Ausbau der Belegschaft auf rund 20.000 Mitarbeiter lediglich um 4,4 Prozent auf 527,6 Millionen Euro zu. “Wir sind kein unprofitables Unternehmen, sondern ziemlich das Gegenteil davon”, sagte Firmenchef und -gründer Dominik Richter.

Für das laufende Jahr rechnet HelloFresh weiterhin bei einem Umsatzplus zwischen 20 und 26 Prozent maximal mit einem bereinigten Betriebsergebnis (Ebitda) von 500 bis 580 Millionen Euro. Dieser im Dezember erstmals veröffentlichte Ausblick hatte Anlegern nicht geschmeckt und damals zum Einbruch der Aktie geführt.

Seit Beginn der Corona-Pandemie profitiert der elf Jahre alte Anbieter von Lebensmitteln in sogenannten Kochboxen, die im Abo-Modell mit Rezepten und abgemessenen Zutaten direkt an die Haustür geliefert werden, von Hygienebeschränkungen und dem Trend zum Homeoffice. Inzwischen kommt HelloFresh in 17 Ländern auf vier Kontinenten auf 7,22 Millionen Kunden – mehr als die Hälfte davon leben in den USA. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen fast eine Milliarde Mahlzeiten an seine Abonnenten – erstmals auch in Norwegen, Italien und Japan. Auch in diesem Jahr sollen neue Länder hinzukommen. Um neue Kunden zu gewinnen und die bestehenden bei der Stange zu halten, baut HelloFresh sein Sortiment sukzessive aus: Inzwischen gehören Fertigerichte in einigen Ländern genauso zum Angebot wie Snacks, Desserts und Grundnahrungsmittel.

Zum Jahresende 2021 kam HelloFresh auf liquide Mittel von rund 827 Millionen Euro. Geld, das Richter in das Wachstum reinvestieren will, aber auch in Aktienrückkäufe wie bereits im Januar. “Wir werden Ende des Jahres 40 Fabriken betreiben, in denen wir unsere Kochboxen zusammenstellen”, sagte Richter.

Im vergangenen Jahr hatte sich HelloFresh am kleinen russischen Kochbox-Versender Chefmarket beteiligt. Chefmarket dürfte bisher kaum von der russischen Invasion in die Ukraine beeinflusst worden sein, sagte Richter, der bis auf die gestiegenen Energiekosten auch keine Auswirkungen auf das HelloFresh-Geschäft ausmacht.

Adidas stockt nach Verkauf von Reebok Aktienrückkauf kräftig auf

München (Reuters) – Adidas reicht den Erlös aus dem Verkauf der US-Marke Reebok wie versprochen größtenteils an die eigenen Aktionäre weiter.

Von Mitte März an will der fränkische Sportartikel-Konzern dazu eigene Aktien für bis zu 1,5 Milliarden Euro am Markt zurückkaufen – über das bestehende Rückkaufprogramm hinaus, wie er am Dienstag in Herzogenaurach ankündigte. Vom neuen Reebok-Eigentümer Authentic Brands habe man den größten Teil des Kaufpreises von 2,1 Milliarden Euro inzwischen erhalten.

Ob und wann der Rest des Geldes fließt, hängt teilweise noch von Bedingungen ab. Nach einem Bericht des “Manager Magazins” hängen etwa 800 Millionen Euro davon ab, ob Authentic Brands für bestimmte Länder gute Verträge zur Vermarktung von Reebok abschließen kann. Adidas wollte sich dazu nicht äußern. Noch im alten Jahr hatten die Amerikaner die Vertriebsrechte für Indien an die Modefirma Aditya Birla Fashion, für Australien und Neuseeland an die Accent Group vergeben. In einigen Märkten werde Adidas das operative Geschäft von Reebok im Namen von Authentic Brands noch weiterführen, hieß es in der Mitteilung.

Adidas hatte Authentic Brands im August den Zuschlag für die Fitness-Marke gegeben, nachdem Reebok in 15 Jahren kaum je die Erwartungen erfüllen konnte. Authentic Brands wurde 2010 von dem Markenmanager Jamie Salter gegründet, der sich ein Portfolio von gut 30 Marken vor allem aus der Mode-, Sport- und Unterhaltungsbranche zusammengekauft hat. Eigentlich wollte er das Unternehmen an die US-Börse bringen, gab die Pläne aber im Januar auf, nachdem die Finanzinvestoren CVC und HPS eingestiegen waren – zu einer Bewertung von 12,7 Milliarden Dollar.

Im Dezember hatte Adidas einen langfristigen Aktienrückkauf im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro gestartet, der bis 2025 laufen soll. Die erste, eine Milliarde Euro schwere Tranche sei vor einer Woche abgeschlossen worden, zu einem Preis von durchschnittlich gut 240 Euro. Am Montag schloss die Adidas-Aktie bei 212,05 Euro. Der am Dienstag angekündigte Rückkauf, der bis August laufen soll, kommt noch oben drauf. “Dies (…) spiegelt – trotz der verschiedenen Herausforderungen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind – unseren optimistischen Ausblick für 2022 wider”, sagte Finanzvorstand Harm Ohlmeyer.

Beiersdorf will 2022 Umsatz steigern – Für 2021 stabile Dividende

Düsseldorf (Reuters) – Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf will nach Zuwächsen bei Erlösen und operativem Ertrag 2022 den Umsatz in die Höhe schrauben.

Der Nivea- und Tesa-Hersteller gehe für 2022 von einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich aus, die operative Ebit-Umsatzrendite ohne Sondereffekte werde auf dem Vorjahresniveau von 13 Prozent erwartet, teilten die Hamburger am Dienstag mit.

Im vergangenen Jahr hatte Beiersdorf den Umsatz organisch um 9,7 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro steigern können. Die Klebstoff-Sparte konnte die Erlöse dank reger Nachfrage aus der Auto- und Elektroindustrie dabei organisch um 13,6 Prozent in die Höhe schrauben, Zuwächse gab es aber auch im Consumer-Geschäft rund um Nivea. Das betriebliche Ergebnis (Ebit) ohne Sondereffekte legte auf 993 (Vorjahr: 906) Millionen Euro zu. Die Dividende hält der neue Konzern-Chef Vincent Warnery stabil – sie liegt weiter bei 70 Cent je Aktie. Auch Konkurrent Henkel hatte die Ausschüttung nicht erhöht.

Immobilienanzeigen-Plattform Scout24 wächst stärker als erwartet

München (Reuters) – Der Boom auf dem privaten Wohnungsmarkt in Deutschland hat der Immobilienanzeigen-Plattform Scout24 zum Jahresende noch einmal Schub gegeben.

Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 389 Millionen Euro, wie Scout24 am Dienstag in München mitteilte. Angepeilt hatte das Unternehmen zuletzt neun Prozent. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) konnte damit wie erwartet nicht Schritt halten und erhöhte sich nur um fünf Prozent auf 222,8 Millionen Euro. Die bereinigte Umsatzrendite lag mit 57,3 (2020: 60,0) Prozent am unteren Ende der bereits gesenkten Erwartungen.

Im laufenden Jahr soll sich das Umsatzwachstum auf elf bis zwölf Prozent beschleunigen. Dazu müsse Scout24 aber zunächst investieren, so dass das Ebitda auch 2022 mit sechs bis acht Prozent weniger stark zulegen werde als der Umsatz, erklärte Vorstandschef Tobias Hartmann. Die Investitionen sollen sich vom nächsten Jahr an auszahlen: Dann erwartet Scout24 ein jährliches Umsatzwachstum von etwa zwölf Prozent pro Jahr. Der Zuwachs beim operativen Ergebnis werde sich dann deutlich beschleunigen.

Wie am Montagabend mitgeteilt, nimmt Scout24 noch im März den nächsten Aktienrückkauf in Angriff. Diesmal will das Unternehmen eigene Aktien für 350 Millionen Euro erwerben und damit überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückgeben. Das erst im November gestartete, 200 Millionen Euro schwere Rückkaufprogramm war schon Mitte Februar praktisch ausgeschöpft.