Facebook-Mutter Meta trotz Gewinneinbruch optimistisch

Bangalore (Reuters) – Hohe Kosten für Abfindungen und den Konzernumbau haben Meta einen überraschend starken Gewinneinbruch eingebrockt.

Allerdings signalisierte der Mutterkonzern des Online-Netzwerks Facebook am Mittwoch eine Erholung der seit langem schwächelnden Werbeeinnahmen. Gleichzeitig kündigte er eine strengere Kostenkontrolle sowie zusätzliche Aktienrückkäufe im Volumen von 40 Milliarden Dollar an.

Meta-Titel stiegen daraufhin nachbörslich um mehr als 21 Prozent, so stark wie zuletzt vor neuneinhalb Jahren. In ihrem Windschatten rückten die Titel der ebenfalls stark von Online-Anzeigen abhängigen Google-Mutter Alphabet sowie des Snapchat-Betreibers Snap bis zu fünf Prozent vor.

SCHWIERIGES JAHR 2022 – 2023 BESSERUNG ERWARTET

Im laufenden Quartal erwartet Meta Umsätze von 26 bis 28,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten bislang im Schnitt 27,14 Milliarden Dollar prognostiziert. Für 2023 prognostizierte die Firma Ausgaben von 89 bis 95 Milliarden Dollar, fünf Milliarden Dollar weniger als bislang.

Im vierten Quartal 2022 verbuchte die Mutter des Messenger-Dienstes WhatsApp dagegen den fünften Gewinnrückgang in Folge. Der Überschuss brach um 55 Prozent auf 4,65 Milliarden Dollar ein, stärker als gedacht. Das Unternehmen leidet unter hohen Kosten und starkem Wettbewerbsdruck durch TikTok. Die chinesische Video-App jagt der Meta-Tochter Instagram Nutzer ab. Darüber hinaus erschweren neue Datenschutz-Regeln von Apple das Personalisieren von Werbung für Nutzer von iPhone & Co. Sie gilt dadurch als weniger wirksam und wirft weniger ab.

Gleichzeitig türmt die Sparte “Reality Labs” Milliarden-Verluste auf und löst damit bei Investoren Unmut aus. In diesem Geschäftsbereich ist unter anderem die Entwicklung des “Metaversum” gebündelt, einer virtuellen Welt, die Meta-Chef Mark Zuckerberg als besonders zukunftsträchtig betrachtet. Diese Faktoren hatten im November zur ersten Entlassungswelle der Firmengeschichte geführt. 11.000 Stellen sollen wegfallen.

(Bericht von Nivedita Balu; geschrieben von Hakan Ersen; Redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Fed verkürzt Zinsschritt und erhöht Leitzins um einen Viertelpunkt

– von Howard Schneider und Ann Saphir

Washington (Reuters) – Die US-Notenbank schaltet angesichts der abflauenden Inflation in den USA bei ihrer ersten Zinserhöhung im neuen Jahr einen weiteren Gang zurück.

Die Federal Reserve erhöhte den Schlüsselsatz am Mittwoch lediglich um einen Viertel-Prozentpunkt – auf die neue Spanne von 4,50 bis 4,75 Prozent. Damit kehrt nach einer Serie relativ aggressiver Zinsschritte wieder etwas Normalität in der Geldpolitik ein. Die Fed hat bereits im Dezember den Leitzins nur noch um einem halben Punkt angehoben. Zuvor hatte sie ihn vier Mal in Folge um jeweils 0,75 Prozentpunkte nach oben getrieben, um die Inflationswelle zu brechen. Fed-Chef Jerome Powell bekräftigte allerdings am Mittwoch, dass fortlaufende Zinsanhebungen angemessen seien, um die Inflation zur Zielmarke von zwei Prozent zurückzubewegen.

An der US-Börse zogen die Aktienkurse nach Powells Rede an. Der S&P-500-Index legte ein Prozent zu. Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen büßte leicht ein. Der Kurs des US-Dollar gab zudem etwas nach.

Das langsamere Tempo der geldpolitischen Straffung heize die Debatte an, wie weit der US-Leitzinsgipfel noch entfernt sei, kommentierte LBBW-Analyst Elmar Völker den Fed-Beschluss. Die US-Inflation befinde sich seit Sommer 2022 auf dem Rückzug. Und die Chancen stünden gut, dass der Trend zu nachlassender Teuerung in den kommenden Monaten weitergehe. Aus Sicht von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sollte die “kleine” Zinsanhebung um 25 Basispunkte nicht als Signal für das bevorstehende Ende des Zinsanhebungszyklus verstanden werden. “Die Fed sieht noch immer die Notwendigkeit für weitere Leitzinsanhebungen”, so Gitzel.

Dies machte Powell auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss deutlich. “Es gibt noch mehr zu tun”, sagte der Notenbankchef. “Auch wenn sich die Inflation zuletzt abgeschwächt hat, bleibt sie zu hoch.” Er sei weiterhin der Ansicht, dass es einen Weg gebe, die Inflation wieder auf zwei Prozent zu senken, ohne dass es zu einem erheblichen Konjunkturabschwung oder zu einem signifikanten Anstieg der Arbeitslosigkeit komme. Die Fed habe auch noch nicht entschieden, bei welchem Niveau sie ihren Zinserhöhungskurs beenden werde. “Je länger die derzeitige Phase hoher Inflation anhält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Erwartungen einer höheren Inflation verfestigen”, warnte er.

ABSAGE AN SCHNELLE ZINSSENKUNGEN

Schnellen Zinssenkungen erteilte der Notenbankchef eine Absage. Die derzeitigen Aussichten ließen ein schwächeres Wachstum, einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit und einen allmählichen Rückgang der Inflation erwarten, sagte Powell. “Wenn sich die Wirtschaft im Großen und Ganzen im Einklang mit diesen Erwartungen entwickelt, wird es nicht angebracht sein, die Zinsen in diesem Jahr zu senken”, merkte er an. Sollte die Inflation dagegen schneller zurückweichen, werde dies in der Geldpolitik berücksichtigt.

Die Teuerungsrate war im Dezember auf 6,5 von 7,1 Prozent im November gefallen. Der sechste Rückgang in Folge bietet der Zentralbank jetzt Spielraum für eine weniger scharfe geldpolitische Gangart. Dies hatte Erwartungen geschürt, der Zinsgipfel werde womöglich im Frühjahr erreicht sein. An den Finanzmärkten kursieren mit Blick auf den Sommer zuletzt sogar bereits Zinssenkungsfantasien.

ARBEITSMARKT ETWAS SCHWÄCHER

Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich zum Jahresbeginn eher etwas schwächer als erwartet. So haben die US-Unternehmen zu Jahresbeginn einer Umfrage zufolge weit weniger Jobs geschaffen als erwartet. Unter dem Strich entstanden nach einer Firmenumfrage des Personaldienstleisters ADP im Januar nur 106.000 Arbeitsplätze. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Stellenzuwachs im Privatsektor von 178.000 gerechnet, nach revidiert 253.000 im Dezember. Der noch wichtigere Arbeitsmarktbericht der US-Regierung, der auch Jobs im öffentlichen Dienst erfasst, steht am Freitag an.

Die US-Industrie beschleunigte unterdessen ihre Talfahrt zum Jahresstart. Der Einkaufsmanagerindex für den Sektor sank laut der am Mittwoch veröffentlichten Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) im Januar um einen vollen Zähler zum Vormonat auf 47,4 Punkte. Damit entfernte sich das Barometer noch weiter von der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und fiel auf das tiefste Niveau seit Mai 2020. Volkswirten zufolge liefern die Daten der Fed Argumente dafür, bei den Zinserhöhungen nun etwas gemächlicher voranzuschreiten.

Das von der Fed bevorzugte Maß für die Inflation, der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE), stieg im Dezember zwar nur noch mit einer Jahresrate von fünf Prozent. Das ist deutlich weniger als der Höchststand im Juni von fast sieben Prozent. Das Maß liegt damit aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie die Zielmarke der Fed.

(Bericht von Büro Washington, Frank Siebelt, Reinhard Becker; Redigiert von Elke Ahlswede; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Siemens Healthineers hält trotz Gewinnrückgang an Prognosen fest

München (Reuters) – Das bröckelnde Geschäft mit Corona-Schnelltests und Probleme mit einem Zulieferer der US-Tochter Varian haben Siemens Healthineers einen Umsatz- und Gewinnrückgang eingebrockt.

Der Umsatz ging im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2022/23 (Ende September) auf vergleichbarer Basis um fünf Prozent auf 5,08 Milliarden Euro zurück, das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) brach um 28 Prozent auf 647 Millionen Euro ein, wie der Medizintechnikkonzern am Donnerstag in Erlangen mitteilte. Analysten hatten mit dem Rückgang gerechnet. Die Diagnostik-Sparte rutschte ohne die Schnelltest-Erlöse in die roten Zahlen. Vorstandschef Bernd Montag bekräftigte dennoch die Ziele für das Gesamtjahr und verwies dabei auf den starken Auftragseingang.

(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Elektrokonzern ABB erreicht Margen-Ziel früher als angepeilt

Zürich (Reuters) – Der Elektrotechnikkonzern ABB hat 2022 deutlich weniger verdient.

Der Gewinn sackte im vergangenen Jahr um 46 Prozent auf 2,48 Milliarden Dollar ab, wie der Schweizer Konzern am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahr hatte allerdings der Erlös aus dem Verkauf des Getriebeproduzenten Dodge das Ergebnis aufgebläht. ABB fuhr zwar auch 2022 Verkaufserlöse ein, allerdings in geringerem Ausmaß. Im Tagesgeschäft schnitt der Hersteller von Robotern, Antrieben und Elektro-Ladestationen besser ab als 2021. Das Betriebsergebnis (Operatives Ebita) stieg um neun Prozent auf 4,51 Milliarden Dollar. Die operative Marge kletterte auf 15,3 Prozent und übertraf damit ein Jahr früher als geplant die von Konzernchef Björn Rosengren ausgerufene Zielmarke von 15 Prozent.

Analysten hatten einer Umfrage des Unternehmens zufolge im Durchschnitt einen Überschuss von 2,06 Milliarden Dollar und eine operativen Marge von 15,4 Prozent erwartet.

(Reporter: Oliver Hirt, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern +49 30 2201 33711 (für Politik und Konjunktur) +49 30 2201 33702 (für Unternehmen und Märkte)

Deutsche Bank erzielt bestes Ergebnis seit fünfzehn Jahren

Frankfurt (Reuters) – Die Deutsche Bank hat ihren Gewinn dank höherer Zinsen und eines florierenden Handelsgeschäfts im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.

Unter dem Strich stand ein Gewinn von 5,02 Milliarden Euro, ein Anstieg um 159 Prozent, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Damit übertraf das größte deutsche Geldhaus die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit einem Nettogewinn von 4,17 Milliarden Euro gerechnet hatten. Das selbstgesteckte Ziel, eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent zu erzielen, übertraf die Bank mit 9,4 Prozent deutlich. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 0,30 je Aktie bekommen.

Das einstige Sorgenkind der europäischen Bankenbranche schloss damit das dritte Jahr infolge mit Gewinn ab. Mit dem Schlussquartal 2022 endet nun auch die dreijährige Umbauphase, mit der Konzernchef Christian Sewing das Institut aus der Verlustzone führte. “2022 haben wir das beste Ergebnis seit fünfzehn Jahren erzielt”, erklärte Sewing. Die Volatilität auf den Märkten beflügelte insbesondere das Handelsgeschäft mit Anleihen und Währungen, bei dem die Erträge um 26 Prozent auf 8,9 Milliarden stiegen. Die Händler retteten damit die Gewinne der Investmentbank, der die Flaute bei Fusionen und Übernahmen nicht erspart blieb: Die Erträge der Investmentbanker im Emissons- und Beratungsgeschäft sanken um 62 Prozent auf eine Milliarde Euro gegenüber dem Vorjahr. Die Risikovorsorge für Kreditausfälle stieg 2022 auf 1,2 Milliarden Euro von 515 Millionen Euro.

(Bericht von Marta Orosz und Tom Sims; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Schlag gegen Korruption – Ex-Selenskyj-Unterstützer im Visier

Kiew (Reuters) – Mitten im Krieg gegen Russland treiben die ukrainischen Behörden ihren Kampf gegen Korruption im eigenen Land voran.

Bei einer Serie von Razzien durchsuchten Sicherheitsbeamte am Mittwoch auch das Haus des Milliardärs und Unternehmers Ihor Kolomoiskij, eines früheren Unterstützers von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) erklärte, es seien Unterschlagung von mehr als einer Milliarde Dollar in der Ölbranche aufgedeckt worden. Kolomoiskij, der ein Fehlverhalten zurückgewiesen hat, hielt einst Anteile an zwei unter Verdacht stehenden Großkonzernen. Zu den Razzien kam es wenige Tage vor dem EU-Gipfel, bei dem die Ukraine um konkrete Perspektiven für eine Mitgliedschaft bitten dürfte.

“Jeder Kriminelle, der die Dreistigkeit besitzt, der Ukraine gerade in Kriegszeiten zu schaden, muss verstehen, dass wir ihm Handschellen anlegen werden”, erklärte der Chef der Sicherheitsdienste, Wasil Maljuk, auf dem Telegram-Kanal des SBU. In den sozialen Medien kursierten Fotos, die offenbar Kolomoiskij in seinem Haus im Beisein eines SBU-Vertreters zeigten. Eine Stellungnahme des 59-Jährigen gab es zunächst nicht.

Kolomoiskij ist einer der reichsten Männer in der Ukraine. Er besitzt eine ganze Reihe von Unternehmen, unter anderem einen der einflussreichsten Fernsehsender des Landes. 2019 unterstützte Kolomoiskij bei der Präsidentenwahl den Wahlkampf Selenskyjs. Dieser war damals Komiker und Präsidenten-Darsteller der Satire-Serie “Diener des Volkes”. Ende 2021 und damit wenige Monate vor dem Einmarsch der russischen Streitkräfte ging die Regierung Selenskyjs gegen einflussreiche Oligarchen in der Ukraine vor. Selenskyj wurde jedoch vorgeworfen, nicht entschlossen genug Maßnahmen gegen seinen ehemaligen Unterstützer ergreifen zu können.

SELENSKYJ VERSPRICHT MEHR TRANSPARENZ

In seiner allabendlichen Ansprache hatte Selenskyj weitere Anti-Korruptionsmaßnahmen angedeutet, die rechtzeitig vor dem EU-Gipfel am Freitag erfolgen sollten. “Wir bereiten neue Reformen in der Ukraine vor”, sagte der Präsident. “Reformen, die die soziale, juristische und politische Realität in vielerlei Hinsicht verändern werden, sie menschlicher, transparenter und effektiver machen werden.”

Am Mittwoch wurde auch das Haus von Arsen Awakow durchsucht, der von 2014 bis 2021 als Innenminister für die ukrainische Polizei zuständig war. Es werde gegen Personen vorgegangen, “die die Sicherheit des Staates auf verschiedenen Ebenen” gefährdeten, erklärte der SBU und kündigte weitere Informationen in den kommenden Tagen an. Die Unterschlagungen will der SBU bei dem Ölriesen Ukrnafta und dem Raffineriekonzern Ukrtatnafta aufgedeckt haben.

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, das Top-Management von Ukrtatnafta stehe unter Verdacht und sei darüber informiert worden. Dasselbe gelte für einen ehemaligen Energieminister, einen früheren Vize-Verteidigungsminister und weitere Personen. Razzien gab es auch bei Steuer-Einrichtungen.

Die USA hatten Kolomoiskij 2021 wegen “Beteiligung an Korruption in erheblichem Ausmaß” mit Sanktionen belegt. Die US-Behörden warfen ihm und einem Geschäftspartner vor, gestohlenes Geld über die USA gewaschen zu haben. Westliche Geberländer haben immer wieder darauf gedrungen, dass die jahrelangen Rechtsstreitigkeiten mit Kolomoiskij gelöst werden müssen.

Die jüngsten Maßnahmen unterstreichen, wie die Ukraine versucht, ihren Ruf als einer der korruptesten Staaten der Welt loszuwerden. Umfangreiche Militär- und Finanzhilfen im Krieg gegen Russland haben den Druck auf Selenskyj in diesem Zusammenhang zuletzt weiter erhöht.

(Bericht von Tom Balmforth und Olena Harmash, geschrieben von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

FBI durchsucht in Dokumenten-Affäre Bidens Strandhaus

Washington (Reuters) – In der US-Dokumenten-Affäre hat die Bundespolizei FBI nun auch das Strandhaus von Präsident Joe Biden durchsucht.

“Wir haben uns zur Zusammenarbeit bereiterklärt”, erklärte Bidens Anwalt am Mittwoch. Im Anschluss an die Durchsuchung des Gebäudes im Bundesstaat Delaware werde es eine weitere Mitteilung geben. Das Justizministerium hat bereits Bidens Haus sowie Büroräume durchsucht. Hintergrund sind vertrauliche Dokumente, die unzulässiger Weise bei Biden, seinem Vorgänger Donald Trump sowie Ex-Vizepräsident Mike Pence gefunden wurden. Justizminister Merrick Garland hat Sonderermittler zu Trump und Biden eingesetzt. Das Nationalarchiv der USA hat inzwischen alle ehemaligen Präsidenten und Vize-Präsidenten aufgefordert, nach vertraulichen Dokumenten zu suchen, die bei ihrem Ausscheiden aus dem Amt eigentlich hätten abgegeben werden müssen.

(Bericht von Sarah N. Lynch; Geschrieben von Scot W. Stevenson, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Verpuffung legt größten deutschen Gasspeicher Rehden lahm

Düsseldorf (Reuters) – Der größte deutsche Gasspeicher im niedersächsischen Rehden steht nach einer Verpuffung bis Freitag still.

Eine Sprecherin der Betreiberfirma Astora sagte am Mittwoch, der Vorfall habe sich am Dienstag ereignet. Die Versorgungssicherheit sei nicht gefährdet, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Die Ursache werde untersucht. Ein Sprecher des niedersächsischen Landesamts für Bergbau erklärte, es gebe keine Hinweise auf Sabotage. Im Moment gehe man davon aus, dass der Gasspeicher am Freitag wieder in Betrieb genommen werden könne. Bis dahin könne kein weiteres Gas eingespeichert werden. Ein Abfließen von Gas sei theoretisch möglich, es gebe aber keine Nachfrage.

Vor dem Vorfall war der Speicher nach Angaben der Internetseite von Gas Infrastructure Europe (GIE) zu 90 Prozent gefüllt. Die Gasspeicher spielen eine Schlüsselrolle bei dem Bemühungen Deutschlands, die Mengen nach dem russischen Gaslieferstopp zu ersetzen.

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover teilte mit, dass es am Dienstag gegen 10.30 Uhr aus noch ungeklärter Ursache auf dem Freigelände zu einer Verpuffung an einer Fackel für die Verdichtereinheiten gekommen sei. Menschen seien dabei nicht zu Schaden gekommen. Auswirkungen auf die Umwelt seien nicht festgestellt worden. Die Bundesnetzagentur sehe durch den Vorfall keine Auswirkungen auf die sichere Gasversorgung in Deutschland.

(Bericht von Vera Eckert, Tom Käckenhoff, redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Harter Wettbewerb setzt T-Mobile US zu

Bangalore (Reuters) – Die Telekom-Tochter T-Mobile US bekommt den scharfen Wettbewerb auf dem amerikanischen Markt zu spüren.

Zwar stieg die Zahl der Neu-Vertragskunden im vierten Quartal um 927.000 gestiegen, wie die Tochter der Deutschen Telekom am Mittwoch mitteilte. Doch der Umsatz schrumpfte um 2,5 Prozent und blieb mit 20,27 Milliarden Dollar hinter der Markterwartung von 20,6 Milliarden Dollar zurück. Der bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) legte im vierten Quartal um rund acht Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar zu.

Die US-Tochter hat sich wiederholt als Wachstumstreiber für den Bonner Konzern erwiesen und ihre Prognosen zuletzt zwei Mal in Folge angehoben. Doch T-Mobile US spürt die Konkurrenz durch die größeren Rivalen AT&T und Verizon, die Kunden mit hohen Rabatten locken. Dies brockte T-Mobile eine monatliche Abwanderungsrate von 0,92 Prozent ein, eine der höchsten der Branche. Die beiden Konkurrenten kommen auf Werte von 0,84 beziehungsweise 0,89 Prozent.

Auf dieser Basis äußerte sich T-Mobile zurückhaltend über das Kundenwachstum. 2023 würden voraussichtlich fünf bis 5,5 Millionen Nutzer hinzukommen, nach einem Plus von 6,4 Millionen im Vorjahr. Analysten ließen sich von diesem Ausblick aber nicht aus der Ruhe bringen. Das Unternehmen starte meist konservativ in ein Jahr und hebe die Prognosen in den darauffolgenden Monaten sukzessive an. Den um die Einnahmen aus dem auslaufenden Geräteleasing-Geschäft bereinigte Gewinn sieht T-Mobile bei 28,7 bis 29,2 Milliarden Dollar. Bezogen auf den Mittelwert sei dies ein Plus von zehn Prozent.

Unabhängig davon lieferte der Mobilfunker zunächst keine neuen Informationen zu den finanziellen Folgen des jüngsten Datenlecks. Hacker hatten persönliche Daten von möglicherweise 37 Millionen Kunden erbeutet. Vor etwa zwei Jahren hatten Diebe Informationen über schätzungsweise 76,6 Millionen Kunden gestohlen. Das Unternehmen musste daraufhin 350 Millionen Dollar Strafe zahlen und weitere 150 Millionen Dollar in verbesserte Cyber-Sicherheit investieren.

(Bericht von Eva Mathews; geschrieben von Hakan Ersen, redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Wolfspeed baut mit Staatshilfe Chipfabrik im Saarland

– von Ilona Wissenbach und Andreas Rinke

Frankfurt/Berlin (Reuters) – Deutschland zieht mit massiver staatlicher Förderung nach Intel in Magdeburg eine weitere Chipfabrik an Land.

Der US-Konzern Wolfspeed will im Saarland ein Werk für umgerechnet 2,75 Milliarden Euro bauen. Ein Großteil der Investition müsse über Subventionen finanziert werden, sagte Wolfspeed-Chef Gregg Lowe am Mittwoch in Ensdorf bei Saarlouis. “Ohne diese Förderung könnte man das Projekt in Europa nicht realisieren.” Der eigens angereiste Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Fabrik als Beitrag zu einer größeren Versorgungssicherheit Europas mit Halbleitern. Bundeswirtschaftminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einem wichtigen Signal, “dass der Standort Deutschland in einer schwierigen Lage weiter attraktiv ist, auch für Hochtechnologie.” Die Bundesregierung hoffe auf weitere Ansiedlungen von Halbleiterherstellern, die bislang überwiegend in Asien produzieren.

Die Fabrik soll auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks entstehen und 600 Arbeitsplätze schaffen. Bund und Land stünden bereit, erhebliche Zuschüsse über den EU-Förderrahmen IPCEI zu leisten und hätten in Brüssel bereits eine Genehmigung angefragt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. “Das grüne Licht der EU-Kommission steht noch aus.” Die Freigabe sei aber sicher. Hergestellt werden sollen ab 2027 Siliziumkarbid-Halbleiter, mit denen die Reichweite von Elektroautos gesteigert werden könnte. Sie kommen auch in Energie- und Industrieanlagen zum Einsatz.

Beteiligt mit Know-how und einem finanziellen Beitrag von rund 170 Millionen Euro ist der Autozulieferer ZF Friedrichshafen. Es werde die weltweit modernste und größte Fertigung dieser Bauteile, erklärten die Unternehmen. Wolfspeed und ZF wollen zudem an einem anderen Standort ein Forschungszentrum errichten, um die Hochleistungschips weiterzuentwickeln. “Diese Initiativen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen industriellen Transformation”, erklärte ZF-Chef Holger Klein. Der zweitgrößte deutsche Autozulieferer und traditionelle Getriebehersteller steckt wie die gesamte Branche mitten im Umbruch zur Elektromobilität. Mit dem weiten Einsatzfeld der Chips eröffneten sich auch ZF neue Geschäftschancen.

Wolfspeed habe sich nach Prüfen einiger möglicher Standorte in Europa für Deutschland entschieden wegen der qualifizierten Arbeitskräfte. Davon erhofft sich das Unternehmen Lowe zufolge eine besonders profitable Produktion. “Das Niveau an Qualität und Ausbildung von Technikern in Deutschland ist sehr, sehr hoch”, sagte er. “Unsere Aufgabe ist nur, sie für Halbleiter-Maschinen auszubilden, und dafür haben wir vier Jahre Zeit.” Wolfspeed rechne mit einer Förderung in Höhe von rund 20 Prozent der Gesamtinvestitionskosten, sagte Lowe dem “Handelsblatt”.

SUBVENTIONEN LOCKEN CHIPHERSTELLER

Die Europäische Union (EU) strebt an, die Abhängigkeit Europas von Asien bei Halbleitern zu verringern. Der Chipmangel während der Corona-Pandemie hat der Industrie die Anfälligkeit globaler Lieferketten vor Augen geführt. Die Autoindustrie kämpfte mit massiven Produktionsausfällen, der Pkw-Absatz sank in Europa trotz hoher Nachfrage auf den tiefsten Stand seit knapp 30 Jahren. Mit einem “European Chips Act” im Volumen von insgesamt 45 Milliarden öffentlicher und privater Investitionen soll der weltweite Produktionsanteil von Halbleitern in Europa binnen zehn Jahren auf 20 Prozent verdoppelt werden.

Die Chipfabrik im Saarland wird ein weiterer Baustein zur Sicherung von Lieferketten für die Auto- und Elektronikindustrie nach der in Magdeburg geplanten Halbleiter-Fertigung des US-Konzerns Intel. Auch die deutschen Schwergewichte Bosch und Infineon investieren mit staatlicher Unterstützung Milliarden in Chipfabriken in Dresden.

REGIERUNG SIEHT PUNKTSIEG FÜR STANDORT

Die deutsche Industrie warnt immer lauter vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber den USA, seit US-Präsident Joe Biden im vergangenen Jahr den “Inflation Reduction Act”, ein 370 Milliarden Dollar schweres Förderprogramm klimafreundlicher Technologie, ankündigte. So befürchtet der Verband der Automobilindustrie (VDA) eine Spirale des Protektionismus. “Die transatlantische Partnerschaft muss vertieft statt mit Hürden versehen werden”, erklärte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

Europas Antwort auf den IRA ist der “Green Deal Industrial Plan”. Das Maßnahmenpaket, das EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel präsentierte, soll den Weg der Wirtschaft zur CO2-Neutralität beschleunigen. Scholz begrüßte die Vorschläge. Aus Sicht der Bundesregierung ist die Chipfabrik im Saarland auch vor diesem Hintergrund ein Kontrapunkt im transatlantischen Standortwettbewerb. “Derzeit gibt es Sorgen, dass die USA mit ihrem Inflation Reduction Act Investitionen aus Europa abziehen – und jetzt zeigen wir, dass ein amerikanisches Unternehmen in Deutschland investieren will”, hieß es in Regierungskreisen.

(Bericht von Andreas Rinke, Ilona Wissenbach, Victoria Waldersee, redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)