Magazin – VW erhält Milliarden-Offerte für Sportwagentochter Lamborghini

Die neu gegründete Holding Quantum Group habe zusammen mit der Investmentfirma Centricus Asset Management eine erste Offerte über 7,5 Milliarden Euro vorgelegt, berichtete das Magazin “Autocar” am Dienstag unter Berufung auf Kaufunterlagen. Sowohl VW-Chef Herbert Diess als auch Audi-Chef Markus Duesmann wüssten von der Offerte.

Ein Audi-Sprecher erklärte, Lamborghini stehe nicht zum Verkauf. “Das ist nicht Gegenstand irgendeiner Diskussion im Konzern.” Centricus war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Lamborghini gehört seit 1998 zu Audi.

Quantum wird dem Bericht zufolge von Rea Stark vertreten, der als ein enger Vertrauter von Anton Piech gilt, dem Sohn des Ex-VW-Aufsichtsrats Ferdinand Piech. Die beiden Männer haben zusammen das Elektroauto-Startup Piech Automotive gegründet, bei dem unter anderem auch der ehemalige Porsche-Chef Matthias Müller arbeitet. Es sei derzeit aber unklar, ob Piech und Müller direkt an dem Kaufangebot beteiligt seien, hieß es in dem Bericht weiter.

Piech Automotive hatte angekündigt, an einem zweisitzigen Elektro-Sportwagen zu arbeiten, der in weniger als fünf Minuten aufgeladen werden kann. Ein erstes Konzept-Auto soll Ende 2022 vorgestellt werden. Schwerpunkt der Quantum Group ist dem Magazinbericht zufolge der Kauf von Lamborghini, einschließlich der Motorsport-Aktivitäten und des Werks im italienischen Sant’Agata. Die Sportwagenschmiede solle zur “Speerspitze für Innovationen werden”.

Neben dem Kauf von Lamborghini schlägt Quantum demnach eine strategische Partnerschaft mit VW vor, die unter anderem den Austausch geistigen Eigentums sowie Entwicklung und Fertigung von Batterien beinhaltet. Geplant sei ein Entwicklungszentrum für Software und Technologien für selbstfahrende Autos, bis zu 850 neue Jobs könnten so geschaffen werden. Bis 2025 solle eine “Elektro-Lösung” für Lamborghini gefunden werden.

 

Villeroy (EZB) – Ausstiegsplan für Krisen-Anleihekäufe hat keine Eile

“Wir haben immer noch reichlich Zeit, um zu urteilen und zu entscheiden, weit nach unserer Juni-Sitzung”, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Dienstag auf einer Online-Konferenz der Danske Bank. Die nächste Zinssitzung der EZB ist für den 10. Juni geplant.

Das “PEPP” getaufte Notfall-Anleihenkaufprogramm der Euro-Notenbank ist auf 1,85 Billionen Euro angelegt und soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Rund eine Billion Euro des Kaufrahmens wurde schon genutzt. Das zu Pandemie-Beginn im März 2020 aus der Taufe gehobene Programm ist eine der wichtigsten geldpolitischen Waffen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot hatte unlängst die Möglichkeit ins Auge gefasst, dass die EZB bei einer kräftigen Konjunkturerholung ab dem dritten Quartal beginnen könne, die PEPP-Käufe abzuschmelzen. Andere Ratsmitglieder, etwa Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras, plädieren dagegen zur Vorsicht.

Villeroy bezeichnete Überlegungen, die Transaktionen schon ab dem dritten Quartal herunterzufahren, als reine Spekulation. Das Kaufvolumen werde bis mindestens März 2022 frei bestimmt werden, sagte er. Aktuell erwerben die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken im Rahmen von PEPP Staatsanleihen, Firmenanleihen und andere Titel im monatlichen Volumen von rund 80 Milliarden Euro.

Auch nach dem PEPP-Programm besitzt die EZB aus Sicht von Villeroy immer noch genügend andere Werkzeuge, um die Finanzierungsbedingungen im Euro-Raum günstig zu halten. “Diese unkonventionellen Instrumente werden nach Covid und den Krisen-Werkzeugen bleiben”, sagte er. “Das bedeutet, dass unsere Geldpolitik so konjunkturstützend bleiben kann wie nötig und dies so lange wie notwendig.” Villeroy zufolge könnte die EZB etwa das ältere Kaufprogramm APP mit mehr Flexibilität ausstatten. Dieses Programm zur Stützung der Konjunktur läuft bereits mit Unterberechung seit Anfang 2015. Es besitzt im Vergleich zum PEPP schärfere Regeln für die Kauffähigkeit von Wertpapieren oder für die Volumina der Käufe.

Die EZB könne aber nötigenfalls auch den Einlagesatz, der aktuell bei minus 0,5 Prozent liegt, noch weiter senken, sagte Villeroy. Das derzeitige Niveau sei keine Untergrenze. Auch sei vorstellbar, dass die EZB ihre längerfristigen, supergünstigen großen Kreditspritzen für Banken – in der Fachwelt TLTRO genannt – noch länger beibehalte.

 

ProSieben lehnt Fusion mit Axel Springer oder Bertelsmann/RTL ab

An einem Zusammengehen mit Axel Springer oder Bertelsmann/RTL wolle man nicht mitwirken, sagte ProSieben-Chef Rainer Beaujean der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (FAZ) laut Vorabbericht vom Dienstag. “Neben einer abnehmenden Meinungsvielfalt gäbe es zahlreiche regulatorische Hürden, die zu überwinden wären.” Der seit gut einem Jahr amtierende Konzernchef fügte hinzu: “Einen solchen defensiven Schritt wollen wir deshalb nicht verfolgen, sondern uns voll und ganz darauf konzentrieren, unser Wachstum fortzusetzen.”

Beaujean hatte bereits vor zwei Wochen betont, ProSiebenSat.1 komme mit seinem Dating-Geschäft und anderen Online-Portalen besser durch die Krise als reine Medienunternehmen. Dies galt auch als Spitze gegen den eigenen Großaktionär Mediaset, der ProSieben bei seinen Wachstumsplänen in Europa stärker einbinden will. Nun sagte Beaujean der “FAZ”, für ihn sei eine Fusion mit dem italienischen Rivalen nicht sinnvoll. Es gebe keinen Mehrwert, weder im Programm noch im Produkt. “Mediaset ist zu 100 Prozent Fernsehanbieter, hängt an den schwankenden Werbeerlösen, was sich auf die Profitabilität des Geschäfts auswirkt.” Dies sei genau das Gegenteil zu der Entwicklung von ProSiebenSat.1.

Thomas Rabe, zugleich Chef von Bertelsmann und dessen Fernsehtochter RTL, hatte in einem Interview gesagt, er könne sich bei einem Einlenken der Kartellämter eine Übernahme von ProSiebenSat.1 vorstellen. Rabe plädiert für Zusammenschlüsse in der TV-Branche auf Länder-Ebene und will mit der Fusion der RTL-Tochter M6 und dem Sender TF1 einen nationalen Champion in Frankreich schmieden, um Netflix&Co Paroli bieten zu können.

 

Großaktionäre stärken Management der Deutschen Bank den Rücken

Großaktionäre wie die beiden Fondsgesesllschaften Deka und Union Investment stellten sich anlässlich des virtuellen Aktionärstreffens am Donnerstag hinter die Strategie von Vorstandschef Christian Sewing. Auch die Stimmrechtsberater Glass Lewis und Institutional Shareholder Services (ISS) haben in diesem Jahr nichts zu beanstanden. In den vergangenen Jahren hagelte es bei den Hauptversammlungen von Deutschlands größtem Geldhaus oft massive Kritik von Aktionären.

“Ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 hat die Deutsche Bank die Trendwende geschafft”, erklärte Portfoliomanagerin Alexandra Annecke von Union Investment am Dienstag. “Wir sehen endlich Licht am Ende des Tunnels.” Ihr Kollege Andreas Thomae von Deka Investment pflichtete bei: “Das Management hat in den letzten zwölf Monaten sehr gute Arbeit geleistet.” 2020 erwirtschaftete die Deutsche Bank erstmals seit sieben Jahren einen Gewinn und auch das erste Quartal 2021 lief dank des florierenden Investmentbankings besser als erwartet.

An der Börse schaffte es die Deutsche-Bank-Aktie zum ersten Mal seit Anfang 2018 über die Marke von zwölf Euro. Seit ihrem Tief von 4,44 Euro im März 2020 hat der Kurs um 180 Prozent zugelegt und schnitt besser ab als der europäische Bankenindex.

KRITIK AN BONUS-ZAHLUNGEN

Annecke kritisierte aber unter anderem die vergleichsweise geringe Profitabilität der Bank sowie die Verlängerung des Geldwäsche-Sonderbeauftragten durch die Finanzaufsicht BaFin. “Das gute Management von Kreditrisiken und Kapitalmarktrisiken wird durch mangelhafte Geldwäsche-Kontrollen überschattet. Die Bank muss ihre Altlasten endlich bewältigen.” Auch die Bonus-Zahlungen stoßen den Großinvestoren sauer auf. Die variablen Vergütungen haben 2020 um fast ein Drittel zugelegt. “Das ist zu viel in einem Jahr, in dem die Bank gerade einmal eine Milliarde Euro vor Steuern verdient hat”, monierte Fondsmanager Thomae.

Die Investmentgesellschaften wollen wie Glass Lewis bei der Hauptversammlung gegen die Ermächtigung zum Aktienrückkauf stimmen. Die Deka lehnt zudem die Entlastung des scheidenden Aufsichtsrats Alexander Schütz ab, der wegen einer Email an den inhaftierten Ex-Wirecard Chef Markus Braun in Misskredit geraten war. Eine Nicht-Entlastung hätte keine rechtlichen Konsequenzen, sie wäre aber ein öffentliches Misstrauensvotum.

Schütz soll durch den ehemaligen VW-Finanzchef Frank Witter ersetzt werden. Dieser gilt wie Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer und Ex-PwC-Deutschlandchef Norbert Winkeljohann als potenzieller Nachfolger des obersten Deutsche-Bank-Kontrolleurs Paul Achleitner. Der Österreicher will nach der Hauptversammlung 2022 aufhören. Winkeljohann und Weimer sind schon Mitglieder im Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

 

Vonovia will mit Milliarden-Übernahme “Neuanfang” in Berlin

– von Alexander Hübner und Matthias Inverardi

“Wir werden unsere Größe nutzen, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden”, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch am Dienstag. Mit vereinten Kräften wollen die beiden größten privaten Wohnungskonzerne Deutschlands mehr Geld für Sanierungsmaßnahmen und Neubauten lockermachen. Vonovia und Deutsche Wohnen gehören zusammen mehr als eine halbe Million Wohnungen. Dem Land Berlin will der fusionierte Konzern 20.000 seiner rund 150.000 Einheiten in der Bundeshauptstadt für einen Milliardenbetrag zum Kauf anbieten, wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bestätigte. Mieterhöhungen sollen in den nächsten fünf Jahren gedeckelt werden.

Vonovia bietet den Deutsche-Wohnen-Aktionären, der Nummer zwei auf dem deutschen Wohnungsmarkt, mehr als 18 Milliarden Euro. Zusammen kommen die beiden einzigen Immobilienkonzerne im Leitindex Dax auf mehr als 550.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro und einen Börsenwert von 48 Milliarden Euro.

Im ersten Anlauf vor fünf Jahren war Vonovia-Chef Buch noch abgeblitzt, Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn hatte sich damals vehement gegen den Verkauf gestemmt. Noch vor einem Jahr verlief ein neuerlicher Vorstoß im Sande. Nun stellt Zahn sich hinter die geplante Übernahme: “Beide Unternehmen haben sich deutlich strategisch aufeinander zubewegt”, sagte Zahn, der nach der Übernahme Buchs Stellvertreter werden soll. “Die Kultur ist nicht feindlich, sondern partnerschaftlich.” Er sei “sehr, sehr sicher”, dass wie gefordert mehr als 50 Prozent der Aktionäre ihre Papiere an Vonovia verkauften. Viele große Investoren seien an beiden Unternehmen beteiligt.

Der US-Vermögensverwalter Blackrock (jeweils rund zehn Prozent) und der norwegische Staatsfonds gehören zu den größten Anteilseignern von Vonovia und Deutsche Wohnen. Die Deutsche-Wohnen-Aktie stieg am Dienstag um 15,6 Prozent auf 52 Euro – genau den Preis, den Vonovia bieten will. Vorher sollen die Deutsche-Wohnen-Aktionäre noch die Dividende von 1,03 Euro für 2020 bekommen. Die Vonovia-Aktie gab 4,2 Prozent nach. Das Übernahmeangebot soll von Mitte Juni bis Mitte Juli laufen, im August soll die Transaktion unter Dach und Fach sein. Vonovia plant eine acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung, um die Übernahme teilweise zu refinanzieren.

VONOVIA WILL MIETSTEIGERUNGEN IN BERLIN BREMSEN

Vor allem in Berlin blies den privaten Wohnungskonzernen in den vergangenen Jahren politischer Gegenwind ins Gesicht. Buch versucht den Senat, der seit Jahren gegen steigende Mieten kämpft, mit Zugeständnissen auf seine Seite zu ziehen. “Im Zuge des Zusammenschlusses bieten beide Unternehmen für die angespannte Mietsituation in der Bundeshauptstadt dem Berliner Senat einen ‘Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen’ an”, erklärte er. In den nächsten drei Jahren sollen die Mieten in Berlin maximal um ein Prozent pro Jahr steigen, in den beiden folgenden Jahren nicht stärker als die Inflationsrate. Zudem sollen die Kosten für die Sanierung des Wohnungsbestandes zum Energiesparen nicht voll auf die Mieter umgelegt werden.

Die rot-rot-grüne Koalition in Berlin hatte versucht, mit einem – umstrittenen – Mietendeckel die Preissteigerungen auf dem überhitzten Wohnungsmarkt zu bremsen. Doch der Mietendeckel war kürzlich vom Bundesverfassungsgericht kassiert worden. Das habe die Einigung mit Deutsche Wohnen erleichtert, sagte Buch. Die Vermieter waren gegen die Obergrenze für die Mieten Sturm gelaufen. Sie warnten davor, dass sich Renovierungen dann nicht mehr lohnen würden – etwa für altersgerechtes Wohnungen oder Maßnahmen zu einem geringeren Energieverbrauch. In Berlin hat ein Volksbegehren mit dem Titel “Deutsche Wohnen & Co enteignen” unterdessen nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt.

Von dem Zusammenschluss erhofft sich Vonovia Einsparungen von 105 Millionen Euro, vor allem bei der Bewirtschaftung der Wohnungen. Während Vonovia auf eigene Mitarbeiter setzt, die die Häuser warten und Handwerkerleistungen erbringen, beauftragt die kleinere Deutsche Wohnen bisher Fremdfirmen damit.

Kartellrechtliche Bedenken hätte die beiden Fusionspartner wohl nicht zu befürchten, da der größte Teil der Mietwohnungen in Deutschland dem Staat, Kommunen oder privaten Vermietern gehört. Selbst in Berlin seien mehr als doppelt so viele Wohnungen in kommunaler Hand wie Vonovia und Deutsche Wohnen zusammen gehörten.

 

RWE beziffert Kosten für Projekt mit BASF auf vier Milliarden Euro

“Allein für die zusätzliche Stromproduktion und die Wasserstoff-Elektrolyse im Norden veranschlagen wir etwas mehr als vier Milliarden Euro Investitionsvolumen”, sagte RWE-Chef Markus Krebber bei der Präsentation am Freitag. “Es gibt ein klares Verständnis, dass BASF sich mit einer Beteiligung bis zu 49 Prozent am Windpark beteiligt.” BASF-Chef Martin Brudermüller erklärte, der Stromverbrauch seines Konzerns am Standort Ludwigshafen werde sich bis 2035 wohl verdreifachen. Der geplante Windpark in der Nordsee könne etwa 25 Prozent decken.

 

Fresenius – Dialysetochter FMC gehört zum Kerngeschäft

“FMC gehört zum Kerngeschäft von Fresenius“, sagte er am Freitag auf der Hauptversammlung des Gesundheitskonzerns. “Wir planen derzeit keine Anteilsreduzierung.” Kurzfristig gebe es keinen Handlungsbedarf hinsichtlich der Konzernstruktur von Fresenius, betonte Sturm. Es gebe allerdings “keine Denkverbote”, wenn es um die weitere erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens gehe. “Sollte es erkennbar werden, dass strukturelle Veränderungen nötig sein könnten, müssten wir dieses ernsthaft erwägen.” Kurzfristig sei das aber nicht beabsichtig.

Das “Manager Magazin” hatte am Vortag ohne Angaben von Quellen berichtet, dass Fresenius seine Zerschlagung auslotet und FMC ins Visier für einen Verkauf rücken könnte.

Sturm selbst hatte zur Bilanz im Februar die Konzernstruktur schon hinterfragt. “Wir müssen uns Gedanken darüber machen, ob wir vom Kapitalmarkt die Wertschätzung erfahren, die wir aus unserer Sicht verdienen”, hatte er damals gesagt. Plan sei aber, dass Fresenius seine Wachstumsstrategie weiter umsetze, Ergebnissteigerungen erziele und so eine höhere Profitabilität und Bewertung erreiche. “Wenn sich das wider Erwarten nicht bewahrheitet, müssen wir uns die Frage stellen, ob wir in der aktuellen Struktur richtig aufgestellt sind.” Es gebe aber keine kritischen Stimmen, die die Trennung von einzelnen Bereichen forderten.

 

Leasingfirma Grenke sieht sich auf Kurs zurück in den SDax

“Ich gehe davon aus, dass wir bei der nächsten Überprüfung der Börse Anfang Juni wieder in den SDax aufgenommen werden, weil wir dann unsere Publizitätspflichten wieder so erfüllen, wie man sie zu erfüllen hat, wenn man im SDax ist”, sagte Finanzvorstand Sebastian Hirsch am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatte das mit Bilanzfälschungs-Vorwürfen konfrontierte Unternehmen seinen testierten Geschäftsbericht veröffentlicht und die Zahlen für das erste Quartal für den 31. Mai in Aussicht gestellt.

Die Deutsche Börse hatte Grenke mit der Begründung aus dem SDax ausgeschlossen, das Unternehmen habe Basiskriterien missachtet. Das nach dem Wirecard-Skandal verschärfte Regelwerk des Börsenbetreibers schreibt Unternehmen vor, ihre Bilanz innerhalb von vier Monaten nach Geschäftsjahresabschluss vorzulegen. Grenke hatte am 30. April nur vorläufige Zahlen veröffentlicht und am 17. Mai bekanntgegeben, nun das Testat des Wirtschaftsprüfers KPMG erhalten zu haben. Die nächste Indexüberprüfung ist für den 3. Juni vorgesehen.

In dem Rauswurf aus dem SDax gipfelten turbulente Monate für das in Baden-Baden ansässige Unternehmen, das auf Leasing von IT und Büroausstattung spezialisiert ist. Im vergangenen Herbst wurde Grenke vom britischen Investor Fraser Perring mit Vorwürfen der Bilanzmanipulation, Betrug und Geldwäsche überzogen. Gleichzeitig hatte Perring als ein sogenannter Leerverkäufer auf einen Absturz der Aktien gewettet. Die BaFin leitete wegen der Anschuldigungen eine Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfungsfirma Mazars ein. Grenke selbst hatte zudem eine Sonderprüfung bei KPMG in Auftrag gegeben, wo auch die reguläre Jahresabschlussprüfung angefertigt wurde.

Ob KPMG auch die nächste Jahresbilanz testieren wird, ist allerdings nicht sicher. “Wir wollen die Transparenz erhöhen und dazu gehört auch, dass wir nach drei Jahren den Auftrag für die Jahresabschlussprüfung neu ausschreiben”, sagte Hirsch. “Wir haben jetzt eine so lange Prüfung hinter uns und auch höhere Prüfungskosten, die wir im Geschäftsbericht ausgewiesen haben.” Es gehöre “zur guten Ordnung und Sorgfalt”, eine Ausschreibung zu starten. Das Ergebnis solle mit der Einladung zur virtuellen Hauptversammlung am 29. Juli vorgelegt werden. Finanzchef Hirsch sagte, er gehe davon aus, dass sich auch KPMG um den Auftrag bemühen werde.

 

Knorr-Bremse-Erben ziehen sich bei Lufthansa zurück – Aktie fällt

– von Alexander Hübner

Die Familiengesellschaft KB Holding trennte sich über Nacht von gut der Hälfte der Beteiligung, die Thiele im Jahr vor seinem Tod im Februar zusammengekauft hatte. Die von Testamentsvollstrecker Robin Brühmüller verwaltete Holding erlöste mit dem Verkauf von 33 Millionen ihrer 60 Millionen Lufthansa-Aktien 323 Millionen Euro und hält nun noch rund 4,5 Prozent an der Fluggesellschaft. Damit ist sie nach Refinitiv-Daten aber immer noch zweitgrößter Aktionär der Fluggesellschaft nach dem Bund.

Ein Sprecher Brühmüllers wollte sich am Freitag nicht dazu äußern, ob die KB Holding bei der größten deutschen Airline am Ende ganz aussteigen wolle. Sie hat sich aber verpflichtet, in den nächsten zwei Monaten keine weiteren Aktien zu verkaufen. Große Kursgewinne dürften Thieles Erben mit den Lufthansa-Aktien nicht erzielt haben. Der Preis lag mit 9,80 Euro um zehn Prozent unter dem Xetra-Schlusskurs vom Donnerstag, wie die mit der Platzierung beauftragte Investmentbank Morgan Stanley mitteilte. Er liegt damit nahe am Durchschnittskurs, den der Unternehmer im Frühjahr 2020 gezahlt haben dürfte, als er in der Corona-Krise binnen weniger Monate eine Beteiligung von bis zu 15,5 Prozent an der Lufthansa aufgebaute.

Thiele hatte die Rettung der Lufthansa aus der Corona-Krise zur Zitterpartie gemacht, weil er sich als Großaktionär bis zum letzten Moment weigerte, die Bedingungen der Teilverstaatlichung zu akzeptieren.

Der Abschlag auf den Börsenkurs bei der Platzierung ist ungewöhnlich groß. Entsprechend ging die Aktie am Freitag um 6,4 Prozent auf 10,18 Euro in die Knie. Ein Händler sagte, der Preisnachlass habe womöglich mit der Erwartung zu tun, dass die geplante Kapitalerhöhung um drei Milliarden Euro kurz bevorstehe. Daher wollten Investoren im Vorfeld nicht mehr zugreifen.

DER STAAT KASSIERT MIT

Anders als bei den Mehrheitsbeteiligungen am Lkw- und Bahn-Zulieferer Knorr-Bremse und am Bahntechnik-Konzern Vossloh hatten Thieles Erben sich nicht ausdrücklich dazu bekannt, an dem Lufthansa-Aktienpaket festzuhalten. Thieles Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen sollen bis zum Jahresende in eine Familienstiftung eingebracht werden, wie aus seinem Testament hervorgeht. Der Stiftung sowie Thieles Tochter Julia Thiele-Schürhoff gehören dann 59 Prozent an Knorr-Bremse und 50,1 Prozent an Vossloh.

Weil die Stiftung erst nach Thieles Tod gegründet wird, erbt zunächst seine Ehefrau Nadia. Damit wird Erbschaftssteuer fällig – nach Medienberichten über fünf Milliarden Euro. Thieles Erlös aus dem Verkauf von Aktien beim Börsengang von Knorr-Bremse 2018 dürfte aber reichen, um die Steuer zu zahlen. Das “Manager Magazin” zählte die Familie Thiele zuletzt zu den acht reichsten in Deutschland, mit einem Vermögen von rund 17 Milliarden Euro. Thiele hatte bei Knorr-Bremse 1969 als Patent-Sachbearbeiter begonnen, kaufte seinen Arbeitgeber in der Krise 1985 und baute den Mittelständler zum Weltmarktführer für Lastwagen- und Zug-Bremsen aus. 2011 stieg er bei Vossloh ein.

 

Euro-Wirtschaft mit stärksten Wachstum seit 2018 – “Neue Phase”

Der Einkaufsmanagerindex – der Industrie und Dienstleister zusammenfasst – stieg unerwartet deutlich um 3,1 auf 56,9 Punkte. Das sei der höchste Wert seit Februar 2018, teilte das Institut IHS Markit am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter Tausenden Unternehmen mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 55,1 gerechnet. Das Barometer signalisiert ab 50 ein Wachstum. “Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen stieg in der Euro-Zone so stark wie seit 15 Jahren nicht mehr, da sich die Währungsunion von den virusbedingten Einschränkungen erholt”, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Das habe den Dienstleistern einen deutlichen Aufschwung beschert, der von einer abermals rekordnahen Expansion der Industrie begleitet werde.

Das lässt darauf hoffen, dass die Währungsunion im Frühjahr ihre Corona-Rezession beendet und wieder wächst. Zuletzt war das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge geschrumpft, wobei es von Januar bis März ein Minus von 0,6 Prozent gegeben hatte. Mit angeführt wird die Erholung von Deutschland. In der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone kletterte das Barometer um 0,4 auf 56,2 Punkte. “Die Konjunkturerholung tritt in eine neue Phase, da auch die Dienstleistungsbranche vor dem Hintergrund auslaufender Lockdowns an Schwung gewinnt”, sagte der Chefvolkswirt von Union Investment, Jörg Zeuner. “Hotels, Restaurants, Konzertveranstalter oder Fluggesellschaften werden nun zunehmend zum Treiber der Erholung, weil sie unmittelbar von Lockerungsschritten profitieren. Der Wirtschaftsmotor läuft wieder auf mehr Zylindern und damit gleichmäßiger.”

“UNGLEICHGEWICHT VON ANGEBOT UND NACHFRAGE”

Die aktuelle Erholung der Euro-Zone wie auch der Weltwirtschaft hat allerdings ihren Preis. “Die starke Nachfrage nach Vorleistungen hat deren Preise deutlich nach oben getrieben”, sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. Demnach mussten fast 90 Prozent der Unternehmen im Mai mehr für ihre Vorleistungen zahlen. “Gleichzeitig geben immer mehr Unternehmen die gestiegenen Produktionskosten an ihre Kunden weiter”, sagte Weil. Dies dürfte den Preisauftrieb im Euroraum mittelfristig leicht verstärken.

Das Wachstum in der Euro-Zone wäre wohl noch stärker ausgefallen, wenn es nicht zu einer Rekordverlängerung der Lieferzeiten gekommen wäre. Der Produktionsrückstand im Verhältnis zur Nachfrage ist momentan so hoch wie noch nie in der 23-jährigen Umfragegeschichte. “Dieses Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage hat den Preisdruck weiter verstärkt”, sagte Chefökonom Williamson. “Wie lange dieser Inflationsdruck anhält, hängt davon ab, wie schnell das Angebot wieder mit der Nachfrage in Einklang gebracht wird.” Im Moment verschlechtere sich das Ungleichgewicht allerdings. Das treibe nicht nur die Einkaufspreise für Waren auf neue Höchststände, sondern führe auch zu steigenden Preisen für Dienstleistungen.