Valneva – Zulassungsprozess für Covid-19-Impfstoff läuft planmäßig

Wien (Reuters) – Der französisch-österreichische Impfstoffhersteller Valneva rechnet weiter mit einer Zulassung seines Covid-19-Impfstoffes im ersten Quartal.

“Der Prozess schreitet wie geplant voran und wir sehen derzeit keinen Grund, unsere zuvor kommunizierte Prognose einer möglichen ersten EMA-Zulassung im ersten Quartal in Frage zu stellen”, erklärte das Unternehmen am Mittwoch auf Reuters-Anfrage.

Der Gesundheitsbehörde EMA seien bereits alle verfügbaren Daten übermittelt worden, hieß es. “Wir erwarten, dass wir die restlichen Daten in den kommenden Wochen vorlegen werden.”

Valneva-Aktien sackten an der Börse in Paris am Mittwoch um weitere rund 15 Prozent ab. Die Papiere waren bereits am Vortag unter Druck geraten, nachdem die EMA bekannt gab, noch auf zusätzliche Daten zu wartet, um über eine Zulassung entscheiden zu können. Bei Marktteilnehmern hatte das die Hoffnung auf eine rasche Zulassung schwinden lassen.

Scholz – Russland weiß um unsere Entschlossenheit

Berlin (Reuters) – Bundeskanzler Olaf Scholz hat Russland gemahnt, für eine Deeskalation an der Grenze zur Ukraine zu sorgen.

“Die russische Seite weiß um unsere Entschlossenheit”, sagte Scholz am Mittwoch in einer Rede auf dem virtuellen Davos-Treffen des Weltwirtschaftsforums. “Ich hoffe, ihr ist auch bewusst, dass der Nutzen von Kooperation deutlich höher ist als der Preis weiterer Konfrontation.”

Der SPD-Politiker sagte, man könne noch nicht sagen, ob die intensiven diplomatischen Kontakte die Lage deeskalieren könnten, die Russland durch die Konzentration von 100.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine geschaffen habe. “Aber nach Jahren wachsender Spannungen ist Schweigen keine vernünftige Option”, sagte Scholz. Es gebe ein klares Bekenntnis zur territorialen Unversehrtheit der Ukraine. Grenzen dürften nicht gewaltsam verschoben werden. Es müsse die Stärke des Rechts gelten und nicht das Recht des Stärkeren.

Russland warnt Westen vor Waffenlieferungen an die Ukraine

Moskau (Reuters) – Russland hat den Westen aufgefordert, keine Waffen an die Ukraine zu liefern.

Die Sicherheitslage in Europa sei “kritisch”, sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow am Mittwoch in Moskau laut russischer Nachrichtenagentur Interfax. Daher sollte der Westen keine Waffen an die Ukraine liefern.

Großbritannien hat nach eigenen Angaben bereits damit begonnen, dem osteuropäischen Land Panzerabwehr-Waffen zur Verfügung zu stellen. Auch die USA haben der Regierung in Kiew weitere militärische Unterstützung zugesagt. Die Bundesregierung ist derzeit dagegen, die Ukraine konkret mit Waffen zu beliefern.

Merkel lehnt Angebot eines Postens für die UN ab

Berlin (Reuters) – Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein Angebot von UN-Generalsekretär Antonio Guterres zur Übernahme einer Funktion innerhalb der Vereinten Nationen abgelehnt.

Sie habe mit Guterres vergangene Woche telefoniert, “sich bedankt und ihm mitgeteilt, dass sie das Angebot nicht annehmen wird”, teilte Merkels Büro am Mittwoch auf Nachfrage mit.

Guterres hatte der 67-Jährigen vorgeschlagen, den Vorsitz in einem hochrangigen Beratungsgremium zu übernehmen, das sich mit globalen öffentlichen Gütern beschäftigt. Dazu gehören etwa der Weltraum und große Teile der Meere. Die UN-Staaten haben in den vergangenen Jahrzehnten bereits einige Vereinbarungen geschlossen, um internationale Regeln für den Umgang mit diesen Gemeinschaftsgütern aufzustellen. Merkel hatte schon früher auch Spekulationen zurückgewiesen, sie wolle UN-Generalsekretärin werden.

Investmentmarkt für Büroimmobilien wächst – Rekord aber in weiter Ferne

Frankfurt (Reuters) – Deutschlands Investmentmarkt für Büroimmobilien hat einer Studie zufolge im zweiten Corona-Jahr zugelegt, ist vom Niveau aus Zeiten vor der Pandemie aber noch weit entfernt.

2021 wechselten Büroimmobilien im Wert von 30,5 Milliarden Euro den Besitzer, wie der Immobiliendienstleisters CBRE am Mittwoch mitteilte. Das entspricht den Analyse-Zahlen von CBRE zufolge im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung von knapp elf Prozent, verglichen mit dem Volumen von knapp 40 Milliarden Euro im Jahr 2019 aber einem Rückgang um fast 24 Prozent. Die Branche blickt wegen des Trends zum Homeoffice besonders stark auf die Entwicklung von Büroimmobilien.

“Auch wenn der Bürotransaktionsmarkt noch nicht an das Rekordergebnis von 2019 anschließen konnte, legte er 2021 wieder seine gewohnte Dynamik an den Tag”, sagte Fabian Klein, Investment-Chef bei CBRE in Deutschland. “Die zu Anfang der Pandemie diskutierten Fragen über die Zukunft des Büros sind in den Augen der meisten Investoren geklärt: die Büronutzung wird sich verändern, der Flächenbedarf aber nicht zurückgehen.” Vor allem in den für Büro-Standorte führenden Städten gebe es mehr Nachfrage als Angebot von Flächen. Dies werde sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Das Marktgeschehen werde deshalb durch das Angebot bestimmt, ein Investitionsvolumen von bis zu 30 Milliarden Euro sei dabei 2022 durchaus realistisch.

Bankenbranche sieht in Renditeanstieg Zeichen der Zinsnormalisierung

Frankfurt (Reuters) – Die Bankenbranche wertet den Renditeanstieg über die Nulllinie bei der richtungsweisenden Bundesanleihe als Anzeichen für eine Normalisierung der Zinsen.

Maßgeblich dafür dürften nachlassende Pandemie- und Konjunktursorgen an den Finanzmärkten sowie die von der US-Notenbank Fed vorbereitete Zinswende sein, erklärte Gerit Vogt, Volkswirt des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) am Mittwoch. Grundsätzlich begrüße der BVR die Normalisierung des Zinsumfelds. “Dies trägt dazu bei, die allgemeinen Risiken für die Finanzmarktstabilität etwa mit Blick auf die Immobilienmärkte zu vermindern.”

Aus Sicht des Bankenverbandes BdB war der Anstieg der Kapitalmarktzinsen nach der angekündigten Zinswende in den USA und dem Inflationsschub im Euro-Raum zu erwarten. “Wir halten es allerdings für erforderlich, dass nun auch die Geldpolitik im Euroraum einen Fahrplan zur ‘Normalisierung’ der Leitzinsen aufstellt”, sagte eine BdB-Sprecherin. Auf diese Weise könne die Europäische Zentralbank das Risiko von größeren Unsicherheitszuschlägen beim Kapitalmarktzins vermeiden. “Gleichzeitig könnte sie damit für eine behutsame und moderate Entwicklung der langfristigen Zinsen sorgen.”

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe war am Mittwoch erstmals seit Anfang Mai 2019 wieder über die Marke von null Prozent gestiegen. Sie rentierte zuletzt bei plus 0,017 Prozent. Wegen der Aussicht auf baldige Zinserhöhungen in den USA stieg auch die Rendite der vergleichbaren US-Staatsanleihe an.

Die Fondsgesellschaft Union Investment rechnet mit einem weiteren Renditeanstieg – wenn auch nur in moderatem Maße. Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten bei der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken geht davon aus, dass die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen bis zum Jahresende auf 0,2 Prozent klettern wird und die Kurse der Bundesanleihen entsprechend weiter fallen dürften.

MV-Werften-Verwalter sieht drohende Genting-Pleite als Rückschlag

Hamburg (Reuters) – Die drohende Pleite von Genting Hongkong dämpft die Aussichten für die Sanierung der MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Gang des chinesischen Eigners ins Gläubigerschutzverfahren sei ein Rückschlag auch für die MV Werften, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Morgen am Mittwoch. Damit fielen die zur chinesischen Gruppe gehörenden Dream Cruises wahrscheinlich als Abnehmer für das im Bau befindliche Kreuzfahrtschiff “Global One” aus. Er werde daher die Suche nach anderen Kunden intensivieren. Es hätten sich bereits mehrere ernsthafte Interessenten bei ihm gemeldet. Namen nannte er nicht.

Parallel werde er weiter intensiv mit der Genting-Tochter sprechen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Sanierungsverfahren Erfolg habe und Dream Cruises als Kunde erhalten bleibe. Sofern es gelinge, eine Lösung mit Genting oder einem anderen Abnehmer zu finden, sei er zuversichtlich, eine Finanzierung für den Fertigbau der “Global One” zu bekommen. Das für 9500 Passagiere konzipierte Kreuzfahrtschiff ist zu drei Viertel fertig, ein Abschluss der Arbeiten auf der Werft in Wismar könnte die Lage deutlich verbessern.

Die MV Werften mit rund 2000 Mitarbeitern hatten Anfang Januar Insolvenz angemeldet, nachdem in Verhandlungen zwischen Genting sowie dem Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern keine Lösung für die weitere Finanzierung gefunden worden war. Am Dienstag bereitete Genting Hongkong selbst juristische Schritte für eine mögliche Abwicklung vor. Die Kreuzfahrtgruppe hatte schon vor einigen Tagen eingeräumt, wegen der MV-Werten-Pleite in Deutschland Kredite über 2,8 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen zu können.

Tonga droht Trinkwasserkrise – Hilfe aus Neuseeland auf dem Weg

(Reuters) – Nach dem massiven Vulkanausbruch vor Tonga und dem darauf folgenden Tsunami ist die Trinkwasserversorgung des pazifischen Inselstaats gefährdet.

Salzwasser aus dem Tsunami und Vulkanasche haben nach Angaben des Roten Kreuz die Trinkwasserquellen von Zehntausenden Menschen verunreinigt. “Die Sicherung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser ist eine entscheidende unmittelbare Priorität, da das Risiko von Krankheiten wie Cholera und Durchfall steigt”, sagte Katie Greenwood von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC). Am Freitag sollen zwei Schiffe der neuseeländischen Marine mit Wasservorräten in Tonga eintreffen, das durch die Naturkatastrophe weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Hunderte von Häusern auf den kleineren Außeninseln von Tonga wurden zerstört und mindestens drei Todesopfer gemeldet, nachdem der Vulkanausbruch am Samstag gewaltige Tsunamiwellen auslöste, die über die Inseln rollten. Die Regierung sprach von einer beispiellosen Katastrophe. James Garvin, Chefwissenschaftler am Goddard Space Flight Center der NASA, sagte, die Kraft des Ausbruchs werde auf das Äquivalent von fünf bis zehn Megatonnen TNT geschätzt, oder mehr als das 500-fache der Atombombe von Hiroshima.

Nach Angaben des neuseeländischen Außenministeriums hat Tonga die Ankunft der Marineschiffe Aotearoa und Wellington in der bisher coronafreien Nation genehmigt, nachdem es zuvor Bedenken hinsichtlich der Hilfsmaßnahmen aus Furcht vor einem möglichen Ausbruch des Virus dadurch gab. Simon Griffiths, Kapitän der Aotearoa, sagte, sein Schiff habe neben anderen Vorräten 250.000 Liter Wasser an Bord und könne 70.000 weitere Liter pro Tag produzieren. “Für die Menschen in Tonga sind wir jetzt mit einer ganzen Menge Wasser auf dem Weg.”

Tongaische Gemeinden im Ausland haben Bilder von Familien auf Facebook gepostet, die einen Einblick in die Verwüstung geben. Sie zeigen zerstörte Häuser, umgestürzte Bäume, rissige Straßen und Bürgersteige – alles ist mit grauer Asche bedeckt. Der Archipel besteht aus 176 Inseln, von denen 36 bewohnt sind. Rund 105.000 Menschen leben dort. Der internationale Flughafen Fua’amotu wurde durch den Tsunami nicht beschädigt, wurde aber mit Asche bedeckt, die von Hand weggeräumt werden muss.

Hilfsflüge aus Neuseeland und Australien könnten am Donnerstag beginnen. Australiens Ministerpräsident Scott Morrison erklärte, zwei Hercules-Flugzeuge stünden bereit, Hilfsgüter und Telekommunikationsausrüstung zu transportieren, “sobald die Bedingungen dies zulassen”. Australien und Neuseeland haben neben Notlieferungen auch sofortige finanzielle Hilfe zugesagt. Die US-Agentur für internationale Entwicklung bewilligte 100.000 Dollar an Soforthilfe, Japan will mehr als eine Million Dollar sowie Trinkwasser und Ausrüstung zur Entfernung von Asche bereitstellen.

Die Asiatische Entwicklungsbank klärt derzeit, ob Tonga den Notstand ausruft, damit es auf Finanzierungsmöglichkeiten für den Katastrophenfall von zehn Millionen Dollar zurückgreifen kann. Andere Länder und Organisationen, einschließlich der Vereinten Nationen, arbeiten ebenfalls Hilfspläne aus. China will Hilfe schicken, einschließlich Wasser und Lebensmittel, wenn der Flughafen von Tonga wieder eröffnet wird.

Das Land ist weitgehend von der Kommunikation abgeschnitten, da durch den Vulkanausbruch das einzige Unterseekabel beschädigt wurde und es wahrscheinlich einen Monat oder länger dauern wird, um es zu reparieren. Ein Spezialschiff soll am Wochenende von Port Moresby aus zu einer Reparaturfahrt aufbrechen, hieß es vom Kabeleigentümer Tonga Cable. Der internationale Mobilfunkanbieter Digicel erklärte, über seinen Dienst könnte zumindest wieder ins Ausland telefoniert werden.

Netzbetreiber Amprion sieht begrenzten Bedarf an neuen Gaskraftwerken

(Stellt in der Meldung von Dienstag, 18. Januar, im zweiten Satz klar, dass Amprion den Szenariorahmen der Netzbetreiber zitiert, nicht eigene Planungen)

– von Vera Eckert und Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

Frankfurt/Düsseldorf (Reuters) – Der Netzbetreiber Amprion hält nach den Worten seines Vorstandschefs Hans-Jürgen Brick den Bedarf an zusätzlichen Gaskraftwerken in der Energiewende für überschaubar. Laut dem Szenariorahmen für den Netzentwicklungsplan 2037 der vier großen Übertragungsnetzbetreiber gehe man von zusätzlichen Gaskraftwerken mit einer Leistung von zwölf Gigawatt insgesamt aus, sagte Brick der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des “Handelsblatt Energiegipfels 2022”. “Es ist noch genug Zeit da.” Die Bundesregierung will mit den neuen Anlagen den Übergang zu einer klimaneutralen Stromproduktion absichern.

Deutschland will bis 2030 den Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie am gesamten Bedarf auf 80 Prozent erhöhen. Dies soll dazu beitragen, den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids um 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Strom lässt sich bislang nur in einem begrenztem Maße speichern. Daher muss die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne abgesichert werden, um die Netze jederzeit im Gleichgewicht zu halten.

Auf der Konferenz hatten Vertreter der Energiewirtschaft den zusätzlichen Bedarf an Gaskraftwerksleistung bis 2030 auf 20 bis 40 Gigawatt beziffert. Dies entspricht einer Leistung von bis zu 40 Atomkraftwerken. Ein durchschnittlicher Gaskraftwerksblock verfügt über eine Leistung von rund 400 Megawatt.

E.ON-Chef Leonhard Birnbaum warnte davor, dass die zurzeit noch kontrovers diskutierten EU-Taxonomie-Pläne für die Energieinfrastruktur, die die Nachhaltigkeit von Investitionen auch in Gaskraftwerke bewerten soll, den Bau neuer Anlagen gefährden könne. Dies sei eine Gefahr für die Stromversorgung der Industrie und damit für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft insgesamt.

Brick verwies auf die Erfahrung der großen Netzbetreiber im Umgang mit Schwankungen im System. Die Netzbetreiber seien dank verbesserter Prozesse und neuem Equipments mit großen Herausforderungen fertiggeworden. Im Februar vergangenen Jahres hätte die deutsche Wind- und Sonneneinspeisung wetterbedingt einmal an einem Tag nur 342 Megawatt betragen, was der Stromproduktion eines kleinen Gaskraftwerk entspricht. An einem anderen Tag zwei Monate später sei der Wert auf 74 Gigawatt nach oben geschossen. Auch dies hätten die vier Übertragungsnetzbetreiber Amprion, 50Hertz, Tennet und TransnetBW im Griff gehabt. An Amprion hält der größte deutsche Stromerzeuger RWE rund 25 Prozent.

Stärkste Inflation seit 1992 – Nahrungsmittel werden teurer

Berlin (Reuters) – Die Inflation in Deutschland hat sich zum Jahresausklang 2021 auch wegen teurer Nahrungsmittel nochmals beschleunigt.

Die Preise für Waren und Dienstleistungen kletterten im Dezember um durchschnittlich 5,3 Prozent zum Vorjahresmonat und damit so stark wie seit 1992 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch bestätigte. Im November lag die Teuerungsrate noch bei 5,2 Prozent. Viele Experten gehen davon aus, dass der Inflations-Gipfel damit erreicht ist. Allerdings müssen sich Verbraucher wie Unternehmen auf anhaltende Preiserhöhungen einstellen. “Die Inflation erfasst global immer mehr Gütergruppen” sagte Volkswirt Holger Brauer von Nomura Asset Management. “Gleichzeitig scheint sich eine Normalisierung immer weiter in die Zukunft zu verlagern.”

Das Barometer für Preiserwartungen fiel im Dezember kaum und blieb damit nur minimal unter dem Rekordstand vom November, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage mitteilte. Dabei wurden Firmen nach ihren Plänen für Preiserhöhungen in den kommenden drei Monaten befragt. “Das wird bis auf die Verbraucherpreise durchschlagen”, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. “Die Inflation wird im Verlauf dieses Jahres nur langsam zurückgehen.”

RISIKO ENERGIEPREISE DURCH KONFLIKT RUSSLAND/UKRAINE

In den kommenden Monaten dürfte die Teuerungsrate über vier Prozent liegen und sich erst gegen Ende 2022 allmählich der Zwei-Prozent-Marke nähern, erwartet das Ifo-Institut. Für das Gesamtjahr sei mit einer Rate von etwa dreieinhalb Prozent zu rechnen, nach 3,1 Prozent im abgelaufenen Jahr. “Risiken für die Inflation bleiben allerdings ein neuer Energiepreisschock, der sich etwa aus einer Zuspitzung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine ergeben könnte”, warnte Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen IMK-Institut.

Die Energiepreise zogen im Dezember um 18,3 Prozent an. “Hier wirkten sich zusätzlich die CO2-Bepreisung und die Rohstoffpreisentwicklung aus”, erklärten die Statistiker. Leichtes Heizöl verteuerte sich mit 61,0 Prozent besonders stark, ebenso Kraftstoffe mit 33,8 Prozent. Nahrungsmittel kosteten im Schnitt 6,0 Prozent mehr. “Teurer wurde vor allem Gemüse”, hieß es. Dafür wurden 9,9 Prozent mehr verlangt als im Dezember 2020. Bei Bekleidung und Schuhen lag das Plus bei 5,5 Prozent, während Nettokaltmieten um 1,5 Prozent zulegten.

Für Januar erwarten die meisten Fachleute einen Rückgang – auch wegen eines Statistikeffekts. Denn die Preise werden dann nicht mehr mit jenen aus dem zweiten Halbjahr 2020 verglichen, als die Mehrwertsteuer wegen der Corona-Krise zeitweise von 19 auf 16 Prozent gesenkt wurde. Einige Experten sehen die Gefahr, dass die Inflation auch in Europa ein hartnäckiges Problem wird. Das würde die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck setzen, die eine Teuerungsrate von zwei Prozent als ideal für die Wirtschaft erachtet. Ihre Präsidentin Christine Lagarde hat dennoch Zinserhöhungen für dieses Jahr bislang ausgeschlossen.

In Großbritannien hat die Notenbank BoE bereits die Zinswende eingeläutet und jüngst die Geldpolitik gestrafft. Die britische Inflation kletterte im Dezember unerwartet stark auf 5,4 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit März 1992. Die Finanzmärkte sehen nun eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank die Zinsen am 3. Februar weiter erhöht.