Corona-Sorgen trüben die Anleger-Laune erneut

“Die kurzfristigen Effekte der Inflation scheinen unter Kontrolle und in den Kursen enthalten”, sagte Volkswirt Bert Colijn von der ING Bank. “Aber es bleibt Unsicherheit wegen der neuen Coronavirus-Variante und ihr Einfluss auf die wirtschaftliche Erholung.”

Dax und EuroStoxx50 verloren am Mittwoch jeweils etwa ein Prozent auf 15.531,04 beziehungsweise 4069,21 Punkte, notierten damit aber immer noch rund 15 Prozent über ihrem Niveau zu Jahresbeginn. Gleiches galt für den breit gefassten Stoxx600.

Größere Kursverluste verhinderte die Entspannung bei der Inflation, sagte Analyst Charalambos Pissouros vom Brokerhaus JFD. “Der Wert unter zwei Prozent untermauert die Einschätzung, dass die Europäische Zentralbank vorerst nicht über eine Verringerung der geldpolitischen Unterstützung nachdenken wird.”

US-ARBEITSMARKT IM BLICK – ÖLPREIS IM AUFWIND

Nach den starken Arbeitsmarktdaten aus Deutschland richteten Börsianer ihr Augenmerk auf die andere Seite des Atlantiks. Der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge wurden im Juni in der US-Privatwirtschaft 692.000 Stellen geschaffen. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 600.000 gerechnet. Die Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag. Im vergangenen Monat hätten die beiden Werte aber recht weit auseinander gelegen, gab ein Analyst zu bedenken. Daher ließen die ADP-Daten nur begrenzt Rückschlüsse auf die US-Geldpolitik zu.

Am Tag vor den Beratungen der Opec+ über eine Lockerung der Förderbremse stieg der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 0,4 Prozent auf 75,06 Dollar je Barrel (159 Liter). Insidern zufolge wollen die großen Export-Staaten über eine Verlängerung ihrer bis April 2022 laufenden Förderquoten-Regelung diskutieren. Experten gehen davon aus, dass die Staatengruppe wegen der anziehenden Nachfrage am Donnerstag eine Anhebung der Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag beschließen wird.

FURCHT VOR NEUEN US-VERFAHREN GEGEN VW

Für die Aktien von Volkswagen ging es dagegen 2,3 Prozent abwärts. Ein Gericht hatte dem US-Bundesstaat Ohio erlaubt, den Autobauer wegen dessen Abgas-Manipulationen zu verklagen. “Wenn man USA und Gerichtsprozess hört, gehen immer alle Warnlampen an”, sagte ein Börsianer.

In Amsterdam stiegen die Titel von Grandvision dagegen um gut 14 Prozent auf 28,20 Euro. Der Brillen-Hersteller EssilorLuxottica will die “Apollo Optik”-Mutter trotz Rechtstreitigkeiten doch übernehmen. Die Papiere des “Ray Ban”-Anbieters stiegen in Paris um 0,2 Prozent.

An der Wall Street stiegen die Papiere von Bed Bath & Beyond in der Spitze sogar um mehr als 31 Prozent. Der Gewinn des Einrichtungshauses blieb im abgelaufenen Quartal mit 0,05 Dollar je Aktie zwar hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Quartal stellt die Firma aber 0,45 bis 0,55 Dollar in Aussicht. Für das Gesamtjahr peilt sie 1,40 bis 1,55 Dollar an. Bed Bath & Beyond gehört zu den “Meme”-Aktien. Darunter verstehen Börsianer Werte, bei denen sich Kleinanleger in einschlägigen Internet-Foren gegenseitig zum Kauf ermuntern. Das bekannteste Beispiel ist der US-Videospielehändler GameStop.

 

Traton will Chinesen mehr Lkw verkaufen – Navistar-Kauf perfekt

“Es geht auch darum, die relevanten weißen Flecken auf unserer Weltkarte in Asien zu schließen. Stichwort: China”, sagte Traton-Chef Matthias Gründler am Mittwoch auf der Hauptversammlung. China sei der größte Nutzfahrzeugmarkt der Welt, und große Kunden dort griffen inzwischen zunehmend zu teureren Lastwagen. Übernahmen plant die Holding um Scania und MAN offenbar nicht: “Derzeit analysieren wir, wie wir aus eigener Kraft das Potenzial unserer Marken in China am besten ausschöpfen können”, sagte Gründler. Die schwedische Scania baut derzeit eine Fabrik in Rugao bei Shanghai.

Die 3,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Navistar ist inzwischen perfekt. Nach Erhalt aller Kartellgenehmigungen ist der US-Lkw-Hersteller ab Donnerstag Teil von Traton. Damit wachse der Konzern gemessen am Umsatz um 30 Prozent, rechnete der Vorstandschef vor. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte vor kurzem berichtet, Traton erwäge eine Kapitalerhöhung über mehr als eine Milliarde Euro, um auch nach dem Zukauf ein Investment-Grade-Rating zu behalten.Am Mittwoch erklärte das Unternehmen, Traton werde “die Stärkung ihrer Kapitalstruktur fest im Blick behalten”.

Operativ hat sich das Geschäft von Traton deutlich erholt. Im zweiten Quartal hätten die Verkaufszahlen von Scania, MAN und VW-Lastwagen über dem Absatz im ersten Quartal gelegen, in dem gut 60.000 Fahrzeuge verkauft wurden. Der Auftragseingang habe den Rekordwert von 81.700 Orders aus dem ersten Quartal noch übertroffen.

 

Uber-Rivale Didi erlöst mit Börsengang 4,4 Milliarden Dollar

Der Uber-Rivale stockte die Emission um zehn Prozent auf 316,8 Millionen Hinterlegungsscheine (ADS) auf und setzte den Preis für die Papiere bei 14 Dollar am oberen Ende der Spanne an, wie Didi mitteilte. Damit kommt Didi zum Börsenstart am Mittwoch auf eine Marktkapitalisierung von rund 73 Milliarden Dollar. Ursprünglich hatte der Börsenaspirant auf eine Bewertung von 100 Milliarden spekuliert, musste die Erwartungen nach Gesprächen mit Investoren aber zurückschrauben.

Letztlich war die Emission um ein Vielfaches überzeichnet, nachdem Anleger die reduzierte Bewertung als attraktiv ansahen. Sie hatten zuvor Bedenken geäußert, dass die Aussichten für die Branche sich eintrüben könnten, wenn die Behörden Fahrdienste künftig stärker regulierten. Mit einer Platzierungsreserve kann Didi die Emission in den nächsten Wochen noch um 47,5 Millionen ADS aufstocken.

Didi ist der größte Börsengang in den USA seit 2015, als der chinesische Online-Riese Alibaba 25 Milliarden Dollar erlöste. Die Börsen erleben derzeit weltweit eine Flut von Börsengängen. Nach Daten der Unternehmensberatung EY haben zwischen April und Juni 589 Unternehmen den Sprung an den Aktienmarkt gewagt, dreimal so viele wie ein Jahr zuvor. Sie nahmen zusammen 106 Milliarden Dollar ein, das Zweieinhalbfache des Vorjahreswertes. Allein in China gingen 161 Firmen an die Börse, in den USA waren es 114. Den stärksten Zuwachs erlebten aber die europäischen Börsen: Hier verfünffachte sich die Zahl der Neuemissionen auf 142. Deren Volumen hat sich auf 21,1 Milliarden Dollar verdreifacht.

“Die hohen Bewertungsniveaus und eine geringere Volatilität sorgen für einen regelrechten Ansturm aufs Parkett”, sagte EY-Experte Martin Steinbach. Neben den vollen Taschen der Anleger spielten dabei auch die Nebenwirkungen der Corona-Krise eine Rolle. “Der Digitalisierungstrend, der durch die Pandemie nochmal enorm verstärkt wurde, rückt digitale Geschäftsmodelle in den Mittelpunkt des Interesses”, erklärte Steinbach. Jeder vierte Börsenneuling ist ein Technologieunternehmen.

Auch Didi gehört dazu. Das 2012 gegründete Unternehmen hat in China den Preiskampf mit dem US-Rivalen Uber gewonnen. Er hatte sein Geschäft in China an Didi verkauft und sich im Gegenzug an dem Konkurrenten beteiligt. Chef von Uber China war zu der Zeit Liu Zhen, der Cousin von Didi-Mitgründer Jean Qing Liu, einem ehemaligen Banker von Goldman Sachs. Zu den frühen Investoren in Didi zählen auch Softbank und Tencent. Im vergangenen Jahr hatte sich der Umsatz des Fahrdienstvermittlers angesichts der Pandemie um acht Prozent auf 21,6 Milliarden Dollar verringert, bei einem Verlust von 1,6 Milliarden Dollar. Für das erste Quartal 2021 wies Didi mit 30 Millionen Dollar erstmals einen Gewinn aus.

 

“Ray Ban”-Hersteller zieht Kauf von “Apollo Optik”-Eigner doch durch

Dabei hatte sich die für “Ray Ban”-Brillen bekannte EssilorLuxottica erst vor kurzem vor einem Schiedsgericht das Recht erstritten, von dem 7,2 Milliarden Euro schweren Kauf zurückzutreten. “Nach Prüfung unserer Optionen haben wir entschieden, die Transaktion ohne weitere Verzögerungen abzuschließen”, erklärten EssilorLuxottica-Chef Francesco Milleri und sein Stellvertreter Paul du Saillant am Dienstagabend. “Wir sind bereit, eine neue Seite in der Geschichte von EssilorLuxottica aufzuschlagen.” Zu GrandVision gehören auch die 800 “Apollo Optik”-Läden in Deutschland.

Am strategischen Sinn der Übernahme der 7000 Optik-Filialen habe sich nichts geändert, erklärte der neue Eigentümer. An den vor fast zwei Jahren vereinbarten Konditionen ändert sich nichts. Damit werde GrandVision von Donnerstag (1. Juli) an Teil von EssilorLuxottica. GrandVision erklärte schmallippig, man nehme die Entscheidung zur Kenntnis. Alle Kartellgenehmigungen liegen bereits vor.

Dem überraschenden Schritt war ein monatelanger erbitterter Rechtsstreit vorausgegangen, in dem der “Ray Ban”-Hersteller der Führungsetage von GrandVision vorgeworfen hatte, in der Corona-Krise die Fusionsvereinbarungen verletzt zu haben. So hätten die Niederlände ohne Absprache mit dem künftigen Eigentümer die Zahlungen an Lieferanten und die Betreiber der Filialen gestoppt und Staatshilfe beantragt.

Nach dem Urteil des Schiedsgerichts hatten Analysten damit gerechnet, dass EssilorLuxottica zumindest auf Nachverhandlungen drängen würde. Umso größer war die Erleichterung am Mittwoch: Die GrandVision-Aktien schnellten um 14 Prozent auf 28,15 Euro. Die Papiere des GrandVision-Großaktionärs HAL Trust, der für seinen 76-Prozent-Anteil 28,42 Euro je Aktie bekommt, legten sechs Prozent zu. EsslorLuxottica gewannen in Paris 1,2 Prozent. Der “Apollo”-Rivale Fielmann rückte um 3,6 Prozent vor.

Der deutsche Online-Optiker Mister Spex steht unterdessen vor einem erfolgreichen Abschluss seines Börsengangs. Die Banken hatten den Investoren am Dienstag mitgeteilt, dass die Aktien zu 25 bis 26 Euro zugeteilt würden, und damit in der oberen Hälfte der Preisspanne, die von 23 bis 27 Euro reichte. EssilorLuxottica hatte erklärt, im Zuge der Neuemission Mister-Spex-Aktien für 50 Millionen Euro zu zeichnen.

 

Renault will erschwingliche Elektro-Kompaktwagen bauen

Der in den 90er Jahren ausgemusterte R5 soll als eines von zehn bis 2025 geplanten Modellen als Elektroauto wieder auferstehen, kündigte der Volkswagen-Rivale am Mittwoch an. Der Kompaktwagen werde ein Drittel weniger kosten als der Renault Zoe, bisher der absatzstärkste Stromer in Europa, der zurzeit Marktanteile an den neueren VW ID.3 verliert. Renault setzte sich zugleich höhere Ziele beim Umschwung von Verbrenner- zu Elektroautos. Bis 2030 sollen neun von zehn verkauften Autos oder insgesamt eine Million Neuwagen rein batterieelektrisch fahren – bisher waren in das 90-Prozent-Ziel Hybridmodelle eingerechnet, die Verbrenner- und Elektromotor kombinieren und nicht emissionsfrei fahren.

“Heute gibt es eine historische Beschleunigung der Elektroauto-Strategie der Renault-Gruppe”, sagte Luca de Meo, der vor seinem Wechsel nach Frankreich zuletzt Chef der spanischen Marke Seat im Volkswagen-Konzern war. In den kommenden fünf Jahren sollen zehn Milliarden Euro in die Elektrifizierung des Angebots fließen. Das Etappenziel für 2025 ist ein Absatzanteil von zwei Dritteln E-Autos und Hybridwagen. An den Kastenwagen R4, ebenfalls ein Klassiker des letzten Jahrhunderts, werde außerdem das Modell “4ever” erinnern, wie Insider erklärten. Damit die emissionsfreien Kompaktwagen nicht teurer sind als Verbrenner, setzt Renault wie Volkswagen und andere Autobauer auf einheitliche technische Plattformen, auf denen mehrere Varianten aufsetzen. Damit lassen sich hohe Stückzahlen produzieren. Zugleich werden Kosten gesenkt, auch durch Personalabbau.

Renault, in den vergangenen Jahren vom Skandal um den früheren Konzernchef Carlos Ghosn erschüttert, wurde am noch kleinen Markt für E-Autos im vergangenen Jahr von VW als Marktführer überholt. Während der Marktanteil der Marke VW im vergangenen Jahr in Europa auf 25 von 14 Prozent stieg, sank der von Renault und seinen Partnern Nissan und Mitsubishi auf 19 von 23 Prozent.

 

Ethereum: Bodenbildung auf Support

Technische Analyse zu Ethereum – Betrachtung im H4 Chart

Einem Bounce vom dort befindlichen 61,8%-Fibonacci-Retracement des im März 2020 gestarteten Kursschubes folgte ein erneuter Test des Tiefs und mit einem neuen Tief bei 1.700 USD ein nur geringfügiges Unterschreiten. Diese nun kritische Marke konnte der Coin verteidigen und im Dunstkreis der steigenden 200-Tage-Linie zuletzt einen kurzfristigen Doppelboden komplettieren.

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Rücksetzer im Erholungstrend einplanen!

Das von uns erwartete primäre Erholungsziel bei 2.250/2.300 USD konnte mit dem Kursschub am Dienstag bereits abgearbeitet werden. Wir erachten die Wahrscheinlichkeit für einen kurzfristigen Rücksetzer in Richtung 2.045-2.100 USD als erhöht. Eine ausgedehnte Korrektur in Richtung 1.950/2.000 USD würde ebenfalls nicht überraschen. Solange die letztgenannte Zone nicht unterschritten wird, favorisieren wir eine anschließende Ausdehnung der Erholungsbewegung in Richtung zunächst 3.350/2.400 USD.

Mögliche Ausdehnungsziele

Darüber wäre ein fortgesetzter Anstieg in Richtung 2.600/2.641 USD und eventuell sogar in Richtung der mittelfristig kritischen Widerstandsregion bei 2.847-3.000 USD vorstellbar. Eine Verletzung des Supports bei 1.950/2.000 USD würde hingegen unseres Erachtens einen erneuten Test der Akkumulationszone bei 1.700/1.730 USD wahrscheinlich machen.

Hinweis:

Trotz sorgfältiger Analyse übernimmt Global Investa keine Gewähr für Inhalt, Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Anlagevermittlung dar.

Alibaba? Der richtige Moment, um einzusteigen?

Ist nun ein Zeitpunkt gekommen, um sich die Aktie günstig ins Portfolio zu legen?

Technisch scheinen wir in der Range von 200-210 USD eine gute Unterstützung gefunden zu haben. Beflügelt vom langfristigen steigenden Trend und dem Fibonacci Level bei ca. 202 (38,2%) können wir eigentlich eine solide Unterstützung bemerken.

Von 51 aktuellen Analysten schätzen 30 die Aktie als „Buy“ und 18 als „Strong Buy“ ein. Mit einem durchschnittlichen Zielpreis von ca. 295 USD wäre es ein Aufschlag von knappen 40%.

Um dies zu bewerkstelligen müsste eine Trendwende stattfinden und der Kurs sich von den politisch geprägten negativen Nachrichten loslösen.

Eine klare Aussage ist hier schwer zu treffen, da das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von ca. 570 Mrd. USD bei einem Umsatz von ca. 717 Mrd. USD unterbewertet erscheint. Der EPS liegt bei 54.

Das Unternehmen ist in verschiedenen vielversprechenden Geschäftsbereichen tätig welche mittel- und langfristig ein Garant für Wachstum sein sollten. Cloud Computing, Autonomous driving, Finanzgeschäfte (Alipay der auch die aktuelle EM sponsort) und kürzlich war die Übernahme von Suning’s (einer der größten Einzelhändler in China).

Meine Einschätzung: wir setzen einen Kaufkurs bei 202 USD mit einem Stop Loss bei 194.

Take Profits bei jeweils 223, 246 und 278.

Disclaimer:

Der Autor hält Aktien von Alibaba. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die Informationen ersetzen keine, auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.

Chinas Industrie-Wachstum verlangsamt sich leicht im Juli

Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) fiel im Vormonat auf 50,9 von 51,0 im Mai, wie Daten des nationalen Statistikbüros (NBS) am Mittwoch zeigten. Die 50-Punkte-Marke trennt auf monatlicher Basis zwischen Wachstum und Kontraktion. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten mit einem Wert von 50,8 gerechnet.

Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt dürfte in diesem Jahr stark zulegen und die Corona-Krise hinter sich lassen. Die Weltbank erhöhte ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes der Volksrepublik in diesem Jahr jüngst von 7,9 auf 8,5 Prozent.

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BIZ sieht die Geldpolitik vor schweren Herausforderungen

Es gebe nach wie vor Unsicherheit über den weiteren Pandemieverlauf, teilte die BIZ am Dienstag zur Vorlage ihres Wirtschaftsberichts 2021 mit. “Auch wenn sich die Wirtschaft rascher und stärker erholt hat, als sich das irgendjemand vor einem Jahr hätte vorstellen können, sind wir noch nicht über dem Berg”, sagte BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens. Geld- und Fiskalpolitik müssten einerseits Unterstützung bieten. Zugleich müssten sie aber auch Spielräume bewahren.

“Um eine nachhaltige Erholung zu sichern, müssen die länger anhaltenden Folgen der Pandemie bewältigt werden”, erklärte Carstens. Dies sei eine anspruchsvolle Aufgabe. Seine Begründung: “Der Ausstieg aus der Pandemie geht mit einer höheren öffentlichen Verschuldung, niedrigeren Zinsen und ausgeweiteten Zentralbankbilanzen einher.” Die in Basel ansässige BIZ wird häufig als Notenbank der Notenbanken bezeichnet. Sie gilt als Denkschmiede für die internationale Geldpolitik.

In der Euro-Zone hat die EZB beispielsweise zu Krisenbeginn ein neues billionenschweres Notfall-Anleihenkaufprogramm aufgelegt, um die Pandemie-Folgen abzumildern. Es ist auf 1,85 Billionen Euro angelegt und soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Entsprechend stark ist die ohnehin bereits ausgeweitete Zentralbankbilanz zusätzlich angeschwollen. Der Leitzins im Euro-Raum liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Aus Sicht der BIZ wird eine Normalisierung der Geldpolitik nach der Pandemie einen Sicherheitspuffer schaffen. Dieser sei zur Bewältigung unerwarteter negativer Ereignisse oder Rezessionen auch nötig. Wie Carstens im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters erläuterte, sieht er die Zinsanhebungen in einigen Schwellenländern als Reaktion auf steigende Inflationsraten zwar positiv. Er rechnet aber damit, dass damit in den Industriestaaten noch gewartet wird. “Es wäre nicht angemessen, die Geldpolitik heute zu straffen nur um die gemessene Inflation zu verringern und eine Erholung der Wirtschaft zu opfern”, sagte er. Dies würde keine große Zentralbank wollen.

Eine der zentralen Fragen in der Geldpolitik ist zurzeit, ob der jüngste Anstieg der Inflationsraten nur vorübergehend oder dauerhaft ist. “Zum gegenwärtigen Zeitpunkt denken wir, dass es höchstwahrscheinlich vorübergehend sein wird,” sagte Carstens. Dies ist auch eine der Kernannahmen in dem zentralen Erholungsszenario, das die BIZ in ihrem Wirtschaftsbericht entwirft.

Darüber stellt die BIZ noch zwei alternative Szenarien vor. In dem einen führen starke Konjunkturhilfen und ein Abbau der in der Pandemie gehorteten Ersparnisse zwar zu einem kräftigeren Wachstum. Doch auch die Inflation zieht darin deutlich an und es kommt zu einer erheblichen Verschärfung der Finanzierungsbedingungen. In einem zweiten Alternativszenario erweist sich der Virus als schwer einzudämmen, weshalb das Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt.

 

Deutsche Inflation sinkt – Aber Ende 2021 vier Prozent im Visier

Waren und Dienstleistungen kosteten im Juni wie von Experten erwartet durchschnittlich 2,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in seiner ersten Schätzung mitteilte. Im Mai war die Teuerungsrate mit 2,5 Prozent noch auf den höchsten Stand seit September 2011 geklettert. Ökonomen rechnen mit anziehendem Preisdruck. Denn etwa Kleidung, Übernachtungen und Restaurantbesuche hätten sich merklich verteuert, sagte Commerzbank-Experte Marco Wagner. “In den kommenden Monaten wird die Inflationsrate noch einmal spürbar zulegen und gegen Ende des Jahres fast vier Prozent betragen.”

Experten hatten mit dem leichten Rückgang im Juni gerechnet. “Aber es ist nur eine kleine Atempause im Aufstieg zum Inflationsgipfel”, sagte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. “Ab dem kommenden Monat schlägt bei der Berechnung der Inflation der Effekt der Mehrwertsteuererhöhung voll durch.” Ähnlich sieht es DZ-Bank-Chefökonom Michael Holstein: “Bereits im Juli könnte die Drei-Prozent-Marke geknackt werden.” Denn die Preise wurden in der zweiten Jahreshälfte 2020 von der vorübergehend gesenkten Mehrwertsteuer gedrückt – und nun kehrt sich diese Wirkung um. Die Finanzmärkte beobachten die in vielen Regionen gestiegene Inflation sehr genau. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht einen Preisanstieg von knapp unter zwei Prozent als mittelfristig ideal für die Wirtschaft im Euro-Raum.

Inflation bleibe mindestens bis Ende 2021 ein Thema, betonte Niklasch. “Die Frage ist, ob auch darüber hinaus.” Bislang gibt es dafür kaum Anzeichen. “Aber das Risiko wächst derzeit, weil auf den vorgelagerten Stufen die Kosten deutlich zugenommen haben.” Zudem könnte es den Firmen im nächsten Jahr leichter fallen, höhere Preise an Kunden weiterzureichen. “Vieles spricht dafür, dass wir uns auf einen längeren Abschied von der Ära sehr niedriger Inflationsraten einstellen sollten”, sagte auch Friedrich Heinemann vom Mannheimer ZEW-Institut.

Die deutschen Importe haben sich im Mai so stark verteuert wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Die Einfuhrpreise stiegen um 11,8 Prozent binnen Jahresfrist – das größte Plus seit der zweiten Ölpreiskrise im Oktober 1981.

Größter Treiber bei den Verbraucherpreisen war im Juni erneut Energie, die 9,4 Prozent mehr kostete als vor einem Jahr. In Baden-Württemberg etwa kostete Tanken fast 27 Prozent mehr als im Juni 2020 und in Nordrhein-Westfalen (NRW) knapp 24 Prozent mehr. In NRW und Sachsen verbilligten sich Pauschalreisen hingegen um fünf Prozent. Nahrungsmittel verteuerten sich bundesweit um 1,2 Prozent, und Dienstleistungen kosteten 1,6 Prozent mehr.