Finanzausschuss gibt grünes Licht für rein elektronische Wertpapiere

“Statt Urkunden in Tresoren reicht zukünftig die Eintragung in ein digitales Register”, sagte CDU-Politiker Johannes Steiniger am Mittwoch. Das Gesetz zur Einführung elektronischer Wertpapiere sei ein erster wichtiger Schritt. Nach dem grünen Licht im Finanzausschuss gilt die Zustimmung im Plenum des Bundestages als sicher.

Die finanzpolitische Sprecherin der Union, Antje Tillmann, ergänzte, es werde ein Punkt aus der Blockchain-Strategie der Bundesregierung umgesetzt. “Anleihe-Emissionen lösen wir aus dem starren Korsett des Wertpapierrechts, das bislang zwingend die Verbriefung in einer Papierurkunde verlangt. Künftig wird die Papierform durch eine Eintragung entweder in ein bei einem Zentralverwahrer geführtes Register oder in dezentrale, auf der Blockchain-Technologie basierende, sogenannte Kryptowertpapierregister ersetzt.” Auch für andere Wertpapiere wie Aktien sei eine rein elektronische Emission angedacht. Dies werde momentan noch von der Bundesregierung geprüft.

 

Nissan verkauft Daimler-Aktienpaket für 1,15 Mrd Euro

Renault und Nissan waren vor mehr als zehn Jahren mit je 1,55 Prozent bei Daimler eingestiegen. Die drei Autobauer hatten mit einer Überkreuzbeteiligung eine umfassende Partnerschaft untermauern wollen. Doch die ehrgeizigen Pläne schrumpften rasch zusammen, die Zusammenarbeit von Daimler und Renault beschränkt sich etwa vorwiegend auf Vans und Transporter. Der Stuttgarter Oberklasse-Hersteller hält seit 2011 jeweils 3,1 Prozent an den beiden Partnern. Er hat die beiden Aktienpakete aber längst in das Pensionsvermögen eingebracht, aus dem die Betriebsrenten für die Belegschaft gezahlt werden – ein Signal, dass Daimler die Beteiligungen nicht mehr für strategisch hielt.

Die Schwaben arbeiten inzwischen mehr mit dem chinesischen Autobauer Geely zusammen, dem Unternehmen des Daimler-Großaktionärs Li Shufu: etwa beim Bau des Elektro-Smart und bei Motoren. 2010 hatte dem damaligen Daimler-Chef Dieter Zetsche und seinem Renault- und Nissan-Pendant Carlos Ghosn noch eine gemeinsame Plattform für den Smart und den Renault Twingo vorgeschwebt. Beide sind nicht mehr im Amt.

 

“Stärkstes Auftaktquartal aller Zeiten” – Post erhöht Prognosen

“Wir hatten das beste Auftaktquartal aller Zeiten”, bilanzierte Konzernchef Frank Appel am Mittwoch. Nach einem Gewinn- und Umsatzsprung von Januar bis März schraubte der Konzern seine Prognose für 2021 in die Höhe. Auch die Mittelfrist-Ziele hob Appel an.

“Der anhaltende Boom im E-Commerce treibt die Sendungsmengen im nationalen und internationalen Paketgeschäft”, sagte Finanzchefin Melanie Kreis. Im globalen Frachtgeschäft habe die Post zudem von der Erholung des Welthandels profitiert. Für 2021 erwartet der Konzern nun einen operativen Gewinn (Ebit) von mehr als 6,7 Milliarden Euro – zuvor hatte er deutlich über 5,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Für 2023 rechnen die Bonner dann mit einem Ebit von mehr als sieben Milliarden Euro, nachdem zuvor mehr als sechs Milliarden Euro prognostiziert worden waren. “Die Pandemie hat die Entwicklung im E-Commerce um ein paar Jahre beschleunigt”, sagte Kreis.

PAKETFLUT WIE ZU WEIHNACHTEN

Der anhaltende Paket-Boom in der Corona-Krise hielt die Deutsche Post zu Jahresbeginn auf Rekordkurs. Allein im deutschen Paketgeschäft lieferte der Konzern 489 Millionen Pakete aus – das entspreche den Mengen im vierten Quartal 2020 mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft. Der operative Gewinn (Ebit) kletterte im Konzern von Januar bis März auf 1,9 Milliarden Euro – nach 592 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Unter dem Strich nach Minderheiten vervierfachte die Post den Gewinn auf rund 1,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 301 Millionen Euro). Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 18,86 Milliarden Euro.

Aber nicht nur die Post profitiert vom Paket-Boom. Konkurrent UPS konnte im ersten Quartal seinen Umsatz sogar um 27 Prozent auf rund 22,9 Milliarden Dollar steigern. Das operative Ergebnis des US-Konzerns war im Vergleich zum Vorjahresquartal um 158 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar in die Höhe geschossen. Auch der US-Rivale FedEx hatte zuletzt Zugewinne verbucht.

Der Lockdown in der Corona-Krise hatte dem Online-Handel einen entscheidenden Schub gegeben. Immer mehr Verbraucher ordern ihre Waren im Internet, die Logistik-Konzerne liefern diese aus. Sie rechnen damit, dass der Trend auch nach der Pandemie anhält. Aber auch der Welthandel zieht aktuell wieder an. Das spielt den Logistikern weltweit in die Karten.

 

US-Finanzministerin – Womöglich moderate Erhöhung der Zinsen nötig

“Es könnte sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um sicher zu stellen, dass unsere Wirtschaft nicht überhitzt”, sagte Yellen in aufgezeichneten Bemerkungen zu einer Online-Veranstaltung des Magazins “The Atlantic” am Dienstag. Dabei sprach sie von “sehr moderaten Erhöhungen” der Zinsen. Die US-Wirtschaft benötige jedoch die Investitionen, um wettbewerbsfähig und produktiv zu sein. “Ich denke, unsere Wirtschaft wird durch sie schneller wachsen,” ergänzte sie.

Später sagte Yellen auf einer Veranstaltung vom “Wall Street Journal”, sie gehe nicht davon aus, dass die Inflation ein Problem für die US-Wirtschaft darstellen werde. Die Preiserhöhungen während der Konjunkturerholung seien nämlich nur vorübergehend. Mit Blick auf ihre früheren Äußerungen zu möglichen leichten Zinserhöhungen erklärte sie: “Das ist nichts, das ich erwarte oder empfehle”.

Biden will der US-Wirtschaft mit einem mehr als zwei Billionen Dollar schweren Infrastrukturprogramm aus der Corona-Krise helfen. Damit sollen vor allem Jobs für Arbeiter und die Mittelschicht geschaffen werden. Darüber hinaus plant Biden eine Stärkung amerikanischer Familien und mehr Ausgaben für Bildung. Die Programme würden einen “großen Unterschied” machen, was die Ungleichheit in den USA angehe, sagte die frühere Fed-Chefin Yellen. Die Republikaner haben dagegen die anvisierten Steuererhöhungen kritisiert, mit den Biden die Vorhaben finanzieren will. Yellen stand vor Notenbankchef Jerome Powell von 2014 bis 2018 an der Spitze der Federal Reserve.

 

Insolventer Modekette Adler droht das Geld auszugehen

Adler Modemärkte brauche zehn Millionen Euro, nachdem die meisten der 140 Filialen in Deutschland wegen des Corona-Lockdowns noch geschlossen seien, sagte Vorstandschef Thomas Freude am Dienstag in Haibach bei Aschaffenburg. Doch werde man in den Gesprächen mit dem Bundeswirtschafts- und dem Bundesfinanzministerium über einen Staatskredit immer wieder vertröstet. “Wir haben das Gefühl, dass wir da gegen Gummiwände laufen”, sagte Freude. Damit seien 3200 Arbeitsplätze bei Adler Mode gefährdet. “Es ist nicht so, dass wir nächste Woche schließen müssten”, sagte der Vorstandschef. Aber das Geschäft drohe zu “zerbröseln”.

Die Verhandlungen mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zögen sich seit Wochen hin. “Kein Unternehmen in unserer Situation kann einen sechsmonatigen Lockdown ohne staatliche Unterstützung überstehen”, sagte Anwalt Christian Gerloff, der Adler als Sanierer zur Seite steht. Adler seien in der Corona-Krise 280 Millionen Euro Umsatz durch die Lappen gegangen. Der Massekredit über 20 Millionen Euro, der die Fortführung sichern sollte, reiche wegen der Bundesnotbremse nicht mehr aus. Auf die “Überbrückungshilfe III” haben Unternehmen in der Insolvenz aber keinen Anspruch. Damit entgingen Adler neun Millionen Euro. Freude sprach von einem “Zuständigkeitsgewirr”.

Das auf Mode für Über-50-Jährige spezialisierte Unternehmen hatte im Januar mitten im Lockdown Insolvenz angemeldet und will sich in Eigenverwaltung sanieren. Das Problem: Der Großaktionär ist selbst insolvent und kann nicht helfen. “Es geht darum, die Brücke über den Lockdown zu bauen, das sind nur noch wenige Meter”, sagte Gerloff. Adler hofft, bis Ende Mai einen Investor gefunden zu haben, der die Kette übernimmt. Man sei mit mehreren Investoren in fortgeschrittenen Gesprächen, sagte der Sanierer.

 

US-Handelsdefizit steigt auf Rekordhoch

(Korrigiert letzten Satz im ersten Absatz: die Exporte legten um 6,6 Prozent zu, nicht die Importe)

Die Importe übertrafen die Exporte um 74,4 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium am Dienstag in Washington mitteilte. Das sind 5,6 Prozent mehr als im Vormonat. Die Importe wuchsen um 6,3 Prozent auf mehr als 274 Milliarden Dollar, während sich die Exporte um 6,6 Prozent auf gut 200 Milliarden Dollar erhöhten.

Ökonomen gehen davon aus, dass das Handelsdefizit in den kommenden Monaten weitere Rekordhöhen erreichen könnte. Grund dafür ist, dass die US-Binnenkonjunktur auch wegen des schnellen Impffortschrittes brummt und dadurch verstärkt importiert wird. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagte der weltgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von mehr als sechs Prozent voraus. Dazu soll auch billionschwere Konjunkturpaket von Präsident Joe Biden beitragen.

 

Europas Börsen auf Talfahrt – “Die Luft ist raus”

Der Dax sackte bis zum Nachmittag um 1,4 Prozent ab und rutschte zeitweise knapp unter die Marke von 15.000 Punkten. Der EuroStoxx50 fiel um ein Prozent auf 3960 Zähler. Auch die Kurse an der Wall Street gaben vorbörslich nach.

Trotz starker Firmenbilanzen geht es an den Aktienmärkten seit einigen Tagen nicht weiter voran, was einige Börsianer mittlerweile als Warnsignal werten. “Die Luft ist raus. Das deutet darauf hin, dass eine Konsolidierung unmittelbar bevorsteht”, sagte ein Händler. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund elf Prozent gewonnen.

Ein Renditesprung an den Anleihemärkten zu Wochenbeginn drückte zudem nachhaltig auf die Stimmung der Anleger und schürte frische Inflationssorgen. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundestitel gab indes auf minus 0,216 Prozent nach, nachdem sie am Montag bei minus 0,16 Prozent ein 14-Monats-Hoch markiert hatte. Genährt werden die Inflationsspekulationen von der Aussicht auf ein beschleunigtes Weltwirtschaftswachstum. Die Lockerung der Pandemie-Restriktionen in den USA und Großbritannien nehme Fahrt auf, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Europa holt bei den Massen-Impfungen rasch auf und wird im Sommer ein ähnliches Niveau erreichen.” Dies schüre die Hoffnung auf eine Normalisierung des Lebens. Die explodierenden Corona-Fallzahlen in Indien zeigten allerdings, dass die Erholung ungleichmäßig verlaufe.

Am Rohölmarkt spielten der mögliche Nachfrage-Rückgang beim wichtigen Abnehmer Indien nur eine untergeordnete Rolle. Investoren setzten auf eine anziehende Reise-Tätigkeit in den westlichen Industrienationen, sagte Analyst Ash Glover vom Brokerhaus CMC. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 68,42 Dollar je Barrel (159 Liter). Im Windschatten gewann der europäische Aktienindex für die Öl- und Gasbranche 1,2 Prozent.

GUT, ABER NICHT GUT GENUG

Ein Minus von 1,6 Prozent wies hingegen der europäische Tech-Sektor auf, der Auto-Index gab rund ein Prozent ab. Vor allem die Automobilbranche hat angesichts von Produktions- und Lieferengpässen in der Halbleiterindustrie momentan Probleme. Die Aktien von Infineon fielen um 4,4 Prozent, obwohl der Chip-Hersteller im Quartal besser abschnitt als gedacht und seine Jahresziele anhob. Allerdings gehen dem Halbleiter-Konzern durch den Chip-Mangel Erlöse durch die Lappen – ein Zustand, der laut Infineon noch bis 2022 andauern könnte.

Auch bei Teamviewer und Hellofresh machten Anleger trotz starker Wachstumszahlen Kasse. Die Papiere der Softwarefirma und des Kochbox-Versenders fielen um bis zu acht Prozent. Es sei unklar, wie sich das Konsumverhalten nach Überwindung der Pandemie entwickeln werde, gaben die Experten der Bank JPMorgan zu bedenken. Elektronik-, Software- und Internet-Werte hatten von den Beschränkungen des öffentlichen Lebens in den vergangenen Monaten profitiert.

Auf dieser Erfolgswelle sieht sich der Wohnmobil-Anbieter Trigano noch länger reiten. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres steigerte das Unternehmen seinen Gewinn den Angaben zufolge um 74 Prozent auf 114,4 Millionen Euro. Die Titel legten daraufhin in Paris um fast zwölf Prozent zu, so stark wie zuletzt vor einem halben Jahr.

 

Steuergesetz soll Banken in Italien Fusionen erleichtern

Es sei geplant, Steuervorteile bei Zusammenschlüssen von Instituten und beim Abbau von risikobehafteten Krediten bis Mitte 2022 zu verlängern, heißt es in einer Gesetzesvorlage, die der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Die Steuervorteile waren im Dezember ausgelaufen. Damit könnte es für Unicredit leichter werden, die krisengeschüttelte Rivalin Monte dei Paschi zu übernehmen. Die Gespräche darüber waren zuletzt wegen des Chefwechsels bei Unicredit ins Stocken geraten.

Eine Übernahme von Monte Paschi durch Unicredit ist der von der italienischen Regierung favorisierte Weg, um bei Monte Paschi auszusteigen. Sie hatte das Institut mit Milliarden gestützt, weil es unter einer Last fauler Kredite beinahe zusammengebrochen war. Ex-Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier hatte sich gegen eine Übernahme gestemmt, sein Nachfolger Andrea Orcel ist nach Darstellung von Insidern offen dafür.

Das neue Steuergesetz würde Unicredit einen Vorteil von 3,4 Milliarden Euro bringen, wenn es mit der Monte-Paschi-Übernahme klappe, rechnete Analyst Andrea Lisi vom Broker Equita vor. Sollte es zu einem Zusammenschluss von Unicredit und Banco BPM kommen, wäre die Ersparnis noch höher.

Dank der Steuererleichterungen konnten die Banken in Italien alleine im vergangenen Jahr 33 Milliarden Euro an faulen Krediten loswerden, wie eine Untersuchung der italienischen Notenbank zeigt. Einem Insider zufolge will die Regierung die Gesetzesvorlage am Freitag erörtern.

 

Corona-Impfstoff lässt bei Pfizer die Kassen klingeln

Der US-Pharmakonzern hob sein Jahres-Umsatzziel für das zusammen mit dem Mainzer Biotechunternehmen BioNTech entwickelte Covid-19-Vakzin auf 26 Milliarden Dollar an von zuvor 15 Milliarden, wie der US-Pharma-Konzern am Dienstag mitteilte. Dabei geht das Management davon aus, dass in diesem Jahr 1,6 Milliarden Impfdosen ausgegeben werden. Insgesamt soll der Konzernumsatz 2021 auf 70,5 bis 72,5 Milliarden Dollar in die Höhe schnellen. Anfang des Jahres hatte Pfizer noch erwartet, bis zu 61,4 Milliarden Umsatz zu erreichen – was auch schon ein Zuwachs von 47 Prozent gewesen wäre. Bei den Anlegern kamen die positiven Aussichten gut an: Die Aktien legten vorbörslich um 1,5 Prozent zu.

UMSATZ- UND GEWINNSPRUNG IM ERSTEN QUARTAL

Im ersten Quartal 2021 stiegen die Erlöse und das Nettoergebnis im Konzern um 45 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar beziehungsweise 4,9 Milliarden. Allein mit dem COVID-Vakzin verbuchte Pfizer einen Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen von 3,28 Milliarden.

Pfizer-Chef Albert Bourla rechnet mit anhaltenden Einnahmen aus dem Vakzin. “Basierend auf dem, was wir derzeit beobachten, glauben wir, dass die Nachfrage nach dem COVID-19-Impfstoff dauerhaft sein wird wie bei den Grippeimpfstoffen”, sagte er.

Das Vakzin, das für volle Wirksamkeit zwei Mal verimpft werden muss, hat in Studien eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent erreicht. Das wäre mit den Impfstoffen von Moderna vergleichbar und höher als die von AstraZeneca und Johnson & Johnson.

Moderna hat für 2021 einen Umsatz von 18,4 Milliarden Dollar mit seinem COVID-19-Impfstoff prognostiziert.

Pfizer hatte im Frühjahr 2020 eine Partnerschaft mit BioNTech über die Entwicklung und Vermarktung des Covid-19-Impfstoff des deutschen Unternehmens außerhalb Chinas vereinbart. Ein Glücksgriff für Pfizer: Es wurde das weltweit erste erfolgreich zugelassene Vakzin gegen Covid-19 mit Notfallgenehmigungen in Großbritannien Anfang Dezember, gefolgt von den USA und der EU noch vor Weihnachten. Kosten und Bruttogewinn aus dem Impfstoff werden zwischen Pfizer und BioNTech zu 50 Prozent aufgeteilt.

 

CO2-Preis überspringt erstmals die Marke von 50 Euro

Die von der EU ausgegebenen Zertifikate übersprangen am Dienstag erstmals die Marke von 50 Euro und stiegen zeitweise um 1,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 50,05 Euro je Tonne ausgestoßenes CO2. Der Preis für die Rechte hat sich damit innerhalb eines Jahres etwa verdreifacht. Er spiegelt damit die Erwartung wider, dass die Gemeinschaft ihre Ziele auch umsetzen will und dazu die Ausgabe der Rechte weiter verkürzt. Diese erwartete Knappheit erzeugt Preisdruck. Den spüren vor allem Betreiber von Kohlekraftwerken, die besonders viele der Zertifikate für die Produktion benötigen.

Das CO2-Handelssystem ist das zentrale Klimaschutz-Instrument der EU. Wer in den Sektoren Energie, Industrie und Flugverkehr klimafreundlich unterwegs ist, braucht weniger Rechte und kann überschüssige an der Börse verkaufen. Im umgekehrten Fall und bei Ausweitung der Produktion muss zugekauft werden. Über die Jahre wird für den Klimaschutz die Zahl der ausgegebenen Rechte immer weiter reduziert.

PREISE STIEGEN TROTZ CORONA

Lange galt der Handel als ineffizient, die Preise dümpelten bis 2018 meist deutlich unter zehn Euro dahin. Mit einer Reform des Handelssystems sowie ehrgeizigeren Klimazielen änderte sich das jedoch: Auch in der Corona-Krise – in der wegen des Wirtschaftseinbruchs eigentlich weniger Rechte benötigt wurden – gaben die Preise nur kurz nach und stiegen besonders 2021 rasant.

“Es gibt einen ganzen Korb preistreibender Faktoren”, sagte Analystin Ingvild Sorhus vom Datenanbieter Refinitiv. Da sei neben den Klimazielen der EU nun auch das wachsende Interesse spekulativ orientierter Investoren. Außerdem bremsten die geringen europäischen Erdgas-Reserven die Umstellung von Kohle-Kraftwerken auf Gas-Verfeuerung, die weniger klimaschädliches CO2 produziert. Dem Branchendienst Gas Infrastructure Europe zufolge sind die heimischen Lagertanks derzeit nur zu 30 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr habe die Quote noch bei 64 Prozent gelegen.

Vor zwei Wochen hatte sich die Europäische Union ehrgeizigere Klimaziele gesetzt. So soll der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 55 statt 40 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Deutschland muss auch deswegen nachbessern, weil das Bundesverfassungsgericht das bisherige Klimagesetz als unzureichend gerügt hatte.

Hohe CO2-Preise setzen besonders Betreiber von Kohlekraftwerken unter Druck. In Deutschland macht sich dies auch daran bemerkbar, dass Unternehmen immer mehr Kohlekraftwerke gegen eine Entschädigung vorzeitig abschalten wollen. Es wird daher damit gerechnet, dass der letzte Meiler deutlich schneller vom Netz geht, als bis zum gesetzlich festgelegten Termin spätestens im Jahr 2038.

Das Handelssystem hat inzwischen weltweit Nachahmer gefunden. Klimaschützer fordern eine internationale Vernetzung der Systeme, um den Kampf gegen die Erderwärmung so besser steuern zu können.