Marke VW bekommt Chipkrise zu spüren – Ausblick bleibt vorsichtig

Die nach Absatz größte Marke der Wolfsburger Autogruppe behält ihre vorsichtige Prognose einer operativen Rendite zwischen drei und vier Prozent deshalb bei. VW begründete dies am Freitag bei der Präsentation der Zahlen für das erste Quartal mit fehlenden Computerchips und Elektronikbauteilen. Dies hatte schon in den vergangenen Wochen zu Produktionsausfällen geführt. “Die Auswirkungen werden wir vermehrt im zweiten Quartal sehen”, sagte ein Sprecher. Der Konzern hingegen hatte seine Prognose leicht angehoben und stellt nun bis zu sieben Prozent Marge in Aussicht.

Die Marke mit dem VW-Logo, die für ein Drittel des Konzernabsatzes steht, benötigt besonders viele Chips. Angaben über die Höhe der erwarteten Belastungen macht VW nicht. Konzernchef Herbert Diess hatte an Vortag gesagt, das Management sei mit Halbleiterkonzernen wie Infineon und Intel in Kontakt, um für die kommenden Jahre mehr Kapazitäten zu bekommen. Dafür seien Investitionen erforderlich, man arbeite an einem Plan. Bis die Versorgungsprobleme behoben seien, werde aber noch einige Zeit vergehen.

In der Branche gehen viele davon aus, dass die Lieferung von Bauteilen erst im nächsten Jahr wieder reibungslos läuft. Volkswagen hat trotz des weltweiten Chipmangels inmitten der Pandemie eines der besten ersten Quartale seiner Geschichte eingefahren. Der Gewinn stieg vor allem, weil die Ertragsstützen Porsche und Audi und die Luxusmarken Bentley, Lamborghini und Bugatti ihre Auslieferungen teils deutlich steigerten.

 

Kaplan (Fed) dringt auf Debatte über Abschmelzen der Bondkäufe “eher früher als später”

Er wolle, dass diese Diskussion “eher früher als später” geführt werde, sagte der Chef des Fed-Bezirks Dallas am Donnerstag. Wenn die Fed mit der Verringerung ihrer Anleihenkäufe beginne, werde die Wirtschaft “weit gesünder” sein. Sie habe sich bereits schneller erholt als erwartet. Zugleich gebe es Sorgen, dass die Anleihenkäufe für “Exzesse und Ungleichgewichte” an den Finanzmärkten sorgen könnten. Dies gelte auch für den Immobilienmarkt.

Kaplan hatte bereits vorigen Monat vor Kursübertreibungen an den Börsen gewarnt und eine Debatte über ein Abschmelzen der Käufe angemahnt. Die nächste Zinssitzung steht Mitte Juni an, bei der auch neue Projektionen zur Wirtschaftsentwicklung und ein aktualisierter Zinsausblick anstehen.

Die Währungshüter um Notenbankchef Jerome Powell erwerben monatlich Wertpapiere im Volumen von 120 Milliarden Dollar, um die Wirtschaft auf dem Weg aus der Corona-Krise anzuheizen. Diese erholt sich Powell zufolge zwar, ist jedoch “noch nicht über den Berg”. Er will die Käufe in bisherigem Umfang noch so lange fortführen, bis substanzielle weitere Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht sind. Bislang steht aus Sicht der Fed ein Abschmelzen der Käufe jedoch noch nicht an.

 

HVB-Mutter UniCredit kehrt in schwarze Zahlen zurück – Neuer Chef warnt

Sie verdiente unter dem Strich von Januar bis März 887 Millionen Euro nach einem Verlust von 2,7 Milliarden im Vorjahreszeitraum, wie die HypoVereinsbank-Mutter am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten nur mit einem halb so hohen Gewinn gerechnet. Die Aktien kletterten um vier Prozent.

Der neue UniCredit-Chef Andrea Orcel schwor die Mitarbeiter aber auf anhaltend schwierige Zeiten ein. “Es wird eine Weile dauern, bis wir unser Geschäft wiederbelebt und gestärkt haben”, sagte er. Das Institut habe lange einen zurückhaltenden Kurs gefahren. “Wir werden Kundenorientierung wieder mehr in den Fokus rücken, bei allem was wir tun.” Für 2021 rechnet die Bank mit einer niedrigeren Risikovorsorge als im Vorjahr. Der Gewinn werde im Rahmen der in Aussicht gestellten mehr als drei Milliarden Euro liegen.

Orcels Vorgänger Jean Pierre Mustier räumte in den vergangenen Jahren die Bilanz auf, baute Risiken ab und stärkte das Eigenkapital. Kritiker werfen ihm vor, sich zu wenig um neue Ertragsquellen gekümmert zu haben. Zudem lehnte er Fusionen ab, unter anderem mit der staatseigenen Monte dei Paschi. Ende 2020 kündigte er seinen Rücktritt an und übergab im April an den ehemaligen UBS-Investmentbanker Orcel.

Wie andere Institut kämpft UniCredit mit den niedrigen Zinsen im Euro-Raum. Die Zinserträge gingen im ersten Quartal um knapp 13 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zurück. Die Provisionseinnahmen legten dagegen um vier Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zu. Für faule Kredite legte UniCredit 167 Millionen Euro zur Seite, 87 Prozent weniger als vor einem Jahr und deutlich weniger als von Analysten erwartet. Der operative Gewinn der deutschen Tochter HVB fiel um zehn Prozent auf 177 Millionen Euro.

Die meisten Banken profitierten im ersten Quartal von einer niedrigeren Risikovorsorge, weil sich die wirtschaflichen Aussichten verbessert haben und die Folgen der Corona-Krise nicht so schlimm waren wie befürchtet. Allerdings warnen Experten für dieses Jahr vor steigenden Insolvenzen.

 

Materialmangel bremst auch deutsche Bauwirtschaft

“Die mangelnde Verfügbarkeit von vielen Baustoffen behindert den Baustellenbetrieb und damit die Gewerke in ihrer Arbeit”, erklärte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Marcus Nachbauer, am Donnerstag. Das Problem umfasse etliche Materialien: Demnach fehlen Rohre für Fundamente, Kunststoffe und Kupfer für Kabel, Folien, Dämmstoffe und Holz für den Dachstuhl. Auch bei Tragwerkskonstruktionen im Stahlbau gebe es Engpässe. “Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Materialversorgung in den nächsten Wochen leider nicht normalisieren wird”, warnte Nachbauer. Dies werde den Betrieb der Baustellen bremsen und Firmen zu mehr Kurzarbeit zwingen.

Für den öffentlichen Bau schlägt der Verband die Berücksichtigung sogenannter Stoffpreisgleitklauseln bei neuen Aufträgen vor. “Weitere Preissteigerungen, aber auch -senkungen besonders betroffener Baustoffe können über eine derartige Regelung für beide Vertragspartner angemessen ausgeglichen werden”, sagte Nachbauer. Zudem sollten die öffentlichen Auftraggeber auf Sanktionen bei Verzögerungen aufgrund von Lieferengpässen verzichten. Die 370.000 Unternehmen des Bau- und Ausbauhandwerks würden alles versuchen, um den Baustellenbetrieb aufrechtzuerhalten. “In einem gemeinsamen Gespräch mit der Bundesregierung, den Baustoffherstellern, und dem Fachhandel könnten wir die aktuelle Lage wie auch mögliche Lösungswege gemeinsam diskutieren und vereinbaren.”

 

Chip-Knappheit kommt Volkswagen in die Quere

– von Jan Schwartz

Europas größter Autobauer erzielte im Auftaktquartal operativ zwar einen der höchsten Gewinne in seiner Geschichte, rechnet für die laufenden Monate aber mit erheblich mehr Gegenwind. Die Unterversorgung mit Halbleitern in der gesamten Industrie werde im zweiten Quartal “deutlichere Auswirkungen haben als bisher” und den Gewinn belasten, sagte Finanzvorstand Arno Antlitz am Donnerstag bei der Präsentation der Zwischenbilanz. Die Produktion von E-Autos sei von dem Mangel bisher weitgehend unbeeinflusst, ergänzte Konzernchef Herbert Diess bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Er könne aber nicht ausschließen, dass es dort ebenfalls zu Engpässen komme.

Wegen fehlender Chips und anderen elektronischen Teilen hatte Volkswagen in den vergangenen Wochen wiederholt die Produktion drosseln und Kurzarbeit anmelden müssen. Weltweit haben die Autobauer damit zu kämpfen, weil die Lieferanten seit Ausbruch der Corona-Krise vorrangig Computerhersteller und Anbieter von Unterhaltungselektronik bedienen. Als sich die Pkw-Nachfrage Ende 2020 schneller als erwartet erholte und die Autoindustrie dringend Chips benötigte, waren die Kapazitäten bereits vergeben. Auch der Autozulieferer Continental, von dem Volkswagen viele Teile bezieht, rechnet erst für das zweite Halbjahr mit einem Nachlassen der Lieferengpässe: “Wir sehen, dass das zweite Quartal wahrscheinlich der Höhepunkt der Knappheit ist und es dann besser werden wird”, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer.

Diess erklärte den akuten Mangel damit, dass während des Wintersturms in den USA mehrere Halbleiterfabriken ausfielen und ein Brand beim japanischen Hersteller Renesas die Lage verschärfte. Volkswagen führe mit Lieferanten Gespräche, um die Versorgung abzusichern. Außerdem sei der Konzern mit großen Halbleiterkonzernen wie Infineon und Intel in Kontakt, um für die kommenden Jahre mehr Kapazitäten zu bekommen. Dafür seien Investitionen erforderlich, man arbeite an einem Plan. Bis die Versorgungsprobleme behoben seien, werde noch einige Zeit vergehen. In der Branche gehen viele davon aus, dass die Lieferung von Computerbauteilen erst im nächsten Jahr wieder reibungslos läuft.

EINEN TICK OPTIMISTISCHER

Der Wolfsburger Autoriese schöpft wegen der gestiegenen Pkw-Nachfrage denn auch nur vorsichtig Hoffnung. Obwohl sich das operative Ergebnis im ersten Quartal auf 4,8 Milliarden Euro verfünffachte und die Orderbücher voll sind, traut sich Volkswagen nur eine kleine Anhebung des Ausblicks zu. Statt einer operativen Rendite am oberen Ende der Spanne zwischen fünf und 6,5 Prozent werden nun bis zu sieben Prozent in Aussicht gestellt. Im Zeitraum Januar bis März lag die Gewinnmarge des Konzerns mit 7,7 Prozent oberhalb dieses Korridors, nach mageren 1,6 Prozent vor einem Jahr.

Diess gab sich zuversichtlich: “Wir sind mit viel Momentum ins Jahr gestartet und operativ stark unterwegs”, erklärte er. Die Offensive bei E-Autos nehme weiter Fahrt auf und bei der Transformation komme Volkswagen gut voran. “Im weiteren Jahresverlauf ist noch viel von uns zu erwarten.” An der Börse konnte er damit nur zeitweise punkten. Nach anfänglichen Kursgewinnen drehte die VW-Aktie ins Minus.

LUXUSAUTOS GEFRAGT

Zu dem starken Jahresstart trug vor allem die rasante Erholung in China bei, wo die Auslieferungen nach dem Stillstand zu Beginn des vergangenen Jahres um 61 Prozent kletterten. Weltweit schlug Volkswagen im ersten Quartal mit 2,4 Millionen Fahrzeugen ein Fünftel mehr Fahrzeuge los als vor Jahresfrist. Vor allem die Ertragsstützen Porsche und Audi und die Luxusmarken Bentley, Lamborghini und Bugatti steigerten ihre Auslieferungen teils deutlich. Das robuste Geschäft ließ auch den Mittelzufluss anschwellen. Der Netto-Cash-Flow im Autogeschäft übertraf mit 4,7 Milliarden Euro das erste Quartal des Vorkrisenjahres 2019 um mehr als das Doppelte. Die Liquidität verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Drittel auf rund 29,7 Milliarden Euro.

Damit dürften die ehrgeizigen Investitionspläne für den Umbau zu einem Mobilitäts- und Technologieunternehmen, das neben Elektroautos auch selbstfahrende Fahrzeuge und damit verbundene Dienste anbietet, fürs Erste gesichert sein. Diess sagte, er sei sicher, dass Volkswagen die Transformation aus dem Cash-Flow bestreiten könne. Der Frage nach einem möglichen Börsengang der Ertragsperle Porsche, die im ersten Quartal mit einer Rendite von 16,7 Prozent glänzte, wich er aus. Diess hat mehrfach erklärt, dass der diesbezüglich keinen akuten Handlungsbedarf sieht.

 

Börsen erholen sich vom “Yellen-Schreck”

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Mittwoch um jeweils etwa zwei Prozent auf 15.170,78 beziehungsweise 3998,98 Punkte, nachdem sie am Dienstag als Reaktion auf Aussagen von US-Finanzministerin Janet Yellen zu möglichen Zinserhöhungen jeweils rund zwei Prozent abgerutscht waren. An der Wall Street ging der breit gefasste S&P 500-Index ebenfalls auf Erholungskurs und gewann 0,4 Prozent.

“Einige ihrer Aussagen wurden von Anlegern offenbar fälschlicherweise als Aufforderung an die Fed zu Zinserhöhungen interpretiert”, sagte James Athey, Manager beim Vermögensverwalter Aberdeen Standard. Die Kursreaktionen zeigten, wie nervös Investoren seien. “Es könnte sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um sicher zu stellen, dass unsere Wirtschaft nicht überhitzt”, hatte Yellen unter anderem gesagt. Später betonte sie, dass dies weder etwas sei, das sie erwarte oder empfehle.

Ein Straffung der US-Geldpolitik sei ohnehin auf absehbare Zeit nicht in Sicht, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Schließlich werde die Notenbank Fed nicht müde zu betonen, dass ihr Ziel Vollbeschäftigung sei, komme was wolle.

ÖLPREIS ZIEHT AN – KUPFER AUF REKORDHOCH

Genährt wurden die Inflationsspekulationen von den steigenden Rohstoffpreisen. So verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um gut ein Prozent auf 69,61 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Lockerung der Pandemie-Restriktionen in den westlichen Industrienationen würden die Nachfrage in der Sommer-Reisesaison voraussichtlich in die Höhe treiben, prognostizierte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates. Ein landesweiter Lockdown in Indien, wo das Coronavirus derzeit besonders heftig wütet, könnte die Stimmung aber schnell wieder eintrüben, warnten seine Kollegen von der ING Bank. Der Index für die europäischen Öl- und Gaswerte stieg dennoch um 3,2 Prozent.

Unterdessen stieg der Preis für eine Tonne Kupfer um bis zu 0,7 Prozent auf ein Zehn-Jahres-Hoch von 10.040 Dollar je Tonne. Gleiches galt für den Index des europäischen Bergbau-Sektors, der zeitweise 618,60 Punkte erreichte. Das Industriemetall profitierte Börsianern zufolge von der Aussicht auf eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft von den Coronavirus-Folgen. Hinzu komme der Trend zur Elektromobilität und zum klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft, der den Bedarf von Stromleitungen in die Höhe treibe. Gleichzeitig sei das Angebot knapp.

DEUTSCHE POST, MOELLER-MAERSK UND T-MOBILE US IM AUFWIND

Das “stärkste Auftaktquartal aller Zeiten” und angehobene Gesamtjahresziele hievten die Papiere der Deutschen Post auf ein Rekordhoch von 51,30 Euro. Der Logistik-Konzern sei für 2021 optimistischer als er, schrieb DZ Bank-Analyst Dirk Schlamp. “Die Tatsache, dass die Post auch die Mittelfristziele angehoben hat, unterstreicht, dass das Unternehmen auch für die Post-Covid-Zeit zuversichtlich gestimmt ist.” Die “Aktie Geld” schloss 4,6 Prozent im Plus bei 50,88 Euro.

Auch Moeller-Maersk blickt optimistisch in die Zukunft. Das Quartalsergebnis der Containerschiff-Reederei liege im Rahmen der Markterwartungen, kommentierte Analyst David Kerstens von der Investmentbank Jefferies. Die neuen Gesamtjahresziele lägen aber deutlich darüber. Darüber hinaus kündigte das Unternehmen weitere fünf Milliarden Dollar schwere Aktienrückkäufe an. Die Aktie stieg daraufhin in Kopenhagen um sieben Prozent.

Nach einem Umsatz- und Gewinnsprung hob auch T-Mobile die Gewinnziele an. Dank des stetigen Kundenzustroms und Einsparungen durch die Fusion mit dem Rivalen Sprint rechne er mit steigenden Mittelzuflüssen bei der US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, prognostizierte Analyst Colby Synesael vom Vermögensverwalter Cowen. Außerdem stehe 2023 ein Aktienrückkauf auf der Agenda. T-Mobile-Titel rückten vier Prozent vor.

 

Corona-Pandemie belastet Hannover Rück 2021 kaum noch

In diesem Jahr sei nur noch mit “überschaubaren Schäden” zu rechnen, sagte Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz am Mittwoch in Hannover. Im ersten Quartal 2021 schlug eine höhere Sterblichkeit – vor allem in den USA – mit 151 Millionen Euro zu Buche. Seit März gehe die Übersterblichkeit durch die Infektion aber deutlich zurück, sagte Finanzvorstand Clemens Jungsthöfel. Dadurch dürften vom zweiten Quartal an auch die Schäden schrumpfen. In der Schaden-Rückversicherung, in der Hannover Rück etwa für den Ausfall von Großveranstaltungen einstehen musste, sei Corona schon im ersten Quartal kein Thema mehr gewesen.

Zugleich steigen die Preise weiter. Bei den Neuverhandlungen der Verträge zum 1. April – vor allem in Japan – habe Hannover Rück im Schnitt Preiserhöhungen von 5,0 Prozent durchgesetzt, das Prämienvolumen stieg um 7,4 Prozent. Finanzchef Jungsthöfel geht nun für das Gesamtjahr von einem währungsbereinigten Anstieg der Bruttobeiträge um bis zu neun Prozent aus; bisher war von rund fünf Prozent die Rede. Im ersten Quartal stiegen die Beiträge währungsbereinigt um 17 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Der Nettogewinn kam nur um zwei Prozent auf 306 Millionen Euro voran.

“Das erste Quartal bildet eine solide Basis für die Ziele”, sagte Vorstandschef Henchoz. Die Hannover Rück geht weiter von einem Nettogewinn von 1,15 bis 1,25 Milliarden Euro aus, viele Analysten trauen ihr schon 1,3 Milliarden zu. Im vergangenen Jahr war der Gewinn um fast ein Drittel auf 883 Millionen Euro eingebrochen.

Die Großschäden gingen im ersten Quartal deutlich zurück, am stärksten schlug der Wintereinbruch im US-Bundesstaat Texas zu Buche, der viel Infrastruktur zerstörte und Hannover Rück mit 75 Millionen Euro belastete. Ein Großschaden von mehr als zehn Millionen Euro könnte auch der Einsturz einer Stadtbahn-Brücke in Mexiko-Stadt werden, wie Jungsthöfel sagte. Das Bauwerk, das mindestens 24 Menschen mit in den Tod riss, ist versichert, für genauere Schätzungen sei es zu früh. Die tagelange Blockade des Suez-Kanals durch die havarierte “Ever Given” werde für Hannover Rück dagegen aller Voraussicht nach kein Großschaden. Ohnehin sei fraglich, ob Transportversicherer dafür einstehen müssten. Es komme darauf an, ob der Schiffs-Stau und dessen Folgen für die Lieferketten als Transportschaden einzustufen seien, sagte der Hannover-Rück-Finanzchef.

 

Boss schafft Rückkehr in die Gewinnzone – Aktie im Aufwind

Gleichwohl blieb der Vorstand einen präzisen Ausblick auf das Jahr 2021 wegen der Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie schuldig. Vorstandssprecher Yves Müller erklärte am Mittwoch aber, er erwarte mit den Lockerungen der Corona-Regeln eine schrittweise Erholung. Im zweiten Quartal rechne er erneut mit einem operativen Gewinn (Ebit) und einer Verdoppelung der Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damals waren die meisten Läden weltweit wegen COVID-19 geschlossen.

“Aufgrund des anhaltenden Lockdowns haben die Menschen einfach Lust, wieder zu konsumieren und auch shoppen zu gehen”, sagte Müller. “Wenn die Social-Distancing-Maßnahmen aufgehoben werden, dann sehen wir den Aufholeffekt.” Erkennbar sei das bereits in Großbritannien, wo die Läden wieder söffneten. Dort sei Boss relativ zügig wieder auf Vorkrisen-Niveau zurückgekehrt.

Im ersten Quartal machten Boss allerdings noch die Filialschließungen in vielen Ländern zu schaffen. Der Konzern schrammte dank Kosteneinsparungen an einem Verlust vorbei und verbuchte operativ einen Gewinn (Ebit) von einer Million Euro nach einem Minus von 14 Millionen vor Jahresfrist. Netto reduzierte sich der Verlust um zehn Millionen Euro auf minus acht Millionen. Florierende Geschäfte in China und im Onlinehandel grenzten das Minus beim Umsatz auf zehn Prozent auf 497 Millionen Euro ein. An der Börse kamen die Nachrichten gut an: Die Aktie markierte mit einem Aufschlag von 4,5 Prozent auf 39,70 Euro ein Jahreshoch.

Boss bekommt ab 1. Juni mit dem ehemaligen Chef der Marke Tommy Hilfiger, Daniel Grieder, einen neuen Konzernlenker. Grieder ist seit mehr als 30 Jahren in der Modebranche unterwegs, wobei er den überwiegenden Teil in verschiedenen Funktionen für die Firma Tommy Hilfiger tätig war. Finanzvorstand Müller hatte nach dem Abgang von Mark Langer Ende September den Posten als Vorstandssprecher übergangsweise übernommen.

 

Studie – Corona-Krise vertreibt Zweifel von Firmen an der Digitalisierung

Inzwischen stellten nur noch zwölf Prozent der Befragten den wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung für ihr Unternehmen infrage, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage unter 500 Firmen hervorgeht. Zu Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr seien es noch 27 Prozent gewesen. Zugleich hätten zwei Drittel erklärt, dass ihnen digitale Technologien helfen, die Krise zu bewältigen.

Durch diese hat die Digitalisierung von Geschäftsprozessen an Bedeutung gewonnen. “Wenn die Unterlagen im Büro liegen, ist es schwer im Homeoffice zu arbeiten”, führte Bitkom-Präsident Achim Berg aus. Trotzdem zeige sich eine Kluft. “Die Corona-Krise treibt die Digitalisierung in jedem zweiten Unternehmen an und bremst sie gleichzeitig in den anderen Unternehmen aus.” Der Abschied vom Papier scheint allerdings Fahrt aufzunehmen. Der Studie zufolge stellt inzwischen nur noch jedes dritte Unternehmen Rechnungen überwiegend oder ausschließlich auf Papier aus. Zudem hat der Einsatz von Messengerdiensten und Kommunikationsanwendungen wie Teams und Slack stark zugenommen. Zwei Drittel nutzen nunmehr Messengerdienste – vor einem Jahr waren es nur die Hälfte der Firmen.

 

Autobauer Stellantis warnt vor weiterer Belastung durch Chipmangel

Im ersten Quartal seien dadurch rund 190.000 Autos weniger produziert worden als geplant, erklärte der weltweit viertgrößte Autobauer am Mittwoch. Das habe die Absatzerholung im Vergleich zu dem von der Corona-Krise geprägten Vorjahresquartal gebremst, sodass die Auslieferungen um elf Prozent auf 1,57 Millionen Fahrzeuge zulegten. Der Absatz von Opel/Vauxhall lag nach Daten des europäischen Autoverbandes ACEA von Januar bis März auf dem Vorjahresniveau mit gut 106.000 Fahrzeugen.

Stellantis, aus der Fusion des italienisch-amerikanischen Herstellers Fiat Chrysler mit der französischen PSA-Gruppe hervorgegangen, rechnet damit, dass der Engpass bei Halbleitern die Produktion im laufenden Quartal noch stärker beeinträchtigen werde als in den ersten drei Monaten. Erst in der zweiten Jahreshälfte rechnet der Vorstand mit einer Entspannung. “Wir erwarten eine Verbesserung im zweiten Halbjahr, aber es wäre naiv zu glauben, das wird einfach verschwinden”, erklärte Finanzchef Richard Palmer. Die Folgen wären wahrscheinlich auch im kommenden Jahr noch zu spüren.

Weltweit leidet die Autoindustrie seit Ende letzten Jahres unter einem Engpass an Computerchips. Die Chip-Hersteller hatten aufgrund der hohen Nachfrage nach Kommunikations- und Unterhaltungselektronik vorrangig diese Branche bedient, während die Autoindustrie wegen Absatzproblemen in der Corona-Krise vorübergehend die Abrufe reduziert und dann zum Teil zu spät neu bestellt hatte. Zuletzt hatte deshalb Ford die Produktion in den Werken Köln und Saarlouis heruntergefahren. Auch bei Daimler und Audi müssen die Bänder angehalten werden, weil elektronische Bauteile fehlen. Bei Stellantis sind acht von 44 Montagewerken betroffen.

Der Umsatz von Stellantis mit seinen 14 Marken stieg pro forma im ersten Quartal um 14 Prozent auf 37 Milliarden Euro. Der Konzern bekräftigte das Gewinnziel für das Gesamtjahr einer bereinigten operativen Marge von 5,5 bis 7,5 Prozent, ergänzte jedoch, es sei nur begrenzt absehbar, wie sich der Chipmangel auf das Jahresergebnis auswirken werde.