Börsenkandidaten stehen hinter Modehändler About You Schlange

– von Alexander Hübner und Nadine Schimroszik

Die Otto-Tochter will bis Ende Juni 600 Millionen Euro mit der Platzierung neuer Aktien einnehmen, wie About You am Donnerstag ankündigte. Auch die Alteigentümer wollen sich dabei von Aktien trennen. Das vor sieben Jahren gegründete Unternehmen könnte Insidern zufolge mit rund drei Milliarden Euro bewertet werden. Für die Frankfurter Börse wäre der Zalando-Konkurrent ein weiterer namhafter Zugang, nachdem in diesem Jahr schon der Linux-Softwareanbieter Suse, der Funkmasten-Betreiber Vantage Towers und der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 jeweils Milliardensummen bei Anlegern eingesammelt haben. Und mindestens ein halbes Dutzend Börsenkandidaten stehen Insidern zufolge in den Startlöchern.

So will der Dresdner Online-Fahrradhändler Bike24 Insidern zufolge ebenfalls noch vor der Sommerpause den Schritt an den Aktienmarkt wagen. Das 2002 gegründete, profitable Unternehmen profitiert vom Fahrrad-Boom in der Pandemie. Bike24 könnte mit deutlich mehr als einer halben Milliarde Euro bewertet werden, sagten mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Bike24 gehört mehrheitlich dem US-Finanzinvestor The Riverside Company. Bike24 wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Auch der nordbayerische Autozulieferer Novem, der Online-Brillenhändler Mister Spex und der Windparkbetreiber Blue Elephant haben Insidern zufolge ihre Emissionen für Juni oder Juli geplant, bevor die Börsianer in die Sommerferien gehen. Und auch der Online-Autohändler MeinAuto, der im April die Notbremse gezogen hatte, könnte kurzfristig einen neuen Anlauf wagen. Für Herbst stehen der Greifswalder Pharmahersteller Cheplapharm, der Passauer Frühstücksflocken-Versender MyMuesli und der Online-Leuchtenhändler Luqom (“Lampenwelt”) bereit, wie Reuters erfahren hatte. Bei den anstehenden milliardenschweren Abspaltungen von Daimler und Continental, Daimler Truck und Vitesco, werden die Aktien den Anteilseignern einfach ins Depot gebucht, einen Emissionserlös gibt es nicht.

DAS JAHR 2018 GILT ES ZU SCHLAGEN

Die Frankfurter Börse steuert auf das beste Emissionsjahr seit dem Neue-Markt-Boom 2000 zu. Mehr als 7,2 Milliarden Euro haben elf Börsengänge – darunter zwei leere Börsenmäntel – in diesem Jahr schon eingebracht. Zu schlagen gilt es die Bilanz des Jahres 2018, als Siemens Healthineers und Knorr-Bremse das Emissionsvolumen auf 11,3 Milliarden Euro schraubten. EY-Experte Martin Steinbach hatte Ende März zwölf bis 16 Börsengänge in Aussicht gestellt, aber hinzugefügt, dass es auch mehr werden könnten, wenn die Stimmung so gut bleibe.

Am weitesten gediehen sind die Pläne von About You, die in den nächsten vier Wochen ihre Börsenpremiere feiern dürfte. Im Gegensatz zum Rivalen Zalando, der inzwischen als Dax-Kandidat gilt, fokussiert sich About You auf die jüngere Generation. Sorgen vor zu viel Wettbewerb macht sich Firmenchef Tarek Müller nicht. “Die Natur von Mode neigt nicht zu Monopolen.” Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will About You das internationale Geschäft und die Technik-Sparte ausbauen. Neben dem Handelskonzern Otto ist auch der dänische Unternehmer Anders Holch Povlsen an About You beteiligt. Povlsen gehört die Firma Bestseller (Vero Moda, Jack&Jones, Vila); er hat auch in Zalando und den Bezahldienst Klarna investiert.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende Februar) steigerte About You die Erlöse um 57 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro und knackte damit erstmals die Umsatzmilliarde. Für das laufende Geschäftsjahr peilt About You einen Zuwachs zwischen 40 und 50 Prozent an. Wegen hoher Investitionen schreibt das Unternehmen aber rote Zahlen. 20/21 schrumpfte der operative Verlust um 49 Prozent auf 36 Millionen Euro.

 

S Immo hält Immofinanz-Übernahmeangebot für zu niedrig

In diesem Fall würde die S Immo ihre Beteiligungen an der Immofinanz und an der CA Immo verkaufen, sagte S-Immo-Chef Bruno Ettenauer am Donnerstag: “Wenn es nach verschiedenen Versuchen keine Lösung gegeben hat, dann muss man sich wieder entkoppeln.” Die S Immo hält mehr als zehn Prozent an Immofinanz und rund sechs Prozent an der CA Immo. Für das CA-Immo-Paket sieht Ettenauer großes Marktinteresse.

Mit dem Erlös von 500 bis 550 Millionen Euro könnte S Immo eine Milliarde Euro in Immobilien investieren. Bevorzugt würden dabei Projekte, die sofort Mieteinnahmen brächten. Regional kämen Osteuropa und Deutschland in Frage. Das würde S Immo 50 bis 60 Millionen Euro Mieterlöse garantieren, sagte Ettenauer. “Das würde unsere Ertragskraft steigern, unsere Dividendenfähigkeit stärken, und ich würde mich sehr intensiv um ein Investment-Grade-Rating bemühen, um die Finanzierungsfähigkeit in verschiedenen Märkten zu verbessern”.

Immofinanz, die schon 26,5 Prozent an S Immo hält, will den heimischen Konkurrenten komplett übernehmen und bietet 22,25 Euro je Aktie. An die eigenen Aktionäre richtet der S-Immo-Chef die Botschaft, dass ein Scheitern des Immofinanz-Angebots dem Unternehmen keine Nachteile bringen würde: “S Immo ist durchaus in der Lage, auf Stand-alone-Basis erfolgreich zu bestehen.” Das Angebot sei nicht fair, bekräftigte Ettenauer. Die Immofinanz habe die S-Immo-Aktien mit einen Aufschlag von 15 Prozent zum Nettovermögenswert (EPRA NAV) gekauft, das Angebot an die übrigen S-Immo-Aktionäre liege aber 15 Prozent darunter.

Der Markt sei “nicht sehr gierig auf das Angebot”, sagte Ettenauer mit Verweis auf den Kurs. S-Immo-Aktien notierten an der Wiener Börse mit 21,75 Euro. Immofinanz hatte die Offerte schon einmal erhöht; ursprünglich wollte sie nur 18,04 Euro je Aktie zahlen.

TAUZIEHEN UM DAS HÖCHSTSTIMMRECHT

Der S-Immo-Vorstand stößt sich auch am Zeitplan. Immofinanz will, dass die S-Immo-Aktionäre noch vor Ablauf der Annahmefrist Mitte Juli über das Höchststimmrecht abstimmen. Die in der Satzung der S Immo verankerte Bestimmung sieht vor, dass kein Aktionär mehr als 15 Prozent der Stimmrechte ausüben darf, auch wenn er einen höheren Aktienanteil besitzt. Die Aktionäre sollen nach dem Willen der Immofinanz auf einer außerordentlichen Hauptversammlung darüber abstimmen.

S Immo spricht sich dagehen dafür aus, dass die Aktionäre erst abstimmen sollen, wenn sie wissen, wie das Übernahmeangebot ausgegangen ist. “Das ist eine völlig atypische Abwicklung”, kritisierte Ettenauer. Die Immofinanz hatte ihr Angebot in dem Punkt bereits angepasst: Sollte das Übernahmeangebot an der 50-Prozent-Hürde scheitern, soll das Höchststimmrecht in Kraft bleiben. Die Hauptversammlung solle jedoch noch vor Ablauf der Frist stattfinden.

 

Bayer und Inflationssorgen bremsen Dax

Der deutsche Leitindex fiel am Nachmittag um 0,1 Prozent auf 15.449 Punkte, während der EuroStoxx50 um 0,4 Prozent auf 4047 Zähler anzog. An der Wall Street lagen die Futures vor Börseneröffnung knapp im Plus.

Die regelmäßig aufkommenden Inflationssorgen könnten der Grund sein, warum der Aktienmarkt derzeit nicht vorankomme, sagte IG-Stratege Christian Henke. Die Angst der Anleger vor einem baldigen Ende der ultralockeren Geldpolitik sei groß, obschon die US-Notenbank gebetsmühlenartig versuche dagegen anzureden. “Wer hat recht? Die Fed oder der Markt”, fasste Henke zusammen.

Vor diesem Hintergrund schauten die Investoren besonders kritisch darauf, wie die Wirtschaftserholung in den Vereinigten Staaten voranschreitet. Im April gingen die Auftragseingänge für langlebige Güter mit minus 1,3 Prozent überraschend zurück, während die zweite Schätzung für das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal mit 6,4 Prozent etwa im Rahmen der Erwartungen lag. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel mit 406.000 indes geringer aus als erwartet und lag so niedrig wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr.

Im Blick behielten die Anleger auch den Impf-Gipfel von Bund und Ländern. Bundeskanzlerin Angela Merkel will mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Pandemie-Bekämpfung beraten.

GLYPHOSAT BLEIBT DAMOKLESSCHWERT FÜR BAYER

Größter Dax-Verlierer waren die Papiere von Bayer, die bis zu 5,3 Prozent auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 52,07 Euro abrutschten. Im Rechtsstreit um eine angeblich krebserregende Wirkung von Glyphosat lehnte der zuständige US-Bezirksrichter einen Lösungsvorschlag des Konzerns ab. “Eine unendliche Geschichte”, kommentierten die Analysten vom Brokerhaus Bryan Garnier. “Durch die Ablehnung bleibt das Damoklesschwert über Bayer hängen.” Das nun gescheiterte zwei Milliarden Dollar teure Paket für den Umgang mit möglichen künftigen Klagen ist Teil des umfangreicheren, rund 11,6 Milliarden schweren Glyphosat-Vergleichs, den Bayer im vergangenen Sommer angekündigt hatte.

PUMA NACH TEIL-AUSSTIEG VON KERING UNTER DRUCK

Auf der Gewinnerseite stiegen Airbus um 9,7 Prozent auf den höchsten Stand seit rund einem Jahr. Der europäische Konzern stimmte seine Zulieferer auf eine deutlich höhere Flugzeugproduktion ein. Die Titel von MTU Aero, Rolls-Royce und Meggitt stiegen um jeweils knapp drei Prozent.

Bergab ging es dagegen für den Puma. Der französische Luxuskonzern Kering hat sich vom Großteil seiner verbliebenen Beteiligung an dem Sportartikelhersteller getrennt. Der Eigentümer von Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent verkaufte über Nacht 8,9 Millionen Puma-Aktien für insgesamt 805 Millionen Euro an institutionelle Investoren. Puma verloren im MDax 2,2 Prozent.

BITCOIN-ANLEGER RINGEN UM STABILISIERUNG

An den Rohstoffmärkten deckten sich Anleger erneut mit Kupfer ein. Das Industriemetall verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 10031 Dollar je Tonne. Anleger fürchteten Angebotsengpässe durch drohende Bergarbeiterstreiks im wichtigen Exportland Chile.

Nach den jüngsten Kursabstürzen rangen die Bitcoin-Anleger weiter um Stabilisierung. Die Cyberdevise notierte 1,9 Prozent höher bei 39.571 Dollar. “Die jüngsten Hiobsbotschaften aus dem Reich der Mitte haben kräftig an dem Nervenkostüm der Investoren gezehrt”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. China hatte die Anleger mit der Aussicht auf eine schärfere Regulierung im Kryptowährungssektor verschreckt.

 

Uniper-Chef – Klimaschutz hat Vorrang bei Investitionen

(Entfernt überflüssiges Wort aus der Überschrift)

“Wir haben unterschiedliche Felder, in die wir investieren wollen und können”, sagte Vorstandschef Klaus Dieter Maubach am Donnerstag auf dem “Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel”. Es sei richtig, dass diese deutlich klimafreundlicher Strom produzieren müssten. “Das ist die Maxime.” Deswegen könne es sein, dass der Konzern an Standorten Entwicklungsprojekte mache, wo Kohlekraftwerke in Gasstandorte umgewandelt würden. Uniper habe große Ambitionen im Bereich der Erneuerbaren Energie. Sein Unternehmen liege da noch zurück.

Maubach wollte sich nicht zu einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters äußern, wonach Uniper einen Verkauf von Kohlkraftwerken in Russland auslote. Das seien Marktspekulationen, die Uniper grundsätzlich nicht kommentiere. Reuters hatte von Insidern erfahren, dass Uniper über einen Verkauf mit dem russischen Versorger InterRAO Gespräche geführt habe. Diese seien aber wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen schwierig. Uniper und sein finnischer Mutterkonzern Fortum haben sich eine klimafreundlichere Stromerzeugung auf die Fahnen geschrieben, die sie damit vorantreiben könnten. Von den fünf Kraftwerken Unipers in Russland wird eins mit Braunkohle befeuert und eins mit Gas, die anderen drei mit Erdgas und Steinkohle.

 

Ford steigt ins Rennen um E-Autos ein – Ausgaben steigen massiv

Der zweitgrößte US-Autobauer kündigte am Mittwoch an, die Ausgaben für neue Elektroautos und die Entwicklung von Batterien bis 2030 um mehr als ein Drittel auf über 30 Milliarden Dollar zu steigern. Bisher waren 22 Milliarden Dollar eingeplant. Nach Ansicht von Analysten muss der Konzern aus Dearborn bei der Elektrifizierung aufholen, um nicht von anderen Autobauern abgehängt zu werden. US-Marktführer General Motors hat angekündigt, die Produktion bis 2035 komplett auf E-Autos umzustellen.

So weit geht Ford nicht: Der Konzern, der bei E-Autos in Europa mit Volkswagen zusammenarbeitet, peilt bis zum Ende des Jahrzehnts bei batteriegetriebenen Fahrzeugen einen Anteil von 40 Prozent seines weltweiten Absatzes an. Das Unternehmen hatte jüngst den vollelektrischen SUV Mustang Mach-E auf den Markt gebracht und plant die Einführung je einer elektrischen Version des Transporters Transit und des Pickup-Bestsellers F-150. “Das ist unsere größte Chance für Wachstum und Wertschöpfung seit Henry Ford mit dem Model T begann”, erklärte Konzernchef Jim Farley. Mit dem Model T hatte Ford zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Grundlage für die Massenproduktion von Autos gelegt.

Auch in die Entwicklung von Batterien für E-Autos steigt Ford ein und hat sich dafür an dem Startup Solid Power beteiligt, das an kostengünstigen Festköperzellen arbeitet. Vergangene Woche erst hatte der Autobauer ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem südkoreanischen Hersteller SK Innovation angekündigt, das in zwei Werken in den USA Batteriezellen produzieren soll. Auch an der Softwareentwicklung arbeitet Ford. Die Zahl der Fahrzeuge, deren Systeme übers Internet auf dem neuesten Stand gehalten werden können, soll noch in diesem Jahr auf eine Million steigen. Bis 2028 sollen es 33 Millionen Fahrzeuge sein.

Ford kündigte außerdem die Gründung einer neuen Unternehmenseinheit an, die sich auf gewerbliche und staatliche Kunden konzentrieren soll – ein Segment, in dem Farley große Wachstumschancen sieht. In Europa nutzt Ford gegen Lizenzgebühr den von Volkswagen entwickelten Elektrobaukasten MEB. Dazu wird das Kölner Werk des US-Autobauers zu einem europäischen Zentrum für Elektroautos umgebaut.

 

Amazon schnappt sich James-Bond-Studio MGM für 8 Mrd Dollar

Für 8,45 Milliarden Dollar kaufe man das James-Bond-Studio MGM, teilte der US-Konzern mit. Mit der Übernahme des 1924 gegründeten Hollywood-Studios, das für sein Firmenlogo mit dem brüllenden Löwen bekannt ist, erweitert Amazon um einen Schlag seine Filmbibliothek um ein Vielfaches. Für Amazon ist MGM die zweitgrößte Übernahme nach dem Kauf der Bio-Supermarktkette Whole Foods für 13,7 Milliarden Dollar vor vier Jahren.

Amazons Prime-Video-Angebot liefert sich einen scharfen Konkurrenzkampf mit dem Streaming-Pionier Netflix und den jüngeren Wettbewerbern Disney+, Apple TV+ und HBO Max. In der Corona-Krise hatten alle Anbieter starken Zulauf und lockten die Kunden mit stetig neuen Inhalten. Disney beispielsweise erweitert sein Star-Wars-Angebot ständig um Auskopplungen. Ähnliches dürfte Amazon mit dem Geheimagenten 007 planen, der MGM über die Jahre allein an den weltweiten Kinokassen fast sieben Milliarden Dollar eingespielt hat. Die Strategie dahinter hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos bereits 2016 erklärt: “Wenn wir einen Golden Globe gewinnen, hilft uns das, mehr Schuhe zu verkaufen.” Wie genau Amazon jedoch mit der James-Bond-Saga fortfahren kann, muss der Konzern mit den Produzenten, der Broccoli-Familie, verhandeln.

Neben der gesamten James-Bond-Bibliothek und vielen Klassikern der Filmgeschichte betreibt MGM auch den Kabelkanal Epix und produziert bekannte Fernsehserien wie “The Handmaid’s Tale”, “Fargo” und “Vikings” sowie Sendungen wie “Shark Tank”. Amazon kommt inzwischen auf 200 Millionen Prime-Abonnenten.

Essenslieferdienst Delivery Hero verkauft Balkan-Geschäft an Glovo

Der spanische Konkurrent Glovo kaufe die Aktivitäten in Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Montenegro, Rumänien und Serbien sowie Vermögenswerte in Kroatien, teilte der Berliner Dax-Konzern am Mittwoch mit. Das Unternehmen aus Barcelona legt rund 170 Millionen Euro dafür auf den Tisch und baut mit der Transaktion sein Geschäft in den Ländern deutlich aus. Glovo-Chef Oscar Pierre versicherte im Gespräch mit Reuters, seine Firma wolle weiterhin auf eigenen Füßen stehen und schloss eine Fusion mit Delivery Hero aus. Delivery Hero ist mit 37 Prozent an Glovo beteiligt.

Delivery Hero peilt in dem margenarmen Geschäft mit Essenslieferungen stets die Marktführerschaft an, was offenbar in der Balkan-Region schwer erreichbar war. Glovo-Chef Pierre sagte: “Wir freuen uns, unsere Präsenz zu verstärken.” Auf dem Heimatmarkt muss Glovo inzwischen neue Vorgaben erfüllen und noch im Sommer seine Fahrer anstellen. Spanien gehört damit zu den Vorreitern in Europa.

Delivery Hero ist in rund 50 Ländern in Asien, Europa, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Nordafrika aktiv. In Kürze will das Unternehmen, das neben Restaurantlieferungen verstärkt auch auf die Auslieferung von Lebensmitteln setzt, wieder nach Deutschland zurückkehren und dürfte dafür angesichts der Konkurrenz durch den Lieferando-Eigner Just East Takeaway.com und Uber Eats viel Geld in die Hand nehmen müssen. Ähnlich wie Glovo setzt Delivery Hero nicht mehr nur auf Lieferungen von Restaurantessen sondern bringt auch Lebensmittel und Haushaltswaren zu den Kunden.

Delivery Hero und Glovo haben bereits in der Vergangenheit Geschäfte gemacht. Im Oktober 2020 übernahm Delivery Hero für bis zu 230 Millionen Euro die Aktivitäten von Glovo in Lateinamerika. Darüber hinaus beteiligten sich die Berliner im April an einer Finanzierungsrunde von Glovo, bei der die Spanier 450 Millionen Euro einsammelten.

 

Europas Börsen bleiben auf Tuchfühlung mit Rekordhochs

Die Optimisten täten zwar ihr Bestes, die Aufwärtsdynamik aufrecht zu erhalten, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. “Sie haben aber Schwierigkeiten, die Kurse auf Rekordniveau zu bringen.” Dax und EuroStoxx50 fielen am Mittwoch um jeweils 0,2 Prozent auf 15.437 beziehungsweise 4029 Punkte. Der breit gefasste Stoxx600 lag ebenfalls leicht im Minus bei 444,70 Zählern.

Die Notenbanken boten den Börsen keinen Rückenwind. Die Fed-Führung wiederhole zwar gebetsmühlenartig, dass die Geldpolitik locker bleibe, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Andeutung des Vize-Chefs Richard Clarida, dass eine Debatte über eine Drosselung der Wertpapierkäufe näher rücke, bedeute allerdings eine leichte Veränderung der Tonlage. Daher scheuten Investoren vorerst weitere Aktienkäufe.

ANLEIHEN GEFRAGT – EURO UNTER DRUCK

So lange sich die US-Notenbank nicht bewege, werde auch die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer bisherigen Geldpolitik festhalten, sagte Anlagestratege Max Kettner von der HSBC Bank. Sie wolle nicht ihren Fehler von 2011 wiederholen, als sie der Fed mit Zinserhöhungen vorgegriffen habe. Im anschließenden Konjunkturzyklus habe die Euro-Zone den USA beim Wachstum hinterhergehinkt.

Unterdessen entspannte sich die Lage am Bondmarkt weiter. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen fiel auf minus 0,203 Prozent. Gleichzeitig verbilligte sich der Euro auf 1,2226 Dollar.

GOLD EROBERT 1900ER MARKE ZURÜCK – KUPFER IM AUFWIND

Fallende Anleiherenditen machten Gold attraktiver. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1905 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). “Auch einige Zentralbanken haben offenbar ihre Kaufzurückhaltung abgelegt”, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. “Zusammen mit der erwartet höheren Konsumenten- und der wieder anziehenden Investmentnachfrage sollte dies dem Goldpreis Auftrieb geben.”

Mit Kupfer deckten sich Investoren ebenfalls ein. Dies trieb den Preis für das Industriemetall um 0,5 Prozent auf 9971 Dollar je Tonne. Anleger fürchteten Angebotsengpässe durch drohende Bergarbeiterstreiks im wichtigen Exportland Chile, sagten Börsianer.

Gleichzeitig pendelte Bitcoin um die Marke von 40.000 Dollar. Derzeit herrsche ein Tauziehen zwischen denjenigen, die eine strengere Regulierung des Kryptowährungssektors befürchteten, und denjenigen, die den jüngsten Kursrutsch als Einstiegsgelegenheit sähen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

MARKS & SPENCER TROTZ GEWINNEINBRUCH IM PLUS

An der Londoner Börse stiegen die Aktien von Marks & Spencer zeitweise um gut acht Prozent auf ein 15-Monats-Hoch von 168,6 Pence, obwohl der Einzelhändler einen Gewinneinbruch bekanntgegeben hatte. Der Ausblick für das angelaufene Geschäftsjahr 2021/2022 liege aber über den Markterwartungen, kommentierte Analyst Ioannis Pontikis vom Research-Haus Morningstar.

Die Titel von Spire stiegen sogar auf ein Drei-Jahres-Hoch von 249 Pence und steuerten mit einem Plus von bis zu 29 Prozent auf den größten Tagesgewinn der Firmengeschichte zu. Der australische Rivale Ramsay will den Krankenhaus-Betreiber für 240 Pence je Aktie oder umgerechnet insgesamt 1,16 Milliarden Euro übernehmen. Gegenofferten seien zwar nicht zu erwarten, kommentierte Analyst Graham Doyle von der Investmentbank Liberum. Allerdings könne es kartellrechtliche Probleme geben.

 

Immobilien-Großfusion hievt Europas Börsen auf Rekordhochs

Abbröckelnde Kurse an der Wall Street machten einen Teil der anfänglichen Gewinne aber wieder zunichte. Der Dax stieg am Dienstag zeitweise auf 15.568,60 Punkte und schloss 0,2 Prozent im Plus bei 15.456,09 Zählern. Der breit gefasste Stoxx600 rückte auf bis zu 447,15 Stellen vor. Der Auswahlindex EuroStoxx50 notierte am Abend knapp im Plus bei 4040,30 Punkten. An der Wall Street büßte der US-Standardwerteindex Dow Jones dagegen 0,2 Prozent ein.

Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia macht einen neuen Anlauf, um den Rivalen Deutsche Wohnen für 52 Euro je Aktie und damit insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro zu schlucken. Die Offerte sei recht attraktiv und die angestrebten Einsparungen erreichbar, kommentierte Analyst Kai Klose von der Berenberg Bank. Durch den freiwilligen Mietendeckel werde das Einnahmenwachstum hier aber hinter den angestrebten drei bis 3,8 Prozent zurückbleiben.

Vonovia-Aktien fielen zeitweise auf ein Zwölf-Monats-Tief von 48,57 Euro und verabschiedeten sich 6,1 Prozent im Minus bei 48,91 Euro in den Feierabend. Die Papiere von Deutsche Wohnen verbuchten dagegen mit einem Plus von fast 16 Prozent auf 52,06 Euro den größten Tagesgewinn seit zwölf Jahren.

GUTE STIMMUNG IN DEUTSCHLANDS CHEF-ETAGEN

Rückenwind erhielten die Aktienmärkte auch vom überraschend starken Anstieg des Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. “Die Weichen sind auf Erholung und Aufschwung gestellt”, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. “Es geht nur noch darum, wie stark die Erholung ausfallen wird.” Engpässe bei Vorprodukten könnten das Wachstum zwar bremsen, aber nicht gefährden.

Hiervon profitierten unter anderem die Finanzwerte, die sensibel auf Konjunkturaussichten reagieren. Der europäische Bankenindex stieg auf bis zu 139,57 Punkte, den höchsten Stand seit Ausbruch der Coronavirus-Krise in Europa Anfang 2020. Die Papiere der Deutschen Bank markierten mit 12,51 Euro zeitweise sogar ein Drei-Jahres-Hoch.

FED DÄMPFT INFLATIONSSORGEN

Erleichtert reagierten Anleger zudem auf das jüngste erneute Bekenntnis der Fed zu ihrer ultra-lockeren Geldpolitik. Direktorin Lael Brainard wiederholte außerdem das Mantra der US-Notenbank, dass der aktuelle Inflationsanstieg vorübergehend sei. Aktuell schenkten Anleger diesen Beteuerungen Glauben, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. “Das ist allerdings ein Katz-und-Maus-Spiel”, warnte Giles Coghlan, Chef-Devisenanalyst des Brokerhauses HYCM. “Irgendwann wird die Drosselung der Wertpapierkäufe kommen.” Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel am Dienstag um bis zu 0,4 Prozent auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 89,533 Punkten.

Die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen gab Technologie-Werten Auftrieb. Der europäische Branchenindex stieg um 1,4 Prozent. An der Wall Street rückten Konzerne wie Amazon, Facebook oder der Google-Mutter Alphabet bis zu 0,8 Prozent vor. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen.

Bei den Kryptowährungen ging die Achterbahnfahrt weiter. Bitcoin verbilligte sich um zwei Prozent auf 38.233 Dollar, nachdem die älteste und wichtigste Cyber-Devise über das lange Wochenendes in einer Spanne zwischen 43.000 und 31.000 Dollar geschwankt hatte. “Die Sorgen vor weiteren schärferen Regulierungen nimmt den Optimisten offensichtlich die Luft zum Atmen”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Ende vergangener Woche hatten chinesische Behörden die Zügel angezogen. Einige Kryptowährungsfirmen kündigten daraufhin ihren Rückzug aus dem Land an.

Schweizer Börse erklimmt Rekordhoch

Der Leitindex SMI kletterte um 0,9 Prozent auf 11.330 Punkte. Der letzte Rekord stammte aus dem Februar 2020 – damals hatte das Bluechip-Barometer 11.270 Zähler erreicht. Nachdem Fed-Vertreter das Festhalten an der ultra-lockeren Geldpolitik bekräftigt hatten, schwand die Furcht der Anleger vor einem Versiegen der Flut billigen Geldes, die als ein Haupttreiber für die Aktienrally der vergangenen Monate gilt.

Gefragt waren nach zahlreichen positiven Analystenkommentaren und Kurszielerhöhungen die Richemont-Aktien. Die Titel zogen nach dem Kurssprung von Freitag weitere 3,2 Prozent an. Der Luxusgüterkonzern hat im Geschäftsjahr 2020/21 besser als erwartet abgeschnitten. Im Kielwasser von Richemont gewann der Uhrenhersteller Swatch drei Prozent an Wert. Die Anteile des Finanzinvestors Partners Group rückten 1,6 Prozent vor, die der Grossbanken UBS und Credit Suisse 1,3 beziehungsweise 1,2 Prozent.

Zu den wenigen SMI-Verlierern gehörten die Versicherer Zurich und Swiss Life sowie der Augenheilkonzern Alcon.