Europas Anleger legen nach Rekordlauf Verschnaufpause ein

Frankfurt (Reuters) – Nach der Rekordjagd in der vergangenen Woche halten sich die Anleger an Europas Börsen mit Aktienkäufen zurück.

Der Dax gab am Montag 0,2 Prozent auf 16.026 Punkte nach; der EuroStoxx50 notierte 0,1 Prozent niedriger bei 4358 Punkten. Dagegen deuteten die US-Futures auf einen freundlichen Handelsstart an der Wall Street hin. Für Rückenwind in den USA sorgte die Verabschiedung eines billionenschweren Infrastrukturgesetzes.

“Nach der lebhaften Sitzung in der letzten Woche ist die Uhr wieder auf Null zurückgestellt, da wir, wenn überhaupt, erst in einigen Monaten mit einer Änderung der Geldpolitik rechnen können”, sagte David Madden, Marktanalyst bei Equiti Capital. Europäische Aktien waren vergangene Woche von Rekord zu Rekord geeilt. Für Kauflaune hatten sowohl starke US-Arbeitsmarktdaten gesorgt als auch ein positives Update von US-Pharmakonzern Pfizer zu seiner Covid-19-Pille. Zudem stimmten die bislang vorgelegten Quartalszahlen Investoren optimistisch.

“Es ist das Beste aus beiden Welten: Die Volkswirtschaften der USA, Großbritanniens und der Euro-Zone erholen sich in einem anständigen Tempo, und wir erwarten für einige Zeit keine größeren Änderungen seitens der EZB, der Bank of England oder der Fed”, konstatierte Madden.

ÖLPREIS ZIEHT ERNEUT AN – ETHERUM AUF REKORDHOCH

Aktien aus dem Ölsektor waren zum Wochenanfang die größten Gewinner. Rohöl-Anleger setzten erneut auf ein beschleunigtes Wachstum. Dies verteuerte die Sorte Brent aus der Nordsee rund ein Prozent auf 83,40 Dollar je Barrel (159 Liter). Genährt wurden diese Spekulationen von der Verabschiedung des Infrastruktur-Programms von US-Präsident Joe Biden und ermutigenden chinesischen Konjunkturdaten. Außerdem erhöhte der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco seine offiziellen Verkaufspreise für asiatische Kunden.

Das US-Infrastrukturprogramm und die von US-Finanzministerin Janet Yellen geforderten Investitionen in den Klimaschutz trieben Investoren zudem verstärkt in Bitcoin & Co, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Die Programme werden immer größer, die durch Schulden finanziert werden sollen. Kryptowährungen werden von vielen Anlegern als Schutz gegen Inflation angesehen und daher gekauft.” Vor diesem Hintergrund stieg Ethereum um bis zu sieben Prozent auf ein Rekordhoch von 4768,21 Dollar. Bitcoin stand mit bis zu 66.427,92 Dollar kurz vor dem Sprung auf eine neue Bestmarke.

HENKEL ENTTÄUSCHT

Dagegen trennten sich Anleger von Anteilsscheinen des Konsumgüterkonzerns Henkel, der um bis zu 6,6 Prozent einbrach. Der “Persil”-Hersteller erwartet wegen steigender Rohstoffkosten für das Gesamtjahr nur noch ein Ergebnis am unteren Ende der Prognosespanne. Der französische Mischkonzern Bouygues büßte rund sechs Prozent ein, nachdem er für 7,1 Milliarden Euro die Dienstleistungssparte des Versorgers Engie übernommen hatte. Der Zukauf sei ein großer Schritt für Bouygues und die Integration komplex, kommentierte Analyst Jerry Dellis.

Für Aufsehen sorgte zudem Tesla-Chef Elon Musk mit seinem Votum auf Twitter zu einem Aktienverkauf, das eine Verkaufswelle der wertvollsten Auto-Aktie der Welt auslöste. Am Wochenende hatte Musk über Twitter abstimmen lassen, ob er ein Zehntel seines Aktienpakets verkaufen soll. Von den 3,5 Millionen Nutzern, die mitmachten, stimmten fast 58 Prozent dafür. Musk erklärte, das Votum befolgen zu wollen. Viele Anleger trennten sich daraufhin von den Papieren. In Frankfurt rutschen die in Deutschland notierten Titel um bis zu neun Prozent ab; in den USA gerieten Tesla-Aktien vorbörslich ebenfalls unter Druck.

Litauen schickt wegen Migranten Soldaten an Grenze zu Belarus

Daugavpils (Reuters) – Litauen schickt Militär an seine Grenze zu Belarus, um sich auf einen möglichen Zustrom an Migranten vorzubereiten.

Das teilte die litauische Innenministerin Agne Bilotaite am Montag auf einer Pressekonferenz mit. Ihren Worten zufolge wird das Kabinett darüber beraten, ob in dem Grenzgebiet der Ausnahmezustand ausgerufen wird. Wie viele Soldaten in die Region entsandt und wo genau diese postiert werden sollen, wollten die Behörden nicht angeben und führten Sicherheitsgründe dafür an.

Kürzlich hatte Litauen bereits mit dem Bau einer Mauer an der Grenze begonnen. Hintergrund ist die steigende Zahl von Migranten, die über Belarus in die Nachbarländer kommen wollen. Allein an der polnisch-belarussischen Grenze versuchen täglich Hunderte illegal nach Polen und damit in die EU zu gelangen. Ihr Ziel ist zumeist Deutschland. Die Europäische Kommission wirft der belarussischen Führung vor, die Grenzübertritte zu orchestrieren. Sie spricht von einer Form der hybriden Kriegsführung, um wegen der gegen Belarus verhängten Sanktionen Druck auf die EU auszuüben. Belarus hat dies bestritten.

Ex-Landesbank HCOB schlüpft beim Haftungsverbund der Privaten unter

Berlin (Reuters) – Die Hamburg Commercial Bank (HCOB) hat einen Meilenstein ihres dreijährigen Umbaus geschafft und kann künftig beim Haftungsverbund der Privatbanken unterschlüpfen.

Der Vorstand des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) gab am Montag grünes Licht dafür, dass die ehemalige HSH Nordbank zum 1. Januar 2022 vom Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe in den Einlagensicherungsfonds des Privatbanken-Lagers wechselt. Die Aufnahme sei “ein besonderes Ereignis für den Finanzstandort Deutschland”, sagte BdB-Präsident Christian Sewing, der auch Deutsche Bank-Chef ist. “Denn erstmals nehmen wir eine ehemalige Landesbank bei uns auf.” HCOB-Chef Stefan Ermisch erklärte, man habe die hohen Anforderungen des BdB alle erreicht und zum Teil übererfüllt. Reuters und das “Handelsblatt” hatten bereits am Freitag darüber berichtet.

Das Institut war Ende 2018 als erste Landesbank privatisiert worden und ging für eine Milliarde Euro an Finanzinvestoren um Cerberus und JC Flowers. Hamburg und Schleswig-Holstein hatten die HSH Nordbank in der Schiffs- und Finanzkrise mit Milliardenhilfen vor dem Aus gerettet und mussten sie auf Druck der EU verkaufen. Mit einem massiven Jobabbau, Spar- und Schrumpfungskurs sollte die in HCOB umbenannte Bank wieder flottgemacht werden. Von den 1716 Vollzeitstellen 2018 sollen 2022 nur rund 800 übrig bleiben. Mitte dieses Jahres waren es noch rund 950.

Mit dem Wechsel in den Einlagensicherungsfonds sei der Hamburg Commercial Bank “eine in der deutschen Bankenlandschaft einmalige Pionierarbeit gelungen”, sagte Ermisch. Das Institut sei nun ein kapitalstarker und profitabler Spezialfinanzierer mit guten operativen Margen. Ermisch erhöhte die Gewinnprognose für 2021 auf deutlich über 300 Millionen Euro nach Steuern. Im August hatte der Manager mehr als 250 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen sagte Ermisch damals, die HCOB sei womöglich “die effizienteste Bank in Deutschland” und die Kapitalquote (CET1) von 29,6 Prozent wohl eine der stärksten in ganz Europa. Ob die Bank künftig auf eigenen Beinen stehe oder sich mit einem Partner zusammentue, werde sich zeigen. “Ich bin da sehr entspannt, wir stehen unter keinem Zeitdruck”, hatte Ermisch gesagt.

Chinas Zentralbank stellt günstige Kredite für Klimaschutz bereit

Peking (Reuters) – Die chinesische Zentralbank will dem klimafreundlichen Umbau der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf die Sprünge helfen.

Sie kündigte dazu am Montag günstige Kredite für Banken an, die ihrerseits Unternehmen bei der Senkung von Kohlendioxid-Emissionen unterstützen. Konkret will die Zentralbank für 60 Prozent der von den Finanzhäusern bewilligten Gelder billige Kredite mit einem Zinssatz von 1,75 Prozent für ein Jahr gewähren. Diese Darlehen können zudem zweimal verlängert werden. Zum Vergleich: Der Referenzzinssatz für Kredite mit einjähriger Laufzeit liegt derzeit bei 3,85 Prozent.

Die Volksrepublik ist der weltweit größte Verursacher von klimaerwärmenden Treibhausgasen. Der Exportweltmeister stellt allerdings auch sehr viele Waren für andere Länder wie die USA und europäische Nationen her. China will 2030 den Höhepunkt beim CO2-Ausstoß überschritten haben und bis 2060 klimaneutral sein.

Derzeit findet im schottischen Glasgow der Weltklimagipfel statt. Chinas Präsident Xi Jinping nahm nicht persönlich daran teil und wurde deshalb kritisiert. Vor dem UN-Treffen wiederholte China seine bisherigen Ziele, was ebenfalls auf Kritik stieß. Die USA erklärten, das Land könne mehr leisten.

China hat beim Klimaschutz eigenen Angaben zufolge noch viel vor sich. Es habe zwar einige Verbesserungen gegeben, doch werde es schwierig, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, räumte der Staatsrat der Volksrepublik laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua ein. “Der Schutz des Ökosystems und des Klimas hat noch einen weiten Weg vor sich”, teilte der Staatsrat mit. Die Volksrepublik setze sich daher weitere Ziele unter anderem bei der Luftreinheit und Wasser. So soll der Anteil an guter Wasserqualität in den Küstenregionen auf 79 Prozent steigen und der Anteil an schwer belastetem Wasser quasi auf null sinken.

CA Immo – Hauptversammlung für Sonderdividende am 30. November

Wien (Reuters) – Der Wiener Immobilienkonzern CA Immo plant auf Wunsch seines Mehrheitsaktionärs Starwood Capitals für den 30. November eine außerordentliche Hauptversammlung zur Ausschüttung einer Sonderdividende.

Die Aktionärsversammlung, für die man noch den Aufsichtsrat konsultieren müsse, werde virtuell stattfinden, teilte CA Immo am Montag mit.

Der US-Finanzinvestor, der 57 Prozent an der CA Immo hält, hatte Anfang November die Ausschüttung einer Sonderdividende von fünf Euro je Aktie beantragt. In Summe wäre dies eine Auszahlung von rund 500 Millionen Euro an die Aktionäre. Die zusätzliche Gewinnausschüttung soll in zwei Tranchen zu jeweils 2,50 Euro je Aktie im Dezember und im März erfolgen. Die reguläre Dividende für 2020 betrug 1,0 Euro je Aktie.

Laut CA Immo haben die beantragten Sonderausschüttungen aus heutiger Sicht keine Auswirkungen auf das Geschäftsmodell. Seit Beginn des Geschäftsjahres 2018 seien in Summe Verkaufserlöse in Höhe von rund einer Milliarde Euro erzielt worden, teilte der Konzern mit. Der überwiegende Teil der Verkäufe sei zu Preisen abgeschlossen worden, die deutlich über den Buchwerten der Liegenschaften lagen. Alle diese Aktivitäten würden sich in einer jährliche Wachstumsrate von im Schnitt rund 20 Prozent widerspiegeln und einer durchschnittlichen jährlichen Eigenkapitalrendite von rund 13 Prozent, hieß es. Die CA Immo verfügt nach eigenen Angaben über eine robuste Bilanz und eine hohe Cash-Position, verbunden mit einer äußerst geringen Verschuldung. Der Konzern geht davon aus, den Verschuldungsgrad weiterhin innerhalb des Zielkorridors halten zu können, auch wenn die Sonderdividende beschlossen und in vollem Umfang an alle Aktionäre ausgezahlt werden wird.

Mehr als 250 Millionen Corona-Infektionen weltweit

Bangalore (Reuters) – Die Zahl der Corona-Infektionen weltweit hat am Montag die Schwelle von 250 Millionen überschritten.

Das geht aus einer Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten hervor. Zwar ist demnach die durchschnittliche Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in den vergangenen drei Monaten um 36 Prozent zurückgegangen, doch infizieren sich immer noch alle 90 Tage 50 Millionen Menschen weltweit. Im Gegensatz dazu dauerte es fast ein Jahr, bis die ersten 50 Millionen Corona-Fälle registriert worden waren. Dafür verantwortlich ist vor allem die besonders ansteckende Delta-Variante.

In 55 Ländern steigen derzeit die Corona-Zahlen an, vor allem in Osteuropa in Rekordtempo und auch in Deutschland wieder stark. Hierzulande stieg die Sieben-Tage-Inzidenz der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner am Montag erstmals über die Marke von 200. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich zuletzt aber optimistisch, dass vor allem dank der Impfstoffe das schlimmste in der Pandemie überwunden und das Virus spätestens Ende 2022 unter Kontrolle sei.

Handel erwartet Rekord-Weihnachtsgeschäft – Corona und Engpässe als Risiken

Berlin (Reuters) – Corona-Krise, Lieferprobleme, hohe Inflation – trotz dieser Risiken rechnen die deutschen Einzelhändler mit einem Rekordumsatz im laufenden Weihnachtsgeschäft.

Die Einnahmen dürften im November und Dezember um zwei Prozent zum Vorjahreszeitraum auf knapp 112 Milliarden Euro steigen, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) am Montag voraussagte. “Die hohen Sparguthaben und die gute Verbraucherstimmung stellen die Weichen für einen versöhnlichen Jahresausklang nach einem für viele Händler mit den Lockdowns existenzbedrohendem ersten Halbjahr”, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in Berlin. Angetrieben wird das Weihnachtsgeschäft vom Online-Handel, der um 17,3 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro zulegen soll.

Der Verband sieht aber auch Gefahren für einen erfolgreichen Jahresendspurt. “Alles hängt vom weiteren Verlauf der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen ab”, sagte Genth. Der Handel werde seine erprobten Hygienekonzepte anwenden, die Maskenpflicht beibehalten und versuchen, mehr Menschen von einer Corona-Impfung zu überzeugen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Positiv-Tests ist aktuell erstmals über die Schwelle von 200 gestiegen. Genth warnt trotz dieser Rekordzahl vor einem Lockdown mit erneuten Zwangsschließungen von Geschäften. “Das kann sich keiner mehr erlauben”, sagte er. “Die Auswirkungen wären gravierend.” Sicheres Einkaufen in der Pandemie sei möglich. Die Läden seien keine Corona-Hotspots.

“KEINE LEEREN REGALE”

Die meisten deutschen Einzelhändler erwarten wegen Lieferengpässen bei Mikrochips und anderen Produkten negative Folgen für ihr Weihnachtsgeschäft. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen berichten von Lieferengpässen, die auf die Umsätze durchschlagen könnten, so der HDE. Demnach geht jeder fünfte Händler davon aus, dass sich die Materialengpässe “in erheblichem Maße” auf ihren Umsatz auswirken dürften. Etwa 57 Prozent erwarten, dass es “in geringem Maße” zu Einbußen kommen werde. Rund 24 Prozent sehen keine negativen Folgen. Besonders die Händler von Unterhaltungselektronik und elektrischen Haushaltsgeräten befürchten, dass der Mangel auf ihr Weihnachtsgeschäft durchschlagen könnte. Auch bei Sportartikeln, Möbeln und Spielwaren erwarten überdurchschnittlich viele Geschäfte deutliche Bremsspuren.

“Das wird nicht dazu führen, das wir leere Regale bekommen”, sagte Genth und warnte damit vor Panikmache. Einzelne Produkte wie bestimmte Spielekonsolen könnten zwar betroffen sein. “Ja, da gibt es Engpässe”, räumte Genth ein. “Einzelne Lücken sind da.” Das habe es aber bei besonders gefragten oder neuen Produkten schon früher hier und da gegeben. “Das hatten wir auch in den Vorjahren immer wieder”, sagte Genth. Mangel gibt es derzeit etwa bei Halbleitern, die in vielen Produkten zum Einsatz kommen und weltweit derzeit Mangelware sind. Der japanische Unterhaltungskonzern Nintendo etwa musste gerade erst wegen des Engpasses an Chips und Elektronikbauteilen sein Produktionsziel für die Switch-Spielekonsole herunterschrauben.

273 EURO FÜR GESCHENKE

Auch die hohe Inflation könnte die Lust der deutschen Verbraucher auf den Weihnachtseinkauf dämpfen. Aktuell liegt die Inflationsrate mit 4,5 Prozent so hoch wie seit 1993 nicht mehr, weil vor allem für Energie mehr bezahlt werden muss.

“Die letzten beiden Monate sind nach den Corona-Lockdowns im ersten Halbjahr für viele Händler wichtiger als je zuvor”, sagte Genth. “Traditionell machen klassische Geschenke-Branchen wie der Spielwarenhandel mehr als ein Fünftel ihres Jahresumsatzes in November und Dezember.” Einer HDE-Umfrage unter 450 Unternehmen aller Branchen, Größenklassen und Standorte zeige, dass 45 Prozent der Händler Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr erwarten. Ein Drittel kalkuliert mit stabilen Umsätzen. Die Kunden wollen demnach mit durchschnittlich 273 Euro pro Kopf ihre Ausgaben für Weihnachtsgeschenke im Vergleich zum Vorjahr leicht steigern. Geschenkgutscheine bleiben das beliebteste Geschenk.

Für das Gesamtjahr 2021 rechnet der HDE mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent auf rund 586 Milliarden Euro. Dabei soll das Online-Geschäft um fast ein Fünftel auf gut 87 Milliarden Euro wachsen.

Musk bringt mit Verkaufsidee Tesla-Aktie zum Absturz

Bangalore/San Francisco/Frankfurt (Reuters) – Die jüngste Volte von Tesla-Chef Elon Musk auf Twitter hat eine Verkaufswelle der wertvollsten Auto-Aktie der Welt ausgelöst.

Am Wochenende hatte Musk über Twitter abstimmen lassen, ob er ein Zehntel seines Aktienpakets verkaufen soll. Von den 3,5 Millionen Nutzern, die mitmachten, stimmten fast 58 Prozent dafür https://twitter.com/elonmusk. Daraufhin erklärte Musk, das Votum befolgen zu wollen. Viele Anleger nahmen das als Verkaufsankündigung ernst und trennten sich am Montag von den Papieren, die vergangene Woche ein Rekordhoch mit 1243 Dollar erreicht hatten. In Frankfurt rutschen die in Deutschland notierten Titel um neun Prozent ab, in den USA vorbörslich ebenfalls. Musks Aktion erinnert an seine Twitter-Posse von 2018 zu einem Delisting der Tesla-Aktie, der ihm viel Ärger und Auflagen der US-Börsenaufsicht SEC einbrachte.

Der reichste Mensch der Welt hält 23 Prozent an Tesla. Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge würde er bei einem Verkauf von einem Zehntel etwa 21 Milliarden Dollar einnehmen. Getrieben wird der exzentrische, von vielen in der Autobranche bewunderte Musk offenbar von Ärger über Pläne zur Besteuerung von Milliardären in den USA. Darauf deutet ein beleidigender Spruch von “Lorde Edge”, wie sich Musk auf Twitter nennt, zu einer Reaktion des Finanzausschuss-Vorsitzenden im Senat, Ron Wyden, hin. Der Politiker steht hinter dem Steuervorschlag und kommentierte Musks Verkaufsplan, dessen Steuerzahlung werde nicht von Twitter-Abstimmungen festgelegt. “Es ist jetzt Zeit für die Einkommensteuer für Milliardäre.”

Musk war im vergangenen Jahr von Kalifornien nach Texas umgezogen, mutmaßlich aus steuerlichen Gründen. Die Twitter-Abstimmung hatte er mit der Bemerkung angekündigt: “In letzter Zeit wird viel über nicht realisierte Gewinne als Mittel zur Steuervermeidung gesprochen.” Da er weder Bargehalt noch Boni erhalte, sei der Verkauf von Aktien der einzige Weg für ihn, Steuern zu zahlen. Kursgewinne von Aktien werden in den USA dann besteuert, wenn die Papiere verkauft werden und damit ein Gewinn realisiert wird. Kritiker bemängeln, dass reiche Bürger damit ein Vermögen aufbauen können, ohne Steuern zahlen zu müssen.

“DANN SIND SIE HINTER DIR HER”

Analysten zufolge muss Musk möglicherweise ohnehin eine größere Zahl von Aktien verkaufen, um im kommenden Jahr Steuern auf fällige Optionen begleichen zu können. Einer Pflichtmitteilung zufolge läuft am 13. August 2022 die Möglichkeit für Musk aus, knapp 22,9 Millionen Tesla-Aktien zu je 6,24 Dollar zu kaufen. Basierend auf dem Tesla-Schlusskurs vom Freitag von 1222,09 Dollar könnte Musk dabei grob 28 Milliarden Dollar einstreichen.

Im Zuge von geplanten Steuerreformen von US-Präsident Joe Biden ist nun im Gespräch, die Besteuerung der größten Vermögen zu ändern. Diskutiert wird eine sogenannte “Milliardärssteuer” von 23,8 Prozent auf Gewinne bei Wertpapieren – auch auf nicht realisierten Gewinn. Betroffen wären etwa 700 US-Steuerzahler, die ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar besitzen oder drei Jahre in Folge 100 Millionen Dollar Jahreseinkommen hatten. Mit den Staatseinnahmen will Biden geplante Sozial- und Klimareformen finanzieren. Musk kritisierte Ende Oktober: “Irgendwann geht ihnen das Geld anderer Leute aus. Und dann sind sie hinter dir her.”

Kurskapriolen durch Musks Twitter-Botschaften hatten vor drei Jahren ein Verfahren der US-Börsenaufsicht bis hin zu einer Betrugsklage nach sich gezogen. Damals wurde das Unternehmen Tesla verpflichtet, durch einen Ausschuss Musks Kommunikation zu kontrollieren. Der Manager hatte erklärt, seine Firma durch den Aufkauf aller Aktien von der Börse zu nehmen, die Finanzierung sei gesichert. Das hatte sich als Jux herausgestellt.

“Elon Musk macht mit seiner Twitter-Inszenierung Marketing für Tesla auf höchstem Niveau”, erklärte Frank Schwope, Autoexperte von der NordLB. Tesla etabliere sich mit den in Deutschland und Texas bevorstehenden Produktionsstarts als wichtiger Hersteller. Doch die Aktie sei überbewertet. Der Broker Jefferies erhöhte dagegen das Preisziel für die Aktie auf 1400 Dollar. Denn Musks Elektroauto-Unternehmen hat sich erfolgreich auf den Weg zum Massenhersteller gemacht und könnte nach Einschätzung von Jefferies die Konkurrenz abhängen.

Drei Viertel der Einzelhändler erwarten negative Folgen durch Engpässe

Berlin (Reuters) – Die meisten deutschen Einzelhändler erwarten wegen Lieferengpässen bei Mikrochips und anderen Produkten negative Folgen für ihr Weihnachtsgeschäft.

Rund drei Viertel der befragten Unternehmen berichten von Lieferengpässen, die auf die Umsätze durchschlagen könnten, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) am Montag bekanntgab. Demnach geht jeder fünfte Händler davon aus, dass sich die Materialengpässe “in erheblichem Maße” auf ihren Umsatz auswirken dürften. Etwa 57 Prozent erwarten, dass es “in geringem Maße” zu Einbußen kommen werde. Rund 24 Prozent sehen keine negativen Folgen.

Besonders die Händler von Unterhaltungselektronik und elektrischen Haushaltsgeräten befürchten, dass der Mangel auf ihr Weihnachtsgeschäft durchschlagen könnten. Aber auch bei Sportartikeln, Möbeln und Spielwaren erwarten überdurchschnittlich viele Geschäfte deutliche Bremsspuren. “Das wird nicht dazu führen, das wir leere Regale bekommen”, warnte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth vor Panikmache. Einzelne Produkte wie bestimmte Spielekonsolen könnten zwar betroffen sein. “Ja, da gibt es Engpässe”, räumte Genth ein. “Einzelne Lücken sind da.” Das habe es aber bei besonders gefragten oder neuen Produkten schon früher hier und da gegeben. “Das hatten wir auch in den Vorjahren immer wieder”, sagte Genth.

Mangel gibt es derzeit etwa bei Halbleitern, die in vielen Produkten zum Einsatz kommen und weltweit derzeit Mangelware sind. Der japanische Unterhaltungskonzern Nintendo etwa musste gerade erst wegen des Engpasses an Chips und Elektronikbauteilen sein Produktionsziel für die Switch-Spielekonsole herunterschrauben. Trotz der Probleme rechnet der HDE mit einem Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft. Die Einnahmen dürften im November und Dezember um zwei Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 111,7 Milliarden Euro steigen.

Alcon kauft US-Firma zur operativen Behandlung von grünem Star

Zürich (Reuters) – Der Augenheilkonzern Alcon baut sein Augenchirurgie-Geschäft mit einem Zukauf aus.

Das schweizerisch-amerikanische Unternehmen übernimmt für 475 Millionen Dollar die US-Medizintechnikfirma Ivantis von Finanzinvestoren, wie Alcon am Montag mitteilte. Abhängig vom Erreichen bestimmter regulatorischer und kommerzieller Meilensteine können weitere Zahlungen fällig werden. Alcon will die Transaktion im ersten Quartal 2022 abschließen.

Die in Irvine, Kalifornien ansässige Ivantis produziert einen Mikrostent für minimalinvasive Augenoperationen, der seit 2018 zugelassen ist. Mit dem Zukauf baut Alcon sein Geschäft zur operativen Behandlung von grünem Star (Glaukom) aus. Die den Sehnerv schädigende Erkrankung wird meist durch einen erhöhten Augendruck verursacht, der entweder medikamentös oder operativ gesenkt wird. Unbehandelt kann sie zur Erblindung führen. Der von Irvine hergestellte und ins Auge eingesetzte Microstent stellt sicher, dass Augenkammerwasser durch den sogenannten Schlemm’schen Kanal abfließen kann, was den Augendruck verringert. Die Vorrichtung habe etwa die Größe einer Wimper und sei bislang mehr als 85.000 mal implantiert worden. Einer klinischen Studie zufolge brauchten 65 Prozent der Patienten, denen der Microstent eingesetzt wurde, auch nach fünf Jahren keine Medikamente.

“Die Glaukom-Behandlung war eine der wenigen großen Lücken in Alcons marktführendem Portfolio rund um Augenoperationen, welche nun geschlossen wird”, erklärten die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Dank der globalen Vertriebsplattform des Unternehmens und seiner starken Position bei der Behandlung von grauem Star (Katarakt) erwarten die Experten Umsatzsynergien bei einer potenziell margenstarken Produktkategorie. Die Anleger reagierten indes verhalten. Die Alcon-Aktien gaben an der Börse in Zürich leicht nach und hinkten damit dem Index der europäischen Gesundheitswerte hinterher.

Alcon will Dienstagnacht das Ergebnis für das dritte Quartal veröffentlichen. Analysten rechnen einer vom Unternehmen selbst zusammengetragenen Umfrage zufolge im Schnitt mit einem Anstieg des Umsatzes auf 2,04 Milliarden Dollar und der bereinigten operativen Gewinnmarge auf 17,0 Prozent.