Anleger bleiben vor Fed-Entscheid vorsichtig

Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils etwa 0,2 Prozent auf 15.255 beziehungsweise 4012 Punkte. Investoren seien hin- und hergerissen zwischen soliden Firmenbilanzen und den steigenden Coronavirus-Fallzahlen in einigen Ländern wie Indien, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus Activtrades.

US-Notenbankchef Jerome Powell werde nach den geldpolitischen Beratungen am Mittwoch voraussichtlich sein Mantra einer auf absehbare Zeit ultra-lockeren Geldpolitik wiederholen, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Trotz der sich verbessernden Konjunkturdaten bleibt die Fed im Krisenmodus.” Die Notenbank werde eine deutliche Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sowie eine deutliche Entspannung der Gesundheitslage abwarten, bevor sie ihre Wertpapierkäufe drossele, prognostizierten die Analysten der Bank Unicredit.

Die unverändert positive Grundstimmung am Markt spiegelte sich unter anderem in Kursgewinnen der Reise- und Touristikbranche wider. Dank eines wachsenden Tempos bei den Corona-Massenimpfungen in der EU stieg der europäische Branchenindex auf ein Rekordhoch von 282,16 Punkten. Der Sektor hatte in den vergangenen Monaten besonders stark unter den Pandemie-Beschränkungen gelitten.

ÖLPREIS IM AUFWIND – KUPFER AUF ZEHN-JAHRES-HOCH

Aufwärts ging es auch für den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 65,98 Dollar je Barrel (159 Liter). Anleger warteten gespannt auf die Ergebnisse der Beratungen der großen Export-Staaten zu den Förderquoten. “Sollte die Opec+ die Lage in Indien ignorieren, könnten sich die Kursgewinne schnell in Luft auflösen”, warnte Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim vom Brokerhaus Rystad. Das aufstrebende Schwellenland ist einer der weltweit wichtigsten Öl-Abnehmer.

Unterdessen setzte Kupfer wegen möglicher Angebotsengpässe seinen Höhenflug fort. Das Industriemetall gewann gut zwei Prozent und war mit 9965 Dollar je Tonne zeitweise so teuer wie zuletzt vor zehn Jahren. “Chilenische Hafenarbeiter haben wegen Streits über die Altersversorgung zum Streik aufgerufen”, erläuterte Analyst Carsten Menke von der Bank Julius Bär. “Sie werden von den Bergbaugewerkschaften unterstützt.” Chile ist ein wichtiger Kupfer-Lieferant, und die weltweite Nachfrage übertrifft bereits jetzt das Angebot.

Gefragt war auch Bitcoin, das sich um drei Prozent auf 54.999 Dollar verteuerte. Angeheizt werde die Rally von den Plänen der Bank JPMorgan, einen Fonds für diese Kryptowährung aufzulegen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Ein US-Bitcoin-Fonds wäre ein weiterer Ritterschlag.”

ÜBERNAHMEFANTASIE UM HELLA – UBS UNTER DRUCK

Am deutschen Aktienmarkt rückte am Mittag Hella ins Rampenlicht. Einem Magazinbericht zufolge sondiert die Industriellenfamilie Hueck, die zusammen mit der Familie Röpke 60 Prozent an dem Autozulieferer hält, den Markt für einen Verkauf ihrer Anteile. Eine solche Transaktion könnte eine Übernahmeofferte für die übrigen Aktionäre nach sich ziehen und der Konzern könnte von der Börse genommen werden, kommentierte Analyst Sascha Gommel von der Investmentbank Jefferies. Hella-Aktien verbuchten mit einem Plus von zeitweise knapp 13 Prozent den zweitgrößten Kurssprung der Firmengeschichte.

Die Titel von UBS fielen dagegen in Zürich um knapp drei Prozent. Der Kollaps des Hedgefonds Archegos verhagelte der Bank die Bilanz. Die finanziellen Belastungen seien zwar geringer als beim Rivalen Credit Suisse, aber höher als gedacht, sagte Markets.com-Experte Wilson.

 

Schweizer Börse gibt nach – Anleger verkaufen Novartis und UBS

Der Leitindex SMI sank um weitere 0,7 Prozent auf 11.087 Punkte. Vor der US-Zinsentscheidung scheuten Investoren vor dem Aufbau neuer Positionen zurück. Zudem lasteten kräftige Kurseinbussen des Schwergewichts Novartis und der Grossbank UBS auf den Index.

Die Novartis-Aktien verloren 1,8 Prozent. Die Corona-Pandemie hat dem Pharmakonzern den Jahresauftakt verhagelt, Konzernumsatz und -gewinn sanken im ersten Quartal. Novartis hält zwar an der Jahresprognose fest, doch bei der Generika-Tochter Sandoz dürfen die Verkäufe dieses Jahr zurückgehen

Die UBS-Anteile ermässigten sich um 1,9 Prozent. Der Kollaps des Hedgefonds Archegos Capital kostet das grösste Schweizer Geldhaus im ersten Quartal 774 Millionen Dollar – deutlich mehr als Experten erwartet hatten.

Zu den Gewinnern dagegen gehörte ABB mit einem Kursplus von 1,2 Prozent. Der Elektrotechnikkonzern bringt einen möglichen Börsengang seines Geschäfts mit Ladetechnik für Elektroautos auf den Weg.

 

Bundesgerichtshof schränkt Banken bei AGB-Änderungen stark ein

Die bisherige Klausel, wonach Änderungen bereits als genehmigt gelten, wenn der Kunde nicht innerhalb von zwei Monaten widerspricht, sei unwirksam, erklärte der BGH am Dienstag. Die Klausel benachteilige die Verbraucher unangemessen. (AZ: XI ZR 26/20)

Mit dem Urteil des BGH hatte die Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen Erfolg. Die Verbraucherorganisation hatte die bisherige Regelung als eine “Art Generalermächtigung für jedwedes Änderungsbegehren” der Kreditinstitute kritisiert und eine Musterklage gegen die Postbank geführt. Ebenso wie andere Geldinstitute und Sparkassen verwendet sie AGB, die auch Klauseln für Änderungen enthalten. Dort ist vereinbart, dass Kontoführungs- und Depotgebühren ebenso wie andere Geschäftsbedingungen angepasst werden können.

Die Zustimmung eines Privatkunden gilt demnach als erteilt, wenn er zwei Monate vor der Änderung informiert wurde und nicht widersprochen hat. Er wird in der schriftlichen Information darauf hingewiesen, dass sein Schweigen als Zustimmung gilt. Diese sogenannte fiktive Zustimmung gilt für alle Änderungen der AGB. Der Kunde kann zwar seine Zustimmung verweigern und auch kündigen, aber eine inhaltliche Begründung von Änderungen war bisher nicht vorgesehen.

Der BGH gab nun der Klage der Verbraucherzentrale statt und erklärte die umfassenden Befugnisse der Bank für unwirksam. Denn es könnten nicht nur Anpassungen in Details, sondern weitreichende Änderungen ohne inhaltliche Beschränkungen vorgenommen werden. Das benachteilige Verbraucher unangemessen. Banken und Sparkassen müssen nun neu regeln, nach welchen Kriterien sie AGB-Anpassungen vornehmen. Wie die künftigen Klauseln formuliert sein müssen, hat der BGH nicht entschieden.

 

Aktionäre erwarten Schlussstrich unter Glyphosat-Debakel bei Bayer

“Bayer muss die Klagerisiken und Altlasten von Monsanto abschließend in den Griff bekommen”, forderte Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment anlässlich der virtuellen Hauptversammlung am Dienstag. Der im vorigen Jahr beschlossene außergerichtliche Vergleich sei positiv zu sehen. Jetzt müsse eine Lösung für künftige Klagen gefunden werden. “Weitere Fehltritte kann sich das Management nicht erlauben.”

Doch dieser wichtige Teil des Glyphosat-Vergleichs, bei dem es um die Handhabung und Beilegung künftiger Klagen wegen des Unkrautvernichters geht, hängt weiter in der Schwebe. Eine Anhörung zu einer neuen Einigung mit Klägeranwälten bei dem zuständigen US-Bezirksrichter Vince Chhabria verschiebt sich erneut – wenn auch nur um eine Woche – auf den 19. Mai. Ursprünglich war diese schon für den 31. März geplant. Bayer-Chef Werner Baumann verwies auf “rein terminliche Gründe”.

Der Einigung, die Bayer Anfang Februar bekannt gegeben hatte, muss Chhabria noch eine vorläufige Genehmigung erteilen. Baumann sagte, er sehe dem Termin “optimistisch entgegen”. “Wir sind überzeugt, dass die Einigung fair für alle Parteien ist und werden uns weiter dafür einsetzen.” Generell könnten finale Genehmigungen zu solchen Vereinbarungen ein Jahr oder auch länger dauern. Bayer durchdenke “selbstverständlich auch alternative Wege.” Näher äußerte er sich dazu aber nicht.

Für die Produkthaftungsverfahren zu Glyphosat in den USA erwartet Baumann derzeit Gesamtkosten für vorgesehene Vergleiche bestehender Klagen von bis zu 9,6 Milliarden US-Dollar. Für Regelungen zu zukünftigen Klagen rechnet er mit etwa zwei Milliarden Dollar, wie er bekräftigte. “Wir sind fest entschlossen, die Rechtsstreitigkeiten so schnell wie möglich in einem vernünftigen Rahmen beizulegen.” Bayer gehe bei den Glyphosat-Klagen auf alle Kanzleien zu, die aktuelle Fälle vertreten. “Die Entscheidungen über Einigungen liegen dazu allerdings nicht alleine bei uns.” Der nächste Glyphosat-Prozess sei derzeit für das dritte Quartal terminiert.

Die Fondsgesellschaft Deka hatte angekündigt, den Bayer-Vorstand auf der Hauptversammlung nicht entlasten zu wollen, für sie ist der Konzern nur noch ein “Schatten seiner selbst”. Die DWS wollte sich “aufgrund der bisher nicht gelösten Rechtsunsicherheiten in den USA und den Nachhaltigkeitsrisiken” enthalten, Union Investment wollte Vorstand und Aufsichtsrat dagegen entlasten. 2019 hatten von der Monsanto-Übernahme enttäuschte Aktionäre den Vorstand um Baumann nicht entlastet – ein bis dahin einmaliger Vorgang im Dax. Ein solcher Denkzettel blieb Baumann 2021 erspart: Der Vorstand wurde mit einer Zustimmung von 90,08 Prozent entlastet, etwas weniger als im vergangenen Jahr mit 92,6 Prozent.

 

Verbraucherschützer – Apples neue Datenschutzfunktion “erfreulich”

“Für Verbraucher ist es erfreulich, dass Apple das personalisierte Werbe-Tracking auf seinen Geräten künftig erschweren wird und so den Datenschutz stärkt”, sagte die Teamleiterin Digitales und Medien der Verbraucherzentrale Bundesverband, Lina Ehrig, am Dienstag zu Reuters. Natürlich müsse Apple dabei das Wettbewerbsrecht achten und dürfe nicht in unzulässiger Weise Dritte benachteiligen. Sollte sich Apple bei der Verarbeitung der Nutzerdaten zu Werbezwecken selbst unzulässig bevorzugen, müsse das Wettbewerbsrecht wirksam durchgesetzt werden. “In keinem Fall darf aber datenschutzfreundliches Verhalten per se als wettbewerbswidrig eingestuft werden”, sagte Ehrig.

Große Verlagshäuser und Werbetreibende werfen dem US-Konzern Apple vor, mit seinem neuen Betriebssystem seine Marktmacht zu missbrauchen. Mehrere Verbände legten Beschwerde beim Bundeskartellamt ein. Auf den Plan gerufen hat die Vertreter von Verlagen und Agenturen das Apple-Programm ATT, das unter anderem die Nutzer von iPhones fragen soll, ob sie Tracking zulassen wollen. Apps ohne ATT (App Tracking Transparency) wolle Apple nicht mehr genehmigen. “Durch diese einseitig auferlegten Maßnahmen schließt Apple faktisch alle Wettbewerber von der Verarbeitung kommerziell relevanter Daten im Apple-Ökosystem aus”, beklagen die Verbände. Apple erklärte, Privatsphäre sei ein grundlegendes Menschenrecht.

 

General Electric bremst Mittelabfluss trotz Luftfahrt-Flaute

Der bereinigte Nettogewinn verbesserte sich im ersten Quartal um ein Drittel auf 256 Millionen Dollar, obwohl der Umsatz um zwölf Prozent auf 17,1 Milliarden Dollar einbrach, wie General Electric (GE) am Dienstag mitteilte. GE bremste den Mittelabfluss aus dem Industriegeschäft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast zwei Drittel auf 845 Millionen Dollar und damit stärker als von den Analysten erwartet. Culp sprach von “soliden Ergebnissen trotz eines schwierigen Umfelds”. Die Anleger reagierten dennoch enttäuscht: Vorbörslich gab die GE-Aktie um 2,8 Prozent nach, da Investoren auf eine Anhebung der Prognosen gesetzt hatten.

“Wir gehen zusehends in die Offensive und nutzen Chancen in der Energiewende, der Präzisions-Medizintechnik und der Zukunft des Fliegens”, sagte Culp. Die Medizintechnik-Sparte löste das Triebwerks-Geschäft mit einem operativen Ergebnis von knapp 700 Millionen Dollar sogar als größten Gewinnbringer ab, obwohl auch sie Umsatz- und Gewinneinbußen verzeichnete. Das Geschäft mit Flugzeugtriebwerken lahmt wegen der Corona-Pandemie weiter. Hier ging der Auftragseingang um mehr als ein Viertel, der operative Gewinn sogar um mehr als ein Drittel zurück. Der Umsatz lag mit fünf Milliarden Dollar unter den Erwartungen von Analysten.

Für das Gesamtjahr geht GE weiter von kleinen einstelligen Zuwachsraten im Industriegeschäft aus, der Gewinn je Aktie soll 15 bis 25 Cent erreichen. Nach den ersten drei Monaten – dem üblicherweise schwächsten Quartal – steht GE bei drei Cent je Aktie. Der Free Cashflow aus dem Industriegeschäft soll zum Jahresende 2,5 bis 4,5 Milliarden Dollar erreichen.

Culp hatte die Bilanz zuletzt mit dem geplanten Verkauf des Flugzeugleasing-Geschäfts entlastet. Die Nummer zwei auf diesem Markt, GE Capital Aviation Services (Gecas), soll für mehr als 30 Milliarden Dollar an die Nummer eins, die irische AerCap, gehen. Gecas ist in den Quartalszahlen nicht mehr enthalten. Mit dem Verkauf macht GE aber einen Verlust von 2,8 Milliarden Dollar. Rund 300 Millionen Dollar schreibt GE zudem auf sein polnisches Fremdwährungs-Hypotheken-Portfolio ab, das abgewickelt wird.

 

Deutschland steckt EU-Aufbaumittel in Klimaschutz und Digitales

Insgesamt sehe der deutsche Aufbauplan brutto 28 Milliarden Euro vor, teilte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) am Dienstag mit. Davon sollen 25,6 Milliarden Euro netto als Zuschüsse aus dem EU-Aufbaufonds kommen, der mit 750 Milliarden Euro europaweit die wirtschaftliche Erholung von der Corona-Krise beschleunigen soll. Der Fonds “macht es möglich, dass auch alle anderen EU-Staaten Maßnahmen treffen, um gestärkt aus der Krise zu kommen”, erklärte Scholz bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire. Die Grünen warfen der Bundesregierung vor, ohnehin geplante Maßnahmen würden nun nur anders über die EU finanziert.

Rund 90 Prozent der Mittel in Deutschland sollen in den Klimaschutz und die Digitalisierung fließen. “Klimaschutz ist die größte Herausforderung unserer Zeit”, sagte Scholz. Rund 11,5 Milliarden Euro seien daher etwa für klimafreundliche Mobilität, Wasserstoff und Gebäudemodernisierung vorgesehen. In die digitale Transformation sollen über 14 Milliarden Euro fließen.

GRÜNE: GROSSTEIL DER MASSNAHMEN BRINGT KEINE MEHRAUSGABEN

Die Grünen kritisierten, Deutschland finanziere nun ohnehin geplante Maßnahmen nur anders. Zudem fließe kaum Geld in Strukturreformen. 80 Prozent der Maßnahmen im Aufbauplan seien bereits Bestandteil des deutschen Konjunkturprogramms, erklärte Grünen-Europapolitiker Sven Giegold. Sie seien somit keine Mehrausgaben für Klimaschutz oder Digitalisierung. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner warf der Bundesregierung vor, sie mache “aus dem großen Wurf des Wiederaufbaufonds ein ambitionsloses Stückwerk”.

Den am Dienstag vom Kabinett beschlossenen Aufbauplan will Scholz noch in dieser Woche der EU-Kommission vorlegen, ebenso wie Frankreich, Spanien und Italien. Für das 750-Milliarden-Paket darf die EU-Kommission erstmals selbst in großem Umfang Schulden aufnehmen. Deutschland und Frankreich beanspruchen für sich, maßgebliche Initiatoren des Aufbaufonds zu sein. Etwa 312 Milliarden Euro werden als Zuschüsse an die EU-Staaten verteilt und bis zu 360 Milliarden Euro als Darlehen. Die größten Summen sind für Italien und Spanien vorgesehen, die besonders stark von der Pandemie belastet wurden. Jeder einzelne Staat muss das Programm ratifizieren und in einem Aufbauplan die konkrete Verwendung des Geldes bei der EU-Kommission beantragen.

Le Maire beklagte, die EU habe zu viel Zeit verloren seit der Verständigung auf den Wiederaufbaufonds im Juli vorigen Jahres. Chinas Wirtschaft sei bereits wieder im Wachstum begriffen, und die USA boomten. Die EU müsse im Rennen bleiben. Die EU-Kommission müsse daher die nationalen Aufbaupläne so schnell wie möglich prüfen, damit sie spätestens im Juli genehmigt werden könnten. Das Geld könne dann vor dem Ende des Sommers fließen.

Synlab bei Börsengang mit vier Milliarden Euro bewertet

Die Aktien werden am Dienstagabend nach Angaben der begleitenden Investmentbanken aller Voraussicht nach zu 18 Euro zugeteilt – am unteren Ende der Preisspanne. Damit würde die Emission maximal noch 772 Millionen Euro schwer. Investoren zweifeln daran, ob Synlab das Umsatz- und Ertragsniveau nach der Corona-Pandemie halten kann, die dem Münchner Konzern eine Sonderkonjunktur beschert hat. Angesichts der Zurückhaltung der Aktienkäufer haben die Alteigentümer um den Finanzinvestor Cinven die Zahl der Aktien reduziert, die sie im Zuge des Börsengangs verkaufen.

Sie hoffen, dass der Kurs nach der Erstnotiz am Freitag (30. April) anzieht und sie nach Ablauf der Haltefrist von 180 Tagen weitere Aktien zu höheren Preisen auf den Markt werfen können. Der Streubesitz wird zunächst nur bei 19 Prozent liegen. Der Erlös, der Synlab selbst zufließt, ist von dem niedrigeren Preis unberührt. Das Unternehmen gibt so viele neue Aktien aus, dass 400 Millionen Euro in die Firmenkasse kommen. Synlab will mit dem Geld einen Teil seiner knapp zwei Milliarden Euro Schulden tilgen, hat aber auch für weitere Zukäufe 200 Millionen Euro im Jahr reserviert.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Synlab allein mit Tests auf das Corona-Virus 620 Millionen Euro. Das trieb den Umsatz um 38 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro und den operativen Gewinn um mehr als zwei Drittel in die Höhe. 2021 peilt das Unternehmen ein Umsatzplus von 17 Prozent auf mehr als drei Milliarden Euro an. Knapp die Hälfte des geplanten Zuwachses hänge immer noch mit der Corona-Pandemie zusammen. “Der Bedarf nach Tests und hygienischen Artikeln sollte in den kommenden Monaten anhalten und spielt der Firmenstrategie damit perfekt in die Karten”, sagte Marktanalyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets. Am unteren Ende der Spanne könnte die Aktie ein “interessantes Anlageobjekt” sein.

Cinven hatte Synlab vor sechs Jahren für 1,7 Milliarden Euro vom Finanzinvestor BC Partners gekauft. Durch die Fusion mit dem französischen Konkurrenten Labco[LABCO.PA] wurde der Konzern zum größten europäischen Laborbetreiber mit jährlich mehr als 500 Millionen Tests. Organisiert wird der Börsengang von Synlab von den US-Investmentbanken Goldman Sachs und JP Morgan.

 

Magazin – Hella-Eigentümerfamilie prüft Anteilsverkauf

Die Industriellenfamilie Hueck, die zusammen mit der Familie Röpke 60 Prozent an dem mit fünf Milliarden Euro bewerteten MDax-Konzern hält, habe die Investmentbank Rothschild beauftragt, den Käufermarkt zu sondieren, berichtete das “Manager Magazin” am Dienstag unter Berufung auf mehrere Beteiligte. Demnach sollen Käufer und mögliche Investoren angesprochen und um Angebote gebeten werden. Der Prozess stehe noch am Anfang und könnte auch scheitern, hieß es dem Bericht zufolge in Finanzkreisen. Hella wollte den Medienbericht nicht kommentieren.

Anleger griffen derweil zu. Die Aktie schnellte zeitweise um über elf Prozent auf 50,90 Euro in die Höhe. Die Analysten von Jefferies kommentierten, am Ende könnte auch den außenstehenden Anteilseignern ein Übernahmeangebot winken und die Firma könnte von der Börse genommen werden. Die Anteile der Gesellschafterfamilie sind allerdings noch mindestens bis 2024 durch eine Poolvereinbarung gebunden.

Der 1899 gegründete Autozulieferer, der seinerzeit mit Ball-Hupen und mit Kerzen- und Petroleumlampen für Kutschen startete, war im Herbst 2014 an die Börse gegangen.

Hella hatte im Corona-Jahr 2020 nach einem Verlust ein Restrukturierungsprogamm aufgelegt, das auch den Abbau von über 1000 Stellen vorsieht. Der Scheinwerferspezialist konnte so dank der Kostensenkungen zuletzt einen Gewinnanstieg verbuchen.

Firmenchef Rolf Breidenbach, dessen Vertrag bis 2024 läuft, treiben trotz der spürbaren Markterholung Lieferengpässe um. “Die hohe Nachfrage etwa nach Mikrochips sorgt für Knappheit bei Elektrobauteilen”, hatte er im Januar erklärt. Er bekräftigte zwar seine Jahresziele, räumte aber ein, dass die Engpässe die Produktion beeinträchtigen könnten und die Auswirkungen derzeit nicht kalkulierbar seien. Insgesamt erwartet er eine langsame Erholung des Automobilmarktes.

 

Regierung erwartet mehr Wachstum – “Schaffen die Trendwende”

Das Bruttoinlandsprodukts (BIP) werde in diesem Jahr vor allem wegen boomender Exporte um 3,5 Prozent zulegen, geht aus den am Dienstag veröffentlichten Frühjahrsprojektionen hervor. Im Januar waren lediglich 3,0 Prozent veranschlagt worden. Für 2022 wird mit einem Anstieg von 3,6 Prozent gerechnet. “Dieses Jahr ist das Jahr, in dem wir die Trendwende endgültig schaffen”, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei der Vorstellung der Prognosen in Berlin. “Wir werden den Wirtschaftseinbruch nicht nur stoppen, sondern wir werden ihn umkehren. Wir haben spätestens 2022 wieder die alte Stärke erreicht.”

Garant dafür soll der Aufschwung der exportabhängigen Industrie sein. Die Ausfuhren sollen in diesem Jahr um 9,2 Prozent wachsen, da sich der Welthandel stark belebt und Waren “Made in Germany” zunehmend gefragt sind – besonders in den USA und China. Die deutschen Exporteure sind deshalb so optimistisch wie seit über zehn Jahren nicht mehr: Das Barometer für die Exporterwartungen der Industrie kletterte im April um 0,8 auf 24,6 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Anfang 2011, wie das Münchner Ifo-Institut bei seiner Unternehmensumfrage herausfand. “In vielen Ländern zeigt sich die Industrie von der Pandemie kaum beeinträchtigt”, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. “Davon profitiert die Nachfrage nach deutschen Exportgütern deutlich.”

Die Regierung geht davon aus, dass dadurch auch mehr investiert wird im Inland. “Auch Nachholeffekte spielen eine Rolle, da Investitionen wegen der Krise zurückgestellt wurden”, hieß es. Der Bauboom dürfte sich ebenfalls fortsetzen, und zwar “aufgrund des Niedrigzinsumfelds und der hohen Nachfrage nach Wohnraum”. Durch die schrittweise Lockerung der Corona-Beschränkungen sollen auch Binnenwirtschaft und private Konsumausgaben allmählich in Schwung kommen. Das Geld für einen Konsumboom sei da, sagen Ökonomen. Wegen ausgefallener Urlaubsreisen und Restaurantbesuche dürften 200 Milliarden Euro zusätzlich gespart worden sein, was künftig zumindest teilweise in den Konsum fließen dürfte. “Mit fortschreitendem Impferfolg und Lockerungen ab dem Sommer werden dann die Menschen auch zunehmend Konsumausgaben nachholen”, ist sich der Wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Sebastian Dullien, sicher.

“ES GEHT LANGSAM AUFWÄRTS”

Der Arbeitsmarkt soll sich nach dem schwierigen Jahresauftakt allmählich beleben. Dennoch dürfte es 2021 zu einem Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen um 60.000 kommen. 2022 dürfte es dann einen Beschäftigungsaufbau um 290.000 Stellen geben.

Altmaiers Konjunkturoptimismus wird von Finanzminister Olaf Scholz geteilt. “Gerade erfordert die dritte Corona-Welle von uns allen nochmal eine große Anstrengung”, sagte der SPD-Kanzlerkandidat. “Trotzdem ist klar: Es geht langsam aufwärts, und die Hilfspolitik wirkt.” Die europäischen Aufbaupläne sollen einen zusätzlichen Schub bringen. Scholz rechnet mit etwa 28 Milliarden Euro für Deutschland aus dem Corona-Wiederaufbaufonds der Europäischen Union (EU), das für Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung fließen soll. Für das 750-Milliarden-Paket darf die EU-Kommission erstmals selbst in großem Umfang Schulden aufnehmen.

Die Regierung bleibt mit ihren Wachstumsprognosen leicht hinter denen der führenden Institute zurück. Diese sagen in ihrer am 15. April veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose – die Altmaier als Grundlage für die eigene Vorhersage dient – ein Wachstum von 3,7 Prozent in diesem und von 3,9 Prozent im kommenden Jahr voraus. Die Projektionen wiederum bilden die Grundlage für die Steuerschätzung im Mai, an denen sich die Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung orientiert.