Insider – G20-Einigkeit bei globaler Steuerreform erst in letzter Minute

Am Ende sei dies aber gelungen, sagte ein deutscher Regierungsvertreter am Montag. Wichtig sei auch gewesen, alle europäischen Partner in dem von der Industriestaaten-Organisation OECD koordinierten Prozess an Bord zu holen. “Das ist ein erheblicher Fortschritt.” Das werde es deutlich leichter machen, einstimmig eine Richtlinie zur Umsetzung der Pläne in der EU durchzubekommen.

136 Staaten hatten sich am Freitag auf Details der Steuerreform geeinigt. Diese sieht eine Mindeststeuer für große Konzerne von 15 Prozent vor. Außerdem sollen Schwellenländer mehr Steuereinnahmen abbekommen. Die Regeln sollen bereits 2023 in Kraft treten, was als ambitioniert gilt. In Europa waren bis zuletzt Irland, Ungarn und Estland skeptisch, tragen die Pläne nun aber mit. Welche Staaten aus dem Kreis der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) erst in letzter Minute einschwenkten, sagte der Regierungsvertreter nicht.

Noch im Laufe des Oktobers soll nun auf G20-Ebene endgültig grünes Licht für die Steuerreform gegeben werden, nachdem im Sommer ein Grundgerüst gebilligt wurde. Die Pläne sollen dann nächstes Jahr in Gesetzestexte gegossen werden.

 

Britischer Energieminister warnt vor Pleiten in der Energiebranche

“Es ist denkbar, dass Unternehmen aus dem Markt verschwinden”, sagte Kwarteng am Donnerstag auf der Energiekonferenz des Landes. Er schloss staatliche Hilfe für angeschlagene Firmen aus. “Die Regierung wird gescheiterte Unternehmen nicht retten, es kann keine Belohnung für unverantwortliches Management geben.” Wegen steigender Energiegroßhandelspreise sind einige Energieversorger in Großbritannien Pleite gegangen, allein im September neun.

Der Minister versicherte, Großbritannien habe genug Gas und Strom, um die Nachfrage im Winter zu bedienen. Der britische Netzbetreiber National Grid hatte zuletzt vor Stromknappheit gewarnt.

Längerfristig werde Großbritanniens Plan, bis 2035 nur noch saubere Energie aus Wind-, Solar- oder Atomkraft zu produzieren, zum Schutz der Verbraucher beitragen, sagte Kwarteng weiter. “Die Volatilität des Gaspreises hat gezeigt, dass wir strategisch planen müssen, und Netto-Null hilft uns dabei.” Der Minister kündigte an, die Regierung bis 2024 Investitionszusagen für mindestens ein neues großes Atomkraftwerk zu machen.

Premierminister Boris Johnson hatte am Montag angekündigt, Großbritannien wolle bis 2035 “sauberen Strom” produzieren, um das Ziel des Landes zu erreichen, Netto-Null-CO2-Emissionen zu erreichen.

Die Preise für Strom und Gas sind insbesondere durch die Konjunkturerholung nach dem Höhepunkt der Corona-Krise stark angestiegen. Das kann Experten zufolge Marktteilnehmer in die Insolvenz treiben. “Es gibt Stromlieferanten, die Verträge mit Kunden abschließen mit festen Preisen und diese Mengen nicht im Terminmarkt absichern”, hieß es bei der Unternehmensberatung Horvath & Partners.

 

Deutsche Flughäfen machen wohl erst 2024 wieder Gewinn

Die Zahl der Passagiere dürfte immer noch rund 35 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019 liegen, nach minus 71 Prozent in diesem Jahr, wie der Airportverband ADV am Dienstag mitteilte. 2023 dürfte der Wert dann nur noch rund 17 Prozent unter dem Stand vor der Virus-Pandemie liegen und 2024 rund sieben Prozent darunter. In den Jahren danach könnte das alte Niveau wieder allmählich erreicht werden. “Es geht wieder aufwärts”, sagte ADV-Präsident Stefan Schulte in Berlin. “Die Bevölkerung will wieder fliegen.” Die Branche sei ein Stück weit optimistisch.

Dennoch bringt die Corona-Krise viele Flughäfen in wirtschaftliche Bedrängnis. Nach einem Umsatzminus von 55 Prozent im Corona-Jahr 2020 rechne man auch für dieses Jahr nur mit der Hälfte der Erlöse im Vergleich zu 2019, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Nach einem Vorsteuergewinn von rund 800 Millionen Euro 2019 hätten die Airports 2020 rund 2,1 Milliarden Euro Verlust gemacht und rechneten für dieses Jahr noch einmal mit einem Minus von 1,5 Milliarden Euro. ADV-Präsident Schulte geht davon aus, dass manche Flughäfen 2024 wieder schwarze Zahlen schreiben könnten, andere wohl erst 2025. Mittelfristig werde der Luftverkehr in Europa wohl nur noch um zwei bis zweieinhalb Prozent wachsen – und damit weniger als ursprünglich erwartet und weniger als der weltweite Luftverkehr.

Zuversichtlich äußerte sich Schulte zum wieder anziehenden Markt für Geschäftsreisen. Hier werde man in den nächsten zwei, drei Jahren aber wohl nur 70 bis 80 Prozent des ursprünglichen Niveaus erreichen. Derweil liege die Luftfracht wieder über dem Stand aus der Vor-Corona-Zeit, nicht zuletzt wegen Lieferengpässen bei wichtigen Industrieprodukten auf dem Seeweg.

Während der bundesweiten Sommerferien vom 19. Juni bis 12. September zählten die deutschen Flughäfen 28,6 Millionen Passagiere. Das waren zwar fast 15 Millionen mehr als vor einem Jahr, aber nur 52 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Im gesamten ersten Halbjahr lag die Passagierzahl noch 86 Prozent unterm Vorjahr – es gab so wenig Fluggäste wie zuletzt 1971.

Von der künftigen Bundesregierung wünschen sich die Flughäfen Unterstützung, um den Luftverkehr klimaneutral zu machen. Die Bemühungen auf EU-Ebene müssten aber wettbewerbsneutral sein – dürften also die europäische Luftfahrtbranche nicht benachteiligen, mahnte Schulte. “Es kann nicht sein, dass es ein Konjunkturprogramm für den Nahen und Mittleren Osten wird.”

 

E-Autobauer Polestar will an Börse – Mögliche Bewertung 20 Mrd Dollar

Das schwedische Unternehmen, zu dessen Investoren Hollywoodstar Leonardo DiCaprio gehört, soll bei der Transaktion mit rund 20 Milliarden Dollar bewertet werden, wie Polestar am Montag mitteilte. Der Börsengang soll über einen sogenannten SPAC – Special Purpose Acquisition Company – erfolgen. Polestar fusioniere dazu mit der Investmentfirma Gores Guggenheim des US-Milliardärs Alex Gores und werde künftig unter dem Namen Polestar Automotive Holding an der New Yorker Börse geführt.

Polestar könnte im Rahmen der Transaktion über eine Milliarde Dollar zufließen, wenn sich alle Gores-Guggenheim-Investoren beteiligen und nicht von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihre Aktien zurückzugeben. 250 Millionen Dollar der Gesamtsumme sollen von institutionellen Anlegern kommen.

Der Premium-Elektroautohersteller lieferte im vergangenen Jahr rund 10.000 Fahrzeuge aus. Bis 2025 soll die Zahl der verkauften Autos auf 290.000 steigen, weitere neue Modelle sollen in den kommenden Jahren hinzukommen. Im April erhielten die Schweden von Investoren 550 Millionen Dollar.

 

Deutsche Bank vorerst mit Umbau und nicht Übernahmen beschäftigt

Die Deutsche Bank sei aktuell aber mit ihrer Transformation beschäftigt, doch bereite sie sich damit auch auf diese Entwicklung vor, sagte von Moltke am Donnerstag in einer Video-Konferenz. Die Neuausrichtung werde es dem Geldhaus erlauben, “uns in strategische Aktivitäten zu engagieren”. Wenn es einmal eine wertsteigernde Transaktion gebe, die die Wettbewerbsposition der Bank stärke, könne es Gespräche geben.

 

Windbranche legt Konzept für Wasserstoff-Produktion auf hoher See vor

Es müsse zunächst ein konkretes Ziel für “grünen” Wasserstoff aus Offshore-Windenergie festgeschrieben werden, verlangen acht Organisationen rund um die Branche in einem am Freitag veröffentlichten Papier. Die Wasserstoff-Ziele müssten dabei zusätzlich zur bestehenden Vorgabe des Offshore-Ausbaus mit 40 Gigawatt Stromleistung bis 2040 kommen. Diese entspricht rechnerisch etwa 40 AKW-Blöcken. Gefordert wird zudem, ein weit vor der Küste liegendes Seegebiet für die direkte Wasserstoff-Erzeugung mit Windstrom zu reservieren, da ein Stromanschluss auf absehbare Zeit dort nicht möglich sei. Angesichts des enormen Bedarfs an Wasserstoff gerade in der deutschen Industrie müsse die nächste Bundesregierung den Ausbau beschleunigen.

Mit Hilfe von Wind- oder Sonnenstrom erzeugter Wasserstoff gilt als zentraler klimafreundlicher Brennstoff gerade für die Industrie. Während etwa bei Autos der direkte elektrische Antrieb favorisiert wird, fehlen klimafreundliche Lösungen für Schwerlaster, die Schifffahrt sowie Chemie-, Stahl- und Zementindustrie.

Da der Wind auf hoher See kräftiger und stetiger weht und die Akzeptanzprobleme für die riesigen Anlagen geringer sind, kommt der Offshore-Technologie in den nächsten Jahren eine immer größere Rolle zu. Mit der direkten Wasserstoff-Produktion auf dem Meer wird auch das zentrale Problem, der Strom-Leitungsanschluss, entschärft. Wasserstoff könnte dann mit Tankschiffen an Land gebracht werden.

Die acht Organisationen, darunter der Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore (BWO) und die IG Metall Küste, halten aber auch eine Nordsee-Wasserstoffleitung für sinnvoll. Damit könnten nicht nur Anlagen in deutschen Gewässern, sondern auch Windparks anderer Nordsee-Anrainer angeschlossen werden.

Mit ihrer Wasserstoff-Strategie hat die Bundesregierung bisher neun Milliarden Euro für den Aufbau von Produktions- oder Transportanlagen in Aussicht gestellt. Zusammen mit Privat-Investoren sollen so über 30 Milliarden Euro fließen. Klar ist allerdings, dass wegen des großen Bedarfs mittelfristig Wasserstoff etwa aus sonnen- und windreichen Gegenden Südeuropas oder Afrikas importiert werden muss. Erneuerbare Energien aus Deutschland werden dies allein nicht leisten können, weil für die Wasserstoff-Produktion sehr große Mengen benötigt werden. Es gilt daher als sicher, dass auch künftig Deutschland den Großteil seiner Energie importieren muss.

 

Chipmangel lässt Absatz von Volkswagen um 22 Prozent einbrechen

Im August brachte der Konzern weltweit 616.500 Fahrzeuge zu den Kunden, 22 Prozent weniger als vor einem Jahr. Damit gingen die Auslieferungen den zweiten Monat in Folge auf Talfahrt. Am stärksten war der Rückgang im vergangenen Monat in China, dem größten Absatzmarkt des Autobauers. Dort schrumpften die Auslieferungen um ein Drittel. Auch in Europa und Amerika setzten die Wolfsburger im vergangenen Monat deutlich weniger Fahrzeuge ab als vor Jahresfrist.

Unter den Pkw-Marken des Konzerns schlug sich Seat mit einem Minus von 0,7 Prozent noch vergleichsweise gut. Dagegen brachen die Auslieferungen bei der tschechischen Schwester Skoda um 34 Prozent ein. Auch Porsche schlug weniger Fahrzeuge los (minus 18,5 Prozent). Audi verkaufte 20 Prozent weniger von seinen Oberklassefahrzeugen. Die Kernmarke VW büßte fast ein Viertel ein. Dagegen legten die Lkw- und Bus-Hersteller MAN und Scania beim Absatz kräftig zu. Insgesamt lieferte der Konzern seit Jahresbeginn 6,3 Millionen Fahrzeuge aus, plus 13 Prozent.

 

Berliner Sprachlern-Anbieter Babbel peilt Börsengang an

Das Vorhaben sei noch in diesem Jahr geplant, teilte Babbel am Dienstag mit. “Wir stemmen den ersten Börsengang eines auf Bildung fokussierten Technologieunternehmens in Deutschland”, sagte Firmenchef Arne Schepker der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei, dabei mindestens 180 Millionen Euro einzusammeln. Insidern zufolge könnte die 2007 gegründete Firma bei der Neuemission auf einen Wert zwischen einer und zwei Milliarde Euro kommen.

Babbel beendet mit der Ankündigung die Sommerpause an der Frankfurter Börse, vor der bereits mehr als 15 Unternehmen in diesem Jahr den Sprung auf das Parkett geschafft und damit zusammen mehr als neun Milliarden Euro eingesammelt hatten. Dazu gehörte unter anderen der Online-Brillenversand Mister Spex aus der Hauptstadt.

Spätestens seit der Corona-Krise, die viele Schüler und Studenten an den heimischen Schreibtisch zwang, sind Lern-Startups gefragt. Babbel setzte im vergangenen Jahr rund 147 Millionen Euro um und kam von Januar bis Juni auf ein Plus von 18 Prozent auf 83 Millionen Euro. Der große Babbel-Konkurrent aus den USA, Duolingo, der rund 40 Millionen aktive Nutzer monatlich zählt, feierte im Juli ein fulminantes Börsendebüt an der Wall Street und wurde mit 6,5 Milliarden Dollar bewertet. Die Lernplattform GoStudent sammelte 205 Millionen Euro bei Investoren wie der japanischen Softbank und der chinesischen Tencent ein und wird seither mit mehr als 1,4 Milliarden Euro bewertet.

Unter der Marke “Babbel” – abgeleitet vom hessischen Dialektwort für sprechen – bietet das Unternehmen in seiner App auf Abo-Basis Sprachkurse, Vokabel- und Rechtschreib-Tests in 15 Sprachen an. Zudem investierte Babbel bereits in eine Sprachreiseplattform und neue Lernmethoden wie Podcasts und Live-Tutoring-Klassen durch Muttersprachler. Mit den Einnahmen aus dem von BNP Paribas und Morgan Stanley begleiteten Börsengang will das Unternehmen sein Angebot unter anderem weiter ausbauen. “Wir sehen auch großes Potenzial im Firmenkundengeschäft. Zudem wollen wir weiter in den USA expandieren. Dort sind wir eins der wenigen Startups aus Deutschland, das dort erfolgreich ist”, sagte Schepker.

 

Milliarden-Streit um Hedgefonds erschreckt Allianz-Anleger

Die Aktien des größten europäischen Versicherers gaben am Montag bis zu zehn Prozent nach und steuerten auf den größten Tagesverlust seit dem Börsen-Crash vom März 2020 zu. Aus dieser Zeit zu Beginn der Corona-Krise rührt auch der Ärger her, den die Vermögensverwaltungs-Tochter Allianz Global Investors (AllianzGI) mit US-Investoren mehrerer Hedgefonds hat, die sie unter dem Namen “Structured Alpha Fonds” aufgelegt hatte. Diese hatten Verluste erlitten, als die Märkte im ersten Corona-Schock in die Knie gingen. Klagen von Pensionsfonds und anderen Anlegern gegen die Allianz summieren sich Gerichtsunterlagen zufolge inzwischen auf fast sechs Milliarden Dollar, wie eine mit den Verfahren vertraute Person sagte.

Inzwischen steht die Allianz deshalb von verschiedenen Seiten unter Druck: Nach der US-Wertpapieraufsicht SEC hat sich auch das Justizministerium der USA in die Angelegenheit eingeschaltet. Das wiederum hat den Vorstand des Münchner Versicherungsriesen auf den Plan gerufen. Man sei “zu dem Schluss gekommen, dass ein relevantes Risiko besteht, dass die mit den ‘Structured Alpha Fonds’ verbundenen Angelegenheiten erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse der Allianz haben könnten”, warnte der Vorstand am Sonntagabend.

Im Gewinn schlägt sich das trotzdem zunächst nicht nieder. Um eine Rückstellung bilden zu können, müsste die Allianz den drohenden Schaden halbwegs konkret abschätzen können – doch dazu sehe man sich derzeit nicht in der Lage, hieß es in der Mitteilung. Bis man klarer sehe, werde der Rechtsstreit die Allianz-Aktie belasten, auch wenn der Versicherer die Belastungen verkraften könne, schrieben die Analysten von JPMorgan am Montag. Die Allianz legt am Freitag (6. August) ihre Geschäftszahlen für das zweite Quartal vor. Sie peilt für das laufende Jahr bisher einen operativen Gewinn von 11 bis 13 Milliarden Euro an. Mit Spannung erwarten Investoren, ob sie die Aktienrückkäufe wieder aufnimmt, die in der Corona-Krise auf Druck der Aufsicht ausgesetzt wurden.

BIS ZU 97 PROZENT VERLOREN

Die meisten der “Structured Alpha”-Verfahren sind in New York anhängig. Zu den Klägern gehört neben dem Pensionsfonds für Lehrer im US-Bundesstaat Arkansas (ATRS) auch der Fonds für rund 70.000 Mitarbeiter der New Yorker Verkehrsgesellschaft Metropolitan Transport Authority (MTA). Sie werfen der AllianzGI vor, bewusst von der Strategie abgewichen zu sein, die Fonds mit Optionen gegen einen kurzfristigen Absturz an den Finanzmärkten abzusichern. Mit einem der Hedgefonds erlitten die Anleger laut den Klagen einen Verlust von 97 Prozent. Zwei Fonds hatte die AllianzGI nach den Verlusten sogar liquidiert.

Nun untersucht laut Allianz auch das US-Justizministerium den Fall und hat Informationen von dem Versicherer angefordert. “Die Allianz kooperiert vollumfänglich mit der SEC und dem DOJ bei deren Ermittlungen und hat umgehend eine eigene Überprüfung der Angelegenheit eingeleitet”, hieß es in der Mitteilung. Ein Sprecher von AllianzGI hatte die Vorwürfe vergangenes Jahr als “rechtlich und faktisch unzutreffend” zurückgewiesen, seien die Pensionsfonds doch professionelle Anleger, die Fonds mit einem höheren Rendite-Risiko-Profil gekauft hätten. Diese sollten bis zu zehn Prozent höhere Renditen bringen als der S&P-500-Index. AllianzGI war in einer eigenen Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass die Verluste “nicht das Ergebnis einer fehlerhaften Portfolio-Investmentstrategie oder Fehlern im Risikomanagement” waren.

 

IWF warnt vor Spaltung der Weltwirtschaft – Mehr Inflation erwartet

Gleichzeitig warnt der Fonds in seinem am Dienstag veröffentlichen Ausblick vor einer Spaltung der globalen Konjunktur durch den Mangel an Impfstoffen in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie vor schneller steigenden Preisen für die Verbraucher.

Das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr zwar um kräftige 6,0 Prozent wachsen, bekräftigte die in Washington ansässige Organisation ihre Prognose vom April. “Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich aber in den einzelnen Ländern weiter auseinanderentwickelt”, betonte der IWF zugleich. “Der Zugang zu Impfstoffen stellt sich dabei als die wichtigste Bruchlinie heraus.” Hier spalte sich die globale Erholung in zwei Blöcke. Auf der einen Seite viele Industrieländer, die sich dank Impffortschritten auf eine Normalisierung freuen könnten. Auf der anderen Seite viele Entwicklungs- und Schwellenländer, die immer noch mit hohen Infektions- und Todeszahlen kämpften. “Nahezu 40 Prozent der Bevölkerung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften sind vollständig geimpft, verglichen mit elf Prozent in den Schwellenländern und einem winzigen Bruchteil in den einkommensschwachen Entwicklungsländern”, sagte IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath.

Für 2022 hob der IWF seine Prognose für das Wachstum der globalen Wirtschaft von 4,4 auf 4,9 Prozent an. Im Pandemiejahr 2020 war die Weltwirtschaft noch um 3,2 Prozent eingebrochen. “Die Erholung ist jedoch selbst in Ländern, in denen die Infektionen derzeit sehr gering sind, nicht gewährleistet, solange das Virus anderswo zirkuliert”, warnte der IWF.

2022 MEHR WACHSTUM FÜR DEUTSCHLAND ERWARTET

Der Fonds senkte seine Konjunkturprognose für etliche Entwicklungs- und Schwellenländer wie Indien, wo es nach wie vor hohe Infektionsraten und zu wenig Impfstoffe gebe. Für viele Industrieländer werden die Aussichten dagegen wegen der Impffortschritte und staatlicher Mehrausgaben heraufgesetzt. Die weltgrößte Volkswirtschaft USA etwa dürfte demzufolge in diesem Jahr um 7,0 statt der bislang erwarteten 6,4 Prozent wachsen, 2022 dann um 4,9 statt 3,5 Prozent. Der IWF begründete den Optimismus mit steigenden Investitionen der Regierung von Präsident Joe Biden in die Infrastruktur. Für Deutschland erwartet der IWF fürs laufende Jahr weiterhin einen BIP-Anstieg von 3,6 Prozent, erhöhte aber die Prognose für 2022 von 3,4 auf 4,1 Prozent. Für die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft China senkte der Fonds seine Prognose für dieses Jahr von 8,4 auf 8,1 Prozent, hob sie aber für 2022 von 5,6 auf 5,7 Prozent an.

Der IWF erwartet zugleich weltweit kräftiger steigende Verbraucherpreise, warnt die Notenbanken aber vor einer raschen Abkehr von der Politik des billigen Geldes. Die Preise dürften demnach in diesem Jahr in den Industriestaaten um durchschnittlich 2,4 Prozent zulegen. Im April war der Fonds nur von 1,6 Prozent ausgegangen. Für 2022 wurde die Prognose von 1,7 auf 2,1 Prozent erhöht. Auch für die Entwicklungs- und Schwellenländer wird eine höhere Inflation erwartet.

“Die Zentralbanken sollten generell über vorübergehenden Inflationsdruck hinwegsehen und eine Straffung vermeiden, bis mehr Klarheit über die zugrundeliegende Preisdynamik besteht”, riet der Fonds. Das müsse von den Währungshütern gut erklärt werden, damit sich Inflationserwartungen nicht verfestigten. “Es besteht jedoch das Risiko, dass der vorübergehende Druck anhalten wird und die Zentralbanken präventive Maßnahmen ergreifen müssen”, räumte der IWF zugleich ein.